Montag, Juni 13, 2011
Gewerkeltes März bis Mai
Endlich mal wieder ein bisschen was zu zeigen. Klick auf Bild zeigt die Großaufnahme der Collage.
Wie hier schon angeklungen ist, hab ich mal wieder Soggn bzw. Puschen gehäkelt. Gezeigt sind hier längst nicht alle - vor allem nicht all jene, die ich wieder aufgetrennt habe. Links unten die Puschen sind aus derselben Wolle wie der Pulli. Der in den letzten Wochen auch fertig geworden ist (Wolle gefärbt, gesponnen, Muster überlegt, gestrickt). Die Ärmel sind etwas lang geworden, aber erstens weiß ich nicht, ob die Wolle nicht doch noch etwas einläuft und zweitens können Ärmel eigentlich nie zu lang sein :)
Ebenfalls noch in der Ecke links unten ein angefangener Knüpfteppich. Der wächst nur sehr langsam, trotz der Einspannvorrichtung. Aber es geht voran.
Rechts oben und unten nochmal einige Loch-Strickmusterversuche meinerseits. Das Blumenmuster gefällt mir sehr gut, die abgewandelte Form (oben rechts) wirkt als Tuch aber nicht so recht. Aktuell hab ich schon wieder ein anderes Muster in Arbeit. (ohne Bild).
In der Mitte rechts ein Blick ins Nähzimmer, wo ich gerade dabei bin, eine Babydecke fertigzustellen. Im Januar hatte ich bereits davon erzählt, nun waren alle Teile da und das zusammen"basteln" hat mir superviel Spaß gemacht.
In der Mitte unschwer zu erkennen: Keksäää! :) Die gehen bei uns eigentlich nie aus :) Darüber einmal ein gemaltes Medizinrad/Erdrad - fürs Foto zugegebenermaßen noch etwas nachgegimpelt. Der Knubbel daneben ist ein vollrecycelter Multifunktions-Türstopper. Die Wolle besteht hauptsächlich aus Wollresten, die ich zusammengesponnen und mit einem dünnen Strang normaler Wolle verzwirbelt hab. Daraus hab ich den Knubbel gehäkelt, der mit Stofffitzelchen gefüllt ist. Genau für solche Zwecke heb ich meine Patch-Abfälle nämlich immer auf :) Multifunktional deshalb, weil er wahlweise die Tür ganz auf oder auf Spalt hält. Je nach Windaufkommen wird er so gelegt, dass er die Tür entweder vorm Zufallen oder Aufreißen abhält. :)
Nochmal links in der Mitte - ein Sonnenblendschutz. Da standen bis vor einigen Wochen in einiger Entfernung eine Hand voll Fichten genau in der Sonnenuntergangslinie. Die wurden gefällt :( Damit ist nicht nur eine richtig schöne Aussicht futsch, sondern auch unser natürlicher Sonnenblendschutz. Handeln war angesagt und ich hab tatsächlich sommerlich-leichten Nylonstoff gefunden, der sich schnell & einfach an die Markise anklemmen lässt.
Damit bin ich hier auch mal wieder auf dem aktuellen Stand.
nach oben ~ Permalink ~ Comments
Montag, Juni 06, 2011
Visionen für die Zukunft
Da die Autobranche in Bezug auf Solartechnik - bzw. überhaupt alternative Antriebsmöglichkeiten - nicht so recht in die Gänge kommen will, sollten vielleicht die Solarprofis eine Vorlage liefern?
Liebe Solarzellen-Hersteller: Entwickelt doch eine Art Solarzellen-Folie zum Aufkleben. Damit wird das Auto komplett bezogen, der alte Motor und Tank kommen raus, ein Elektromotor und Akkus kommen rein, fertig ist das Solarmobil.
