Zauberweibs Gewerkel

Gewerkeltes, Vorgestelltes, Spirituelles, Schnurgeliges :)

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Sonntag, 10 April, 2016

Was macht man mit dem Medizinrad?

Wie arbeitest du eigentlich damit? Was genau bedeutet es? Wozu ist das gut?

Solche und ähnliche Fragen habe ich in letzter Zeit oft genug gehört, dass ich dazu noch einen kleinen Beitrag schreiben will.

Wozu ist das Medizinrad gut?

Medizinrad

Meine Variation des Erdrads besteht aus 4 + 8 + 12 Punkten:

"Erfunden" hat das Medizinrad Sun Bear. Wobei sich hier die Geister scheiden. Manche behaupten, er hat es völlig frei erfunden, andere behaupten, er hat das, was Jahrhunderte lang überliefert worden war, einfach nur niedergeschrieben. Wie auch immer es entstanden ist - mit dem Medizinrad existiert ein wundervolles Werkzeug zur Selbst-Erkenntnis und zur Spirituellen Heilung. Da es so wandelbar ist, kann es noch viel mehr bedeuten.

Wer im Internet nach Medizinrad oder Erdrad sucht, wird natürlich auf die von Sun Bear vorgestellte Version stoßen, aber auch noch auf viele andere. Und genau das ist ein großer Pluspunkt: Es ist anpassungsfähig. Du alleine darfst bestimmen, wie dein Medizinrad auszusehen hat. Welche Kriterien es erfüllen muss. Meines besteht aus drei Ringen mit 24 Punkten, deines kann völlig anders gestaltet sein. Vielleicht brauchst du einen Mittel-Punkt, fünf Elemente und 13 Monde - das wären insgesamt 19 Punkte, die z.B. gut zu den 19 Säulen der Vestalinnen-Tempel passen. Es müssen auch nicht drei Ringe/Ebenen sein, es können ebenso gut nur zwei oder fünf sein. Probiere aus, pack hinein, was dir wichtig ist, arbeite damit, und verwerfe es, wenn du merkst, dass es so (noch) nicht stimmig ist.

Auch mein Erdrad musste erst werden, es war nicht von Anfang an so, wie es jetzt ist. Die Farben für den äußeren Ring habe ich erst vor zwei Jahren gefunden. Wer weiß, vielleicht sieht es in fünf Jahren wieder ganz anders aus? Es ist lebendig, damit lässt sich am besten arbeiten.

Seit vielen Jahren befasse ich mich mit der Astrologie, habe dabei natürlich auch die "Übersetzungen" von Angelika Aliti und Luisa Francia entdeckt und wurde damit wieder einmal auf die Möglichkeit des Modifizierens aufmerksam gemacht.

Logische Schlussfolgerung also: Ich dreh den Zodiak einfach um und er passt genau in mein Erdrad. Somit ist das Haus I nicht länger links und es geht auch nicht gegen den Uhrzeigersinn weiter, sondern das Haus I befindet sich rechts und es geht im Uhrzeigersinn weiter. Ich habe den Himmel auf die Erde gebracht und daher nenn ich das Medizinrad auch gerne Erdrad.

Ich meditiere mit dem Medizinrad, oft in Verbindung mit bestimmten Göttinnen - je nachdem, ob und welches Thema gerade ansteht.

Vor einigen Jahren habe ich mir ein Medizinrad auf eine Decke genäht, so dass ich mich direkt reinstellen kann. In die Mitte oder auf eine bestimmte Position. Oder ich lege mich darauf. Unser Garten ist für ein dauerhaft angelegtes, begehbares Medizinrad leider zu klein. Deshalb die Idee mit der Decke. Da lässt es sich sehr gut visualisieren und/oder ritualisieren, was wirklich eine ganz andere Qualität hat, als "nur" das Bild an der Wand hängen zu haben. Ich kann diese Methode sehr empfehlen.

Zum Orakeln lässts sich das Erdrad ebenfalls gut verwenden. Als einfaches Steinorakel, aber auch mit Runen, Tarot, Göttinnen. Was für dich eben richtig ist.

Wenn du dich näher mit dem Thema auseinandersetzen magst, kannst du einfach loslegen, losmalen. Oder du geht erst einmal zurück auf Los und liest die Grundidee von Sun Bear oder eines der anderen Bücher zum Medizinrad; hier nur stellvertretend genannt*):

Was ich als Grundlagenvermittlung (Neben den Themen Jahresfeste/Jahreskreis und Astrologie) recht gut fand, sind folgende Titel*):

Hier nochmal der Hinweis, dass diese Bücher/Themen gut für meine Medizin waren/sind. Fühle dich frei, dein Medizinrad nach deinen persönlichen Bedürfnissen zu gestalten. Es muss nicht einmal zwingend ein Kreis sein. Wenn dir ein magisches Quadrat mehr zusagt als die Kreisform, dann arbeite damit!

Über Rückmeldungen dazu würde ich mich sehr freuen, weil mich nicht nur das Thema Erdrad interessiert, sondern auch dessen Vielfalt fasziniert.

Wenn ich dich jetzt neugierig gemacht habe und du dein eigenes "Abenteuer Medizinrad" starten willst - dann habe ich mein Ziel erreicht :)

*) Bitte kaufe Bücher in der Buchhandlung am Ort - die meisten haben mittlerweile sogar einen eigenen Online-Shop. Einen Mega-Konzern zu unterstützen, der seine Mitarbeiter schlecht bezahlt, mies behandelt und im Gegenzug dafür nicht einmal Steuern entrichtet, halte ich persönlich für eine sehr blöde Idee. Vielen Dank.

Zauberweib am Sonntag, 10 April, 2016 * Kategorien: Spirikram
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Montag, 21 Dezember, 2015

Jahresorakel - eine Art Landkarte

Nachdem ich drei Jahre ausgesetzt habe, ist es mal wieder Zeit für ein Jahresorakel. Wobei mir der Begriff so nicht (mehr) ganz passend erscheint. Besser gefällt mir "Landkarte". Ein Orakel zeigt ja nicht unumstößlich, was so und nicht anders passieren wird, sondern es deckt bestimmte Tendenzen auf, gibt Hinweise, wo Schwierigkeiten auftauchen können. Meist reicht es schon aus zu wissen, dass man sich z.B. beim bevorstehenden Hausbau nicht zu sehr auf andere (wie z.B. Architekt und Baufirma) verlassen sollte, um einen Tick genauer hinzusehen, lieber doch noch einmal nachzurechnen, bei den Nachbarn nachzufragen, um die nötigen Informationen zu erhalten und so tatsächlich größeren Schaden abzuwenden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen sei gesagt: Das funktioniert leider auch umgekehrt. Wenn dir das Orakel schlechte Karten aufzeigt und du felsenfest davon überzeugt bist, dass du deinen Job verlieren und in Hartz IV abrutschen wirst, brauchst du dich nicht wundern, wenn genau das eintreffen wird. Wenn schon katastrophisieren, dann auch richtig, oder? ;)

Wozu ist das Ganze aber dann gut? Einfach zur persönlichen Weiterentwicklung. Ein Orakel zeigt dir - je nach Fragestellung - einen Ist-Zustand an, den du ändern kannst, wenn er dir nicht gefällt. Oder einen Ausblick auf das, was vor dir liegt. Das wiederum kann dir helfen, Schwerpunkte zu setzen bzw. zu verlagern. Wie der Wetterbericht, der dich veranlasst, lieber doch noch einen dicken Pullover einzupacken.

Das "klassische" Jahresorakel bezieht sich auf die nächsten zwölf Monate. Dementsprechend ziehst du zwölf Tarot-Karten, Runen, Göttinnen- oder sonstige Orakel-Karten. Jedes Monat steht somit unter einem besonderen Aspekt, ist danach dann aber auch abgehakt.

Anders sind da - ebenfalls gern genommen - die zwölf Häuser aus der Astrologie. Für jeden Lebensbereich wird eine Karte (was auch immer) gezogen. Somit hast du zwölf "Helfer", die dich über das ganze nächste Jahr begleiten. (s.a. mein Jahresorakel mit Runen)

Wenn dir diese Einteilung aber nicht zusagt oder vielleicht zu ungenau ist, dann bastel dir deine eigene "Landkarte". Welche Lebensbereiche sind für dich wichtig? Fange ganz einfach an: Womit verbringst du deine Zeit (tatsächlich)? Also z.B. Familie, Beruf, Vereinsleben. Was ist dir wichtig, womit willst du deine Zeit (außerdem) verbringen? Denkbar wäre hier: Partnerschaft, Weiterbildung, Hobby XY. Und sonst? Gibt es sonst noch etwas, was dir wichtig ist, was nicht vergessen werden sollte? z.B. Gesundheit, Finanzielles, Spiritualität. In dem Beispiel wären das also 3x3=9 Lebensbereiche. Du kannst noch einen weiteren Punkt dazunehmen: "Jahresthema" - eine Art Motto oder roter Faden, der die Bereiche miteinander verbindet.

Zum Auslosen kannst du es dir leicht machen. Nimm einheitliche Kärtchen, auf die du je einen Begriff schreibst. Ordentlich mischen und verdeckt auslegen. Nun geht es ans eigentliche Orakeln: Wenn du dich für Karten (welcher Art auch immer) entschieden hast, mische diese ordentlich, konzentriere dich auf die Aufgabenstellung (z.B.: "Meine Landkarte für 2016", oder wie du es formulieren willst. Am besten schriftlich festhalten!) und ziehe eine Karte. Lege sie verdeckt auf eines der Kärtchen. Mach damit weiter, bis auf jedem Kärtchen eine Karte liegt. Wenn du Runen gewählt hast: Ziehe eine Rune und lege sie verdeckt auf eins der Kärtchen. Wiederholen, bis auf jedem Kärtchen eine Rune liegt.

Erst dann drehst du nacheinander die Kärtchen und die zugehörigen Auslosungen um. Lass dir dabei etwas Zeit, jeden Bereich auf dich wirken zu lassen, so dass du einen ersten Eindruck vom neuen Jahr bekommst.

Im Anschluss (oder in ein paar Tagen) kannst du dir überlegen, ob und wie du deine Landkarte gestalten willst. Vielleicht magst du die Bereiche in einem Kreis anordnen/aufmalen, Symbole dafür finden, die Karten kopieren und aufkleben bzw. Runen aufmalen. Lass genügend Platz für Notizen, Ergänzungen. Schließlich liegt das Jahr noch komplett vor dir - da gibt es sicher noch eine Menge zu bemerken.

Schön ist es natürlich, wenn du die Auslosung eines (Jahres-)Orakels ein bisschen feierlich gestaltest, ritualisierst. Wie du das machst, bleibt dir überlassen. Wenn du wirklich ernsthaft mit deiner "Landkarte" arbeiten willst, empfehle ich, dies in irgendeiner Form zu dokumentieren. Entweder als ganz eigenes "Reisetagebuch", oder du berichtest regelmäßig in deinem Tagebuch (so du eins führst) über Erkenntnisse und Erlebnisse zu deiner Landkarte. Du kannst auch einzelne Seiten für jeden Bereich anlegen, die du immer wieder ergänzt und in einem Ordner sammelst. Ob "in echt" oder am PC, ob als MindMap oder extra angelegtem (Privat-)Blog, bleibt deinen Vorlieben und Anforderungen überlassen. Wichtig ist, dass du gern damit arbeitest. Denn darum geht es ja schließlich: Die Landkarte auch wirklich zu nutzen. Um dort anzukommen, wo du ankommen willst.

