Sonntag, März 20, 2011
Uzume
Der Mythos um Uzume lässt sich schnell erzählen:
Es war einmal eine japanische Sonnengöttin - eher die japanische Sonnengöttin - namens Amaterasu. Die hat sich mit ihren Götterbrüdern ziemlich gestritten, woraufhin sich Amaterasu beleidigt, gekränkt, verärgert in eine Höhle zurückgezogen hat. Das war insofern blöd, da mit ihr auch die Sonne von der Bildfläche verschwunden war. Nicht nur die Menschen, auch die Götter reagierten darauf teils wütend, teils besorgt wegen dem Ausbleiben der Ernte. Das war für die Menschen nicht gut, und wenn die grantig waren, war das für die Götter auch nicht gut. Denen wurde doch schließlich die Schuld für alles zugeschrieben...
Also machten sich ein paar hundert der nächsten Götterverwandten Amaterasus auf, um sie aus ihrer Höhle wieder herauszulocken. Sie versuchten es mit Bitten und Flehen und Drohen und Bestechen - alles, was ihnen einfiel. Nichts. Keine Chance.
Und jetzt kommt endlich Uzume auf den Plan - um die es hier doch eigentlich geht. Die hat schnell gemerkt, dass die herkömmlichen Methoden hier nicht fruchten. Genügend Publikum war vorhanden, also hat sie angefangen zu tanzen. Das darf eine sich jetzt nicht wie einen orientalischen Schleiertanz vorstellen, sondern eher... schräg. Anrüchig. Komisch. Eine fette Alte, die ihre Quarktaschen-Hängebrüste links und rechts über die Schultern wirft, deren Bauchfalten wabbeln und schwingen, und die ihre Schamlippen "sprechen" lässt: versaute Witze, anrüchige "Angebote" an die Umstehenden - eine gelungene, "böööööse" Parodie der Amaterasu. ;)
Es dauerte nicht lange, bis die Umstehenden lachten und gröhlten, immer näher um sie drängelten, sie anfeuerten, klatschten, damit der verrückt-frivole Tanz der Uzume immer weiter gehen möge. An den eigentlichen Grund ihres Hierseins dachte niemand mehr und Amaterasu merkte in ihrer Höhle, dass da draußen etwas nicht stimmte. Jemand huschte grad an Höhleneingang vorbei, und als die Sonnengöttin aus ihrem Versteck heraus fragte, was denn los sei, meinte der, dass sich keiner mehr um sie schere, sie hätten jetzt eine viel bessere Göttin, die sie wenigstens zum Lachen brachte.
Amaterasu war über diese Nachricht ziemlich unglücklich, außerdem war sie neugierig. Wer war das? Welche ihrer Schwestern und Götterverwandten war in der Lage, sie - die Sonnengöttin! - zu übertrumpfen? Selbstverständlich musste sie sich das ansehen!
Genau darauf hatte Uzume gesetzt. Sobald sie auch nur den Hauch einer Bewegung im Höhlenbereich ahnte, war sie schon zur Stelle. Und als Amaterasu nach draußen trat, sah sie zuerst - sich selber! Denn Uzume hatte ihr einen Spiegel vorgehalten - Amaterasu war gebannt, begeistert von ihrer strahlenden Schönheit. Diese Gelegenheit wiederum nutzten einige andere, um den Höhleneingang zu verrammeln.
Die Sonne war zurück auf der Erde. Uzume hatte auf ihre ganz ureigene Art das Unmögliche geschafft.
~*oOo*~
Soweit die Geschichte. Erinnert seht an den Persephone-Demeter-Mythos. Dort war es die Göttin Baubo (s.u.), die Demeter wieder zum Lachen brachte, so dass sie neuen Kraft schöpfen konnte, um ihrer Tochter in der Unterwelt zu finden und zu befreien. Im Prinzip dieselbe Geschichte.
Was lernen wir daraus? Dass die Fähigkeit zu Lachen uns niemals abhanden kommen sollte. Dass wir immer in der Lage sein sollten, über uns selber lachen zu können. Und dass es bei genauer Betrachtung jeder Situation etwas Komisches abzugewinnen gibt.
Uzume begleitet mich schon sehr lange. Sie war es auch, die mich vor einigen Jahren etwas sehr Wichtiges hat wiederfinden lassen: meinen Optimismus! Seitdem ist sie für mich die Göttin des Zufalls, des Lachens, des Optimismus' und natürlich des Humors. Nach Luisa Francia (s.u.) ist sie (auch) die Göttin der Lust und der Leidenschaft. Wenn das nicht nur aufs Sexuelle begrenzt gemeint ist, stimme ich dem uneingeschränkt zu. Lachen befreit, erlöst, schafft eine ganz neue Atmosphäre. Lachen ist Magie, starke, gute Medizin. So ist es nicht unangemessen, Uzume auch als Schamanengöttin zu sehen.
Uzume hat als Planetenpatin des Uranus einen Stammplatz in meinem persönlichen "Göttinnenpantheon" erhalten.
Mehr zu Uzume findest du hier:
- Amy Sophia Marashinsky: Göttinnen-Geflüster : Buch mit Orakel-Karten (Amazon-Link)
- Luisa Francia: Eine Göttin für jeden Tag (Amazon-Link - leider nur noch gebraucht und sehr teuer)
- Ama no Uzume auf artedea.net (Direktlink)
- Die Göttin Baubo im Schlangengesang Nr. 14 (Direktlink)
Noch mehr Göttinnen findest du hier im Archiv.
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Mittwoch, Februar 09, 2011
Eine Frage der Definition
Anstoß zu diesem Beitrag hat mir das Buch StoryPower von Vera
F. Birkenbihl gegeben (Link
zu Amazon).
Darin stellt sie u.a. die Aufgabe: "Definieren Sie Materie!"
Mit dieser für mich hervorragend gewählten Aufgabe war ich wirklich
gefordert. Materie - Göddin, das kann alles sein! Bei Materie
denke ich an die vier Elemente bzw. an Erde, an alles Materielle, an
Besitz, an Hab und Gut, an Geld, Gold, sorgenfreies Leben. Bei Materie
denke ich aber auch an den Spruch "In die Materie (tiefer) eintauchen"
bzw. "Ahnung von der Materie haben" - also sich in einem bestimmten
Fachgebiet besonders gut auskennen bzw. einarbeiten. Ich denke aber auch
an das Weltall, schwarze Löcher, kleinste Teilchen, denke weiter an Material...
und das ist jeweils nur klitzkleiner Ausschnitt dessen, was mir zu Materie
einfällt.
Wie soll ich also Materie definieren? Ich brauch einen Bezugspunkt: In welchem Zusammehang ist es denn gemeint? In der Naturwissenschaft wird Materie sicher anders definiert als in der Philosophie. Und damit komme ich auf das Problem, auf das Frau Birkenbihl mit ihrer Frage aufmerksam machen wollte: Eine Definition ist keine allgemeingültige Wahrheit.
Ich erinnere mich an meine Schulzeit. In nahezu allen Fächern gab es für alles Mögliche Definitionen. Wir wurden im Allgemeinen dazu angehalten, die Definition, die uns diktiert oder an der Tafel vorgeschrieben (!) wurde, in unseren Heften dick zu umranden, besonders hervorzuheben. Und wir taten gut daran, solche Definitionen bis zur nächsten Unterrichtsstunde auswendig zu lernen. Denn wir konnten davon ausgehen, dass dies mündlich abgefragt werden würde - leicht verdiente Einser.
So haben wir mehr oder weniger unterschwellig in der Schule gelernt, dass eine Definition per Definition eine allgemeingültige Wahrheit beschreibt. Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, wo uns gesagt wurde, wer diese Definition aufgestellt hätte und zu welchem Zweck, mit welcher Absicht, mit welchem Hintergrund.
Heute finde ich das ziemlich absurd. Ok, bei manchen Gelegenheiten mag das schon stimmen. z.B. "Der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in der Bundesrepublik Deutschland erbracht worden sind." Zu meiner Zeit war das die Definition von Bruttosozialprodukt. Heute nennt sich das Bruttoinlandsprodukt. Daran zeigt sich, dass es eben doch nicht die immerwährende Wahrheit ist.
Mathematik ist ein gutes Beispiel für "wahre" Definitionen. 1 + 1 = 2. Das wird mir weltweit bestätigt. Das weiß ein Straßenkind in Südamerika genauso wie der Dalai Lama. Das hatte im Antiken Griechenland genauso Gültigkeit, wie es Captain Picard in ein paar Jahrhunderten noch bestätigen wird :)
Was mir schon länger aufgefallen ist, dass ich für manche Begriffe meine eigene Definition habe. Die sich von der "allgemein gültigen" manchmal nur ein klein wenig unterscheidet, manchmal auch etwas mehr. So verwende ich z.B. den englischen Begriff "Power", wenn ich damit sowohl Macht als auch Stärke/Befähigung umschreiben will. Und "Toleranz" würde ich mit dem Satz formulieren: "Ich find's scheiße, was du tust, aber mach ruhig weiter." Deshalb halte ich auch nicht viel von Toleranz. Ich halte es da mehr mit Akzeptanz: Mein Gegenüber so anzunehmen/anzuerkennen, wie es ist.
Bei Wikipedia werde ich unter dem Begriff Definitionslehre fündig. Allerdings ist das auch nichts, was sich mal eben bei ner Tasse Cappucchino nebenbei schnell durchlesen (und begreifen) lässt.
Erstaunlich, was diese drei Worte "Definieren Sie Materie" an Gedanken in Bewegung gesetzt haben. Ich komme für mich zu dem Schluss, dass "Definition" zunächst einmal nichts weiter ist als ein "Glaubenssatz". Mag sein, dass dieser Glaubenssatz einem genaueren Hinsehen, Überprüfen, Hinterfragen standhält. Dann würde ich es als Definition durchgehen lassen. Doch mindestens genauso oft ist das eben nicht der Fall. Oder eben nur innerhalb eines festen Bezugsrahmens. Dann ist es aber wieder nicht allgemeingültig, nach meinem Verständnis also keine Definition.
Viel interessanter finde ich die Übersetzung "Glaubenssatz". Wenn es draußen kalt ist, regnet, den ganzen Tag nicht richtig hell wird, wird das im Allgmeinen als "schlechtes Wetter" bezeichnet. Man könnte auch sagen: definiert. Wenn ich aber eh vor hatte, an diesem Tag meine Steuererklärung zu machen, kommt mir das Wetter doch eigentlich sehr entgegen. Welches Wetter würde sich denn besser für mein Vorhaben eignen, als genau dieses? Wäre es in diesem Fall nicht eher angebracht, von "optimalem Wetter" zu reden? Auch hier spielt wieder der Bezugsrahmen die entscheidende Rolle.