Als Laie stell ich mir das so einfach vor. Dabei geh ich natürlich davon aus, dass "Folie" nicht unbedingt erdölbasiert sein muss. Da darf gern was völlig Neues, "Grünes" entwickelt werden. Was auch denkbar wäre: Magnet-"Folie". Die müsste allerdings fest genug sein, dass sie mindestens 140 km/h aushält. So viel Power sollte die Solarkraft schon bringen!
Ich fände das ne Super-Erfindung, wenn ich in naher Zukunft zum Fachhandwerker um die Ecke gehen könnte und der würde mein Auto umrüsten. Und das wäre auch bezahlbar, denn eigentlich muss das Material - also die Solarzellen, Akkus und Motor - ja nicht gekauft werden. Es müsste lediglich der Einbau, also die Arbeitszeit, bezahlt werden. Was in etwa einer größeren Reparatur-Rechnung entsprechen dürfte. Aber wer ein heißgeliebtes Auto schon seit vielen Jahren fährt, hat sowas eh immer einkalkuliert :)
Warum leasen statt kaufen? Logisch, weil es wiederverwendbar ist bzw. sein soll. Nur weil das Auto irgendwann vielleicht doch das Zeitliche segnet, muss doch nicht alles weggeworfen werden. Deshalb sollte die "Folie" abziehbar und wiederverwendbar sein. Daher auch die Idee mit der Magnet-"Folie". Eine 80%-ige Wiederverwertbarkeit sollte erreichbar sein. Und da bietet sich Leasing nun einmal an.
Akkus und Motor sollten eine lange Lebenszeit haben. Das ist meines Erachtens das Haupt-Kriterium, das ein Produkt erfüllen muss, wenn es zukunftsfähig sein soll: Lange Lebenszeit. Die Akkus sollten modular aufgebaut sein, so dass einzelne Teile ausgetauscht und überhaupt auf die Art für jedes Auto passend gemacht werden können.
Das heißt, der Kunde trägt die Kosten fürs Umrüsten - also die Arbeitszeit - und zahlt ansonsten eine monatliche Leasinggebühr dafür, dass die Solartechnologie genutzt wird. Da nicht mehr getankt werden muss, enstehen demnach keine Mehrkosten für den Einzelnen, stattdessen Mehrnutzen für den gesamten Planeten!
Und wenn die Autoindustrie dann ganz lieb bitte sagt, dürfen die diese Technologie vielleicht sogar für ihre Neuwagen nutzen :) Aber das erfordert erst einmal umdenken: Dass wir nicht länger produzierenproduzierenproduzieren können, dürfen! Sondern dass wir uns zuallererst überlegen müssen, was wird wirklich gebraucht? Wie können wir das herstellen, dass ein geschlossener Kreislauf entsteht (Zero Waste)? Und vor allem: ohne Gift, ohne schädliche Chemie.
Nein, ich will an dieser Stelle nichts hören von wegen "unmöglich", "geht nicht", "ist doch gar nicht soooo schlimm". NEIN! Bitte was sollen all die Auszeichnungen und Preise und gegenseitiges Beweihräuchern, wie fortschrittlich unsere Technologie doch ist, und was die Forschung nicht alles möglich gemacht hat, wenn wir noch nicht mal in der Lage sind, Radioaktivität zu neutralisieren. Wenn wir es noch immer nicht geschafft haben, Plastik in den Kreislauf einzubinden. Wenn wir noch immer auf Erdöl und dessen katastrophalen Folgen für unseren Planeten angewiesen sind.
Mal ehrlich: die Steinzeitmenschen waren wesentlich fortschrittlicher als wir, das muss ich mal so sagen! Die haben wirklich etwas Neues erfunden. Und zwar nicht irgendwelchen Nippes, sondern Dinge für den täglichen Gebrauch, die ihnen einen echten Nutzen z.B. bei der Nahrungsbeschaffung eingebracht haben. Und das ganz ohne Unmengen an Energie zu verbrauchen, ohne Luft, Wasser oder Boden zu verseuchen.