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage und ein gesundes, glückliches neues Jahr - ob mit oder ohne "Landkarte" :)

Zauberweib am Montag, 21 Dezember, 2015 * Kategorien: Spirikram
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Samstag, 01 August, 2015

Lammas-Runen-Mandala

Irgendwie hat es sich dieses Jahr ergeben, dass ich zu jedem Jahreskreisfest ein Bild gestalte. Angedacht war da zunächst eine Bilderserie gleich großer, runder Bilder, die jeweils die Farbe und das Thema entsprechend zeigen. Das hat sich schnell relativiert, als mir zu Beltane die Ojo de Dios dazwischen gekommen sind. Somit war ich also wieder "frei" in meiner Gestaltung, so dass ich z.B. zur Sommersonnwende ein bereits vorhandenes Sonnenmandala in 3D-Aufbau verwenden konnte.

Für Lammas habe ich lange überlegt, ganz langsam ist die Idee gewachsen, hat Formen angenommen und bis sich die Einzelteile dann zu einem Ganzen gefügt haben, hats auch noch mal gedauert.

Lammas-Runen-Mandala  

Ocker als Hintergrund- bzw. Hauptfarbe musste einfach sein, obwohl die zugehörige Farbe eigentlich Lila ist. Und ich hatte so die Vorstellung von Höhlenmalerei - was liegt da dann näher als Runen?

Gemalt hab ich auf Pappe, für die Grundierung einfache Abtönfarbe mit einem ausrangierten Spülschwamm aufgetupft, was die leicht strukturierte Oberfläche ergibt. Nach dem Trocknen wollte ich erst mit Wachsmalkreide draufmalen, habe aber festgestellt, dass der Buntstift kräftiger malt. Also hab ich den genommen.

Auf Schmierpapier hab ich in Originalgröße das Mandala vorgemalt, mit Hilfskreisen und -Linien drin. Auf der grundierten Pappe hab ich an den vier Himmelsrichtungen kleine Punkte aufgemalt, die Vorzeichnung ein bisschen kleiner ausgeschnitten, so dass ich es gut mittig anlegen konnte. Dann hab ich den inneren Kreis ausgeschnitten und hatte so eine genaue Fläche vorgegeben, auf der der innere Teil (Jera und Naudiz) Platz haben sollten.

Anschließend den mittleren Ring aus der Vorlage ausgeschnitten, so dass nur noch der äußere auf dem Bild abgedeckt war. Hier war jetzt der Platz für Sowilo, Ehwaz und Gebo vorgegeben. Beim äußeren Ring habe ich die Himmelsrichtungen noch ergänzt auf insgesamt zwölf Punkte, die die Fehus positioniert haben, dazwischen nochmal Jera gemalt.

Am Schluss alles kräftig nachgezeichnet, fertig. Es ist genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Von weiter weg fällt die Zeichnung zwar nicht mehr so sehr auf, aber ein Edding o.ä. würde dann nicht mehr nach Höhlenmalerei ausschauen, sondern vermutlich eher nach "gwollt und net könnt" :)

Zauberweib am Samstag, 01 August, 2015 * Kategorien: Gewerkel, Spirikram
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Samstag, 16 Mai, 2015

Ojo de Dios

Ein bisschen verspätet ein Foto von meinem Beltane-Altar:

Beltane-Altar  

Sehr viel verändert sich der eigentlich nicht, ich setze nur mehr ein paar wenige Akzente zu den Jahreszeiten bzw. Jahresfesten. So wird z.B. der Platz zwischen den beiden Trommeln immer wieder mal neu belegt. Ich habe mir überlegt, jeweils passend zu den Jahresfesten ein Bild zu gestalten.

Bis mir - wieder mal via Pinterest - die Ojo de Dios über den Weg gehüpft sind. Und ich u.a. auf der wundervollen Seite von Jay Mohler gelandet bin - ein dermaßen begnadeter Künstler, wow!

Mein erster Ojo-Versuch mit Schaschlikstäbchen war noch nicht soo überzeugend; was hauptsächlich daran lag, dass die Stäbchen sich gebogen haben und somit die Fäden in der Mitte immer mehr an Spannung verloren. Das Ganze sah am Ende ein bisschen aus wie eins von den Regenschirmchen, die es aufs Eis gibt... oder zumindest früher immer gab. Gibts die noch?

Auf jeden Fall war ich angefixt und ich hab mir bei nächster Gelegenheit 8-mm-Holzstäbe im Bastelladen besorgt. Dann hab ich bei zwei Stäben in der Mitte eine Kuhle rausgeschmirgelt, indem ich grobes Schmirgelpapier über einen Stab gelegt und im 90-Grad-Winkel losgeschmirgelt hab (Fliesenfugen auf der Terrasse sind ein super Maßstab!):

Vorbereitung der Stäbe  

Die Kuhlen sind auf dem ersten und dritten Stab gut zu erkennen. Bei den anderen beiden Stäben habe ich in der Mitte lediglich ein bisschen abgeflacht, so dass die Kreuzfläche nicht doppelt, sondern nur noch etwa 1,5-fach "aufträgt". Mehr als jeweils ca. 1/3 hab ich mich nicht abschmirgeln getraut. Aber ein bisschen wäre wohl schon noch gegangen. Die abgeflachte Seite liegt beim Kreuz jeweils nach außen.

Für die Fertigung werden zunächst zwei Kreuze gebildet und diese dann miteinander verbunden. Und das ist wirklich eine blöde Pfriemelarbeit. Ein Video, das die Anfertigung gut zeigt, hab ich z.B. hier gefunden.

Beltane ist für mich im Jahreskreis eindeutig rosa gefärbt, also muss die vorherrschende Farbe entsprechend Rosa sein. Rot in der Mitte steht für die Kraft, die überall zum Ausdruck kommt, im Blühen und Sprießen und Wachsen überall in der Natur. Deswegen auch das frische Grün und ein bisschen Weiß, stellvertretend für all die Blüten überall. Obwohl es am Ende doch nicht so richtig rund geworden ist, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hab die Fäden immer zweimal um die Stäbe gewickelt, damit sie nicht gar zu dicht aufeinander liegen. Außerdem ist es nützlich, die Stäbe ein bisschen aufzurauhen, damit die Fäden nicht so leicht zusammenrutschen. Allerdings dabei eben aufpassen, dass gleich anständig gewickelt wird, weil "nachrutschen" eben auch schwierieg wird.

Ojo de Dios

Mein Beltane-Ojo ist zwar meilenweit von der Kunstfertigkeit eines Jay Mohler entfernt, aber ich finds wirklich sehr schön gelungen, genau passend zur Beltane-Zeit. :)

Zauberweib am Samstag, 16 Mai, 2015 * Kategorien: Gewerkel, Spirikram
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Montag, 13 Oktober, 2014

EVA-Projekt: Orakelset

Ich habe das Set (Buch mit 36 Karten) von Marlies & Klaus Holitzka schon seit einem Jahr. Und fast genau so lange überlege ich, ob ich dazu was schreiben will oder nicht. Mich stören einfach die viele Rechtschreib- und/oder Tippfehler im Buch. Und so mancher Satz hört völlig anders auf, als er angefangen hat. Da stellt sich die Frage: Haben die nicht einmal Korrektur gelesen? Ich meine, an so einem Werk hängt immer ein bisschen Herzblut - dann soll es doch auch gut aussehen, wenn es vollendet ist. Und nicht "irgendwie hingerotzt" wirken.

Liebe Holitzkas, falls ihr eine Neuauflage des EVA-Projekts plant, dann bittebitte, lest es vorher gründlich und aufmerksam durch. Schaltet die Rechtschreibprüfung im Textverarbeitungsprogramm ein. Ich finde wirklich, dass ein ordentliches Lektorat einen riesengroßen Unterschied macht!

Das also der Grund, weshalb ich das Orakelset bislang nicht empfehlen wollte. Weil das zugehörige Buch eine grottige Rechtschreibung hat. Der Grund, warum ich jetzt doch darüber schreibe: Die Karten und die Idee dahinter sind einfach genial!

Es werden 36 weibliche Archetypen vorgestellt. Die meisten - wenn nicht gar alle - kann jede von uns mehr oder weniger in sich wiederfinden. Ja, es ist eine Art Orakelset, es geht aber auch ein bisschen in Richtung psycholgische Selbsterkenntnis. Dass die Grenzen hier fließend sind, zeigt sich an diesem Set wirklich deutlich.

Die Karten sind relativ schlicht gehalten (also nicht überfrachtet), ein Mix aus Fotografie und Malerei. Doch gerade wegen dieser Schlichtheit sind sie klar "lesbar" - also genau richtig, wie sie sind.

Jeder Karte sind drei Begriffe zugeordnet. z.B.

Damit wird der jeweilige Archetyp gut umrissen und es fällt leichter, sich darin wieder zu erkennen.

Wie geht das nun?

Am einfachsten schaust du dir die Karten an und wählst die aus, die dir "am nächsten" sind, die dich am besten beschreiben - auch die unangenehmen! Dabei werden vermutlich so ca. fünf bis zwölf Karten rauskommen. Der Clou ist es nun, die Karten aufzustellen. Ganz ähnlich wie beim "Familienstellen". Also die Karten (ca. Postkartenformat) etwas wölben, so dass sie stehen bleiben.

Suche dir irgend ein Symbol, das dich selbst darstellen soll (das kann auch was ganz simples wie eine Kaffeetasse sein). Positioniere nun die gewählten Karten um dieses Symbol und zwar so, wie dir die Positionierung am stimmigsten erscheint. Gibt es Aspekte, die dir näher stehen oder nur am Rand eine Bedeutung haben? Tauchen manche Aspekte gerne zusammen mit anderen auf? Dann stelle diese auch nebeneinander. Nimm dir für diese Positionierung viel Zeit, bis du das Gefühl hast, dass alles passt. Meistens bekommst du dadurch schon eine Menge Einblick in dich selber. Besonders in konkreten Problem-Situationen kannst du mit dieser Methode einen Lösungsweg finden.

Gut ist es, wenn du die Aufstellung einige Zeit (über Nacht, oder zumindest einige Stunden) so belassen kannst und dich während dessen mit etwas anderem beschäftigst. Schau dir dein Gebilde mit einigem zeitlichen Abstand nochmals an - ich bin mir sicher, dass du weitere, andere Zusammenhänge finden wirst. Auch interessant kann es sein, das Werk von verschiedenen Seiten und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten - also ganz konkret! :)

Bei der Auswahl der Karten fallen dir vielleicht auch einige auf, die du sofort ganz weit von dir weisen willst/kannst. Diesem Stapel kannst du dich in einer weiteren Sitzung ebenfalls widmen. Sind diese Aspekte wirklich alle so weit von dir weg? Wenn ja: Warum? Gibt es konkrete Anlässe dafür? Ist es gut für dich, dass diese Aspekte nicht zu dir gehören oder wäre es schöner, wenn der eine oder andere doch zu deinem "Team" gehören würde? Wie kannst du das ändern?

Dieses Ändern können ist ein wichtiger Punkt im EVA-Projekt. Such dir unter all den Karten, die noch übrig sind, jene aus, die deinem bestehenden "Team" helfen können, die es ergänzen können. Egal, ob du damit an einzelnen Aspekten deines Wesens arbeiten willst (z.B. kann das "Gesunde Selbst" der "Zweiflerin" helfen, unbegründete Eifersucht zu heilen) oder in einer konkreten Situation Hilfe brauchst.

Natürlich kannst du auch - wie bei jedem Kartendeck - eine Tages-, Wochen- oder Monatskarte ziehen und dich über einen bestimmten Zeitraum mit diesem einen Aspekt näher befassen. Und du kannst die Karten für ganz normale Legemuster verwenden. Samhain steht vor der Tür - da bietet sich ein Orakel ja direkt an. :)

Vielleicht hört sich das alles ein bisschen abstrakt an. Mein Vorschlag ist: Probier es einfach aus! Wobei sich die Idee mit dem Aufstellen z.B. auch aufs Tarot übertragen lässt.

Die Idee hinter dem EVA-Projekt ist absolut faszinierend, die Karten sehr schön und passend gestaltet, die Texte dazu (inhaltlich) aussagekräftig und verständlich - wenn man von den Rechtschreib- und Tippfehlern absieht!