Frau Birkenbihl hat mir mit ihrer kleinen Aufgabe einen großen Dienst erwiesen. Denn nun habe ich einen Anker gesetzt. Wann immer das Wort "Definition" auftaucht, werde ich jetzt hellhörig: Wer sagt das? Warum? Mit welchem Hintergrund? Jedenfalls wird mich das Wort nicht mehr ehrfürchtig erstarren lassen: Achso, das ist die Definition... na dann... Jetzt tauchen zunächst eine Reihe von Fragen auf, anhand derer die "Definition" abgeklopft wird. Hält sie stand, ist es akzeptiert. Tut sie es nicht - war's ja gut, dass ich nachgehakt habe.
Und wie ist das mit den eigenen "Definitionen"? Den Glaubenssätzen? Ich denke, wir tun gut daran, diese ebenfalls aufzuspüren und zu hinterfragen. "Immer mache ich alles falsch!" - Der Satz enthält gleich zwei Wörter, an denen sich Glaubenssätze identifizieren lassen: immer und alles. Gerne verwendet wird auch "Nie gelingt mir etwas." Und ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass keiner der beiden Sätze wahr ist. Niemand macht immer alles falsch. Und jedem Menschen ist irgendwann einmal schon etwas gelungen.
Doch damit ergibt sich schon wieder ein neues Themas. Wenn du mehr darüber lesen willst, bemühe eine Suchmaschine, da wirst du auf jeden Fall fündig werden. Das oben erwähnte Buch von Frau Birkenbihl will ich abschließend noch wärmstens empfehlen.
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Samstag, Oktober 09, 2010
Medizinrad-Erdrad-Decke
Schon einige Jahre hab ich die Idee im Hinterkopf, mir irgendwie mal ein Medizinrad - oder: Erdrad - zu "basteln". Genau das war immer das Problem. Der Garten ist zu klein, um dort eins anzulegen. Und für die Wand? Malen? Oder aus verschiedenen Materialien basteln? Die richtige Inspiration hat einfach noch gefehlt.
Bis jetzt :)
Klar, ans Nähen hatte ich schon gedacht, aber das Rundnähen war mir nicht so geheuer. Bis ich die passende Methode gefunden habe: Einfach die zwei Lagen zusammennähen, den Deckenstoff ausscheiden und die Ränder innen und außen festsäumen. Eine etwas ausführlichere Beschreibung gibts beim Magischen Basteln.
Mein Erdrad besteht aus drei konzentrischen Kreisen und den vier Richtungen. Die hab ich in den jeweiligen Richtungs-Farben appliziert (kleine Stofffitzelchen). Für die Kreise habe ich kieselsteingrau-gemusterten Stoff genommen.
Der innere Kreis hat vier Markierungspunkte für die vier Elemente, vier Richtungen: Osten-Luft (gelb), Süden-Feuer (rot), Westen-Wasser (blau), Norden-Erde (grün). Zusammen mit den Pfaden/Richtungen ergibt sich hieraus auch das Erd-Zeichen.
Der mittlere Kreis besteht aus acht Markierungspunkten für die Jahresfeste: Ostara (orange), Beltane (rosa), SSW (rot), Lammas (lila), Mabon (blau), Samhain (türkis), WSW (grün), Imbolc (gelb). Zusammen mit dem inneren Kreis ergibt sich hieraus auch das Sonnen-Zeichen.
Im äußeren Kreis sind zwölf Punkte analog zu den Tierkreiszeichen angeordnet. Ich hab mich zwar einige Zeit mit dem Indianischen Horoskop beschäftigt, hab aber festgestellt, dass mir unsere Astrologie einfach doch näher steht. Allerdings geht die Runde hier natürlich andersrum: Auf der Erde liegt der Osten (Widder) rechts und Westen (Waage) links. Für die Farbverteilung hab ich mich von sehr persönlichen Verbindungen zu den jeweiligen Zeichen und zugehörigen Planeten leiten lassen - und natürlich von dem, was an Auswahl vorhanden war :)
Die fertige Decke hat einen Durchmesser von ca. 150 cm, die bunten Kreispunkte ca. 10 cm. Nun wurde ich schon gefragt, wie denn damit gearbeitet werden kann? Die Frage hat mich erst einmal überrascht, weil das Erdrad an sich schon eine Menge zum "Bearbeiten" enthält. Der Vergleich mit dem Lebensbaum - sei es der jüdische (Kabbala) oder der nordische Weltenbaum Yggdrasil bietet sich an.
Auch hier gibt es verschiedene "Welten" (4, 8 und 12) auf drei Ebenen verteilt. Jede einzelne der Welten bzw. Punkte/Steine - eben die bunten Kreise - hat eine eigene Bedeutung, die wiederum mit den anderen auch über die Ebenen hinweg in Beziehung stehen. In der Astrologie ist außerdem jedem Tierkreis ein bestimmter Planet zugeteilt. Ok, da sind einige doppelt, aber ich habe meine eigene Zuordnung gefunden:
Widder-Mars, Stier-Venus, Zwilling-Merkur, Krebs-Mond, Löwe-Lilith, Jungfrau-Chiron, Waage-Mondknoten, Skorpion-Pluto, Schütze-Jupiter, Steinbock-Saturn, Wassermann-Uranus und Fische-Neptun. Die Sonne bleibt dabei unzugeordnet, sie liegt in der Mitte. Zu den Planeten werde ich in einem anderen Beitrag mehr schreiben. Die hier abgebildeten Kärtchen zeigen Mandalas aus den astrologischen Planeten-Symbolen - mit Ausnahme der Sonne. Ein Kreis lässt sich nicht perfektionieren :)
Schon bei der Arbeit an der Decke ist mir aufgefallen, dass es sich ausgerechnet um 24 Punkte handelt. Runen! Mit entsprechend großen Runen"Steinen" ist das also auch eine gute Orakelvorlage. Da dürfen Runen mal wirklich geworfen werden! *g* Die Bedeutung ergibt sich anhand der Richtungen/Elemente. Also in Bezug auf Geist (Osten: Imbolc-Beltane), Kraft/Energie (Süden: Beltane-Lammas), Emotionen (Westen: Lammas-Samhain) und Körper/Materie (Norden: Samhain-Imbolc). Je weiter die Runen zur Mitte liegen, desto wichtiger ist die Bedeutung. Wenn welche außerhalb zu liegen kommen, kann das auf etwas hindeuten, das noch auf dich zu kommt, was bisher noch nicht berücksichtigt ist. Kommt eine Rune direkt auf einem Punkt zu liegen, kommt dessen "Wert" besondere Gewichtung zuteil.
Auf dem Bild natürlich dekoriert, nicht geworfen :) Ausreichend groß sind meine "Runen-Kekse" (nicht wirklich Kekse, mein Bruder hat sie mir aus Holz geschnitzt). Allerdings wird bei denen eine neutrale Vorauswahl sehr schwierig und auch der Aspekt des "Aufdeckens" - nämlich wenn ein Runenstein mit der Rückseite nach oben, also verdeckt, zu liegen kommt - fällt hier weg. Aber es macht Spaß, damit zu werfen :)
Aktuell hat die Decke allerdings erst mal nur einen dekorativen Zweck (auch wenn das Foto nicht so klasse ist):
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Donnerstag, September 09, 2010
Runen-Sigill: Licht
Ich mag Wortspielereien - und ich arbeite viel mit Runen. Was liegt da also näher, als beides zu verbinden? Am einfachsten ist es, die Buchstaben eines Wortes in Runen zu übersetzen. Bei dem Wort "Licht" sind das also Laguz, Isa, Kenaz, Hagal, Tyr.
Laguz - fließen. Licht hat die Angewohnheit, sich überall hin
auszubreiten. Anders als Wasser "läuft" es jedoch immer nur in gerader
Linie. Es breitet sich zwar nach allen Richtungen aus, füllt aber keine
Ecken und Winkel aus.
Isa - Standpunkt. Bei Licht betrachtet kannst du besser
feststellen, wo du dich bewegst. Befindest du dich auf sicherem Boden?
Oder jagst du deinem eigenen Schatten hinterher? Wo genau stehst du? Was
wirft seine Schatten voraus? Worauf musst du dich einstellen? Und wie
bist du eingestellt? Licht erhöht den Kontrast (so wie sich in der
Dämmerung die Konturen langsam verwischen). Das bedeutet einerseits,
dass deine Gedanken klarer werden, kann andererseits auch zu Stillstand
(z.B. bei Verhandlungen) führen. Nämlich dann, wenn jede Partei auf dem
eigenen Standpunkt beharrt.
Kenaz - Strahlen. Anders als z.B. Wasser ist Licht nicht so klar
begrenzt. Bei Wasser kannst du genau sagen, wo es aufhört, wo es
anfängt. Doch das Licht strahlt alles an in weitem Umkreis. Sehr gut
sieht man das bei der Dämmerung. Ist es noch dunkel, oder fängt es scho
an, hell zu werden? Genießt du noch das Abendlicht, oder wird es schon
Nacht? Licht ist Strahlung - und manche Strahlen können Materie
durchdringen. Es geht vielleicht kein sichtbares Licht hindurch, doch
"unsichtbar" wirkt es möglicherweise dennoch auf das "bestrahlte" Objekt.
Hagal - Explosion. Licht ist eine gigantische Kraft(quelle), man
denke nur an die Sonne. Mit Laser können die dicksten Granitbrocken
geschnitten werden. So eine Hagal-Explosion kann in Form eines
Feuerwerks wiederum ganz bezaubernd erscheinen. "Ein Gewitter reinigt
die Luft", sagt der Volksmund. Und tatsächlich werden die
atmosphärischen Spannungen bei einem Gewitter durch Blitze abgeleitet.
So dass sich die Luft "ent-spannt".
Tyr - Aktivität. Licht bringt etwas in Bewegung, bringt Dinge
dazu, Schatten zu werfen. Schnell ist es außerdem -
Lichtgeschwindigkeit! Wenn etwas ans Licht kommt, kommt meist auch etwas
ins Rollen. (Sonnen-)Licht hebt außerdem die Stimmung, bringt frischen
Schwung, um Dinge anzugehen, die vielleicht schon länger auf Erledigung
warten. Wellen sind auch Schwünge. Licht breitet sich in Wellen aus. Und
manchmal wird Licht auch zurückgeworfen - reflektiert.
Die Art der Lichtquelle hat Einfluss auf das "Wesen" des Lichtes. So verbreitet Kerzenlicht ruhige, romantische Stimmung, während uns Neonröhren eher an Büros oder Supermärkte denken lassen. Ich musste mich eben beim Tippen regelrecht zwingen, nicht "grelle" vor das Wort "Neonröhren" zu schreiben. Für mich sind beide Begriffe untrennbar verbunden.