Aber ich schweife schon wieder völlig ab. Denn - um aufs Thema zurück zu kommen - es gibt ja auch noch Motorräder, die auch gern solarbetrieben wären. Einen Anfang hat z.B. die Firma Münch bereits gemacht, allerdings ist das halt auch "nur" ein Elektromotor, der aufgeladen werden muss. Vorzugsweise mit Solar-, Wind- oder Wasser-Strom.
Warum - fällt mir jetzt wieder ein - soll nun in Deutschland wieder mehr auf Kohle gesetzt werden? Was genau haben die Damen und Herren Politiker immer noch nicht begriffen? Es ist doch so einfach: AKW: nein. Sonne, Wind, Wasser: ja. Da kommt Kohle gar nicht drin vor! Und die Energieriesen hatten bereits einige Jahre Zeit, entsprechende Anlagen zu bauen. Das sollte auch nicht vergessen werden: Dass es vor dem Ausstieg ja bereits eine Zeit vor dem Ausstieg aus dem Ausstieg gab. Die hätte genutzt werden können, sollen.
Allerdings bin ich eh der Meinung, dass die Grundversorgung in die öffentliche Hand gehört. Also Energie, Wasser und eigentlich auch der Personennahverkehr. Es kann nicht sein, dass wir unsere Grundbedürfnisse an Konzerne übergeben, deren Ziel es natürlich ist, Profit zu machen. Strom und Wasser muss für jeden verfügbar und bezahlbar sein. Das war vielleicht mal sinnvoll, die öffentlichen Haushalte zu entlasten und auszulagern. Dass am Ende aber immer der Steuerzahler (und die Natur) die Rechnung kriegt, zeigt Fukushima (strahlt immer noch, Vierfach-Super-GAU. Intressiert nur grad keinen mehr).
Zurück zu den Mobbeds: Da gibt es ja nun nicht so viel Fläche für Solarmodule, aber es gäbe vielleicht die eine oder andere Idee zu entwickeln: Schutzkleidung mit integrierten Solarzellen - warum nicht? Wird mit einem kleinen Kabel eingestöpselt und zwar so, dass die Verbindung hält, aber im Fall des Falles einfach ausstöpselt.
Andere Möglichkeit: z.B. unter der Sitzbank versteckt ein zusammenfaltbares Solarpanel. Was bei Satelliten klappt, sollte doch auch bei Motorrädern machbar sein, oder? Und selbstverständlich als Zubehör ein mobiles Panel mit integriertem Akku, das daheim im Garten fleißig Strom macht, während das Mobbed unterwegs ist, welches über Nacht dann einfach angezapft wird.
Parkplätze könnten nicht einfach geteert, sondern mit Solarpanels belegt werden. Gerade vor Supermärkten, Möbelhäusern usw. sind ja nicht immer alle Plätze belegt. Der so erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. So haben alle was davon. Überhaupt verstehe ich nicht, weshalb nicht schon längst dazu übergegangen wurde, Neubauten so zu planen, dass die Dächer genügend Sonnenseite abbekommen.
Um nochmals auf die Parkplätze zurückzukommen: Es gibt einen findigen Erfinder - wenn ich mich richtig erinnere, aus den USA - der einen solchen Straßenbelag bereits erfunden hat. Ihm wurden großzügigerweise (höhö) eine Million Dollar Fördermittel eingeräumt, um das mal auszutesten. Das stand vor einigen Monaten in der Natur & Kosmos. Wäre schön, wenn sich diese Idee verwirklichen ließe!
Ich glaube, Ideenmangel ist nicht das Problem. Schon eher, das Wagnis, die Herausforderung anzunehmen. Was uns allen bevorsteht, ist ein kompletter Wandel im Bewusstsein. Dass wir nicht länger auf Kosten der Natur hantieren dürfen, sondern diese endlich als unsere Lebensgrundlage begreifen müssen.