Im Untertitel heißt es: Meine vielen Gesichter - Entdecke und lebe deine Vielfalt! Genau darum geht es hier. Um diesem Ziel näher zu kommen, haben Marlies & Klaus Holitzka ein passendes Werkzeug erschaffen. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieses Set auch in einer ganz normalen psychotherapeutischen Praxis/Klinik Anwendung findet.

Zauberweib am Montag, 13 Oktober, 2014 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Freitag, 20 Januar, 2012

Jahresorakel mit Runen

Samhain naht - und damit die traditionelle Zeit des Orakelns. Einige wissen sicher, dass ich gerne ein Jahresorakel mache und eins davon möchte ich hier vorstellen. Du brauchst dazu ein Blatt Papier, um die Vorlage aufzumalen und deine Runen.

Orakelvorlage  

Du siehst, es ist gar nicht schwierig: Ein großer Kreis in zwölf Stücke geteilt, außen die Beschriftung von I bis XII und in der Mitte ein kleiner Kreis. Fertig. Die Sektoren beziehen sich dabei nicht auf die Monate (das wäre ja einfach), sondern auf bestimmte Aspekte:

Die Auswahl habe ich aus der Astrologie entlehnt und etwas abgewandelt - fühl' dich frei, einzelne Bereiche für dein Orakel ebenfalls passend abzuwandeln/umzubenennen! (Natürlich, bevor du orakelst!) I und II dürfte klar sein, III bezieht sich darauf, wie du mit der Welt in Kontakt trittst, auf was hörst du, wie und was nimmst du wahr, usw. IV meint alles, was du "von Geburt an" mitbringst, hier sind u.a. Traditionen und Glaubenssätze versteckt. V könnte man im weitesten Sinne auch mit Hobbies, Begabungen, Fähigkeiten betiteln. VI Körper/Gesundheit dürfte klar sein. VII meint generell alle Beziehungen, kann aber auch als Partnerschaftsbereich betitelt sein. VIII beinhaltet alles, was nicht sofort offensichtlich ist und ist somit oft der erhellendste Bereich im Orakel. :) IX Welche Lebenseinstellung hast du? Welche Vorstellungen? Was treibt dich an, bringt dich weiter? X kann durchaus als konkrete Aufgabe für dieses Jahr gesehen werden. XI zeigt an, woher überall Hilfe zu erwarten ist, damit kann auch ein gut ausgebautes Netzwerk gemeint sein. XII Das Spirituelle bezeichnet den gesamten spirituellen Hintergrund, im Gegensatz zu VIII, wo es um Dich als Individuum geht.

Wenn du in der Astrologie bewandert bist, kannst du dich auch direkt nach den Häusern orientieren.

Male dir die Vorlage auf ein ausreichend großes Blatt (hängt von der Größe deiner Runensteine ab). Konzentriere dich auf das kommende Jahr, darauf, was es dir wohl alles (Gutes! ;) ) bringen mag und wirf die Runen. Nimm dazu ruhig alle und lass nur die gelten, die auch auf der Vorlage (also innerhalb des äußeren Kreises) zu liegen kommen. Alle anderen kommen wieder in den Beutel.

Jede Rune hat eine Bedeutung für den Sektor, in dem sie liegt. Runen, die so nahe zusammen liegen, dass sie sich berühren, sollten auch zusammen betrachtet werden. Wenn eine Rune auf der Linie zwischen zwei Bereichen liegt, hat sie für beide eine Bedeutung. Eine Rune, die im inneren Kreis zu liegen kommt, ist von zentraler Bedeutung. Du kannst sie als Jahresrune betrachten. Runen, die mit "dem Gesicht nach unten" liegen, müssen buchstäblich (ich liebe das Wort im Zusammenhang mit Runen *g*) erst noch aufgedeckt werden. Eine verdeckte Fehu in II lässt auf einen Lottogewinn hoffen. Oder doch zumindest eine Gehaltserhöhung. :)

Ein Jahresorakel muss nicht zwingend für zwölf Monate gelten. Ich sehe es eher als eine Art "Wanderkarte". Wenn du alle "Sehenswürdigkeiten" entdeckt und erkundest hast, hat es seine Aufgabe erfüllt. Auch wenn das Jahr noch nicht abgelaufen ist.

Du kannst die Vorlage auf ein größeres Blatt Papier aufmalen, orakeln und dann die Runen, wie sie gefallen sind, direkt darauf einzeichnen. Verdeckt liegende kennzeichne ich mit einem Kreis, offen liegende bekommen keinen. So hast du deine "Wanderkarte" immer zur Hand, kannst dir am Rand - außerhalb des Kreises - Notizen machen, die einzelnen Bereiche vielleicht noch künstlerisch gestalten, so dass du gerne damit arbeitest und oft einen Blick drauf wirfst.

Mir haben Jahresorakel immer sehr hilfreiche Dienste erwiesen - vor allem auch dann, wenn es mal weniger schöne Zeiten gab. Ein Orakel zeigt dir Tendenzen auf. Es wird dir weder sagen, dass dein Traumprinz endlich in dein Leben kommt, noch wird es dir schlimme Krankheiten prophezeihen. Es zeigt dir lediglich, worauf du dein Augenmerk lenken solltest. Jera in II weist auf eine gute Ernte hin. Dafür ist es natürlich notwendig, zunächst zu säen!

Eine kurze Einführung zu den Runen findest du hier (pdf).

Als Jahresorakel kannst du natürlich auch die "klassische" Variante mit der Einteilung nach Monaten nehmen. Du kannst für jedes Monat eine Rune ziehen. Und/oder eine Tarotkarte. Eine Zigeunerkarte. Eine Lenormandkarte. Du kannst dein Tarotdeck in zwei Häufchen teilen: Trümpfe und kleine Arkana. Und für jedes Monat eine Karte aus jedem Stapel ziehen. Der Trumpf zeigt das Thema, die kleine Arkana den Aspekt dazu an.

Ein bisschen Zeit ist noch bis Samhain zur Vorbereitung. Ich wünsch dir viel Spaß beim (Er-)Finden deines persönlichen Jahresorakels und - guten Wurf! :)

09/2012

Zauberweib am Freitag, 20 Januar, 2012 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Donnerstag, 19 Januar, 2012

Erntezeit - Dankbarkeit

Mit Lammas hat Anfang August die Erntezeit begonnen. So ist es auch Zeit, der Erde zu danken für alles, was sie uns schenkt. Für unsere AhnInnen war es noch völlig normal, dem Land mit Achtung und Respekt zu begegnen. Das Land ist heilig. Das galt für die europäischen Kelten ebenso wie für die Ureinwohner Amerikas oder Australiens. Ich glaube, daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur wir Menschen haben es vergessen, verdrängt. Die Tatsache an sich aber bleibt.

Deshalb ist die Erntezeit eine gute Gelegenheit, das Land heilig zu sprechen. Der Erde und uns wieder ins Bewusstsein zu rücken, was wir ihr alles zu ver-danken haben. Das geht ganz einfach, indem wir ein Dankesgebet sprechen, für die Ernte, für die Erde, die sie uns geschenkt hat.

Unsere AhnInnen haben sicher auch viel bei ihren Ernte- und Dankesritualen gesungen. Diese Lieder sind heute leider verloren, vergessen. Doch es spricht nichts dagegen, eine bekannte Melodie mit einem neuen Text zu versehen. Dann können wir heute auch wieder der Erde unseren Dank singen. Mir gefällt z.B. "Wandering in the deep of the night". Dazu singe ich nun:

Das Land ist heilig, heilig ist das Land.
Die Erde ist Lebenskraft.
Alles wächst aus Dir, wir ernähren uns von Dir,
Mutter Erde, wir danken Dir dafür.

Ganz einfach, sehr eingängig. Gut geeignet z.B. beim Marmeladerühren. Da muss ich einfach immer singen, das geht gar nicht anders. Oder - auch eine gute Gelegenheit - beim Quilten. Überhaupt eine sehr meditative Tätigkeit, die mich irgendwie mit allen Frauen und Zeiten verbindet - so fühlt es sich zumindest an. Da macht das Singen gleich doppelt Spaß.

Passend zur Erntezeit hat eine Schwester ihre Tochter entbunden. Deshalb bin ich jetzt dabei, die Babydecke zu fertigen. Und da sie im Norden wohnt, halte ich es für eine gute Idee, auch das Meer, das Wasser überhaupt, zu besingen. So habe ich die zweite Strophe gewoben:

Das Meer ist heilig, heilig ist der Fluss.
Das Wasser ist Lebenssaft.
Du bist Lebensraum von der Quelle bis zum Meer,
Regentropfen, wir danken Dir dafür.

All diese und weitere Gesänge fließen nun in die Decke mit ein. Doch die Töne tragen sich auch in die Luft, verbreiten sich weit über das Land. Und das Land hört es gerne, wenn es geehrt und geheiligt wird. Wenn wir der Erde und dem Wasser zu ehren singen, unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen.

Noch gibt es laue (Spät-)Sommernächte und sicher noch das eine oder andere Lagerfeuer. Ebenfalls eine gute Gelegenheit zu singen, zu danken. Mutter Erde hört es gerne.

08/2012

Zauberweib am Donnerstag, 19 Januar, 2012 * Kategorien: Spirikram
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Donnerstag, 20 Januar, 2011

Uzume

Der Mythos um Uzume lässt sich schnell erzählen:

Es war einmal eine japanische Sonnengöttin - eher die japanische Sonnengöttin - namens Amaterasu. Die hat sich mit ihren Götterbrüdern ziemlich gestritten, woraufhin sich Amaterasu beleidigt, gekränkt, verärgert in eine Höhle zurückgezogen hat. Das war insofern blöd, da mit ihr auch die Sonne von der Bildfläche verschwunden war. Nicht nur die Menschen, auch die Götter reagierten darauf teils wütend, teils besorgt wegen dem Ausbleiben der Ernte. Das war für die Menschen nicht gut, und wenn die grantig waren, war das für die Götter auch nicht gut. Denen wurde doch schließlich die Schuld für alles zugeschrieben...

Also machten sich ein paar hundert der nächsten Götterverwandten Amaterasus auf, um sie aus ihrer Höhle wieder herauszulocken. Sie versuchten es mit Bitten und Flehen und Drohen und Bestechen - alles, was ihnen einfiel. Nichts. Keine Chance.

Und jetzt kommt endlich Uzume auf den Plan - um die es hier doch eigentlich geht. Die hat schnell gemerkt, dass die herkömmlichen Methoden hier nicht fruchten. Genügend Publikum war vorhanden, also hat sie angefangen zu tanzen. Das darf eine sich jetzt nicht wie einen orientalischen Schleiertanz vorstellen, sondern eher... schräg. Anrüchig. Komisch. Eine fette Alte, die ihre Quarktaschen-Hängebrüste links und rechts über die Schultern wirft, deren Bauchfalten wabbeln und schwingen, und die ihre Schamlippen "sprechen" lässt: versaute Witze, anrüchige "Angebote" an die Umstehenden - eine gelungene, "böööööse" Parodie der Amaterasu. ;)

Es dauerte nicht lange, bis die Umstehenden lachten und gröhlten, immer näher um sie drängelten, sie anfeuerten, klatschten, damit der verrückt-frivole Tanz der Uzume immer weiter gehen möge. An den eigentlichen Grund ihres Hierseins dachte niemand mehr und Amaterasu merkte in ihrer Höhle, dass da draußen etwas nicht stimmte. Jemand huschte grad an Höhleneingang vorbei, und als die Sonnengöttin aus ihrem Versteck heraus fragte, was denn los sei, meinte der, dass sich keiner mehr um sie schere, sie hätten jetzt eine viel bessere Göttin, die sie wenigstens zum Lachen brachte.

