Samstag, Dezember 04, 2010
Kauf mich!
Zur Weihnachtszeit wird's besonders schlimm: von überall her dröhnt es KAUF MICH! Bekleidungsläden, Parfumerien, Spielzeugfirmen, Porzellanmanufakturen - sie alle behaupten, das ideale und sowieso allerbeste Weihnachtsgeschenk für die Lieben zu haben. Die Idee, dass ein Geschenk nicht zwingend etwas Gekauftes sein muss, hat bei dieser Dauerbedröhnung aus allen Kanälen (Radio, TV, Internet, Plakatwerbung, Zeitung, Schaufenster, ... ) nicht die geringste Chance, ins Bewusstsein zu kommen.
Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass die Krise überstanden ist und begrüßen die neuerstarkte Kaufkraft der Verbraucherschaft. Hauptsache kaufen, was ist eigentlich nebensächlich, landet früher oder später ja eh alles auf dem Müll.
Und damit auch wirklich alle ihr Geld ausgeben und konsumierensonsumierenkonsumieren, springen eine allerortens die Worte entgegen: BILLIG! TIEFSTPREISE! REDUZIERT! PREISE NOCHMALS GESENKT! RABATT! Aber vor allem ist es immer dieses eine Wort: BILLIG!
Ehrlich, ich kann es nicht mehr hören, nicht mehr sehen! Ich hab dieses BILLIG so dermaßen satt! Ok, ich gebe zu, an einem Restposten Wolle komme ich nicht immer vorbei. Wolle kann eine schließlich immer brauchen. Ich zumindest. Nur: wenn ich etwas Bestimmtes brauche, kaufe ich doch nicht das Produkt, das am billigsten ist, sondern das, das die beste Qualität hat. Ich überlege mir vorher, welche Ansprüche ich an das Produkte stelle. Zum Beispiel: Regionalität (niemals würde ich Äpfel kaufen, die nicht aus Deutschland kommen), ökologische Herstellung, faier Handel, Qualität, Material (kein Plastik, wenn es irgendwie vermeidbar ist), Verarbeitung, Funktionalität, Ausstattung (beim Staubsauger war es mir z.B. sehr wichtig, dass er ein langes Kabel hat. Damit war die Auswahl von vorneherein beträchtlich eingeschränkt), usw.
Ich mache mich also schlau und kaufe schließlich das Produkt, das meinen Anforderungen am besten entspricht. Wenn möglich, im Einzelhandel vor Ort, notfalls auch mal übers Internet. Aber was, um alles in der Welt, sollte mich dazu bewegen, einen 1-Euro-Laden aufzusuchen? Wer geht denn aus dem Haus mit dem Gedanken: Heute kaufe ich mal nur Dinge, die einen Euro kosten? Ich mein: das ist doch kein Kriterium! Selbst wenn es dort tatsächlich den einen oder anderen netten Nippes gibt - das Zeug steht letztlich nur rum, verstaubt, ist nach einem halben Jahr defekt und landet im Müll. Aber hey: hat immerhin nur einen Euro gekostet! Große Klasse...
Natürlich ist es schön, sich mal was zu gönnen. Selbstverständlich gibt es auch bei mir Tage, wo ich mir eine Belohnung verdient habe. Zum Glück habe ich immer ein paar Kleinigkeiten im Hinterkopf, die ich gerne haben würde, aber eigentlich nicht unbedingt brauche. Diese Dinge kaufe ich nicht sofort, wenn sie mir in den Sinn kommen. Schon deshalb, weil sich vieles davon nach nochmaligem Überdenken doch als nicht nötig erweist oder weil sich eine andere Lösung ergibt. Der Rest "parkt" irgendwo im Hinterkopf, bis sich die passende Gelegenheit findet. "Frustkauf" heißt bei mir also nicht, den nächsten Klamottenladen leerzukaufen, sondern mir beispielsweise endlich die 3er Häkelnadel zuzulegen. Auch wenn ich eine 2,5er schon habe. 2,5 ist eben nicht 3. (Ein 12er Schraubenschlüssel ist kein 11er.) Das Schöne ist dann, dass ich mich an diesem Einkauf wirklich freue. Auch noch, wenn ich wieder zuhause bin.
Das soll aber bitte nicht den Eindruck erwecken, dass ich knickerig wäre. Nur: was mach ich mit noch drei Pullovern, wenn ich eh immer nur einen auf einmal tragen kann? Mein Schrank ist voll damit - wozu noch mehr? Ich sehe den Sinn einfach nicht. Aber endlich die genau passende Häkelnadel zu besitzen - das ist ein tolles Gefühl!
Spontankäufe habe ich mir schon lange abgewöhnt. Spätestens, wenn ich zuhause die Dinge auspacke, kommt die Ernüchterung: iih, Polyamidmischung. Fängt nach nem halben Tag grausam zu stinken an. Werd ich also seltenst anziehen. Die Schuhe sehen toll aus. Aber der Absatz ist mir eigentlich zu hoch. Kennt ihr das auch? Das böse Erwachen, wenn der Rausch nachlässt? Deshalb lass ich solche Frustkäufe lieber gleich sein. Ich kaufe etwas dann, wenn ich es brauche und wenn ich genau weiß, was ich will. Weil - auch das habe ich festgestellt - dann habe ich die besten Chancen, genau das zu bekommen, was ich will. Und das beschert mir wirklich ein Glücksgefühl!
Ach, und noch eine Faustregel gibt es: Ich kaufe nach Möglichkeit nichts, wofür Werbung gemacht wird. Hier gibt es natürlich Ausnahmen: manche Produkte mag ich, obwohl dafür Werbung gemacht wird. Aber grundsätzlich erst einmal alles sehr kritisch zu beäugen und zu hinterfragen, was lautstark angepriesen wird, ist eine gute Möglichkeit, in den bewussten Konsum einzusteigen. Sich genauer zu informieren, zu vergleichen. Um am Ende das gute Gefühl zu haben, wirklich genau das richtige Produkt erworben zu haben. So macht Einkaufen richtig Spaß. Nachhaltig sogar!
Glaubt nicht alles, was die Werbung euch weismachen will. Und ein Paar selbstgestrickter Handschuhe mit passendem Schal und Mütze sind sogar für Teenies ein tolles Weihnachtsgeschenk. Echte Unikate. Exclusiver geht's nicht! :)
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