Wem das zu ökotussig ist, der darf es auch gern so sehen: die Natur kann ohne uns Menschen sehr gut leben (ehrlich: wir sind der Grund, weshalb es ihr heute so dreckig geht) - wir aber nicht ohne sie. Wenn wir so weiter machen, wird sie sich wehren. Und wer mal genau hinguggt, wird sich zumindest die Frage stellen, ob sie damit nicht schon längst begonnen hat. Wer es als Kampf sehen mag: Mensch gegen Natur, dem kann ich garantieren, dass die Natur, das Leben als solches, auf jeden Fall am längeren Hebel sitzt.
Oder, noch ein wenig deutlicher: Es geht darum, unseren eigenen Hintern zu retten!
nach oben ~ Permalink ~ Comments
Donnerstag, Juni 02, 2011
Rezension: The Story of Stuff
The Story of Stuff : Wie wir unsere Erde zumüllen / Annie Leonard (Amazon-Link)
Im Titel ist schon sehr genau benannt, um was es hier geht. Es ist das Buch zum Film auf thestoryofstuff.de, den anzusehen es sich auf jeden Fall lohnt. Keine Angst, der dauert keine halbe Stunde. Und wer es dann genauer wissen will, dem sei dieses Buch dringendst empfohlen.
Annie geht der Frage nach: Woher kommen unsere Dinge? Wie - auf welche Art, unter welchen Umständen - werden sie erzeugt, gewonnen, hergestellt? Wie kommen die Dinge zu uns? Warum kaufen wir all die Sachen? Und vor allem: Was machen wir, wenn wir sie nicht mehr benötigen?
Im ersten Kapitel befasst sie sich mit der Rohstoffgewinnung. Also Holz, Wasser, Gestein, usw. Es geht weiter mit der Produktion: wie werden aus den Rohstoffen die Dinge, die wir schließlich kaufen? Als drittes widmet sie sich der Distribution, also dem Handel und Vertrieb. Im vierten Kapitel sind wir VerbraucherInnen angesprochen: Konsum und Werbung. Bis es im letzten Kapitel schließlich um die Entsorgung geht: Ab wann werden aus den Dingen Müll? Und ist Recycling wirklich immer gut?
Im Epilog lässt uns die Verfasserin an ihrer Zukunftvision teilhaben, gefolgt von Anhängen zu dem, was die Politik tut, um uns auf einen besseren Weg zu bringen und was wir selber tun können.
Zugegeben, ein Buch zum Themengebiet Umweltschutz von einer amerikanischen Autorin empfinde ich zunächst etwa so, als würde ein Metzger über die Vorzüge veganer Ernährung referieren. Ich hatte arge Bedenken! Aber ich wurde positiv überrascht. Frau Leonard hat wirklich etwas zu berichten, weil sie viele Jahre rund um den Erdball unterwegs war in Sachen Müll. Sie hat sich alles ganz genau angeschaut, hat nachgefragt, nachgebohrt und ist so manchen Herren Wichtig auf die Füße getreten :)
Und vielleicht gerade weil in der breiten amerikanischen Öffentlichkeit das Thema Umwelt (noch) nicht so präsent ist, wie bei uns (was aber auch noch besser werden kann!), erklärt sie mit einer Engelsgeduld, so dass wirklich jeder es begreifen kann. Beim Lesen - ich hatte mir vorher den Film angeschaut - hatte ich immer die deutsche synchron-Stimme im Kopf, die mir erzählt.
Sie bringt es auf den Punkt. Dass (Wirtschafts-)Wachstum nicht ewig weiter gehen kann. Dass irgendwann einmal die Grenze erreicht ist, wo nichts mehr geht. Und dass bei der Konzentration auf die Quantität die Qualität immer mehr leidet. Klar spricht sie hauptsächlich von Amerika und den dortigen Umständen. Doch für die deutsche Ausgabe hat sie vieles ergänzt, Statistiken und Links zugefügt. Beispiele aus dem deutschsprachigen oder zumindest europäischen Raum bemüht. Und was das "westliche" angeht - da sind wir in vielen Dingen nicht um so vieles besser als die Amerikaner. Leider.