Dieses "Wesen" des Lichtes beeinflusst die Atmosphäre und alles, was sich in dem Raum befindet. Dies kann nicht nur durch "hell" und "dunkel" gesteuert werden, sondern auch durch Farben. Rot bringt Wärme in einen Raum, während Blau eher abkühlt. Schwarzlicht bringt Weiß zum Leuchten (und deckt peinlicherweise alle Flecken auf Bluse oder Rock auf).
Soweit meine Gedanken zu den Runen, wie sie zu "Licht" passen. Nebeneffekt: Natürlich muss ich mir Gedanken darüber machen, was ich über "Licht" weiß. Probier das ruhig mal mit anderen Beispielen aus, und staune, was du alles zutage förderst :)
Am besten geht sowas immer schriftlich. Erstens weiß ich dann, was ich mir schon notiert hab und kann meine Gedanken weiterschweifen lassen. Zweitens lese ich mir solche Notizen gerne nach ein, zwei Tagen nochmals durch. Und entdecke meistens weitere Aspekte, Zusammenhänge, die mir erst durchs Nachlesen bewusst wurden.
Nun aber zum Runen-Sigill. Dabei werden die Runen einfach in- und übereinander geschrieben. Das kann neben- oder untereinander oder kreuz und quer sein. Wie es eben am Stimmigsten ist. Für "Licht" hab ich mir das hier überlegt:
Tyr ist klar erkennbar, denke ich, Laguz ist in Tyr sozusagen eh schon enthalten. Ebenso wie Isa - die jedoch auch der Querbalken sein könnte. Also Bild um 90 Grad nach rechts drehen - jetzt werden auch Hagal und Kenaz erkennbar.
Übrigens verwende ich immer die Sternchenform von Hagal. Korrekt im 24er-Futhark wäre eigentlich die H-Form: sieht aus wie ein H, nur dass der kleine Verbindungssteg etwas nach rechts gedreht ist. Mir ist die Sternchen-Form einfach sympathischer.
Ich mag solche Symbole - auch deshalb, weil sie sich wunderbar in einen Quilt einarbeiten lassen :) Auch diese Art der Wortseziererei hat mir schon bei manchem Problem weitergeholfen. Ich versuche dann, das Problem so genau wie möglich zu beschreiben - am besten mit nur einem Begriff - und beleuchte es von allen Seiten. Und meistens finde ich dabei völlig neue Aspekte.
Mehr über Runen auch hier im Archiv.
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Freitag, September 03, 2010
Die Göttin - der Gott - das Göttliche
Ja was denn nun? Mir ist es wie vermutlich sehr vielen in unseren Breitengraden ergangen: Von klein auf habe ich gelernt, dass es Gott gibt. Also: einen. Und der ist - selbstverständlich, natürlich - männlich. Warum es so eifersüchtig heißt, dass man keine anderen Götter haben soll neben ihm, war mir ebenfalls von klein auf schleierhaft - schließlich gibt es doch gar keine anderen Götter?
Nun, das stimmt - und gleichzeitig stimmt es nicht. Doch bevor ich das weiter ausführe, muss ich vorweg schicken: all das stimmt natürlich auch wieder nur für mich. Das ist der Haken an der Sache mit dem Glauben. Du kannst ihn nur für dich selber finden. Auf deinem eigenen Weg. Das kann einer mit etablierten "Reiseführer" wie z.B. der Bibel sein, das kann aber auch ein abenteuerlicher Weg durch den Eso-Dschungel und/oder einem Abstecher zur Psychotherapie oder über eine Krankheit sein.
Ich sehe es so, dass es "das Göttliche" gibt. Das ist für mich einfach Fakt. Dass es Menschen gibt, die das Gegenteil behaupten, macht es für mich nicht weniger wahr. Genausowenig wie ich diese Menschen der Lüge bezichtigen will. Glaube ist Privatsache, ist mit das Intimste, das es im Leben überhaupt gibt. Wer bin ich denn, anderen bei ihrem Glauben oder nicht-Glauben reinreden zu wollen?
Also halte ich fest: es gibt da "etwas", ich nenns der Einfachheit halber mal das All-Es. Eine treffende Bezeichnung, weil "das Göttliche" ja zwangsläufig alles umfassen/beinhalten muss, was war, ist und jemals sein wird. Immer und überall. Über die Grenzen unseres Sonnensystems, unserer Galaxie hinweg. Eben: All-Es! Das, aus dem alles entstanden ist und das, wo alles wieder hingeht.
Damit erübrigt sich an sich die Frage, ob "das Göttliche" männlich oder weiblich ist. Es ist beides, es ist alles und gleichzeitig nichts von all dem. Es kann nicht männlich sein, sonst könnte es das Weibliche nicht erschaffen. Es muss aber sowohl das Eine als auch das Andere sein, weil es beides hervorgebracht hat und bringt. Deshalb ist "das Göttliche" auch pflanzlich, tierisch, mineralisch, menschlich - und all das eben nicht. Weil es all das gebiert - also trägt All-Es auch alles in sich.
So weit, so gut. Aber wirklich verständlich ist dieses All-Es eigentlich nicht. Naja, liegt aber auch in der Natur des Göttlichen - dass es ein bisschen größer ist als wir Menschleins. Zu groß, um wirklich vollends von uns erfasst werden zu können. Das ist einerseits tröstlich zu wissen, dass alles Leben durch dieses All-Es verbunden ist, dass niemand wirklich allein ist. Dass es Geborgenheit gibt.
Manchmal brauchts aber etwas "Greifbares", etwas, das ich begreifen kann. Da hilft dann die Vorstellung eines Gottes, einer Göttin - oder einer ganzen Anzahl davon. Ich sehe diese Personifizierung (kann durchaus auch Tiergestalt sein, oder ein Baum, ein Fluss, ein Berg - All-Es kann schließlich alles sein!) ungefähr so, als würde "das Göttliche" ein Kleid, einen Mantel, ein Gewand überziehen, um für mich in einer bestimmten Situation auf hilfreiche Art sichtbar zu sein.
Da ich selber weiblich bin, ist es für mich realistischer, das All-Es als Göttin zu "sehen", wahr zu nehmen. Und es war schließlich auch SIE, die damals, vor vielen Jahren, plötzlich bei mir im Wohnzimmer stand und mich willkommen geheißen hat. Da war mir auf einmal klar, was bisher in meinem Glauben nicht richtig war.
Inzwischen habe ich viel gelernt. Habe über viele Göttinnen (und Götter) verschiedenster Kulturen und Zeiten gelesen, diskutiert, interpretiert, gefühlt, visualisiert, wahr-genommen. Viele Jahre, in denen ich immer wieder lose Enden aufgehoben habe, weiterverfolgt - um schließlich zu bemerken, dass sie alle denselben Ursprung haben.
So ist es für mich richtig. Bei dir mag das ganz anders sein - dann ist das genauso richtig. Für dich. Das ist wohl die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe. Dass es tatsächlich nur einen Weg zum "Göttlichen" gibt. Nämlich den eigenen. Auch wenn das bedeutet, dass es dann doch wieder mehr als sechs Milliarden Wege gibt. Ist das nicht das eigentlich wunder-volle? Dass "das Göttliche" für jeden Menschen einen ganz individuellen Weg bereit hält, der sich nur wirklich auf den Weg machen will? Ich finde das großartig!
In den ersten Jahren meiner Spiritualitätsfindung hätte ich es nie gewagt, z.B. Isis und Freya gleichzeitig zu rufen. Schließlich gehören sie völlig verschiedenen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen (wenn sich das so sagen lässt) an. Heute weiß ich, dass die beiden viel mehr verbindet, als sie trennen würde. Es ist - ganz vereinfacht gesagt - immer die Göttin, immer das Göttliche. Nur einmal in ägyptischer Tracht und einmal in nordischer. Wenn ich Heilung brauche, bitte ich Inanna um Hilfe. Wenn ich Inspiration brauche, ist Brigid die Göttin meiner Wahl. Die Göttin personifiziert also jeweils einen Teilbereich des All-Es - den Teil, auf den ich mich gerade konzentriere.
Die männlichen Gottheiten habe ich bislang ziemlich ausgeklammert. Das liegt wohl auch daran, dass das Männliche unser Erdenleben hier sowieso schon sehr dominiert. Da finde ich es umso wichtiger, in Sachen Spiritualität auf Weiblichkeit zu setzen. Nicht zuletzt eben auch deshalb, weils mir einfach näher liegt :)
Fazit: das Göttliche ist All-Es. Dem Individuum erscheint es männlich oder weiblich. Als diese oder jene Gottheit. Oder du spürst die göttliche Präsenz ganze einfach beim Spaziergang im Wald. Es ist immer das Selbe.
So sehe ich das zumindest :)
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Samstag, Mai 02, 2009
Futhark-Wandbehang
Endlich ist er fertig - seit über einem halben Jahr habe ich daran gewerkelt:
Am Donnerstag abend hab ich die letzten Stiche gesetzt, und heute früh war es die erste gute Tat meines Mannes, ihn zusammen mit mir aufzuhängen:
Angefangen hats bereits im Sommer letztes Jahr. Nachdem ich mir den Bettbezug genäht hatte, hab ich angefangen, kleine Muster zu erfinden, die auf 18x18cm bequem Platz hatten. Bis ich allerdings soweit war, dass ich darüber schreiben wollte, war das Midget-Fieber ausgebrochen - da konnte ich mit meinen geradezu Riesenteilen ja nicht mehr gegen anstinken. *g*
Aber ich hab dennoch weitergemacht - was ich aus all den Teilen, die schon fertig sind, und die, die noch fertig werden wollen, machen will, weiß ich allerdings noch nicht. Zwischendrin wollte ich "was anderes" machen und hab mir überlegt, ob und wie sich Runen paperpatchen lassen. Es ging sehr gut! Ich hab mir Rastervorlagen ausgedruckt und die Teile für die jeweilige Rune per Hand eingezeichnet. Und ich hab auch daran gedacht, dass es bei einigen Runen spiegelverkehrt sein muss.
Irgendwann war die heiße Patch-/Näh-Phase erst mal vorbei und alle Teile wanderten nach oben ins Bastelzimmer. Bis ich um das Jahresende herum unbedingt ein "Projekt brauchte". Ich wollte etwas Gewerkeliges, das sich ruhig über einen längeren Zeitraum erstrecken, in kleine Zwischenhäppchen eingeteilt werden und schön vor sich hinwachsen konnte. Und am Ende sollte halt "irgendwas" dabei rauskommen. Mir fiel die große weiße Wand im Treppenaufgang auf und all die bereits fertiggepatchten Runen- und Muster-Teile ein.
