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Donnerstag, September 09, 2010

Runen-Sigill: Licht

Ich mag Wortspielereien - und ich arbeite viel mit Runen. Was liegt da also näher, als beides zu verbinden? Am einfachsten ist es, die Buchstaben eines Wortes in Runen zu übersetzen. Bei dem Wort "Licht" sind das also Laguz, Isa, Kenaz, Hagal, Tyr.

Laguz - fließen. Licht hat die Angewohnheit, sich überall hin auszubreiten. Anders als Wasser "läuft" es jedoch immer nur in gerader Linie. Es breitet sich zwar nach allen Richtungen aus, füllt aber keine Ecken und Winkel aus.

Isa - Standpunkt. Bei Licht betrachtet kannst du besser feststellen, wo du dich bewegst. Befindest du dich auf sicherem Boden? Oder jagst du deinem eigenen Schatten hinterher? Wo genau stehst du? Was wirft seine Schatten voraus? Worauf musst du dich einstellen? Und wie bist du eingestellt? Licht erhöht den Kontrast (so wie sich in der Dämmerung die Konturen langsam verwischen). Das bedeutet einerseits, dass deine Gedanken klarer werden, kann andererseits auch zu Stillstand (z.B. bei Verhandlungen) führen. Nämlich dann, wenn jede Partei auf dem eigenen Standpunkt beharrt.

Kenaz - Strahlen. Anders als z.B. Wasser ist Licht nicht so klar begrenzt. Bei Wasser kannst du genau sagen, wo es aufhört, wo es anfängt. Doch das Licht strahlt alles an in weitem Umkreis. Sehr gut sieht man das bei der Dämmerung. Ist es noch dunkel, oder fängt es scho an, hell zu werden? Genießt du noch das Abendlicht, oder wird es schon Nacht? Licht ist Strahlung - und manche Strahlen können Materie durchdringen. Es geht vielleicht kein sichtbares Licht hindurch, doch "unsichtbar" wirkt es möglicherweise dennoch auf das "bestrahlte" Objekt.

Hagal - Explosion. Licht ist eine gigantische Kraft(quelle), man denke nur an die Sonne. Mit Laser können die dicksten Granitbrocken geschnitten werden. So eine Hagal-Explosion kann in Form eines Feuerwerks wiederum ganz bezaubernd erscheinen. "Ein Gewitter reinigt die Luft", sagt der Volksmund. Und tatsächlich werden die atmosphärischen Spannungen bei einem Gewitter durch Blitze abgeleitet. So dass sich die Luft "ent-spannt".

Tyr - Aktivität. Licht bringt etwas in Bewegung, bringt Dinge dazu, Schatten zu werfen. Schnell ist es außerdem - Lichtgeschwindigkeit! Wenn etwas ans Licht kommt, kommt meist auch etwas ins Rollen. (Sonnen-)Licht hebt außerdem die Stimmung, bringt frischen Schwung, um Dinge anzugehen, die vielleicht schon länger auf Erledigung warten. Wellen sind auch Schwünge. Licht breitet sich in Wellen aus. Und manchmal wird Licht auch zurückgeworfen - reflektiert.

Die Art der Lichtquelle hat Einfluss auf das "Wesen" des Lichtes. So verbreitet Kerzenlicht ruhige, romantische Stimmung, während uns Neonröhren eher an Büros oder Supermärkte denken lassen. Ich musste mich eben beim Tippen regelrecht zwingen, nicht "grelle" vor das Wort "Neonröhren" zu schreiben. Für mich sind beide Begriffe untrennbar verbunden.

Dieses "Wesen" des Lichtes beeinflusst die Atmosphäre und alles, was sich in dem Raum befindet. Dies kann nicht nur durch "hell" und "dunkel" gesteuert werden, sondern auch durch Farben. Rot bringt Wärme in einen Raum, während Blau eher abkühlt. Schwarzlicht bringt Weiß zum Leuchten (und deckt peinlicherweise alle Flecken auf Bluse oder Rock auf).

