Mittwoch, Juli 28, 2010
Was in Klamotten alles drin steckt
Der gestrige Themen-Abend auf Arte ist Anlass für diesen Artikel. (s.a. TAZ-Bericht). Die Sendungen werden übrigens am 6. August wiederholt.
Klamotten sind für mich schon lang kein großes Thema mehr. Jeans, Pulli oder Tshirt. Im Sommer ein Kleid - damit ist frau angezogen. Und solange die Teile sauber und in Ordnung sind (also keine Löcher, Risse, etc., die nicht repariert werden können), können sie getragen werden, bis sie auseinanderfallen.
Gut, bei jüngeren Menschen mag das noch wichtig(er) sein, ständig neue Klamotten zu haben. Aber auch da ließe sich doch was machen. Gute Freundinnen teilen und tauschen doch eh desöfteren. Warum also nicht regelmäßige Tauschparties veranstalten? Das hat nur Vorteile:
- die eigenen "alten" Klamotten kommen weg
- "neue" Klamotten kommen rein
- es ist ein Riesenspaß! :)
Geringerer Spaßfaktor, aber gleicher Nutzen wäre das Aufsuchen eines Second-Hand-Ladens. Auch dort können die "alten" Kleidungsstücke überlassen und "neue" gekauft werden. Übrigens hat diese Ware einen weiteren großen Vorteil: da sie ja schon häufiger gewaschen worden ist, sind kaum noch Schadstoffe drin. SecondHand ist also wesentlich hautfreundlicher und gesünder als die Sondermüll-Produkte, die frisch über die Ladentheke gehen.
Ja, Sondermüll... anders lässt sich die herkömmliche Art der Kleidungsherstellung nicht nennen. Dass in Ländern wie Bangladesch produziert wird, liegt nämlich nicht nur an den wesentlich billigeren Löhnen als z.B. in Deutschland, sondern vor allem auch an fehlenden Gesetzen für Umwelt- und Arbeitsschutz. Da stehen die Arbeiter mit nackten Füßen in der Chlorbrühe! Die hinterher einfach auf die Straße oder in den nächsten Fluss gekippt wird...
Der ultrageile used-look bei Jeans wird durch Sandstrahlen erzeugt. Dabei geraten winzigste Staubteilchen in die Lungen, die sich über die Monate bei den Arbeitern ansammeln und dann ersticken sie. Aber hey, geile Jeans... :(
Doch ohne Sarkasmus: Was dort in den Fabriken abgeht, ist menschenverachtend und umweltzerstörend. Anders lässt sicht ein Tshirt für 3,- Verkaufspreis einfach nicht herstellen! Schlimm ist die Unwissenheit: Die der ArbeiterInnen in den Fabriken, die keine Ahnung haben, welchen Gefahren sie sich täglich aussetzen, die (noch) keinerlei Bewusstsein dafür entwickelt haben, was durch die Chemikalien der Natur angetan wird - was ja letztendlich auch wieder Folgen für uns Menschen hat, um mal ganz egoistisch zu bleiben.
Und die Unwissenheit der (westlichen) Konsumenten, die sich über das "tolle Schnäppchen" freuen. Da gibt es eine Ladenkette, die sogar noch Werbung damit macht, dass ihre tolle "Qualität" einzig dadurch zustande kommt, dass die am Herstellungsprozess Beteiligten gequält werden. Naja, ganz so wörtlich drücken sie es nicht aus, aber ich denke, ihr wisst, was gemeint ist :)
Jedenfalls sinds solche Aktionen, die bei mir inzwischen Übelkeit verursachen, wenn ich nur das Wort "billig" höre! Was wir hier "billig" konsumieren können, geht immer auf Kosten anderer und zu Lasten unserer Umwelt! Anders funktioniert "billig" nicht!
Und wirklich günstig - von obigen Einschränkungen mal sowieso abgesehen - ist "billig" in den allerwenigsten Fällen. Weil "billig" von vorneherein darauf ausgelegt ist, eher kurzlebig zu sein. Schließlich wollen die Billig-Verkäufer nächstes Jahr auch wieder was verkaufen! Qualität und billig schließen einander definitiv aus!
Sicher ist es nicht einfach, die richtige Wahl beim Einkaufen zu treffen. Wie im Film auch angeklungen ist, werden mehr "bio"-Klamotten verkauft, als bio angebaut wird. Einfach nur dem bio-Aufdruck der Firma zu glauben wäre zu blauäugig. Doch es gibt auch hier Standards und Labels, denen Vertrauen geschenkt werden darf. z.B. das ÖkoTex-Label, GOTS und natürlich fairtrade.
Als unbedingte Pflichtlektüre für jeden Menschen, der schon irgendwann einmal im Leben Kleidung gekauft oder auch nur vor hat, irgendwann einmal welche zu tragen, will ich Kirsten Broddes "Saubere Sachen" empfehlen. (Amazon-Link) Dort gibt es all die appetitlichen Fakten zum Thema Kleidung schwarz auf weiß zum Nachlesen, außerdem werden etliche echte Öko(fair)-Läden genannt, in denen guten Gewissens eingekauft werden kann. Doch auch dann gilt: Weniger ist mehr!
Das Thema ökobiofaire Kleidung ist beleibe nicht neu: Der Vorreiter Hess-Natur wurde bereits 1976 gegründet. Und seit einiger Zeit wirbt auch Trigema für völlig schadstofffreie Kleidung - die überdies noch einheimische Arbeitsplätze unterhält. Geht doch!
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