The Story of Stuff lässt sich im Grund auf einen ganz einfachen Nenner bringen: "Wo vorne Gift rein kommt, kommt am Ende auch Gift raus." Wenn bei der Rohstoffgewinnung und bei der Produktion giftige Chemikalien zur Anwendung kommen, ist dieses Gift in dem jeweiligen Ding auch drin, wenn wir es kaufen und nach Hause bringen: In der Kleidung, in der Verpackung. In Möbeln und Teppichen. In Kinderspielzeug. In Elekrogeräten. Überall!
Und irgendwann werfen wir alle diese Dinge wieder weg. Oft genug werfen wir sogar völlig funktionstüchtige Sachen weg. Paradebeispiel: Handys! Wo es doch so praktisch ist, spätestens alle zwei Jahre für billiges Geld ein neues zu bekommen, nur weil man den Vertrag verlängert. Also landet das "alte" erst mal in einer Schachtel, dann im Keller - und irgendwann schließlich im Müll. Hierzulande hoffentlich wenigstens auf dem Recyclinghof oder sogar wieder beim Händler.
Recycelt wird dennoch nur ein geringer Prozentsatz. Wobei das Verfeuern von Plastikmüll "zur Energiegewinnung" nach meinem Verständnis nicht wirklich als "recycling" bezeichnet werden dürfte. Ok, wir haben hierzulande - gehen wir mal davon aus - sehr gute Filter in den Müllverbrennungsanlagen. Doch das bedeutet nur, dass die giftigen Partikel nicht gleich in die Luft kommen, sondern sich als mikrofeine Asche sammeln. Und sammeln. Und sammeln. Und dann? Wohin mit der hoch(!!)giftigen Asche? Da beschreibt sie die "super Idee", diese Asche in Dünger unterzumischen und nach Haiti zu schicken. So funktioniert Globalisierung im Kapitalismus.
Begrüßenswert (nicht das Gelbe vom Ei, aber doch die richtige Richtung) fand sie unser "duales System" - der Grüne Punkt. Ein guter Ansatz! Weniger lustig fand sie dann, dass sie unsere Grünen Punkte auf afrikanischen Müllhalden wiederfand. Klar, wenn wir schon das wenige kostbare Ackerland in Kenia in Beschlag nehmen, um darauf Schnittblumen zu pflanzen, sollen die armen Afrikaner wenigstens unseren Plastikmüll bekommen. Immer schön fair bleiben... /sarkasmusoff
Nein, ich will keinen falschen Eindruck erwecken: sie erzählt klar und deutlich, was alles läuft - und vor allem: wie schief! - aber sie versprüht auch jede Menge Zuversicht. Zeigt immer wieder Möglichkeiten und Geschichten auf, die Hoffnung machen. Es ist noch nicht zu spät. Aber allerhöchste Eisenbahn!
Was wirklich schlimm ist, dass die Umweltzerstörung gewollt ist. So muss man es benennen, wenn man sich darüber klar wird, dass die Industrie Boden, Wasser und Luft verseuchen darf, ohne in irgend einer Art und Weise dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Warum werden unsere Tshirts in Bangladesch produziert? Doch nicht, weil die Einwohner dort für ihre hervorragenden Nähkünste bekannt sind (wobei ich diese jetzt aber auch nicht abwerten will!). Sondern weil es dort praktisch keinerlei Gesetze zum Umweltschutz gibt. Die giftigen Chromsuppen werden einfach auf die Straße gekippt. Landen im Trinkwasser, im Boden, auf den Feldern, in der Nahrung. Arbeiterschutz gibt es auch nicht. Die Menschen dort stehen barfuß im Giftcocktail, ohne Atemschutz, nichts. [Der Vergleich zur Hühnerhaltung in Legebatterien drängt sich hier irgendwie auf...]. Kinderarbeit, Hungerlöhne, ellenlange Arbeitszeiten. Anders ist der Ladenpreis von 5,- für ein Tshirt aber nicht machbar: nur auf Kosten der Natur: Boden. Wasser. Luft. Leben.