Soweit meine Gedanken zu den Runen, wie sie zu "Licht" passen. Nebeneffekt: Natürlich muss ich mir Gedanken darüber machen, was ich über "Licht" weiß. Probier das ruhig mal mit anderen Beispielen aus, und staune, was du alles zutage förderst :)

Am besten geht sowas immer schriftlich. Erstens weiß ich dann, was ich mir schon notiert hab und kann meine Gedanken weiterschweifen lassen. Zweitens lese ich mir solche Notizen gerne nach ein, zwei Tagen nochmals durch. Und entdecke meistens weitere Aspekte, Zusammenhänge, die mir erst durchs Nachlesen bewusst wurden.

Nun aber zum Runen-Sigill. Dabei werden die Runen einfach in- und übereinander geschrieben. Das kann neben- oder untereinander oder kreuz und quer sein. Wie es eben am Stimmigsten ist. Für "Licht" hab ich mir das hier überlegt:

Tyr ist klar erkennbar, denke ich, Laguz ist in Tyr sozusagen eh schon enthalten. Ebenso wie Isa - die jedoch auch der Querbalken sein könnte. Also Bild um 90 Grad nach rechts drehen - jetzt werden auch Hagal und Kenaz erkennbar.

Übrigens verwende ich immer die Sternchenform von Hagal. Korrekt im 24er-Futhark wäre eigentlich die H-Form: sieht aus wie ein H, nur dass der kleine Verbindungssteg etwas nach rechts gedreht ist. Mir ist die Sternchen-Form einfach sympathischer.

Ich mag solche Symbole - auch deshalb, weil sie sich wunderbar in einen Quilt einarbeiten lassen :) Auch diese Art der Wortseziererei hat mir schon bei manchem Problem weitergeholfen. Ich versuche dann, das Problem so genau wie möglich zu beschreiben - am besten mit nur einem Begriff - und beleuchte es von allen Seiten. Und meistens finde ich dabei völlig neue Aspekte.

Mehr über Runen auch hier im Archiv.

Geschrieben von Zauberweib am Donnerstag, September 09, 2010 ~ Schublade: SelbstGemacht, SpiriKram
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Freitag, September 03, 2010

Die Göttin - der Gott - das Göttliche

Ja was denn nun? Mir ist es wie vermutlich sehr vielen in unseren Breitengraden ergangen: Von klein auf habe ich gelernt, dass es Gott gibt. Also: einen. Und der ist - selbstverständlich, natürlich - männlich. Warum es so eifersüchtig heißt, dass man keine anderen Götter haben soll neben ihm, war mir ebenfalls von klein auf schleierhaft - schließlich gibt es doch gar keine anderen Götter?

Nun, das stimmt - und gleichzeitig stimmt es nicht. Doch bevor ich das weiter ausführe, muss ich vorweg schicken: all das stimmt natürlich auch wieder nur für mich. Das ist der Haken an der Sache mit dem Glauben. Du kannst ihn nur für dich selber finden. Auf deinem eigenen Weg. Das kann einer mit etablierten "Reiseführer" wie z.B. der Bibel sein, das kann aber auch ein abenteuerlicher Weg durch den Eso-Dschungel und/oder einem Abstecher zur Psychotherapie oder über eine Krankheit sein.

Ich sehe es so, dass es "das Göttliche" gibt. Das ist für mich einfach Fakt. Dass es Menschen gibt, die das Gegenteil behaupten, macht es für mich nicht weniger wahr. Genausowenig wie ich diese Menschen der Lüge bezichtigen will. Glaube ist Privatsache, ist mit das Intimste, das es im Leben überhaupt gibt. Wer bin ich denn, anderen bei ihrem Glauben oder nicht-Glauben reinreden zu wollen?

Also halte ich fest: es gibt da "etwas", ich nenns der Einfachheit halber mal das All-Es. Eine treffende Bezeichnung, weil "das Göttliche" ja zwangsläufig alles umfassen/beinhalten muss, was war, ist und jemals sein wird. Immer und überall. Über die Grenzen unseres Sonnensystems, unserer Galaxie hinweg. Eben: All-Es! Das, aus dem alles entstanden ist und das, wo alles wieder hingeht.