Amaterasu war über diese Nachricht ziemlich unglücklich, außerdem war sie neugierig. Wer war das? Welche ihrer Schwestern und Götterverwandten war in der Lage, sie - die Sonnengöttin! - zu übertrumpfen? Selbstverständlich musste sie sich das ansehen!

Genau darauf hatte Uzume gesetzt. Sobald sie auch nur den Hauch einer Bewegung im Höhlenbereich ahnte, war sie schon zur Stelle. Und als Amaterasu nach draußen trat, sah sie zuerst - sich selber! Denn Uzume hatte ihr einen Spiegel vorgehalten - Amaterasu war gebannt, begeistert von ihrer strahlenden Schönheit. Diese Gelegenheit wiederum nutzten einige andere, um den Höhleneingang zu verrammeln.

Die Sonne war zurück auf der Erde. Uzume hatte auf ihre ganz ureigene Art das Unmögliche geschafft.

~*oOo*~

Soweit die Geschichte. Erinnert seht an den Persephone-Demeter-Mythos. Dort war es die Göttin Baubo (s.u.), die Demeter wieder zum Lachen brachte, so dass sie neuen Kraft schöpfen konnte, um ihrer Tochter in der Unterwelt zu finden und zu befreien. Im Prinzip dieselbe Geschichte.

Was lernen wir daraus? Dass die Fähigkeit zu Lachen uns niemals abhanden kommen sollte. Dass wir immer in der Lage sein sollten, über uns selber lachen zu können. Und dass es bei genauer Betrachtung jeder Situation etwas Komisches abzugewinnen gibt.

Uzume begleitet mich schon sehr lange. Sie war es auch, die mich vor einigen Jahren etwas sehr Wichtiges hat wiederfinden lassen: meinen Optimismus! Seitdem ist sie für mich die Göttin des Zufalls, des Lachens, des Optimismus' und natürlich des Humors. Nach Luisa Francia (s.u.) ist sie (auch) die Göttin der Lust und der Leidenschaft. Wenn das nicht nur aufs Sexuelle begrenzt gemeint ist, stimme ich dem uneingeschränkt zu. Lachen befreit, erlöst, schafft eine ganz neue Atmosphäre. Lachen ist Magie, starke, gute Medizin. So ist es nicht unangemessen, Uzume auch als Schamanengöttin zu sehen.

Uzume hat als Planetenpatin des Uranus einen Stammplatz in meinem persönlichen "Göttinnenpantheon" erhalten.

Mehr zu Uzume findest du hier:

Noch mehr Göttinnen findest du im Archiv.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Spirikram
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Die Göttin - der Gott - das Göttliche

Ja was denn nun? Mir ist es wie vermutlich sehr vielen in unseren Breitengraden ergangen: Von klein auf habe ich gelernt, dass es Gott gibt. Also: einen. Und der ist - selbstverständlich, natürlich - männlich. Warum es so eifersüchtig heißt, dass man keine anderen Götter haben soll neben ihm, war mir ebenfalls von klein auf schleierhaft - schließlich gibt es doch gar keine anderen Götter?

Nun, das stimmt - und gleichzeitig stimmt es nicht. Doch bevor ich das weiter ausführe, muss ich vorweg schicken: all das stimmt natürlich auch wieder nur für mich. Das ist der Haken an der Sache mit dem Glauben. Du kannst ihn nur für dich selber finden. Auf deinem eigenen Weg. Das kann einer mit etablierten "Reiseführer" wie z.B. der Bibel sein, das kann aber auch ein abenteuerlicher Weg durch den Eso-Dschungel und/oder einem Abstecher zur Psychotherapie oder über eine Krankheit sein.

Ich sehe es so, dass es "das Göttliche" gibt. Das ist für mich einfach Fakt. Dass es Menschen gibt, die das Gegenteil behaupten, macht es für mich nicht weniger wahr. Genausowenig wie ich diese Menschen der Lüge bezichtigen will. Glaube ist Privatsache, ist mit das Intimste, das es im Leben überhaupt gibt. Wer bin ich denn, anderen bei ihrem Glauben oder nicht-Glauben reinreden zu wollen?

Also halte ich fest: es gibt da "etwas", ich nenns der Einfachheit halber mal das All-Es. Eine treffende Bezeichnung, weil "das Göttliche" ja zwangsläufig alles umfassen/beinhalten muss, was war, ist und jemals sein wird. Immer und überall. Über die Grenzen unseres Sonnensystems, unserer Galaxie hinweg. Eben: All-Es! Das, aus dem alles entstanden ist und das, wo alles wieder hingeht.

Damit erübrigt sich an sich die Frage, ob "das Göttliche" männlich oder weiblich ist. Es ist beides, es ist alles und gleichzeitig nichts von all dem. Es kann nicht männlich sein, sonst könnte es das Weibliche nicht erschaffen. Es muss aber sowohl das Eine als auch das Andere sein, weil es beides hervorgebracht hat und bringt. Deshalb ist "das Göttliche" auch pflanzlich, tierisch, mineralisch, menschlich - und all das eben nicht. Weil es all das gebiert - also trägt All-Es auch alles in sich.

So weit, so gut. Aber wirklich verständlich ist dieses All-Es eigentlich nicht. Naja, liegt aber auch in der Natur des Göttlichen - dass es ein bisschen größer ist als wir Menschleins. Zu groß, um wirklich vollends von uns erfasst werden zu können. Das ist einerseits tröstlich zu wissen, dass alles Leben durch dieses All-Es verbunden ist, dass niemand wirklich allein ist. Dass es Geborgenheit gibt.

Manchmal brauchts aber etwas "Greifbares", etwas, das ich begreifen kann. Da hilft dann die Vorstellung eines Gottes, einer Göttin - oder einer ganzen Anzahl davon. Ich sehe diese Personifizierung (kann durchaus auch Tiergestalt sein, oder ein Baum, ein Fluss, ein Berg - All-Es kann schließlich alles sein!) ungefähr so, als würde "das Göttliche" ein Kleid, einen Mantel, ein Gewand überziehen, um für mich in einer bestimmten Situation auf hilfreiche Art sichtbar zu sein.

Da ich selber weiblich bin, ist es für mich realistischer, das All-Es als Göttin zu "sehen", wahr zu nehmen. Und es war schließlich auch SIE, die damals, vor vielen Jahren, plötzlich bei mir im Wohnzimmer stand und mich willkommen geheißen hat. Da war mir auf einmal klar, was bisher in meinem Glauben nicht richtig war.

Inzwischen habe ich viel gelernt. Habe über viele Göttinnen (und Götter) verschiedenster Kulturen und Zeiten gelesen, diskutiert, interpretiert, gefühlt, visualisiert, wahr-genommen. Viele Jahre, in denen ich immer wieder lose Enden aufgehoben habe, weiterverfolgt - um schließlich zu bemerken, dass sie alle denselben Ursprung haben.

So ist es für mich richtig. Bei dir mag das ganz anders sein - dann ist das genauso richtig. Für dich. Das ist wohl die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe. Dass es tatsächlich nur einen Weg zum "Göttlichen" gibt. Nämlich den eigenen. Auch wenn das bedeutet, dass es dann doch wieder mehr als sechs Milliarden Wege gibt. Ist das nicht das eigentlich wunder-volle? Dass "das Göttliche" für jeden Menschen einen ganz individuellen Weg bereit hält, der sich nur wirklich auf den Weg machen will? Ich finde das großartig!

In den ersten Jahren meiner Spiritualitätsfindung hätte ich es nie gewagt, z.B. Isis und Freya gleichzeitig zu rufen. Schließlich gehören sie völlig verschiedenen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen (wenn sich das so sagen lässt) an. Heute weiß ich, dass die beiden viel mehr verbindet, als sie trennen würde. Es ist - ganz vereinfacht gesagt - immer die Göttin, immer das Göttliche. Nur einmal in ägyptischer Tracht und einmal in nordischer. Wenn ich Heilung brauche, bitte ich Inanna um Hilfe. Wenn ich Inspiration brauche, ist Brigid die Göttin meiner Wahl. Die Göttin personifiziert also jeweils einen Teilbereich des All-Es - den Teil, auf den ich mich gerade konzentriere.

Die männlichen Gottheiten habe ich bislang ziemlich ausgeklammert. Das liegt wohl auch daran, dass das Männliche unser Erdenleben hier sowieso schon sehr dominiert. Da finde ich es umso wichtiger, in Sachen Spiritualität auf Weiblichkeit zu setzen. Nicht zuletzt eben auch deshalb, weils mir einfach näher liegt :)

Fazit: das Göttliche ist All-Es. Dem Individuum erscheint es männlich oder weiblich. Als diese oder jene Gottheit. Oder du spürst die göttliche Präsenz ganze einfach beim Spaziergang im Wald. Es ist immer das Selbe.

So sehe ich das zumindest :)

Zauberweib am Mittwoch, 20 Januar, 2010 * Kategorien: Spirikram
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Wollknäul-Theorie

Wir nehmen Zeit im allgemeinen linear wahr - oder nein genau anders: wir nehmen es an. Die Wahr-nehmung des Jahreskreises zeigt uns ja eigentlich ganz genau, dass sie zyklisch verläuft. Im Kreis, in einer Spirale, wie die DNS.

Ein Schwarzes Loch ist ein Wurmloch, das eine Abkürzung, eine Verbindung, von zwei verschiedenen "Ebenen" des Universums darstellt. Man geht also von einem irgendwie gekrümmten Universum aus. Wenn wir also glauben, z.B. durch ein Teleskop einige Lichtjahre in die Zukunft oder besser Vergangenheit zu sehen (denn das, was wir sehen, ist in dem Augenblick, wo wir es sehen, schon längst wieder Vergangenheit in seiner Zeit), schauen wir nicht linear, sondern gekrümmt. Weil wir ja innerhalb unserer Zeit leben und nur diesen vergleichbar winzigen Abschnitt wahr-nehmen können und der uns als Gerade erscheint.

Zwischen den Windungen der Zeitspirale können Schwarze Löcher Verbindungen herstellen - eine Abkürzung durch die Zeit. Völlig logisch. Wenn ich jetzt also durch so eins in die Vergangenheit reise, um meinen Großvater zu töten - also mal angenommen, das funktioniert. Dann habe ich in dem Moment, wo ich in dieser Vergangenheit angekommen, in sie eingetreten bin, bereits eine Veränderung hervorgerufen. Allein die Tatsache, dass ich dort angekommen bin, bedeutet, dass ich meine mir bekannte Zeit verlassen habe, für mich bestenfalls Vergangenheit ist. Denn die Tatsache, dass ich jetzt hier in der Vergangenheit bin, bedeutet, dass ich nicht in der Zukunft sein kann. Ich werde also meine Herkunft vergessen haben, in dem Moment, wo ich dort (in der Vergangenheit) angekommen bin. Retrograde Amnesie. Oder auch: Geburt :)

Für die Menschen, die mich in meiner Zeit kannten, bin ich halt einfach "verschwunden", bei einem Unglück mit der Zeitmaschine explodiert - was auch immer. Für sie bin ich Vergangenheit. Meine Zukunft liegt jetzt in der Vergangenheit. Also kein Paradoxon.

Erinnerungen, Lieder können Wurmlöcher sein. Wenn ich "Final Countdown" höre, bin ich auf der Schulparty. "Jump" - aufm Weg zur Schwabacher Kirchweih, an meinem Geburtstag. "nelly the elephant" - Skilager in Österreich. So geht es ewig weiter. Bilder, Gefühle, Farben, Gerüche, Orte - alles ist auf einmal völlig real, fast zum Greifen. Nur fast - vielleicht also nur der Blick durchs Fenster, und doch bin ich mittendrin. Ein kleiner Wahrnehmungspunkt, nur eine Dimension einnehmend, der mithilfe der Musik Erinnerungen wachruft und es mir so ermöglicht, zumindest eindimensional dorthin zurück zu reisen. Nur für einen Moment im Jetzt - aber durchaus Stunden, Tage, Wochen dort.