Nach einigem Hin- und Her-Überlegen war die Idee des Futhark-Wandbehangs geboren und ich hatte endlich mein heißersehntes Projekt. *freu*
Dass es jetzt im Wohnzimmer gelandet ist, hab ich meinem Liebsten zu verdanken. Er meinte, am Treppenaufgang sieht mans ja gar nicht (oft). Ins Wohnzimmer passt das doch vieeeeel besser! :)
Es hat irre Spaß gemacht - vor allem deshalb, weil ich wirklich nur nach Lust und Laune daran gearbeitet hab. So hätt ich auch gut vor vier Wochen schon fertig sein können. Aber es sollte halt nicht so sein. Es ging ja nie ums Fertigwerden, sondern ums Tun, genauer gesagt: ums freudige Tun.
Und ich bin irre stolz auf das, was dabei rausgekommen ist :)
Hier noch paar Detailfotos:
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Samstag, Dezember 20, 2008
Wollknäul-Theorie
Wir nehmen Zeit im allgemeinen linear wahr - oder nein genau anders: wir nehmen es an. Die Wahr-nehmung des Jahreskreises zeigt uns ja eigentlich ganz genau, dass sie zyklisch verläuft. Im Kreis, in einer Spirale, wie die DNS.
Ein Schwarzes Loch ist ein Wurmloch, das eine Abkürzung, eine Verbindung, von zwei verschiedenen "Ebenen" des Universums darstellt. Man geht also von einem irgendwie gekrümmten Universum aus. Wenn wir also glauben, z.B. durch ein Teleskop einige Lichtjahre in die Zukunft oder besser Vergangenheit zu sehen (denn das, was wir sehen, ist in dem Augenblick, wo wir es sehen, schon längst wieder Vergangenheit in seiner Zeit), schauen wir nicht linear, sondern gekrümmt. Weil wir ja innerhalb unserer Zeit leben und nur diesen vergleichbar winzigen Abschnitt wahr-nehmen können und der uns als Gerade erscheint.
Zwischen den Windungen der Zeitspirale können Schwarze Löcher Verbindungen herstellen - eine Abkürzung durch die Zeit. Völlig logisch. Wenn ich jetzt also durch so eins in die Vergangenheit reise, um meinen Großvater zu töten - also mal angenommen, das funktioniert. Dann habe ich in dem Moment, wo ich in dieser Vergangenheit angekommen, in sie eingetreten bin, bereits eine Veränderung hervorgerufen. Allein die Tatsache, dass ich dort angekommen bin, bedeutet, dass ich meine mir bekannte Zeit verlassen habe, für mich bestenfalls Vergangenheit ist. Denn die Tatsache, dass ich jetzt hier in der Vergangenheit bin, bedeutet, dass ich nicht in der Zukunft sein kann. Ich werde also meine Herkunft vergessen haben, in dem Moment, wo ich dort (in der Vergangenheit) angekommen bin. Retrograde Amnesie. Oder auch: Geburt :)
Für die Menschen, die mich in meiner Zeit kannten, bin ich halt einfach "verschwunden", bei einem Unglück mit der Zeitmaschine explodiert - was auch immer. Für sie bin ich Vergangenheit. Meine Zukunft liegt jetzt in der Vergangenheit. Also kein Paradoxon.
Erinnerungen, Lieder können Wurmlöcher sein. Wenn ich "Final Countdown" höre, bin ich auf der Schulparty. "Jump" - aufm Weg zur Schwabacher Kirchweih, an meinem Geburtstag. "nelly the elephant" - Skilager in Österreich. So geht es ewig weiter. Bilder, Gefühle, Farben, Gerüche, Orte - alles ist auf einmal völlig real, fast zum Greifen. Nur fast - vielleicht also nur der Blick durchs Fenster, und doch bin ich mittendrin. Ein kleiner Wahrnehmungspunkt, nur eine Dimension einnehmend, der mithilfe der Musik Erinnerungen wachruft und es mir so ermöglicht, zumindest eindimensional dorthin zurück zu reisen. Nur für einen Moment im Jetzt - aber durchaus Stunden, Tage, Wochen dort.
Schamanismus, Reisen in die Anderswelt - ist das nicht genau dasselbe? Dort wird halt nicht von Zeit zu Zeit gesurft, sondern von Ebene zu Ebene geswitcht. Ich denke an den Weltenbaum Yggdrasil. Doch eigentlich nichts anderes als ein Kanalsystem, das die verschiedenen Welten untereinander verbindet. Midgard in der Mitte, von dort aus können sechs Welten unmittelbar, zwei weitere (Hel und Asgard) mittelbar über Wanaheim und Niflheim erreicht werden. Dieses Gefüge ist also mehr wie eine Traube aufgebaut - zumindest, wenn man diesen kleinen Ausschnitt sieht.
Die Zeit als der rote Faden, eine Linie, die bei genauer Betrachtung eine Spirale ist. So wie ein Wollfaden in sich verdreht ist, um stabil zu bleiben. Wenn man aber noch genauer hinsieht, besteht so ein Wollfaden aus unendlich vielen winzigen Fusselchen, die, würde man sie vorsichtig aufdrehen, ein gigantisches Netzwerk zeigen würden. Das allerdings nicht aufgedreht werden kann, da es über alle Ebenen und Dimensionen ineinander verwoben ist. Und wie im Kleinen, ist es auch im Großen: der rote Faden der Zeit ist nicht nur einfach eine Spirale, die da irgendwo rumhängt - sie ist ein gigantisches Wollknäul, das sich aus sich heraus selber spinnt. Orobor, die Weltenschlange, fällt mir ein, die sich selber frißt. Praktisch dasselbe.
Meine Zeit, meine Ebene, das ist immer (nur) das, was ich wahr-nehme. Also z.B. nur rosafarbene Fusselchen. Ich (er)kenne nur die rosanen, alles andere ist für mich nicht-existent. Also schwarz. Null. Nicht mal Null. Ich kann gar nicht erkennen, ob das Schwarz nur ein andersfarbiges Fusselchen ist, oder wirklich "nichts" - also ein Zwischenraum zwischen Fusselchen - ich sehe nur rosane. Und dort, wo die weniger werden, erkenne ich meine Grenzen. Also: die Grenzen der mir bekannten Welt.
8x8 ist 64. Alle Möglichkeiten sind immer da. Die, die ich nicht nutze, sind dennoch existent. Nur ich werde sie halt nicht erfahren. Aber ich kann versuchen, sie sichtbar zu machen - z.B. mithilfe von Schwarzen Löchern, Schamanismus einen Blick in andere Welten, andere Möglichkeiten werfen und aus den neuen Erkenntnissen vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Und so meine Zukunft beeinflussen.
Es hängt alles zusammen, gehört alles zusammen. Das Bild mit dem Wollknäul gefällt mir sehr gut. Wenn um mich herum das Chaos aus Fusselchen, Verdrehungen, Spiralen, Vernetzungen und Verwicklungen ist, kann der Ruhepunkt des ganzen Chaos nur in mir selber sein. Wenn ich mich ganz fest in mir verankere, ganz bei mir bin, in mir bin, völlig ruhig bin, dann bin ich in der Lage, all das Chaos als - Farbe in Bewegung - weißes Licht zu sehen. Obwohl aus der Sicht des Chaos ich ein kleiner weißer Punkt bin - höchste Konzentration! Als dieser kleine Punkt kann ich an jeden beliebigen Zeit-Raum in jeder beliebigen Dimensions-Schwingung gelangen. Solange ich mit meinem Roten Faden fest in mir verankert bleibe.
Diese Wollknäul-Theorie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Es ist vieles erst nur angedacht, und doch fühlt es sich so schon ziemlich stimmig für mich an.
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Montag, September 01, 2008
Handarbeit ~ Kunst ~ Magie
Handarbeiten hat mir schon immer großen Spaß gemacht. Ich habe meine Mutter genötigt, mir Stricken und Häkeln beizubringen, lange bevor wir dies in der Schule lernen sollten. Als Teenie habe ich mir Röcke, Kleider, Jacken, Overalls genäht - anfangs noch mit Hilfe und unter Anleitung meiner Mutter, bald dann selbstständig. Ich hab schon oft und viel beim Handarbeiten geflucht und geheult und das jeweilige Arbeitsstück ins nächste Eck gefeuert. Aber früher oder später hab ich alles zu Ende gebracht - oder wenigstens wieder aufgetrennt :)
Neben meiner Mutter hat mir in der Schule meine Lehrerin Frau H. das Handarbeiten weiter vermittelt. Ich hab neue Techniken gelernt und immer mehr Spaß daran bekommen. Das konnte mir nicht mal meine spätere Lehrerin V. auf der weiterführenden Schule vermiesen - auch wenn sie nah dran war! Für die V. war "Textiles Gestalten" Unterricht wie jeder andere auch. Wurde geschwätzt, hagelte es Strafseiten. Anders bei Fr. H. Sie vertrat die Meinung, dass Handarbeiten schon was anderes ist als "normaler" Unterricht. Und solange sich die Unterhaltungen im Rahmen hielten und nebenbei tatsächlich gearbeitet wurde, fand sie es völlig ok und richtig. Fr. H. hätte ich gern weiter als Lehrerin behalten.
Heute fällt mir auf, dass das ja damals schon Frauen- bzw. Mädchenkreise waren. Fr. H. hat viel dazu beigetragen, auch diesen "Kreis" zu vermitteln. So hat sie z.B. bei der Auswahl von Farbe, Muster und Schnitt beim Pullistricken geholfen. Jeder einzelnen stand sie mit Rat und Tat zur Seite. Die V. hingegen ging auf unsere Fragen nicht mal sachlich richtig ein - und sozial schon gar nicht...
So betrachtet haben sich die alten Handarbeits-Stuben (auch "Rocken-Stuben") in die Neuzeit gerettet. Ich wünsche mir, dass es noch viele Lehrerinnen wie Fr. H. gibt (und weniger welche der Sorte V.). Denn auch durch sie wird diese Art der "Tradition" weitergegeben, lebendig erhalten.
Und ist das Internet nicht auch nur eine weitere Variation der alten Stuben? Sind wir nicht alle irgendwie durch Blogrolls, Feeds und Mailinglisten in virtuellen Stuben verbunden? Ich meine: immerhin liest du das hier... ;) Ich finde schon, dass sich das vergleichen lässt, eine Adaption darstellt.
