Mittwoch, Mai 02, 2012

Gewerkelungen März-April

Es wird mal wieder Zeit, meine Gewerkelungen vorzustellen. Leider geht's noch immer etwas langsam voran - aber es wird besser, immerhin!

 

Oben rechts ist eine Detailaufnahme zu der gehäkelten Tischdecke unten, zweites Bild von links. Rechts daneben und direkt darunter die zwei frischbezogenen Seiten meines Zeitschriften-Ständers. Der ist schon etwas in die Jahre gekommen, da war ein bisschen renovieren angesagt. Die Lackschicht war so dick drauf, dass ich die ordentlich abschmirgeln konnte und trotzdem noch genügend über war. Nur die Seitenteile waren schon etwas aufgesprungen, daher gab es hier Deko in Form von (dickerem) Geschenkpapier. Geklebt alles mit Potch, außerdem komplett (in Einzelteile zerlegt) alles dreimal überstrichen. (Wg. Abfärbe-Gefahr: s. ganz unten) Sollte jetzt wieder ein paar Jährchen gut aussehn.

Unter der Detailaufnahme wieder mal Papierperlen, darunter ein Regenbogen-Häkeltäschen in der Vorder- und Rückansicht. Mittlerweile hat es noch eine Kordel zum Zuziehen bekommen, deren Enden rechts und links unten befestigt sind - eine Art Mini-Rucksack.

Zwischen Papierperlen und Zeitschriften-Ständer ein runderneuerter Kratzbaum-Stamm. Dazu haben wir uns Sisal-Seil besorgt, das ich unermüdlich straff gezogen um den Stamm gewunden habe. Das alte Seil war abgewetzt und durch, da war nix mehr mit kratzen. Befestigt habe ich es mit Heißklebepistole, was gut funktioniert und wirklich gut hält. Zuerst dachte ich an Klammern, aber die, die wir haben, sind leider zu kurz.

Darunter wiederum meine neueste Strick-Sucht: Hexagon-Stricken. Die Anleitung samt Video gibt es bei nadelspiel.com - aber vorsicht: echt hoher Suchtfaktor! Das Teil ist inzwischen ein gutes Stück gewachsen.

Unten links ist das aufgewickelt und verstrickt, was oben noch auf der Leine hängt: Wolle gefärbt mit Ostereierfarben. Ist recht gut geworden, nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Wolle so schnell aufsaugt. (Und trotzdem noch genügend übrigt lässt, um meine Finger zu färben...)

Direkt darunter ein bisschen gesponnen, nur zufällig ebenfalls grün. Nochmal darunter ein gehäkelter Fußabtreter. Gehäkelt sind auch die Socken rechts oben. Darunter selbstgesponnen und -gestrickt ein Lochtuch. Leider war die Wolle doch etwas zu wenig, deshalb ist es schon wieder aufgetrennt. Darunter ein gehäkelter Bezug für eine Decke, die genau in eine Katzenkiste passt. Schließlich mögen es die Schnurgels ja gerne bequem. :)

Unten rechts im Eck nochmal gebastelt: Unser Tablett wollte ebenfalls runderneuert werden, also auch hier geschmirgelt, dann mit beige-braun grundiert. Auf die Stellfläche mit Tapetenkleister Geschenkpapier geklebt und komplett alles einmal mit Tapetenkleister überzogen und trocknen lassen. Erst danach drei Schichten Potch als "Lack". Warum erst Tapetenkleister? Weil der der Farbe vom Geschenkpapier nichts anhaben kann (warum auch immer), der Potch verschmiert schon mal gerne, wie ich feststellen durfte. Mit der Zwischenschicht aus Tapetenkleister klappt das aber wunderbar - nix verschmiert mehr und das Teil ist am Ende eben doch wischfest.

Geschrieben von Zauberweib am Mittwoch, Mai 02, 2012 ~ Schublade: SelbstGemacht
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Montag, März 12, 2012

Arschtritt

Solche Kraftausdrücke gibt es hier normalerweise nicht - damit meine ich das gleichnamige Buch des Journalisten Holger Senzel. Untertitel: "Mein Weg aus der Depression zurück ins Leben" (Amazon-Link)

Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal gemacht habe - einen ganzen Sonntag nur gelesen. Ein ganzes Buch in einem Rutsch durchgelesen. Das war gleich ein doppeltes Vergnügen für mich: der wundervolle Faulbärsonntag und das wundervoll geschriebene Buch. Es beginnt mit seinem 47. Geburtstag, als er erkennt, dass er auf bestem Weg in die nächste Depression ist. Immerhin: Er hat es erkannt! Und da ist ihm klar geworden: Zehn Jahre Therapie konnten es nicht verhindern, dass es schon wieder passiert, droht zu passieren. Sprich: Das ganze Wühlen in seiner Seele hat nix geholfen. Also hat er sich gedacht, dann probier ich es halt andersrum: Ich packe meine Tage derart voll, dass ich gar keine Zeit habe, über meine Gefühle und Befindlichkeiten nachzudenken.