Schamanismus, Reisen in die Anderswelt - ist das nicht genau dasselbe? Dort wird halt nicht von Zeit zu Zeit gesurft, sondern von Ebene zu Ebene geswitcht. Ich denke an den Weltenbaum Yggdrasil. Doch eigentlich nichts anderes als ein Kanalsystem, das die verschiedenen Welten untereinander verbindet. Midgard in der Mitte, von dort aus können sechs Welten unmittelbar, zwei weitere (Hel und Asgard) mittelbar über Wanaheim und Niflheim erreicht werden. Dieses Gefüge ist also mehr wie eine Traube aufgebaut - zumindest, wenn man diesen kleinen Ausschnitt sieht.

Die Zeit als der rote Faden, eine Linie, die bei genauer Betrachtung eine Spirale ist. So wie ein Wollfaden in sich verdreht ist, um stabil zu bleiben. Wenn man aber noch genauer hinsieht, besteht so ein Wollfaden aus unendlich vielen winzigen Fusselchen, die, würde man sie vorsichtig aufdrehen, ein gigantisches Netzwerk zeigen würden. Das allerdings nicht aufgedreht werden kann, da es über alle Ebenen und Dimensionen ineinander verwoben ist. Und wie im Kleinen, ist es auch im Großen: der rote Faden der Zeit ist nicht nur einfach eine Spirale, die da irgendwo rumhängt - sie ist ein gigantisches Wollknäul, das sich aus sich heraus selber spinnt. Orobor, die Weltenschlange, fällt mir ein, die sich selber frißt. Praktisch dasselbe.

Meine Zeit, meine Ebene, das ist immer (nur) das, was ich wahr-nehme. Also z.B. nur rosafarbene Fusselchen. Ich (er)kenne nur die rosanen, alles andere ist für mich nicht-existent. Also schwarz. Null. Nicht mal Null. Ich kann gar nicht erkennen, ob das Schwarz nur ein andersfarbiges Fusselchen ist, oder wirklich "nichts" - also ein Zwischenraum zwischen Fusselchen - ich sehe nur rosane. Und dort, wo die weniger werden, erkenne ich meine Grenzen. Also: die Grenzen der mir bekannten Welt.

8x8 ist 64. Alle Möglichkeiten sind immer da. Die, die ich nicht nutze, sind dennoch existent. Nur ich werde sie halt nicht erfahren. Aber ich kann versuchen, sie sichtbar zu machen - z.B. mithilfe von Schwarzen Löchern, Schamanismus einen Blick in andere Welten, andere Möglichkeiten werfen und aus den neuen Erkenntnissen vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Und so meine Zukunft beeinflussen.

Es hängt alles zusammen, gehört alles zusammen. Das Bild mit dem Wollknäul gefällt mir sehr gut. Wenn um mich herum das Chaos aus Fusselchen, Verdrehungen, Spiralen, Vernetzungen und Verwicklungen ist, kann der Ruhepunkt des ganzen Chaos nur in mir selber sein. Wenn ich mich ganz fest in mir verankere, ganz bei mir bin, in mir bin, völlig ruhig bin, dann bin ich in der Lage, all das Chaos als - Farbe in Bewegung - weißes Licht zu sehen. Obwohl aus der Sicht des Chaos ich ein kleiner weißer Punkt bin - höchste Konzentration! Als dieser kleine Punkt kann ich an jeden beliebigen Zeit-Raum in jeder beliebigen Dimensions-Schwingung gelangen. Solange ich mit meinem Roten Faden fest in mir verankert bleibe.

Diese Wollknäul-Theorie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Es ist vieles erst nur angedacht, und doch fühlt es sich so schon ziemlich stimmig für mich an.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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Handarbeit - Kunst - Magie

Handarbeiten hat mir schon immer großen Spaß gemacht. Ich habe meine Mutter genötigt, mir Stricken und Häkeln beizubringen, lange bevor wir dies in der Schule lernen sollten. Als Teenie habe ich mir Röcke, Kleider, Jacken, Overalls genäht - anfangs noch mit Hilfe und unter Anleitung meiner Mutter, bald dann selbstständig. Ich hab schon oft und viel beim Handarbeiten geflucht und geheult und das jeweilige Arbeitsstück ins nächste Eck gefeuert. Aber früher oder später hab ich alles zu Ende gebracht - oder wenigstens wieder aufgetrennt :)

Neben meiner Mutter hat mir in der Schule meine Lehrerin Frau H. das Handarbeiten weiter vermittelt. Ich hab neue Techniken gelernt und immer mehr Spaß daran bekommen. Das konnte mir nicht mal meine spätere Lehrerin V. auf der weiterführenden Schule vermiesen - auch wenn sie nah dran war! Für die V. war "Textiles Gestalten" Unterricht wie jeder andere auch. Wurde geschwätzt, hagelte es Strafseiten. Anders bei Fr. H. Sie vertrat die Meinung, dass Handarbeiten schon was anderes ist als "normaler" Unterricht. Und solange sich die Unterhaltungen im Rahmen hielten und nebenbei tatsächlich gearbeitet wurde, fand sie es völlig ok und richtig. Fr. H. hätte ich gern weiter als Lehrerin behalten.

Heute fällt mir auf, dass das ja damals schon Frauen- bzw. Mädchenkreise waren. Fr. H. hat viel dazu beigetragen, auch diesen "Kreis" zu vermitteln. So hat sie z.B. bei der Auswahl von Farbe, Muster und Schnitt beim Pullistricken geholfen. Jeder einzelnen stand sie mit Rat und Tat zur Seite. Die V. hingegen ging auf unsere Fragen nicht mal sachlich richtig ein - und sozial schon gar nicht...

So betrachtet haben sich die alten Handarbeits-Stuben (auch "Rocken-Stuben") in die Neuzeit gerettet. Ich wünsche mir, dass es noch viele Lehrerinnen wie Fr. H. gibt (und weniger welche der Sorte V.). Denn auch durch sie wird diese Art der "Tradition" weitergegeben, lebendig erhalten.

Und ist das Internet nicht auch nur eine weitere Variation der alten Stuben? Sind wir nicht alle irgendwie durch Blogrolls, Feeds und Mailinglisten in virtuellen Stuben verbunden? Ich meine: immerhin liest du das hier... ;) Ich finde schon, dass sich das vergleichen lässt, eine Adaption darstellt.

Nach der Schule ist der ganze Handarbeits-Kram dann über immer längere Abschnitte in immer tiefere Tiefen versunken. Mal Socken stricken, wenn mir zwischendurch gar zu langweilig war (was höchst selten vorkam), oder hier und da mal bisschen was rumgebastelt. Aber all die schönen Dinge, die Spaß machen, spart eine ja als erstes ein, wenn ihr der Alltag über den Kopf wächst. Umso wichtiger wurde es irgendwann auch, die alten Künste neu aufleben zu lassen - mit Erfolg. Die Freude an der Sache war sofort wieder da und meine Kreativität wuchs mit jedem Stück. Inzwischen habe ich auch ganz neue Techniken dazugelernt, allem voran Patchwork, Spinnen und Brettchen-Weben. Das Spinnrad hat mir mein Liebster einfach so von sich aus geschenkt, via Internet-Auktion sogar äußerst preisgünstig. Als Zimmerers-Tochter sollte ich vermutlich nicht erwähnen, dass ich es mittels Heißkleber repariert habe. Aber der war eben vorhanden und es hält bis heute!

Das Hand-Arbeiten (in diesem Zusammenhang also auch Basteln) hat sich auch in meinem magischen Bereich schnell etabliert: Runensteine herstellen samt passendem Beutelchen. Rasseln aus den unterschiedlichsten Materialen basteln. Den Rahmen meiner Trommel mit dem Brennstab verzieren. Eine Nana-Göttin töpfern. Altardecken patchen und sticken - um nur das zu nennen, was mir ganz spontan einfällt.

Magie ist etwas sehr Persönliches, Intimes. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass ich meine "magischen Gerätschaften" (im weitesten Sinne) am liebsten selber mache. Weil da beim Herstellen selber schon viel an meiner eigenen Magie einfließt und das Ergebnis auch eindeutig meine Handschrift trägt. Im Zuge dessen ist die Web-Präsenz magisches Basteln entstanden.

Auch wenn mein erster Trommelschlegel - aus altrosa Wolle gehäkelt - schon etwas bieder und altbacken aussah, hab ich Handarbeiten nie so empfunden. Im Gegenteil: durch die Verknüpfung zur Spiritualität, zur Magie wurde sie mir nur noch umso wertvoller.

Am kraftvollsten werden die Dinge, die ich wirklich mit Hingabe erarbeite. Wo ich nach Beenden eines Prozesses nicht sagen kann, ob ich nun zehn Minuten oder drei Stunden dran gesessen habe. Wo ich während des Arbeitens einfach "drin" bin.
Auch trägt es sehr zum Gelingen eines Projektes bei, wenn ich mich im Fluss treiben lasse. Meine Nähmaschine hilft mir dabei sehr. Z.B. wenn mir mein Kopf sagt, dass ich ja jetzt "noch schnell" diesen und jenen Arbeitsgang erledigen könnte, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Lust mehr habe. Dann reißt nicht _mein_ Geduldsfaden, sondern der Ober- oder Unterfaden der Maschine. Oder er ist zu Ende.
Inzwischen weiß ich die Zeichen zu deuten und höre in solchen Fällen auch wirklich auf. Es soll ja Spaß machen beim Tun, und nicht einfach nur so schnell wie möglich irgendwie fertig werden.

Auch wenn der kreative Fluss im Stocken ist, versuche ich nicht (mehr) mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Dann bleibt das Projekt eben eine Zeit lang liegen - bis irgendwann der Moment kommt, wo es *pling* macht, und ich genau _die_ Idee habe, das letzte besondere Etwas, das noch gefehlt hatte. Und _dass_ dieser Moment kommt, darauf kann ich mich verlassen. So geschieht es immer wieder, dass am Ende etwas anderes heraus kommt, als ich eigentlich geplant hatte. Schon noch in etwa das, was ich wollte - aber in der Ausführung halt oft ganz anders.

Ich glaube, in dem Moment, wo bei der Anfertigung die Magie mit rein fließt, kommt am Ende auch wirklich Kunst dabei raus. Dies zu beurteilen ist allerdings müßig, da Kunst nun mal im Auge der Betrachterin liegt. Ein Paar handgestrickter Socken - Kunst? Hm, kommt auf das verarbeitete Muster an. - Magie? Wenn meine Mam die gestrickt hat, auf jeden Fall. Weil die strickt die Wärme direkt mit rein! :)

Picasso ist ein bis heute anerkannter Künstler - ich persönlich empfinde seine Bilder nicht gerade als Kunstwerke. Seine Kunst lag mE eher darin, sich selbst bestmöglichst zu vermarkten. Und das ist ihm ja wirklich gut gelungen.

Vor einigen Jahren habe ich in Nürnberg eine lebende Statue gesehen. Eine Frau als Baum verkleidet und dekoriert. Sie stand still - es hat echt gedauert, bis zu merken war, dass diese Statue lebt. Spätestens dann, wenn sie allzu neugierige Passanten durch eine plötzliche Bewegung erschreckt hat. _Das_ nenn ich Kunst!

Einen Knopf annähen, eine aufgerissene Naht wieder schließen - sehe ich als profanes Reparieren. Wenn jedoch der Knopf an der Jacke des Kindes bei einer Prügelei abgerissen wurde, kann das durchaus der Anlass für magisch-künstlerische Betätigung sein. Indem ein besonderer, extra angefertigter Knopf mit der Intention angenäht wird, dass dieser Knopf das Kind fortan vor Schlägereien schützen soll.