Nach der Schule ist der ganze Handarbeits-Kram dann über immer längere Abschnitte in immer tiefere Tiefen versunken. Mal Socken stricken, wenn mir zwischendurch gar zu langweilig war (was höchst selten vorkam), oder hier und da mal bisschen was rumgebastelt. Aber all die schönen Dinge, die Spaß machen, spart eine ja als erstes ein, wenn ihr der Alltag über den Kopf wächst. Umso wichtiger wurde es irgendwann auch, die alten Künste neu aufleben zu lassen - mit Erfolg. Die Freude an der Sache war sofort wieder da und meine Kreativität wuchs mit jedem Stück. Inzwischen habe ich auch ganz neue Techniken dazugelernt, allem voran Patchwork, Spinnen und Brettchen-Weben. Das Spinnrad hat mir mein Liebster einfach so von sich aus geschenkt, via Internet-Auktion sogar äußerst preisgünstig. Als Zimmerers-Tochter sollte ich vermutlich nicht erwähnen, dass ich es mittels Heißkleber repariert habe. Aber der war eben vorhanden und es hält bis heute!
Das Hand-Arbeiten (in diesem Zusammenhang also auch Basteln) hat sich auch in meinem magischen Bereich schnell etabliert: Runensteine herstellen samt passendem Beutelchen. Rasseln aus den unterschiedlichsten Materialen basteln. Den Rahmen meiner Trommel mit dem Brennstab verzieren. Eine Nana-Göttin töpfern. Altardecken patchen und sticken - um nur das zu nennen, was mir ganz spontan einfällt.
Magie ist etwas sehr Persönliches, Intimes. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass ich meine "magischen Gerätschaften" (im weitesten Sinne) am liebsten selber mache. Weil da beim Herstellen selber schon viel an meiner eigenen Magie einfließt und das Ergebnis auch eindeutig meine Handschrift trägt. Im Zuge dessen ist die Web-Präsenz magisches Basteln entstanden.
Auch wenn mein erster Trommelschlegel - aus altrosa Wolle gehäkelt - schon etwas bieder und altbacken aussah, hab ich Handarbeiten nie so empfunden. Im Gegenteil: durch die Verknüpfung zur Spiritualität, zur Magie wurde sie mir nur noch umso wertvoller.
Am kraftvollsten werden die Dinge, die ich wirklich mit Hingabe
erarbeite. Wo ich nach Beenden eines Prozesses nicht sagen kann, ob ich
nun zehn Minuten oder drei Stunden dran gesessen habe. Wo ich während
des Arbeitens einfach "drin" bin.
Auch trägt es sehr zum
Gelingen eines Projektes bei, wenn ich mich im Fluss treiben lasse.
Meine Nähmaschine hilft mir dabei sehr. Z.B. wenn mir mein Kopf sagt,
dass ich ja jetzt "noch schnell" diesen und jenen Arbeitsgang erledigen
könnte, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Lust mehr habe. Dann
reißt nicht _mein_ Geduldsfaden, sondern der Ober- oder Unterfaden der
Maschine. Oder er ist zu Ende.
Inzwischen weiß ich die Zeichen zu
deuten und höre in solchen Fällen auch wirklich auf. Es soll ja Spaß
machen beim Tun, und nicht einfach nur so schnell wie möglich irgendwie
fertig werden.
Auch wenn der kreative Fluss im Stocken ist, versuche ich nicht (mehr) mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Dann bleibt das Projekt eben eine Zeit lang liegen - bis irgendwann der Moment kommt, wo es *pling* macht, und ich genau _die_ Idee habe, das letzte besondere Etwas, das noch gefehlt hatte. Und _dass_ dieser Moment kommt, darauf kann ich mich verlassen. So geschieht es immer wieder, dass am Ende etwas anderes heraus kommt, als ich eigentlich geplant hatte. Schon noch in etwa das, was ich wollte - aber in der Ausführung halt oft ganz anders.
Ich glaube, in dem Moment, wo bei der Anfertigung die Magie mit rein fließt, kommt am Ende auch wirklich Kunst dabei raus. Dies zu beurteilen ist allerdings müßig, da Kunst nun mal im Auge der Betrachterin liegt. Ein Paar handgestrickter Socken - Kunst? Hm, kommt auf das verarbeitete Muster an. - Magie? Wenn meine Mam die gestrickt hat, auf jeden Fall. Weil die strickt die Wärme direkt mit rein! :)
Picasso ist ein bis heute anerkannter Künstler - ich persönlich empfinde seine Bilder nicht gerade als Kunstwerke. Seine Kunst lag mE eher darin, sich selbst bestmöglichst zu vermarkten. Und das ist ihm ja wirklich gut gelungen.
Vor einigen Jahren habe ich in Nürnberg eine lebende Statue gesehen. Eine Frau als Baum verkleidet und dekoriert. Sie stand still - es hat echt gedauert, bis zu merken war, dass diese Statue lebt. Spätestens dann, wenn sie allzu neugierige Passanten durch eine plötzliche Bewegung erschreckt hat. _Das_ nenn ich Kunst!
Einen Knopf annähen, eine aufgerissene Naht wieder schließen - sehe ich als profanes Reparieren. Wenn jedoch der Knopf an der Jacke des Kindes bei einer Prügelei abgerissen wurde, kann das durchaus der Anlass für magisch-künstlerische Betätigung sein. Indem ein besonderer, extra angefertigter Knopf mit der Intention angenäht wird, dass dieser Knopf das Kind fortan vor Schlägereien schützen soll.
Das Beispiel zeigt gut, wie magischer Alltag sein kann, wie einfach aus dem nötigen Tun das not-wendige Wirken wird. Es ist doch eigentlich überall wie bei den Plätzchen: die selbstgebackenen sind nun mal die besten! Wichtig dabei ist mE das Tun an sich. Ob eine "mal schnell noch" etwas macht, oder sich in Ruhe Zeit nimmt, um etwas anzufertigen, herzustellen. Dann entsteht der magische Zeit-Raum, vom Rest der Welt abgetrennt, in dem plötzlich alles möglich wird.
Für mich ist es wichtig, Rohstoffe zu verwenden, die vorhanden sind. Zum Patchworken also am liebsten ausgediente Bettwäsche oder gesammelte Stoffreste aus dem näheren Umfeld. Passendes Garn zu finden war für mich noch nie ein Problem: Meine Oma hatte mir vor vielen Jahren ihren Nähkorb vermacht, dessen Inhalt sich erst jetzt langsam zum Ende neigt. Und zu bunt passen alle Farben - bis auf schwarz und weiß vielleicht...
Womit ich auch gerne arbeite, ist Pappmache. Dank der wöchentlichen Anzeige-Blättchen wird mir der Rohstoff dafür regelmäßig kostenlos frei Haus geliefert. Tapentenkleister ist nicht wirklich teuer, lässt sich auch in kleinen Mengen anrühren und ich verwende ihn für nahezu alle (Papier-)Klebearbeiten.
Die Kalenderblätter vom Vorjahr lassen sich rückseitig bemalen und/oder zu Papierperlen weiterverarbeiten. Zum Bemalen nehme ich vorzugsweise Abtönfarbe ausm Baumarkt. Vergleichsweise preisgünstig, deckend, vielseitig einsetzbar (notfalls sogar für die Wand *g*).
Alte Tshirts werden nicht weggeworfen, sondern in feine Fäden geschnitten und zu Badvorlegern o.ä. verstrickt und verhäkelt. Es wandert auch nicht jeder Rock, nicht jede Hose, die "noch gut" ist, in die Kleidersammlung. Wenn der Stoff gefällt, kommts in meine Stoffsammlung, Knöpfe und Reißverschlüsse - so noch vorhanden/funktionstüchtig - als Nebenprodukt in meinen Fundus.
Überhaupt mein Fundus. Grundsätzlich kann ich ja alles noch irgendwie brauchen. Und so kommt es, dass ich - egal nach was ich suche - in den allermeisten Fällen direkt fündig werde. Oder ich finde etwas anderes, das sich entsprechend abwandeln lässt. Nur selten muss ich etwas kaufen; wenn, dann ist es hauptsächlich Werkzeug im weiteren Sinne. Wie neulich erst die Filznadeln. Und da sich wegen so einem kleinen Betrag eine Bestellung ja kaum lohnt, kommt dann halt noch das eine oder andere Wollknäul dazu, Bügelvlies hatte ich auch keins mehr - so ergibt es sich also ganz von selbst, dass sich meine Vorräte praktisch nie aufbrauchen.
Natürlich ist da auch die Gefahr gegeben, mich zuzumüllen. Aber da ich ein sehr kleines Bastelzimmer habe, muss ich von Zeit zu Zeit aufräumen. Und ich hab es inzwischen gelernt, loszulassen. Wenn ich seit einem Jahr reihenweise Salatbecherchen sammle, weil die doch so hübsch handlich sind, ich die seither aber noch nicht wirklich gebraucht habe, kann ich die heute loslassen. Zumal wir ja immer mal wieder Salat essen. Der Nachschub für den Fall des Falles also gesichert ist.
Aus Altem etwas Neues, etwas völlig Anderes erschaffen, ist Handarbeit, ist Kunst und durchaus auch Magie.
Aus dem, was vorhanden ist, das Beste zu machen, ist Kunst, ist Magie und meistens Hand-Arbeit. Denn erst wenn die drei - Kunst, Magie, Hand-Arbeit, zusammen treffen, kommt auch wirklich das Beste bei raus. Dass der Prozess des Rumwerkelns dann auch noch Seelenbalsam ist, ist ja fast schon nur noch Nebenwirkung...
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Sonntag, Januar 27, 2008
Zauberspruch
Hier erzähle ich ein bisschen was übers Sprüche-klopfen bzw. - wenn dieser Ausdruck besser gefällt - Reime-schmieden. Das Erstellen von Zaubersprüchen ist echte Handwerkskunst, da wie bei einer Perlenkette jeder Buchstabe mühsam einzeln aufgereiht und ins richtige Muster gesetzt werden muss. Dass im Englischen "to spell" also Buchstabieren, "spell" hingegen Zauberspruch heißt, ist demzufolge kein Zufall, sondern logische Absicht.
Es gibt verschiedene Arten von Zaubersprüchen, die offensichtlichste Unterscheidung ist die in verständliche und unverständliche Sprüche. Aus verständlichen Gründen will ich hier mehr auf die verständlichen Sprüche eingehen und die unverständlichen außen vor lassen.
Zaubersprüche zu verschlüsseln macht zuweilen Sinn, wenn eine einen Zauber wirken möchte, aber nicht will, dass jede sofort erkennt, dass es sich hierbei um einen Zauber handelt. Wie eine einen fertigen (lesbaren) Spruch im nachhinein codiert, darauf gehe ich später noch etwas ein. Doch zunächst mal die Frage:
Was ist ein Zauberspruch?