Recht abenteuerlich findet sie die Ideen, was man alles mit dem Kohlendioxid machen könnte. Zum Beispiel unter Hochdruck in der Erde lagern. Sie stellt die simple Frage: Wie wäre es mit Schutz und Aufforsten von Wäldern? (Wald - keine Holzplantagen!) Bäume sind die besten CO2-Wandler, die es gibt. Schon deshalb, weil das "Austauschprodukt" am Ende Sauerstoff ist. Den wir ja doch auch recht gut brauchen können. So hin und wieder mal...
Was mir neu war, dass die WTO praktisch jedes Gesetz einfach so vom Tisch fegen kann, indem sie es einfach als "Handelsbarriere" deklariert. Umweltschutz muss draußen bleiben, wenn er dem Profit im Wege steht.
Sie sagt auch ganz deutlich, dass sie nichts gegen Handel hat. Nur was bei uns im Zuge der Globalisierung passiert ist, ist eine bloße Konsumierung. Wir sind keine Verbraucher mehr sondern Konsumenten. Es geht nicht mehr darum, eine neue Schüssel zu kaufen, weil die alte kaputt gegangen ist, sondern uns wird eingetrichtert, dass wir erstens sowieso drei, vier, fünf Schüsseln brauchen, schon mal grundsätzlich. Auf dem Esstisch machen die sich in Porzellan recht gut, für Sonntag brauchen wir natürlich einen extra-Satz Glasschüsseln. Ja, und für draußen, Grillen, Picknick, nochmal einen weiteren Satz Plastikschüsseln. Und dann gibts ja immer noch die Sonderangebote - drei Schüsseln für nur vier Euro - wer da nicht zugreift, ist doch blöd, oder?
Und ich bin wieder bei der Frage: Wenn ich Kleidung brauche, besuche ich einen Klamottenladen. Brauche ich ein Notebook, geh ich ins Elektronik-Geschäft. Aber was sollte mich dazu bewegen, einen Ein-Euro-Laden aufzusuchen? Wer steht morgens auf und stellt fest: Göddin, ich hab ja gar keine Ein-Euro-Sachen mehr?
Am Ende wirft sie einen schönen Begriff in den Raum: Zero Waste. Null Müll. Klingt komisch, gell? Aber mal ganz im Ernst: genau das müssen wir anstreben! Zum Glück gibt es schon einige findige Köpfe, die das erkannt haben und vereinzelt Lösungen gefunden haben. Wirklich "null" ist es dabei meist auch nicht. Aber wenn wir das Unmögliche anstreben, können wir alles Mögliche erreichen!
Es ist doch wirklich so: Alles, was wir kaufen, ist Müll. Nicht sofort zu dem Zeitpunkt, wo wir es kaufen. Aber irgendwann. Und gehts nach den Produktionsfirmen: so bald wie möglich. Dass auch tatsächlich die meisten Dinge, die wir kaufen, bereits im Laden (Gift-)Müll sind, macht Annie Leonard deutlich.
Für mich gehört dieses informative, ausführliche, verständliche und vor allen Dingen: ehrliche Buch auf die Liste der Pflichtlektüre für Schulen. Schon um alleine der allgegenwärtigen Werbung etwas entgegensetzen zu können. Durch den Zusatz "Das Kultbuch der Öko-Szene" wird es leider in die Birkenstock-&-Müsli-Ecke gedrängt, wo es eben gerade nicht hingehört. (Schon weil Birkenstock auf langlebige Produkte setzt!)
Kauft es und gebt es an FreundInnen und KollegInnen weiter. Leiht es euch aus der Bücherei. Lasst es euch schenken und schenkt es weiter. Sorgt dafür, dass es so viele Menschen wie möglich lesen!
nach oben ~ Permalink ~ Comments