Er hat sich hingesetzt und ein straffes 28-Tage-Programm ausgearbeitet, hat sorgsam Kategorien erfunden (Haushalt, Kultur, Job, Fitness, ...) und sich gründlich informiert und vorbereitet: Öffnungszeiten von Fitness-Studios, Spielpläne vom Theater, Bücherlisten, sich ein Kochbuch zugelegt, sowas alles. Und alles minutiös in Häppchen und Happen in seinen Kalender eingetragen. Und er hat einen Vertrag mit sich gemacht, in welchem er sich u.a. verpflichtet, auf Tabak, Kaffee und Alkohol zu verzichten, Sport zu treiben, TV und Internet (sofern nicht dienstlich) aus zu lassen, Haushalt zu erledigen - und: Bei Verstößen beginnt diese Selbstverpflichtung von Neuem für volle 28 Tage.

Er ist also vom interesse- und antriebslosen Couchpotatoe ins genaue Gegenteil gegangen: Flucht nach vorne. Er schreibt eine Art Tagebuch, aber darin erzählt er auch längere Passagen von seinem Leben, was ihn alles geprägt hat, was er alles gemacht hat, so dass das Ganze richtig rund wird. Er hat sich einen "inneren Drillseargent" zugelegt, an den er das Kommando abgegeben hat. Angefangen hat er häufiger, bis er mal bei Tag 5 (nach dem x.ten Tag 1) angekommen war. Dann ging es gut - bis Tag 26. Zwei Tage vor Schluss ist er eingeknickt. Job versaut. Alten Freund getroffen. Nacht versoffen. Bumms. Es wurde nicht so ganz klar, aber irgendwie glaube ich, war ihm das ganz recht, dass er jetzt wieder von vorne anfangen "durfte" und weitere vier Wochen verplant hatte. Sich um nichts weiter Gedanken machen musste, außer sein Tagwerk zu erledigen. Seine Omi war ihm da ein großes Vorbild, die spielt - wenn auch längst verstorben - eine wichtige Rolle in dem Abenteuer. Seite an Seite mit dem Drillseargent. *g*

Es endet mit seinem 50. Geburtstag, den er mit seiner (neuen - endlich!) Frau in New York feiert. Er hat es nach insgesamt 88 Tagen damals dann doch geschafft, die 28 Tage am Stück durchzuziehen. Das war ihm von vorneherein klar: Wurscht, wie viele Anläufe er brauchte - er würde nicht aufgeben, bis er es geschafft hatte. Punkt. Und so hat es auch geklappt. Also, schon beeindruckend! Er schreibt auch weiter, dass ihn das positiv verändert hat, weil sich sein Blickwinkel dadurch verändert hat - der Blick auf das Wesentliche. Wenn die großen Aufgaben zu groß sind - dann fang doch wenigstens mal mit den kleinen an. Dieser unzählige Kleinkram aus Knöpfen, die angenäht werden müssen, die Steuerklärung, den Handwerker rufen, undundund. Lästige Dinge, die man gern schiebt - aber eigentlich tut man das nicht einmal, weil sie halt doch dauernd in der Luft hängen, irgendwie. Und das braucht unglaublich viel Energie - ich kann das sowas von unterschreiben!

Da hat er auch das Beispiel vom New Yorker Bürgermeister gebracht, der für New York ja ein sehr ähnliches Programm auf die Beine gestellt hatte: Wenn die großen Problem wie Gangs, Drogen, Einbrüche, Überfälle nicht zu bewältigen sind - dann gehen wir halt wenigstens und konsequent die kleinen an: Zerbrochen Glasscheiben werden umgehend ersetzt. Wer welche kaputt macht, wird verhaftet. Schwarzfahrer und Graffiti-Sprayer werden verhaftet. Der ganze Kleinscheiß halt. Und wunderbarer Weise hat das gewirkt! Inzwischen können in den Parks wieder Kinder spielen und auch nachts ohne mulmiges Gefühl betreten werden.

Und er hat auch erzählt, dass das Leben nicht immer FriedeFreudeEierkuchen ist. Dass man halt manchmal Durchhänger hat, dass das ganz normal ist und kein Grund, in eine tiefe Depression abzudriften. Und dass er ja zum Glück ein gutes Mittel an der Hand hat, dem im Fall des Falles entschlossen entgegen zu treten: Dann wird sein 28-Tage-Programm halt mal wieder durchgezogen. Er schreibt aber auch zum Schluss klar und deutlich:

... nicht, dass Therapien von vornherein nutzlos sind, sondern dass jeder Mensch in unseres Herrgotts großem, bunten Garten anders tickt und die menschliche Psyche zu komplex ist, um sie in Schubladen zu stecken, und jeder am Ende seinen Weg selbst finden muss.

Mein Fazit: Genau das richtige Buch für einen verregneten Sonntagnachmittag. Es liest sich launig und gut, er beschönigt nichts, erzählt offen und reflektiert. Und es ist ein Plädoyer dafür, dass jede/r sich selber der beste Arzt, die beste Therapeutin sein muss (sollte), wenn der Weg zur Gesundheit klappen soll.

Und 'ne nette Anekdote noch: Als Lech Walesa auf Besuch in England bei Maggie Thatcher war, stellte er fest: "I think, I've to polish my English." Woraufhin die eiserne Lady spitz bemerkte: "I think, your English is polish enough." *gg* Ich liebe Sprachwitz!

Geschrieben von Zauberweib am Montag, März 12, 2012 ~ Schublade: QuerGelesen
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