Ein Zauberspruch ist eine Aneinanderreihung von Lauten mit dem Willen, die in diesen Lauten enthaltene Absicht zu verwirklichen. Gehört der Satz "Ich will ein Eis!" dann auch schon zu den Zaubersprüchen? Nein, behaupte ich. Ganz einfach deshalb, da diese Worte in aller Regel an eine bestimmte Person gerichtet werden, von der eine "weiß" (oder doch wenigstens vermutet) dass sie einer diesen Wunsch erfüllen kann. Eis gibts im Sommer praktisch an jeder Straßenecke zu kaufen, hierzu Magie aufzuwenden wäre mehr als töricht - Magie lässt sich nämlich nicht verar...lbern. Da ein Eis also etwas ist, das in aller Regel schnell und einfach zu bekommen ist, braucht hierfür keine Magie angewandt werden. Anders sieht es z.B. beim Parkplatzzauber aus. Denn Parkplätze sind normalerweise nie da, wenn eine mal wirklich einen braucht. Also nicht nur die bloße Faulheit es eine hoffen lässt, einen Parklatz direkt vor der Ladentür zu bekommen, sondern wenn eine z.B. etwas Schweres zu tragen hat. In diesem Fall ist es durchaus gerechtfertigt, einen Zauberspruch anzuwenden. zum Beispiel:
Einen Parkplatz nur für mich
wünsch ich mir - drum find ich dich!
Probiers ruhig aus, du wirst sehen, es funktioniert. An diesem Beispiel sieht eine schon eine Eigenschaft, die ein Zauberspruch normalerweise hat: er reimt sich. Es ist keine Bedingung dafür, dass er auch funktioniert - ein guter Spruch funktioniert auch ungereimt, keine Frage! Dennoch prägt sich etwas Gereimtes doch besser ein als Ungereimtes und auch des besseren Rhythmus wegen ist die Reimform doch der freien Form vorzuziehen. Dass es keine geistig hochtrabenden, noch nicht mal besonders tiefsinnige Sprüche sein müssen, zeigt das Beispiel übrigens auch sehr deutlich.
Der Spruch muss auf jeden Fall die Absicht enthalten, das Ziel, das eine damit eben erreichen / bezwecken will. Dabei ist es wichtig, sehr konkret zu sein. Den Spruch "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen - sie könnten in Erfüllung gehen!" möchte ich hier jeder dringendst ans Herz legen. Wenn du eine absolut nicht leiden kannst, ist es ethisch nicht korrekt, dieser Person irgendwelche Krankheiten anzuzaubern. Diese Person in Urlaub nach Indien zu schicken, muss aber auch nicht sein - genau das kann jedoch passieren, wenn du eine dorthin wünschst, wo der Pfeffer wächst. Das alles hört sich vielleicht recht lustig an, doch es ist wirklich ernst. Zu beachten ist, dass Emotionen als Verstärker wirken. Du kannst eine regelrecht verfluchen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand einen entsprechenden "Fluch" gegen diese Person ausstößt.
Als Faustregel gilt: Soviel wie nötig - sowenig wie
möglich. Dies entspricht dem Gesetz der Effizienz, einem der
4 Grundgesetze indianischer Naturreligion.
Im Falle des
Parkplatzzaubers ist das noch sehr einfach, da eine ja genau weiß, was
sie will. Nur allzuoft neigen wir Menschen jedoch dazu, zu wissen, was
wir nicht wollen. Und hieraus ergibt sich
dann ein Problem: denn das Wörtchen "nicht" existiert nicht. Es
existiert in der sogenannten "Realität", doch kein Naturgesetz (egal ob
wissenschaftlich oder okkult) kennt das Wörtchen "nicht". Sich zu
wünschen, nicht durchzufallen ist also
gleichbedeutend mit dem Wunsch, die Prüfung wiederholen zu wollen.
Falsche Bescheidenheit ist hier wirklich nicht angebracht. Wenn dann
sollte der Wunsch korrekterweise also lauten "die (morgige) Prüfung zu
bestehen" - Zeit- bzw. Datumsangaben sind sehr nützlich, denn
Zaubersprüche beruhen auf der Macht des Wortes, das heißt, sie werden
von der Einen Kraft wörtlich genommen. Wenn die "Bestellung" also
ankommt und es ist dort nur was von "ich will die Prüfung schaffen"
angegeben, dann kanns passieren (muss nicht, aber kann), dass der Wunsch
erst mal nach hinten gelegt wird, da keine Prioritätsstufe enthalten ist.
Ich schaff die Prüfung, hört die Kunde,
morgen in der
ersten Stunde
So könnte ein korrekter Prüfungsbestehungszauberspruch aussehen. Es gibt hierbei keine vorgefertigten Sprüche, die nur so und nicht anders wirken. Natürlich kannst du "fremde" Sprüche 1:1 übernehmen, wenn sie dir so richtig und passend erscheinen. Warum das Rad neu erfinden? Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Zauberspruch umso besser wirkt, je mehr Energie eine hineinlegt. Und schon beim Erstellen eines Spruches wird viel von dieser Energie in diesen Spruch mit hineinverwoben. Es ist wie beim Stricken; die Socken, die meine Mam strickt, sind die wärmsten, denn wenn sie strickt, glühen die Nadeln (nein, sie glühen nicht wirklich, aber sie werden sehr, sehr warm, um nicht zu sagen: heiß) - und diese Wärme strickt sie da irgendwie mit rein. Ähnlich verhält es sich mit den Zaubersprüchen (und eigentlich jeder magischen Arbeit). Ein Spruch, den du selber erstellst, hört sich vermutlich auch ganz anders an, als einer, den ich erstelle. Jede hat so ihre eigenen Sprachgewohnheiten, Rhythmen, die natürlich in den Spruch ebenfalls mit einfließen. Durch die Arbeit an und mit dem Spruch wird er ein Teil von dir. Indem du ihn dann ("naggich" oder in ein kleines Ritual eingebunden) entsendest, gibt du damit auch einen kleinen Teil von dir mit ab. Das ist deine Gegenleistung, dein "Geben" dafür, dass du durch den Spruch ja etwas "nehmen" also bekommen, willst.
Fassen wir nochmal kurz zusammen:
- Der Spruch sollte kurz und einfach sein,
- einen Rhythmus (Reim) haben,
- eine klare Absicht/Bitte/Wunsch enthalten,
- welche positiv formuliert sein sollte!
- Emotionen verstärken die Macht der Worte.
Von Vorteil ist es, den Spruch auswendig zu können, insbesondere wenn er in ein Ritual eingebunden werden soll.
Da es in hier ja eher um Worte geht, betrachten wir das Problem der Reimform nochmals etwas näher. Zunächst mal muss es keine akkurate Reimform sein, es reicht, wenn die Worte gleichlauten. So zählt z.B. "Wille" durchaus als Reim auf "fühle", ungeachtet dessen, dass sich der einen oder anderen Deutschlehrerin dabei die Zehennägel hochrollen. Ob sich die Zeilen 1-2 3-4 oder 1-3 2-4 reimen, bleibt deiner Fantasie überlassen. Alles was irgendwie einen guten Rhythmus hat und einigermaßen gleich klingt, gilt für unsere Zwecke als Reim. Schließlich will eine mit einem Zauberspruch ja etwas Konkretes bewirken, eine willentliche Beeinflussung der Realität durchführen - und keinen Literaturpreis gewinnen!
Was aber, wenn dir auf Biegen und Brechen kein Reim einfällt? (Außer
vielleicht "im Liegen verrecken" - aber wer will das schon?)
Nein,
im Ernst, es gibt da einen einfachen, wirkungsvollen und legitimen
Trick. Wie gesagt, sollen (können/dürfen) Zaubersprüche ja sehr einfach
sein. Das bedeutet, in den meisten Fällen reicht ein einfacher
Zweizeiler vollkommen aus. Die eine Zeile mit dem Wunsch/Anliegen hat
eine ja vermutlich schnell parat, doch woher kriegt eine einen Reim? Das
wird manchmal dann doch zum Problem. Des Rätsels Lösung: Das Pferd von
hinten aufzäumen.
Drehen wir also den Spieß einfach um und
nehmen uns eine Zeile als Basis her, auf der wir dann den Spruch
aufbauen. Eine Zeile, die geläufig und einprägsam und im Idealfall durch
Permutation auch noch wandelbar ist. Da der Reim an sich nicht zwingend
Sinn machen muss (solange er das Anliegen selber nicht verfälscht), ist
es eigentlich naheliegend, das zu verwenden, was eine eh schon parat hat.
Wie
wäre es also mit:
Feuer, Wasser, Erde, Luft
Süden, Westen, Norden, Osten.
Stäbe, Kelche, Münzen, Schwerter
Diese Begriffe sind jeweils Synonyme, das bedeutet, welche sich die vier Himmelsrichtungen merken kann, weiß automatisch auch die 4 Elemente und die 4 Sätze der kleinen Arkana. Somit hat eine durch das eine "Werkzeug" - z.B. die Elemente - eigentlich gleich 3 bei der Hand. Die Elemente haben den Vorteil, dass sie unterschiedliche Endungen haben, was bedeutet, dass durch diese eine Zeile durch Permutation bereits 4 Möglichkeiten für Reime offenstehen, also z.B. Feuer-teuer ; Wasser-Aufpasser ; Erde-werde ; Luft-musst.
Die Himmelsrichtungen sind zwar zunächst gleichendend, jedoch kann eine das "-en" am Ende ja durchaus weglassen, bzw. den Gebrauch dieser "-en"s variieren, wodurch auch der Rhythmus viel flexibler wird. Und in dieser verkürzten Form sind es dann auch wieder unterschiedliche Endungen. Beispiele: Süd-lieb ; West-Rest ; Nord-fort ; Osten-kosten.
Bei den Sätzen der Arkana kann eine durch Mehr- bzw. Einzahl wiederum
variieren und natürlich wieder durch Permutation. Beispiele: Stäbe-gäbe
; Kelch-Held ; Münze-Linse (oder: Scheibe-bleibe) ; Schwert-begehrt.
Somit
stehen auf einen Schlag eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Das
"Werkzeug" ist selbst der blutigsten Anfängerin sehr schnell geläufig,
so dass sich das Auswendiglernen von Zaupersprüchen schon bald erledigt
haben wird. Denn mit ein bisschen Übung wird eine sehr bald in der Lage
sein, sie aus dem Ärmel zu schütteln.