Das Beispiel zeigt gut, wie magischer Alltag sein kann, wie einfach aus dem nötigen Tun das not-wendige Wirken wird. Es ist doch eigentlich überall wie bei den Plätzchen: die selbstgebackenen sind nun mal die besten! Wichtig dabei ist mE das Tun an sich. Ob eine "mal schnell noch" etwas macht, oder sich in Ruhe Zeit nimmt, um etwas anzufertigen, herzustellen. Dann entsteht der magische Zeit-Raum, vom Rest der Welt abgetrennt, in dem plötzlich alles möglich wird.

Für mich ist es wichtig, Rohstoffe zu verwenden, die vorhanden sind. Zum Patchworken also am liebsten ausgediente Bettwäsche oder gesammelte Stoffreste aus dem näheren Umfeld. Passendes Garn zu finden war für mich noch nie ein Problem: Meine Oma hatte mir vor vielen Jahren ihren Nähkorb vermacht, dessen Inhalt sich erst jetzt langsam zum Ende neigt. Und zu bunt passen alle Farben - bis auf schwarz und weiß vielleicht...

Womit ich auch gerne arbeite, ist Pappmache. Dank der wöchentlichen Anzeige-Blättchen wird mir der Rohstoff dafür regelmäßig kostenlos frei Haus geliefert. Tapentenkleister ist nicht wirklich teuer, lässt sich auch in kleinen Mengen anrühren und ich verwende ihn für nahezu alle (Papier-)Klebearbeiten.

Die Kalenderblätter vom Vorjahr lassen sich rückseitig bemalen und/oder zu Papierperlen weiterverarbeiten. Zum Bemalen nehme ich vorzugsweise Abtönfarbe ausm Baumarkt. Vergleichsweise preisgünstig, deckend, vielseitig einsetzbar (notfalls sogar für die Wand *g*).

Alte Tshirts werden nicht weggeworfen, sondern in feine Fäden geschnitten und zu Badvorlegern o.ä. verstrickt und verhäkelt. Es wandert auch nicht jeder Rock, nicht jede Hose, die "noch gut" ist, in die Kleidersammlung. Wenn der Stoff gefällt, kommts in meine Stoffsammlung, Knöpfe und Reißverschlüsse - so noch vorhanden/funktionstüchtig - als Nebenprodukt in meinen Fundus.

Überhaupt mein Fundus. Grundsätzlich kann ich ja alles noch irgendwie brauchen. Und so kommt es, dass ich - egal nach was ich suche - in den allermeisten Fällen direkt fündig werde. Oder ich finde etwas anderes, das sich entsprechend abwandeln lässt. Nur selten muss ich etwas kaufen; wenn, dann ist es hauptsächlich Werkzeug im weiteren Sinne. Wie neulich erst die Filznadeln. Und da sich wegen so einem kleinen Betrag eine Bestellung ja kaum lohnt, kommt dann halt noch das eine oder andere Wollknäul dazu, Bügelvlies hatte ich auch keins mehr - so ergibt es sich also ganz von selbst, dass sich meine Vorräte praktisch nie aufbrauchen.

Natürlich ist da auch die Gefahr gegeben, mich zuzumüllen. Aber da ich ein sehr kleines Bastelzimmer habe, muss ich von Zeit zu Zeit aufräumen. Und ich hab es inzwischen gelernt, loszulassen. Wenn ich seit einem Jahr reihenweise Salatbecherchen sammle, weil die doch so hübsch handlich sind, ich die seither aber noch nicht wirklich gebraucht habe, kann ich die heute loslassen. Zumal wir ja immer mal wieder Salat essen. Der Nachschub für den Fall des Falles also gesichert ist.

Aus Altem etwas Neues, etwas völlig Anderes erschaffen, ist Handarbeit, ist Kunst und durchaus auch Magie.

Aus dem, was vorhanden ist, das Beste zu machen, ist Kunst, ist Magie und meistens Hand-Arbeit. Denn erst wenn die drei - Kunst, Magie, Hand-Arbeit, zusammen treffen, kommt auch wirklich das Beste bei raus. Dass der Prozess des Rumwerkelns dann auch noch Seelenbalsam ist, ist ja fast schon nur noch Nebenwirkung...

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel, Spirikram
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Inanna

Mein Weg war von Anfang an vorgezeichnet. Man hatte mir von Anfang an beigebracht, dass ich vernünftig sein musste, brav sein musste, zu tun hätte, was man mir sagte, da ich schließlich eines Tages heiraten und meines Vaters Firma übernehmen werde.
Natürlich hatte ich alles von der Pike auf gelernt. Ich kannte jede Abteilung der Firma, wusste über alle Vorgänge genau Bescheid. Kannte alle MitarbeiterInnen, wusste, welche verliebt war oder schwanger, und wer seine Frau mit wem betrog. Mein Vater und später auch mein Mann belächelten mich für die Energie, die ich für solcherlei Informationen aufwandt, aber zugute kam es ihnen doch. Jedenfalls gab es kaum Probleme mit dem Personal - Welche Chefin wusste schon von jedem der über 200 Angestellten, wie er oder sie den Kaffee mochte?
Zur Hochzeit überschrieb mir Vater 49 % der Firma. Als er starb, bekam ich den Rest, mit der Auflage, meinen Mann zum Geschäftsführer zu machen und ich sollte als Präsidentin der Firma doch mehr den repräsentativen Aufgaben meine Zeit widmen. Und meinem Mann einen Sohn schenken, damit die Firma einen würdigen Nachfolger bekäme. Mein Vater hatte alles bedacht.

Meine Mutter starb schon als ich noch ziemlich klein war. Ich konnte mich kaum noch an sie erinnern. Mein Vater hatte mir damals gesagt, sie hätte Krebs. Und das würde bedeuten, dass etwas sie von innen auffressen würde.
Ich kam also unter die strenge Fittiche meines Vaters und wurde fortan als seine Nachfolgerin erzogen. Oder eher als die Frau seines Nachfolgers?
Jedenfalls hatte mich der Tod meines Vaters doch ein bisschen aus der Bahn geworfen. Zum ersten Mal war er nicht mehr da, um mir zu sagen, was ich tun sollte. Was richtig oder falsch war. Er hatte Vertrauen in meinen Mann und hatte keine Bedenken, dass er an meines Vaters statt fortan die richtigen Entscheidungen treffen würde. Aber ich fühlte diese Leere, die größer war als der Tod meines Vaters. So als hätte mein Vater all die Jahre ein Loch verdeckt, eine tiefe Wunde, die nun durch sein Verschwinden zum Vorschein gekommen war.

Als ich die Sachen von Vater auf den Speicher räumte, fand ich eine alte Kiste mit Spielsachen. Und plötzlich fiel es mir wieder ein. Sie fiel mir wieder ein: meine Schwester. Wie konnte ich sie nur vergessen haben? Eines Tages war sie weg. Es war ungefähr, als Mutter gestorben war. Vermutlich hatte Vater es mit uns beiden nicht ausgehalten. Und hatte sie weggegeben. Fragen konnte ich ihn jetzt auch nicht mehr. Ich erinnerte mich wieder an sie. Sie hatte vor nichts und niemanden Angst. Wo ich davonlief, griff sie an. Sie war nie pünktlich zu Hause und nie, niemals ließ sie sich irgend etwas gefallen. Von den großen Jungs aus der Nachbarschaft nicht. Von Vater nicht. Sogar den Pfarrer brachte sie mit ihren Fragen in Verlegenheit.
Ich erklärte meinem Mann, dass ich meine Schwester suchen müsse und er meinte nur, ich sollte mir Zeit lassen. Er hätte alles im Griff. Also zog ich ein nettes Kostüm an und machte mich auf den Weg. Ich kam bald zu einer Tür; sie stand mitten im Park und machte überhaupt keinen Sinn, aber ich wusste, dass ich richtig war. Höflich klopfte ich an, und als nach kurzem Warten immer noch kein Laut von innen kam (und es mir abwegig erschien, dass das daran liegen könnte, dass es bei einer einzeln stehenden Tür vielleicht kein "innen" gab), öffnete ich vorsichtig.

Ich war in der Unterwelt. Obwohl ich vorher nie dort war, und ich keine Ahnung davon hatte, so wusste ich doch sofort, als ich über die Schwelle ging, wo ich war. Hier sollte meine Schwester sein? Hatte mein Vater meine Schwester zum Teufel gejagt? "Nein, meine Liebe, hier regiere ich!" Eine tiefe, aber weibliche Stimme antwortete auf meine Gedanken. Zu dieser Stimme gehörte eine wild aussehende Dunkle Frau auf einem Thron aus allerlei Knochen. Sie musterte mich von oben bis unten, schnippte dann mit dem Finger, was zur Folge hatte, dass ich quer durch den Raum flog und hart auf dem Boden landete. "Warum tust du das?" fragte ich sie verblüfft. "Eben darum!" kam die Antwort. "Jetzt weiß ich warum du hier bist."
"Kennst du meine Schwester? Woher weißt du..?" Aber weiter kam ich nicht. "Er hier wird sich um dich kümmern!" Unterbrach sie mich und zeigte auf einen grimmig schauenden Mann, der auf mich zu kam. Nun ging alles ziemlich schnell. Ohne jede Warnung schlug er auf mich ein; ich wusste nicht, warum: niemand gab mir irgend eine Erklärung, nur das Lachen der Finsteren Frau im Hintergrund. Er schlug mich und zerrte mich an den Haaren zu einem Felsvorsprung. Mein Kostüm war schmutzig und zerrissen, Schuhe hatte ich inzwischen keine mehr an. Er riss mir die restliche Kleidung mit einem Ruck herunter und warf mich bäuchlings über den Felsen. Was nun kam, war schlimmer als alles, was ich mir vorstellen konnte. Mit seinem ganzen Gewicht drückte er meine Handgelenke auf den harten Stein und gab mir keine Möglichkeit des Auskommens. Brutal verging er sich an mir und ich fühlte mich dreckig, gedemütigt, verletzt. Geschändet.
Als er endlich von mir abgelassen hatte, glitt ich kraftlos von dem Felsvorsprung herunter und sank in einer Ecke zusammen. Ich wimmerte vor mich hin und ergoss mich in meinem Leid. Meine Schwester wollte ich suchen, meine Eltern hatte ich verloren. In der Welt da oben war ich eine Geschäftsfrau und hier, jetzt? Ich fühlte mich so hundeelend, so verlassen und einsam. Mein Körper war nur noch Schmerz und jede einzelne Träne trug all diesen Schmerz in sich.

Der Mann lachte mit der Dunklen Frau um die Wette. Es dröhnte in meinen Ohren, dieses höhnische Gelächter und ich fühlte mich noch schlechter, noch besudelter - mir wurde regelrecht übel.
"So willst du deiner Schwester unter die Augen treten? Du meinst nach all den Jahren will sie mit dir Jammerlappen noch etwas zu tun haben? Als hätte sie ausgerechnet auf dich gewartet, damit du ihr ein Klotz am Beim wirst? Ist es das was du von ihr willst? Willst du dich hinter ihr verstecken, jetzt wo dein Daddy nicht mehr da ist?" Diese Frau wollte mich offenbar noch mehr verletzen. Ich hatte ihr doch nichts getan. Warum sagte sie solche gemeinen Sachen zu mir? "Du wimmerndes Häuflein Elend! Deine Schwester hat dich längst vergessen. Du hast dich all die Jahre nicht um sie gekümmert, es war dir völlig egal, was aus ihr geworden ist. Weißt du was? Sie hat gesagt, solltest du je hier auftauchen, dann darf ich dich quälen so lange und so oft ich will!" stichelte das Miststück weiter.
"Das ist nicht wahr!" platzte es aus mir heraus. Ich rappelte mich hoch und stürzte auf sie zu. "Gratuliere, du kannst ja doch noch aufrecht gehen. Aber geh nicht auf mich los. Ich hab dir nichts getan. Oder willst du ihn davonkommen lassen?" Die Frau war die Ruhe selbst. Oder fiel mir das in dem Moment nur deshalb auf, weil ich plötzlich so wütend war? Was bildete sich dieser Typ überhaupt ein? Ich spürte dieses unglaubliche Wut auf einmal in mir hochkommen - sie brach aus mir heraus wie ein Vulkan ausbricht. Sicher war ich auch wütend auf mich selber, dass ich mir das überhaupt hatte gefallen lassen. Aber das war doch kein Grund für ihn, auf mich loszugehen: nur weil ich es mir gefallen ließ!