Damit erübrigt sich an sich die Frage, ob "das Göttliche" männlich oder weiblich ist. Es ist beides, es ist alles und gleichzeitig nichts von all dem. Es kann nicht männlich sein, sonst könnte es das Weibliche nicht erschaffen. Es muss aber sowohl das Eine als auch das Andere sein, weil es beides hervorgebracht hat und bringt. Deshalb ist "das Göttliche" auch pflanzlich, tierisch, mineralisch, menschlich - und all das eben nicht. Weil es all das gebiert - also trägt All-Es auch alles in sich.

So weit, so gut. Aber wirklich verständlich ist dieses All-Es eigentlich nicht. Naja, liegt aber auch in der Natur des Göttlichen - dass es ein bisschen größer ist als wir Menschleins. Zu groß, um wirklich vollends von uns erfasst werden zu können. Das ist einerseits tröstlich zu wissen, dass alles Leben durch dieses All-Es verbunden ist, dass niemand wirklich allein ist. Dass es Geborgenheit gibt.

Manchmal brauchts aber etwas "Greifbares", etwas, das ich begreifen kann. Da hilft dann die Vorstellung eines Gottes, einer Göttin - oder einer ganzen Anzahl davon. Ich sehe diese Personifizierung (kann durchaus auch Tiergestalt sein, oder ein Baum, ein Fluss, ein Berg - All-Es kann schließlich alles sein!) ungefähr so, als würde "das Göttliche" ein Kleid, einen Mantel, ein Gewand überziehen, um für mich in einer bestimmten Situation auf hilfreiche Art sichtbar zu sein.

Da ich selber weiblich bin, ist es für mich realistischer, das All-Es als Göttin zu "sehen", wahr zu nehmen. Und es war schließlich auch SIE, die damals, vor vielen Jahren, plötzlich bei mir im Wohnzimmer stand und mich willkommen geheißen hat. Da war mir auf einmal klar, was bisher in meinem Glauben nicht richtig war.

Inzwischen habe ich viel gelernt. Habe über viele Göttinnen (und Götter) verschiedenster Kulturen und Zeiten gelesen, diskutiert, interpretiert, gefühlt, visualisiert, wahr-genommen. Viele Jahre, in denen ich immer wieder lose Enden aufgehoben habe, weiterverfolgt - um schließlich zu bemerken, dass sie alle denselben Ursprung haben.

So ist es für mich richtig. Bei dir mag das ganz anders sein - dann ist das genauso richtig. Für dich. Das ist wohl die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe. Dass es tatsächlich nur einen Weg zum "Göttlichen" gibt. Nämlich den eigenen. Auch wenn das bedeutet, dass es dann doch wieder mehr als sechs Milliarden Wege gibt. Ist das nicht das eigentlich wunder-volle? Dass "das Göttliche" für jeden Menschen einen ganz individuellen Weg bereit hält, der sich nur wirklich auf den Weg machen will? Ich finde das großartig!

In den ersten Jahren meiner Spiritualitätsfindung hätte ich es nie gewagt, z.B. Isis und Freya gleichzeitig zu rufen. Schließlich gehören sie völlig verschiedenen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen (wenn sich das so sagen lässt) an. Heute weiß ich, dass die beiden viel mehr verbindet, als sie trennen würde. Es ist - ganz vereinfacht gesagt - immer die Göttin, immer das Göttliche. Nur einmal in ägyptischer Tracht und einmal in nordischer. Wenn ich Heilung brauche, bitte ich Inanna um Hilfe. Wenn ich Inspiration brauche, ist Brigid die Göttin meiner Wahl. Die Göttin personifiziert also jeweils einen Teilbereich des All-Es - den Teil, auf den ich mich gerade konzentriere.

Die männlichen Gottheiten habe ich bislang ziemlich ausgeklammert. Das liegt wohl auch daran, dass das Männliche unser Erdenleben hier sowieso schon sehr dominiert. Da finde ich es umso wichtiger, in Sachen Spiritualität auf Weiblichkeit zu setzen. Nicht zuletzt eben auch deshalb, weils mir einfach näher liegt :)

Fazit: das Göttliche ist All-Es. Dem Individuum erscheint es männlich oder weiblich. Als diese oder jene Gottheit. Oder du spürst die göttliche Präsenz ganze einfach beim Spaziergang im Wald. Es ist immer das Selbe.

So sehe ich das zumindest :)

Geschrieben von Zauberweib am Freitag, September 03, 2010 ~ Schublade: SpiriKram
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