Zum Abschluss noch ein paar Anregungen:
Norden, Süden, Westen, Osten
ich will warmen Frühling kosten
Stab und Münze, Kelch und Schwert
ich bin heute sehr begehrt
Wasser, Erde, Luft und Feuer
ich verkauf mein Auto teuer
Westen, Osten, Norden, Süden
sprich zu mir nur frei von Lügen
Kelch und Münze, Schwert und Stab
mit Streit und Zank solls gehn
bergab
Erde, Feuer, Wasser, Luft
Liebe füllt die tiefste Kluft
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Samstag, Januar 26, 2008
Göttinnen - handverlesen
Meine Spiritualität hat sich immer mehr in Richtung
Göttinnenspiritualität entwickelt. Dem will ich auch hier Rechnung
tragen und die Annäherungen an verschiedene Göttinnen auf meine Art hier
darstellen.
Es gibt bereits eine ganze Reihe wunderbarer
Göttinnenseiten im Web - eine kleine Auswahl davon gleich mal vorweg:
Artedea.net ist eine wundervolle Sammlung über viele Göttinnen - darunter auch eher unbekannte v.a. aus dem irischen sowie südamerikanischen Raum. Sehr viele Infos, sowie zauberhafte Bilder!
Auf dem Kulturserver Hessen erfährst du etwas über Diana, Inanna und Ceres.
Über die Insignien antiker Göttinen berichtet diese Page, und zwar zu: Inanna, Hera, Aphrodite, Freyja.
Auf den Seiten zu Ehren der Göttin hat jana schon eine Menge zusammengesammelt: Gedichte, Texte, Gebete, Bilder ... Außerdem gibts dort auch noch ein Forum und eine Mailingliste.
Dann will es natürlich keinesfalls versäumen, auch hier noch einmal Werbung für den Schlangengesang zu machen: Ein Rundbrief zur Göttinnenspiritualität, in dem alle zwei Monate Göttinnen, Feiertage, Rituale, Bücher und mehr vorgestellt werden.
Noch was Englisches, dafür sehr ausführlich und übersichtlich gemacht.
Für jede Menge Göttinnen, nach Kulturen bzw. Länder geordnet (gibt auch
ne Suchfunktion) gibts hier Anrufungen und Texte. Roibin hat hier viel
Zeit und Liebe investiert, so dass der Inhalt über die lästigen
Werbefensterchens hinwegtröstet :)
Frauenwissen.at: Tja, der Name sagt hier eigentlich schon alles. Ne sehr informative Plattform, wo es u.a. Infos gibt zu: Baba Jaga Baubo & Sheela-na-Gig Bethen Brigid Demeter Freyja Isis Noreia Maria Ostara Percht Salige Frauen Sedna Sjofn. Einfach mal vorbeischauen!
Also, DER link darf ja wohl nicht fehlen :) Da tut sich immer wieder was
und es wird mythologisches und symbolisches mal ein bisschen anders
beleuchtet. Außerdem so ganz nebenbei gehts von hier aus auch weiter zum Magischen
Netz.
Und dann hab ich da noch ein, zwei Bücher zu empfehlen: (Links verweisen wie immer auf amazon.de - gewerbliches Angebot)
Marashinsky, Amy S.: Göttinnengeflüster - Die Deutsche Version des o.g. Link als Buch+52Karten-Set. Erzählt etwas über die Mytholgie und hat zu jeder Karte/Göttin eine kleine Reise.
Winter, Gayan S.: Orakel der Göttin - Ähnliches Set wie oben, jedoch mit 33 Karten/Göttinnen. Außerdem ist im Buch die Sortierung nach Herkunft der Göttinnen. Es gibt vereinzelt Überschneidungen, lohnen tun sich beide Sets dennoch.
Blair, Nancy: Göttinnen für jede Jahreszeit - In diesem schmalen Bändchen ist je eine Doppelseite einer Göttin gewidmet, jeweils mit sw-Bild. Für jede Woche gibts eine Göttin, jedoch "nur" nach Jahreszeiten sortiert. Gut als Ergänzung zu den beiden Sets, zumal auch hier noch neue "Göttinnen" genannt werden.
Husain, Shahrukh: Die Göttin Das Matriarchat ; Mythen und Archetypen; Schöpfung, Fruchtbarkeit und Überfluss - Hier wird die Göttin unter ihren diversen Aspekten vorgestellt und beleuchtet. Sehr lesenswert, weil viele Infos quer durch Zeit und Raum.
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über Runen
Literaturtipps: (Links verweisen auf amazon.de - gewerbliches Angebot)
Engelhardt, Ulrike: Kleines Runenhandbuch : Einführung in praktische Runenarbeit - die Ausführungen dieser Seiten und viel weiteres Wissenswertes rund um Runen habe ich in diesem Buch zusammengefasst.
Gardenstone: Germanische Magie - bereits in der 2. Auflage. Trotz des Preises ein Standardwerk aus traditionellmagischer Sicht.
Meadows, Kenneth: Runen, die magische Kraft - untersucht und beleuchtet die Runen aus schamanischer Sicht. Nicht unbedingt als Einstieg zu empfehlen (es sei denn ma kommt aus der schamanischen Richtung) aber weiterführend auf jeden Fall lesenswert!
Aswynn, Freya: Die Blätter von Yggdrasil - Die Frau geht ihren eigenen Weg zu den Runen und zeigt ihn hier auf. Es zeigt sich, dass sie schon viel Erfahrung und Praxiswissen über die Runen verfügt und nimmt die Leserin bei der Hand. Sie hat mir viele neue Anregungen gegeben, wenn ich auch mit vielen ihrer Zuordnungen nicht einverstanden bin. Aber das muss schließlich jedeR für sich selber herausfinden :)
Warneck, Igor: Runen-Welten - Ein wirklich tolles Buch für Anfänger und Einsteiger. Man merkt, dass der Autor 100% hinter jeden Wort steht, das er schreibt, dass hierin sein Herzblut liegt. Leider trifft dies auf seine anderen Runenbücher nicht unbedingt zu; der Verlag war wohl so vom Erfolg dieses Werkes angetan, dass Igor noch weitere Bücher abgepresst wurden. In entsprechend magerer Qualität. Für Intressierte und Neulinge ist aber dieses Buch das Beste, das ich kenne.
Inanna: Runenbuch für Frauen - Noch ein Buch eher für Anfängerinnen, mit einem wundervoll intuitivem Ansatz. Es gibt den Mut, die Bedeutungen in einer selber zu finden.
Runen - eine kurze Vorstellung
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Rotaro
Vor einigen Jahren schon habe ich ein Orakeldeck entwickelt, das ich lange Zeit auf meiner alten Homepage zur Verfügung gestellt hatte. Daran will ich nichts ändern - nur an der Art:
Rotaro - Anleitung mit Bildern (pdf, 1,3 MB)
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Symbolik
Die Welt ist voller Symbole. Wir sind so sehr von ihnen umgeben, dass wir sie vielfach gar nicht mehr als solche wahrnehmen: Verkehrszeichen sind Symbole. Länder- und Familienwappen sind Symbole. Kreuz, Mond, Daivdsstern, Pentagramm sind Symbole, Firmenlogos sind Symbole.
Symbole sind dazu da, Wissen zu schützen UND weiterzugeben, über Raum und Zeit hinweg. Suche dir ruhig deine eigenen Symbole aus und arbeite damit.
Symbole lassen sich dazu verwenden, zu kommunizieren. Ich habe keine Ahnung, was Mond auf Balinesisch heißt, doch die Mondsichel wird eine Balinesin erkennen.
Symbole müssen also entschlüsselt werden. Ein sehr gut erforschter Teilbereich davon ist die Traumdeutung. Im Traum "spricht" unser Unterbewusstes zu uns, und es bedient sich der Bildersprache. Dabei sind grob zwei Traumarten zu unterscheiden: welche, die das aktuelle Tagesgeschehen verarbeiten, und solche, die tiefer gehen. Oft alte Wunden oder Sehnsüchte ansprechen.
Ein anderer, inzwischen weit verbreiteter Ansatz, ist die Märchensymbolik. Denn Märchen sind unsere Geschichtsbücher. Herstory statt History. Viele der Symbole sind uns heute nicht mehr direkt zugänglich, doch gerade in einer Gruppe von Frauen kann freies Assoziieren helfen, diese tiefen Schichten wieder offenzulegen. Zusammenhänge wieder zu entdecken.
Diesen Ansatz macht sich u.a. auch das Reclaiming zunutze. Darunter verstehe ich (auch hier in diesem Zusammenhang) das Wiederentdecken unserer Symbole, Mythen und Weisheiten. Rüttner-Cova hat das in ihrem Buch wundervoll aufgezeigt, was alles drin steckt, was frau demnach alles hervorbringen kann. Es ist eine völlig andere als die "übliche" Herangehensweise an etwas und kann mE durchaus in andere Lebensbereiche übertragen werden. Für alle, die ich jetzt neugierig gemacht habe und/oder mehr dazu wissen möchten, gibt es unten einige Links und Buchtipps.
Wie du an Symbole herangehst, ob du das überhaupt tust, musst du selber herausfinden. Gut ist es, dir erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Weiter ist wichtig, dass du herausfindest, was ein Symbol dir bedeutet, was es dir zu sagen hat. Dazu ist es gut, wenn du auf deinen Bauch hörst, aber auch auf alle seltsamen Zufälle achtest, die dir begegnet. Das alles kann dir helfen, deinen Zugang zur Symbolik zu finden und zu deuten.
Ganz wichtig finde ich aber auch den kreativen Austausch mit anderen Frauen. Gerade im Gespräch ergeben sich oft neue Ansätze, Ideen, Verknüpfungen. Und nebenbei wird damit direkt an Weiberkraft gewoben :)
Literaturtipps: (Links verweisen auf amazon.de - gewerbliches Angebot)
Starhawk: die 12 wilden Schwäne Eine Reise ins Reich der Magie. Rituale, Übungen, Anrufungen - wohl das bekannteste Werk zum Thema Reclaiming, nicht zuletzt wegen der berühmten Autorin. Am Beispiel des Märchens "die 12 wilden Schwäne" wird auf verschiedenen Wegen die Symbolik beleuchtet. Es ist ein praktisches Arbeitsbuch, anhand dessen jede gleich einsteigen kann.
Rüttner-Cova, Sonja: die gestürzte Göttin Spuren des Matriarchats in Märchen und Mythen - hier geht es direkter ums Entschlüsseln und Umsetzen, was das für die einzelne Frau und die Frau in ihrer Gesamtheit bedeutet. Die Idee ist dieselbe, der Ansatz noch viel einfacher als beim Obengenannten.