Noch ehe der Mann wusste wie ihm geschah, hatte ich ihn umgerannt. Nun ging ich auf ihn los, ich schlug auf ihn ein, dort wo es ihm besonders weh tat und ich war erstaunt, wie viel Kraft ich in meine Fäuste legen konnte. Er wollte sich wehren, doch ich sprang auf seinen Arm, der hörbar knackte. Der Mann schrie und wurde nun seinerseits wütend. Jetzt ging der Spaß erst richtig los und je angriffslustiger er wurde, desto wütender wurde ich. Er hatte keine Chance. Alle Wut, alles verletzt-sein, alles, was ich in den vergangenen Jahren geschluckt hatte, schleuderte ich ihm nun entgegen. Ich wusste bis zu dem Moment gar nicht, was sich da alles im mir aufgestaut hatte. Und ich werde niemals die Wut vergessen, die ich in diesem Moment gespürt hatte. Ich war eine Löwin. Ich brüllte wie eine, fühlte wie eine, kämpfte wie eine. Irgendwann blieb der Mann reglos liegen und die Dunkle Frau meinte nur trocken, dass ich gewonnen hätte.

Ich atmete heftig und war gleichermaßen schockiert und stolz. Was hatte ich getan? Und warum hatte ich das nicht schon eher getan? Ich war glücklich, dass ich mich endlich befreit hatte. Ja, genau so fühlte ich mich: befreit. Ich blickte der Frau tief in die Augen und sie lächelte und meinte, dass ich nun meine Schwester sehen könne. Sie deutete mit dem Kopf auf die Seite und ich drehte mich um und da stand sie: Meine Schwester!
Ich hätte sie unter tausenden wieder erkannt. Sie war regelrecht verwildert in der Zeit hier unten, war mit Wunden und Kratzern übersät, ihre Haare waren wirr und zerzaust und ihre Kleidung - sofern es jemals eine war - hing in Fetzen von ihr. Und doch war sie so wunderschön, so lebendig. Alleine ihre Augen verrieten mir eine Tiefe an ... Gefühltem, Erlebtem, Erkanntem. Einfach unbeschreiblich.
Wir rannten gleichzeitig aufeinander los, und genau in dem Moment, als ich sie nach so langer Zeit in die Arme schließen wollte - knallte ich gegen etwas Hartes.
Verwirrt blieb ich stehen, doch dann hatte ich begriffen. Ich fing lauthals an zu lachen und aller Schmerz war vorbei. Die Lektion war verdammt hart, ohja. Aber ich hatte endlich, endlich begriffen. Ich streckte meinem Spiegelbild die Zunge raus und fing wieder an zu lachen. Es ging mir so gut wie lange nicht mehr. Plötzlich war ich wieder lebendig, fühlte ich mich wieder ganz. Ich war so von mir getrennt, dass ich mich auf die Suche nach meiner "Schwester" machte. Weil ich gar nicht mehr wusste, dass ich auch anders sein konnte.

Die Frau der Finsternis war neben mich getreten und nahm mich gütig lächelnd in die Arme. "Ich hab dir so viele Zufälle und Möglichkeiten da oben geschickt, aber du hast es nicht einmal bemerkt. Es ging nicht anders. Du wolltest es auf die harte Tour lernen. Den Gefallen habe ich dir getan!" Ich wusste, sie hatte Recht.
"Und der hier?" fragte ich sie mit einem Blick auf den Mann. "Och, wegen dem mach dir keine Sorgen, schick mir einfach einen Ersatz runter. Es ist hier Sitte, sich Geschenke zu machen. Du hast deine "Schwester" bekommen, also schenke du mir am besten deinen Mann. Der ist da oben sowieso gerade damit beschäftigt, dir deine Firma zu klauen!"
Der Vorschlag klang logisch, wie es mich überhaupt daran erinnerte, dass ich da oben ja auch noch ein Leben hatte.

Im nächsten Moment fand ich mich wieder auf der Toilette meines Büros. Ich war normal gekleidet, hatte weder Verletzungen noch Schmerzen, noch irgend etwas, das auf meine Erlebnisse hindeutete. Dass die Zeit dort unten anders lief, hatte die Dunkle Frau mir noch erklärt - und doch war alles genau so geschehen. Ich schuldete ihr etwas und war bereit, meine Schulden zu zahlen.
Meinen Mann wird vermutlich dasselbe Schicksal ereilen wie demjenigen, der mir begegnet war. Und das ist gut so. Ich hatte ihn gefeuert und die halbe Chefetage dazu. Als mir mein Finanzberater empfahl, den Auftrag der Waffengesellschaft anzunehmen, habe ich ihn auch entlassen. Die Firma wird gerade völlig umstrukturiert und jede einzelne Mitarbeiterin hat eine Stimme zu sagen, was sie gerne arbeiten würde. Männer gibt es kaum noch, denn die können mit dem "Durcheinander, dass hier neuerdings herrscht" nichts anfangen. Doch wir Weiber fühlen uns sauwohl.

Zauberweib, 03/2004

Das ist die Adaption des Inanna-Mythos, wie ich ihn verstanden habe. Im Original ist Inanna auf der Suche nach ihrer Schwester Ereschkigal. Inanna muss etliches an Qualen erleiden und darf sie am Ende aus der Unterwelt mit nach oben nehmen, wenn sie dafür ihren Sohn-Gatten hinabschickt.
Also auch hier wieder die alte Geschichte des "Der König ist tot, es lebe der König!" Dabei wird immer wieder gern vergessen, dass es die Frau - die Souveränität des Landes - ist, die den Mann zum König macht. Daher hab ich mich entschlossen, in meiner "Übersetzung" nicht zimperlich zu sein.
Wie ich überhaupt finde, dass der Mythos (immer noch) gut auf die Frau an sich passt. Noch immer werden wir zu Gehorsam erzogen, wird uns jede Wildheit ausgetrieben und erst dadurch werden wir schwach, schutz- und hilflos. Ausgeliefert! Und doch können wir es jederzeit ändern, wenn wir es nur wollen. Wir müssen uns nur auf die Suche nach unseren Schatten machen, nach all den Eigenschaften, die wir verdrängt und abgespalten haben.

Klar hat die Frau in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In der Männerwelt. Das ist das Problem. Wir sind in die Männerwelt eingedrungen, doch noch immer nicht haben wir begonnen, uns wieder eine Frauenwelt aufzubauen. Was ist nur los mit uns? Aufwachen, Schwestern, es gibt jede Menge zu tun!
Geht in den Keller, auf den Dachboden - wo auch immer ihr eure Schatten versteckt habt, und holt sie hervor. Schaut sie euch an und scheut nicht den Schmerz, denn genau das bringt euch die Stärke, die Eigen-Macht zurück. Schmiedet eure Waffen und seit zur Stelle:

Wann immer eine Frau misshandelt wird
Wann immer eine Frau gedemütigt wird
Wann immer eine Frau Angst hat
Wann immer eine Frau ihr Licht unter den Scheffel stellt

soll eine Schwester nicht alleine sein. Die Solidarität ist unsere stärkste Waffe. Deshalb schau nicht weg, sondern misch dich ein. Schrei so laut du kannst. Eine Schwester greift man nicht ungestraft an!

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Ix Chel

(Dieser Artikel wurde erstmalig in der Ausgabe 16 (pdf) des Schlangengesangs veröffentlicht)

Ix Chel ist die mexikanische Mondgöttin. Sie ist zuständig für Fruchtbarkeit, Zyklus, Geburt - alle Frauenbelange. Außerdem ist sie die Schutzpatronin der Weberinnen sowie, einigen Quellen zufolge, sämtlicher Handwerksberufe. Als Mondgöttin ist sie auch eine Dreifache Göttin: sie wird sowohl als junge Frau, als auch als Mutter/Gebärende und weise Alte dargestellt. Auf ihrem Haupt thront eine Schlange, die durch ihre Häutungen Regeneration und Wiedergeburt symbolisiert. Ihr Gemahl wird als Kaninchen dargestellt.

Nach der Maya-Mythologie hat Ix Chel, die Göttin des Regenbogens, zusammen mit ihren Gemahl Itzamna alle Göttinnen und Götter des Pantheons geboren. Laut mexiko-lexikon.de ist dieser der Sohn von Hunab Ku. Schaut eine auf dessen Seite nach, erfährt sie, dass dieser der Weltenschöpfer der Maya war, einen Sohn, Itzamna, hatte und eine Ehefrau namens Ix Chel. Es drängt sich die Frage auf, ob wirklich Hunab Ku der Weltenschöpfer war, oder nicht doch Ix Chel - was naheliegender ist. Dass Itzamna gleichzeitig Sohn und Gatte Ix Chels ist, lässt an den heidnisch-naturreligiösen Jahreskreis erinnern: Göttin und Gott halten Hochzeit, sie gebiert einen Sohn, mit dem sie im nächsten Jahr wiederum Hochzeit hält. Sie ist die Immerwährende (die Jungfer, die Mutter, die Alte/die Tödin), während ihr Sohngemahl durch seinen Tod und Wiedergeburt das Leben am Leben erhält.

Unbestimmten Quellen zufolge lag Ix Chel im ewigen Streit mit der Sonne, obwohl beide einander doch liebten. Im Zorn befahl die Sonne Ix Chel, den Himmel zu verlassen. Fortan war sie tagsüber nicht mehr zu sehen.
Diese Legende könnte ein Hinweis zur Untermauerung meiner These sein, dass eigentlich Ix Chel die Weltenschöpferin der Mayas war. Die Sonne als Repräsentant des Männlichen, der Mond des Weiblichen. Ob sie sich um den Status des Schöpfers gestritten haben? Welche der beiden hat denn nun alles erschaffen? Die Frau, was eine naheliegende Annahme ist, da sie ja die Gebärende ist, oder der Mann, der durch seinen Samen schließlich auch seinen Teil beigetragen hat? Der Streit endet damit, dass die Sonne den Mond verbannt. In die Nacht, in die Dunkelheit, wo sie, die Mondin, fortan dank der Gnade seines Glanzes der Nacht ein bisschen Licht spenden darf. Vielleicht sollten wir öfter einmal dran denken, dass es die Sonne ist, die die Mondin anstrahlt, sie ins Rampenlicht inmitten der Dunkelheit stellt. Dieser Blickwinkel ist sicher einiger Überlegungen wert.

Verschiedentlich wird Ix Chel auch als Göttin der Heilkunst bezeichnet, ihre Pflanze ist die Ringelblume. In Amy S. Marashinskys Göttinnen-Geflüster wird ihr die Kreativität zugeordnet, sowie das Spinnennetz als weiteres Attribut. Eine Ähnlichkeit zur keltischen Brigid ist erkennbar. Da sie oftmals mit einem Krug oder Kessel abgebildet wird, kann auch eine Verbindung zur Tarotkarte des XVII - Sterns gesehen werden (insbesondere des Crowley-Harris-Decks), sowie - in der Form der Alten - zu Cerridwen. Mit letzterer hat sie noch etwas - wenn auch ungesicherten Quellen zufolge - gemein: beiden ist als Feiertag der 20.6. (Sommersonnwende?) zugeordnet.