Linktipp:
reclaiming.org die englischsprachige Homepage, die alles Wissenswerte zum Thema enthält. Ja, auch Reclaiming kommt aus Amiland. Immerhin ein Beispiel dafür, dass nicht alles schlecht ist, was von dort rüberschwappt ;-)
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Der rote Faden - eine Geschichte
Weißt du, eigentlich war alles ganz anders. Kein Wunder, dass wir in der Geschichtsschreibung fehlen. Weil etwas aufzuschreiben die männliche Art des Denkens ist. Wir erzählen lieber. Und wenn sich eine Geschichte dabei im Lauf der Jahrhunderte verändert - welche kümmert es. Hauptsache ist doch, dass wir die Geschichten verstehen. Und aus diesem Verständnis heraus weitererzählen können. Was intressiert es da schon, ob eine Geschichte mit historischen Fakten übereinstimmt?
Das Dumme an der Geschichte ist - dass wir totgeschwiegen wurden. Das
hatten wir wohl nicht so recht bedacht. Und uns in mancherlei Hinsicht
unterkriegen lassen. Vordergründig. Wir haben verlernt zu erzählen. Und
wir haben verlernt zuzuhören. So haben wir uns verloren: uns selber und
einander. Doch da alles im Leben zyklisch aufgebaut ist, ist es nur
logisch, dass unsere Zeit wieder gekommen ist. Dennoch ging eine Menge
verloren. Aber das macht nichts, nicht wirklich, denn im Erfinden waren
wir schon immer brilliant.
Und im modifizieren.
Deshalb kannst du
diese Geschichte hier auch lesen - und bekommst sie nicht, wie
eigentlich üblich, erzählt. Du musst sie nur verstehen. Ob sie durch
deine Augen oder durch deine Ohren in dein Herz gedrungen ist, ist dabei
weniger von Bedeutung. Und du darfst es dir nicht so leicht machen, sie
einfach zu kopieren.
Die Mühe des Erzählens müssen wir uns schon
machen. Wie will eine Geschichte sonst lebendig bleiben? Sei kreativ, es
muss ja nicht nur ein Nacherzählen sein: du kannst die Geschichte auch
weiterspinnen. Mach es einfach, wie es dir richtig erscheint. Dann ist
es auch richtig.
So und jetzt komm ein bisschen näher an der Kreis, setz dich auf deinen Blutstein und höre die Geschichte dieser Höhle, die auch die Geschichte der Weiber ist. Und auch deine, denn nun bist du mittendrin.
Diese Höhle hier gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten... aus ihr wurde
der gähnende Abgrund des Nichts geboren, aus dem alles entstanden ist.
Und seit es uns Frauen gibt, kommen wir hierher, alle heilige Zeit und
erzählen und lachen und machen verrückte Erfindungen und lassen unser
Blut zusammen fließen. Jede, die hierher kommt, kriegt ihren eigenen
Platz, ihren Blutstein. Dort wird sie fortan immer sitzen, wenn sie
blutet; in dünnen oder breiten Rinnsalen läuft es zur Mitte in den Kreis.
Über
die Jahrtausende hat sich ein bleibendes Muster der Blutwege gebildet,
manches verblasst, neues kommt hinzu. Es ist ein unendliches Netz des
Lebens, der Leidenschaft, der Liebe und der Kraft.
In der Mitte rinnt
alles durch ein kleines Loch - siehst du es? Doch das Blut verschwindet
nicht einfach darunter, sondern es läuft weiter, es reinigt sich selbst
und lädt sich auf. Gibt Nährstoffe ab und sammelt andere auf.
Durchdringt die Erde, das Wasser und erfüllt Pflanzen und Bäume bis es
an der Luft verdunstet und wir es wieder einatmen. Stell es dir vor,
welche Wege das Blut nimmt, wo es überall hinkommt - und wie wir dadurch
wirklich und wahrhaftig alle miteinander und mit allem verbunden sind.
Doch denke nicht, dass nur wir unser Blut an die Erde zurück geben, auch
die Männer tun dies. Allerdings eher auf Schlachtfeldern. Im Streit und
im Hass. In Neid und Gier. Auch dies ist nötig, versteh mich bitte nicht
falsch. Aber wir sind aus dem Gleichgewicht gekommen. Es ist ein guter
Weg zu versuchen, dass die Männer freundlicher zu einander werden und es
weniger Blutvergießen gibt. Unbedingt erforderlich ist es aber, dass vor
allem wir selber wieder unser Blut der Erde schenken, es der Großen
Göttin zu Ehren opfern.
Aus welchen Gründen auch immer - und
mögen die Ausreden noch so gut sein - bedenke bitte immer dies: WIR
haben aufgehört, zusammen zu bluten und zu weben. Deshalb können auch
nur wir selber an der Situation etwas ändern.
Spürst du die Stärke? Fühlst du die Verbundenheit? Schau dir genau das
Muster an, das unsere Blutfäden weben. Du bist dabei, du bist ein Teil
davon, webst dieses Muster mit, bindest deine Leidenschaft mit ein.
Es
geht nicht darum, immer stark zu sein - was bedeutet das schon? Deine
Grenzen zu erkennen und um Hilfe zu bitten, ist schließlich auch eine
Stärke. Denke daran, dass alles was du wahrnimmst, ein Teil deiner Kraft
ist. Sie beschreibt, sie bewirkt und sie verändert. Deine Wahrnehmung
nährt dein Blut. Und durch dein Blut bist du mit allem verbunden. Mit
allem, was war, ist, und sein wird.
Hier in dieser Höhle wurde der erste Funke geschlagen. Hier haben wir das Feuer entfacht. Es brannte lange lange Zeit nur hier drinnen. Kannst du dir das vorstellen? Dieses Gefühl, gleich einem Blitz, gleich dem Vulkan, Feuer hervorbringen zu können? Diese Freude, dass es immer und immer wieder funktionierte. Welchen Spaß wir hatten, als wir uns gegenseitig verschiedene Techniken beibrachten. Stein auf Stein. Holz auf Holz. Trockenes Gras und altes Fell. Wir froren und wir wollten Licht. Die Göttin schenkte uns die Fähigkeit des Feuermachens. Für dieses große Geschenk waren wir mehr als dankbar. Wir schufen die Göttin des Feuers, um die Göttin auf diese Art ganz besonders zu Ehren. Und wir achten auf die Flamme. Das Feuer, das dort hinten brennt, ist hundertausend Jahre alt. Es hat alle Generationen von Frauen gesehen. In ihm haben wir das erste Fleisch gebraten. Und der Göttin zu Ehren verspeist.
Es war diese Höhle, in der wir die erste Spindel schufen. Und gleich
danach den Webstuhl. Wir sind auf die Idee des Mahlens gekommen. Haben
den Mühlstein erschaffen und das erste Brot gebacken. Auch wenn dies
noch verbrannt war, wussten wir damit doch wenigstens, dass wir einen
Ofen brauchten. Also bauten wir einen Ofen.
Die Männer staunen noch
immer - selbst heute noch - mit welchen Ideen wir aus der Höhle zurück
kommen. Ideen, die sie durch Niederschrift an sich gerissen haben. Sich
zu eigen gemacht haben. Oder hast du dich noch nie gefragt, weshalb sie
immer "Beweise" fordern? Sie verlangen nach einer schriftlichen
Bestätigung. Wohl wissend, dass die Schriften ihnen Recht geben werden.
Da sie sie geschrieben haben. Um uns zu entmachten.
Doch wir können uns rückbesinnen, uns wiederfinden. Zusammen finden, erinnern. Bruchstücke neu erzählen und zusammenweben. Mythen neu erschaffen. Unserer Kraft Ausdruck verleihen. Was kümmert es uns, wenn die Männer ihre Beweise fordern und uns belächeln, weil wir sie nicht bringen können? Wir wollen sie gar nicht bringen, denn unsere Geschichten sind wahr - würden sie sonst existieren? Lassen wir uns nicht länger beirren und weben unser Netz. Flicken wir die losen Enden wieder aneinander. Und weben neue Fäden ein, wo alte unwiederbringlich ausgerissen und verbrannt sind. Es liegt in unserer Hand. In deiner und meiner. Wir sind die Schöpfung, wir sind die Göttin in ihrer irdischen Erscheinung. Wir haben alle Kraft die wir brauchen.
Wenn du für dieses Mal aufhörst zu bluten, hol dir dort hinten einen dieser roten Steine aus dem Felsen. Such dir den aus, der dir am besten gefällt. Und mach dir keine Gedanken, ob der nun zu groß oder zu klein oder zu sonstwas ist. Nimm einfach den, der dir passt. Ja, das sind Rubine. Eine regelrechte Ader. Und du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass diese irgendwann versiegen würde. Denn erstens ist diese Höhle für Männer tabu. Und zweitens wird es Rubine geben, solange es blutende Frauen gibt. Das Blut unserer Ahninnen hat sich darin verewigt. Siehst du die Funken, den Schimmer, die Leidenschaft die dieser Stein ausstrahlt? All das ist auch in dir. Denn dieser Stein ist ein Teil von dir. Von uns.
Es ist noch längst nicht alles gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen über die Höhle und über uns Frauen. Doch für heute bin ich müde, jede Geschichte muss ihr Ende haben. Diese hat ihr Ende in einem neuen Anfang. Ich gebe die Fackel der Ahnin weiter an dich - führe du die Geschichte fort...
Literaturtipps: (Links verweisen auf amazon.de - gewerbliches Angebot)
Gray, Miranda: Roter Mond Von der Kraft des weiblichen Zyklus - meine allerwärmste Empfehlung zu diesem Thema!
Blume, Judy: Die Regel eine herbeigeredete Krankheit - obwohl schon von 1985 (und derzeit leider nicht lieferbar) hat es doch bis heute volle Gültigkeit. Frau erfährt allerlei Wissenswertes und Wunderliches über die Regel und deren (auch gesellschaftlichen) Begleiterscheinungen. Ganz toll find ich hier den meditativen Zugang. Wenn dir das Buch also zufällig mal über den Weg läuft: zugreifen.
Northrup, Christiane: Frauenkörper, Frauenweisheit Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können - nicht ganz billig, dafür aber ein wiklich umfassendes Nachschlagewerk. Tipp: vielleicht gibt es das ja in deiner Bücherei zum Ausleihen.
Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus - hier wirds historisch und mythologisch (was ja nicht wirklich trennbar ist. Nicht in einem weiblichen Universum). Die Autorin hat eine Unmenge zur Schweinegöttin zusammengetragen und dem damit im Zusammenhang stehenden Zyklus.
Linktipps:
Weil wir grad bei der Schweinegöttin sind: im gynozentrischen Knistern gibts eine wundervolle Abteilung wilde Säue.
rotermond.de darf an dieser Stelle natürlich keinesfalls fehlen. Neben Infos und Geschichten ist hier auch das bereits oben genannte Blutmond-Forum beheimatet.
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