Neben Nike ist sie die zweite Göttin, die heutzutage eher mit Turnschuhen bzw. Sportkleidung in Zusammenhang gebracht wird. Und genau so trat Ix Chel (wieder) in mein Leben: in der Trambahn steckte jemand in ihren Schuhen.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Der rote Faden

Weißt du, eigentlich war alles ganz anders. Kein Wunder, dass wir in der Geschichtsschreibung fehlen. Weil etwas aufzuschreiben die männliche Art des Denkens ist. Wir erzählen lieber. Und wenn sich eine Geschichte dabei im Lauf der Jahrhunderte verändert - welche kümmert es. Hauptsache ist doch, dass wir die Geschichten verstehen. Und aus diesem Verständnis heraus weitererzählen können. Was intressiert es da schon, ob eine Geschichte mit historischen Fakten übereinstimmt?

Das Dumme an der Geschichte ist - dass wir totgeschwiegen wurden. Das hatten wir wohl nicht so recht bedacht. Und uns in mancherlei Hinsicht unterkriegen lassen. Vordergründig. Wir haben verlernt zu erzählen. Und wir haben verlernt zuzuhören. So haben wir uns verloren: uns selber und einander. Doch da alles im Leben zyklisch aufgebaut ist, ist es nur logisch, dass unsere Zeit wieder gekommen ist. Dennoch ging eine Menge verloren. Aber das macht nichts, nicht wirklich, denn im Erfinden waren wir schon immer brilliant.
Und im modifizieren.
Deshalb kannst du diese Geschichte hier auch lesen - und bekommst sie nicht, wie eigentlich üblich, erzählt. Du musst sie nur verstehen. Ob sie durch deine Augen oder durch deine Ohren in dein Herz gedrungen ist, ist dabei weniger von Bedeutung. Und du darfst es dir nicht so leicht machen, sie einfach zu kopieren.
Die Mühe des Erzählens müssen wir uns schon machen. Wie will eine Geschichte sonst lebendig bleiben? Sei kreativ, es muss ja nicht nur ein Nacherzählen sein: du kannst die Geschichte auch weiterspinnen. Mach es einfach, wie es dir richtig erscheint. Dann ist es auch richtig.

So und jetzt komm ein bisschen näher an der Kreis, setz dich auf deinen Blutstein und höre die Geschichte dieser Höhle, die auch die Geschichte der Weiber ist. Und auch deine, denn nun bist du mittendrin.

Diese Höhle hier gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten... aus ihr wurde der gähnende Abgrund des Nichts geboren, aus dem alles entstanden ist. Und seit es uns Frauen gibt, kommen wir hierher, alle heilige Zeit und erzählen und lachen und machen verrückte Erfindungen und lassen unser Blut zusammen fließen. Jede, die hierher kommt, kriegt ihren eigenen Platz, ihren Blutstein. Dort wird sie fortan immer sitzen, wenn sie blutet; in dünnen oder breiten Rinnsalen läuft es zur Mitte in den Kreis.
Über die Jahrtausende hat sich ein bleibendes Muster der Blutwege gebildet, manches verblasst, neues kommt hinzu. Es ist ein unendliches Netz des Lebens, der Leidenschaft, der Liebe und der Kraft.
In der Mitte rinnt alles durch ein kleines Loch - siehst du es? Doch das Blut verschwindet nicht einfach darunter, sondern es läuft weiter, es reinigt sich selbst und lädt sich auf. Gibt Nährstoffe ab und sammelt andere auf. Durchdringt die Erde, das Wasser und erfüllt Pflanzen und Bäume bis es an der Luft verdunstet und wir es wieder einatmen. Stell es dir vor, welche Wege das Blut nimmt, wo es überall hinkommt - und wie wir dadurch wirklich und wahrhaftig alle miteinander und mit allem verbunden sind.

Doch denke nicht, dass nur wir unser Blut an die Erde zurück geben, auch die Männer tun dies. Allerdings eher auf Schlachtfeldern. Im Streit und im Hass. In Neid und Gier. Auch dies ist nötig, versteh mich bitte nicht falsch. Aber wir sind aus dem Gleichgewicht gekommen. Es ist ein guter Weg zu versuchen, dass die Männer freundlicher zu einander werden und es weniger Blutvergießen gibt. Unbedingt erforderlich ist es aber, dass vor allem wir selber wieder unser Blut der Erde schenken, es der Großen Göttin zu Ehren opfern.
Aus welchen Gründen auch immer - und mögen die Ausreden noch so gut sein - bedenke bitte immer dies: WIR haben aufgehört, zusammen zu bluten und zu weben. Deshalb können auch nur wir selber an der Situation etwas ändern.

Spürst du die Stärke? Fühlst du die Verbundenheit? Schau dir genau das Muster an, das unsere Blutfäden weben. Du bist dabei, du bist ein Teil davon, webst dieses Muster mit, bindest deine Leidenschaft mit ein.
Es geht nicht darum, immer stark zu sein - was bedeutet das schon? Deine Grenzen zu erkennen und um Hilfe zu bitten, ist schließlich auch eine Stärke. Denke daran, dass alles was du wahrnimmst, ein Teil deiner Kraft ist. Sie beschreibt, sie bewirkt und sie verändert. Deine Wahrnehmung nährt dein Blut. Und durch dein Blut bist du mit allem verbunden. Mit allem, was war, ist, und sein wird.

Hier in dieser Höhle wurde der erste Funke geschlagen. Hier haben wir das Feuer entfacht. Es brannte lange lange Zeit nur hier drinnen. Kannst du dir das vorstellen? Dieses Gefühl, gleich einem Blitz, gleich dem Vulkan, Feuer hervorbringen zu können? Diese Freude, dass es immer und immer wieder funktionierte. Welchen Spaß wir hatten, als wir uns gegenseitig verschiedene Techniken beibrachten. Stein auf Stein. Holz auf Holz. Trockenes Gras und altes Fell. Wir froren und wir wollten Licht. Die Göttin schenkte uns die Fähigkeit des Feuermachens. Für dieses große Geschenk waren wir mehr als dankbar. Wir schufen die Göttin des Feuers, um die Göttin auf diese Art ganz besonders zu Ehren. Und wir achten auf die Flamme. Das Feuer, das dort hinten brennt, ist hundertausend Jahre alt. Es hat alle Generationen von Frauen gesehen. In ihm haben wir das erste Fleisch gebraten. Und der Göttin zu Ehren verspeist.

Es war diese Höhle, in der wir die erste Spindel schufen. Und gleich danach den Webstuhl. Wir sind auf die Idee des Mahlens gekommen. Haben den Mühlstein erschaffen und das erste Brot gebacken. Auch wenn dies noch verbrannt war, wussten wir damit doch wenigstens, dass wir einen Ofen brauchten. Also bauten wir einen Ofen.
Die Männer staunen noch immer - selbst heute noch - mit welchen Ideen wir aus der Höhle zurück kommen. Ideen, die sie durch Niederschrift an sich gerissen haben. Sich zu eigen gemacht haben. Oder hast du dich noch nie gefragt, weshalb sie immer "Beweise" fordern? Sie verlangen nach einer schriftlichen Bestätigung. Wohl wissend, dass die Schriften ihnen Recht geben werden. Da sie sie geschrieben haben. Um uns zu entmachten.

Doch wir können uns rückbesinnen, uns wiederfinden. Zusammen finden, erinnern. Bruchstücke neu erzählen und zusammenweben. Mythen neu erschaffen. Unserer Kraft Ausdruck verleihen. Was kümmert es uns, wenn die Männer ihre Beweise fordern und uns belächeln, weil wir sie nicht bringen können? Wir wollen sie gar nicht bringen, denn unsere Geschichten sind wahr - würden sie sonst existieren? Lassen wir uns nicht länger beirren und weben unser Netz. Flicken wir die losen Enden wieder aneinander. Und weben neue Fäden ein, wo alte unwiederbringlich ausgerissen und verbrannt sind. Es liegt in unserer Hand. In deiner und meiner. Wir sind die Schöpfung, wir sind die Göttin in ihrer irdischen Erscheinung. Wir haben alle Kraft die wir brauchen.

Wenn du für dieses Mal aufhörst zu bluten, hol dir dort hinten einen dieser roten Steine aus dem Felsen. Such dir den aus, der dir am besten gefällt. Und mach dir keine Gedanken, ob der nun zu groß oder zu klein oder zu sonstwas ist. Nimm einfach den, der dir passt. Ja, das sind Rubine. Eine regelrechte Ader. Und du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass diese irgendwann versiegen würde. Denn erstens ist diese Höhle für Männer tabu. Und zweitens wird es Rubine geben, solange es blutende Frauen gibt. Das Blut unserer Ahninnen hat sich darin verewigt. Siehst du die Funken, den Schimmer, die Leidenschaft die dieser Stein ausstrahlt? All das ist auch in dir. Denn dieser Stein ist ein Teil von dir. Von uns.

Es ist noch längst nicht alles gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen über die Höhle und über uns Frauen. Doch für heute bin ich müde, jede Geschichte muss ihr Ende haben. Diese hat ihr Ende in einem neuen Anfang. Ich gebe die Fackel der Ahnin weiter an dich - führe du die Geschichte fort...

Literaturtipps: (Links verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Gray, Miranda: Roter Mond Von der Kraft des weiblichen Zyklus - meine allerwärmste Empfehlung zu diesem Thema!

Blume, Judy: Die Regel eine herbeigeredete Krankheit - obwohl schon von 1985 (und derzeit leider nicht lieferbar) hat es doch bis heute volle Gültigkeit. Frau erfährt allerlei Wissenswertes und Wunderliches über die Regel und deren (auch gesellschaftlichen) Begleiterscheinungen. Ganz toll find ich hier den meditativen Zugang. Wenn dir das Buch also zufällig mal über den Weg läuft: zugreifen.

Northrup, Christiane: Frauenkörper, Frauenweisheit Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können - nicht ganz billig, dafür aber ein wiklich umfassendes Nachschlagewerk. Tipp: vielleicht gibt es das ja in deiner Bücherei zum Ausleihen.

Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus - hier wirds historisch und mythologisch (was ja nicht wirklich trennbar ist. Nicht in einem weiblichen Universum). Die Autorin hat eine Unmenge zur Schweinegöttin zusammengetragen und dem damit im Zusammenhang stehenden Zyklus.

Linktipps:

Weil wir grad bei der Schweinegöttin sind: im gynozentrischen Knistern gibts eine wundervolle Abteilung wilde Säue.

rotermond.de darf an dieser Stelle natürlich keinesfalls fehlen. Neben Infos und Geschichten ist hier auch das bereits oben genannte Blutmond-Forum beheimatet.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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Symbolik

Die Welt ist voller Symbole. Wir sind so sehr von ihnen umgeben, dass wir sie vielfach gar nicht mehr als solche wahrnehmen: Verkehrszeichen sind Symbole. Länder- und Familienwappen sind Symbole. Kreuz, Mond, Daivdsstern, Pentagramm sind Symbole, Firmenlogos sind Symbole.

Symbole sind dazu da, Wissen zu schützen UND weiterzugeben, über Raum und Zeit hinweg. Suche dir ruhig deine eigenen Symbole aus und arbeite damit.

Symbole lassen sich dazu verwenden, zu kommunizieren. Ich habe keine Ahnung, was Mond auf Balinesisch heißt, doch die Mondsichel wird eine Balinesin erkennen.

Symbole müssen also entschlüsselt werden. Ein sehr gut erforschter Teilbereich davon ist die Traumdeutung. Im Traum "spricht" unser Unterbewusstes zu uns, und es bedient sich der Bildersprache. Dabei sind grob zwei Traumarten zu unterscheiden: welche, die das aktuelle Tagesgeschehen verarbeiten, und solche, die tiefer gehen. Oft alte Wunden oder Sehnsüchte ansprechen.

Ein anderer, inzwischen weit verbreiteter Ansatz, ist die Märchensymbolik. Denn Märchen sind unsere Geschichtsbücher. Herstory statt History. Viele der Symbole sind uns heute nicht mehr direkt zugänglich, doch gerade in einer Gruppe von Frauen kann freies Assoziieren helfen, diese tiefen Schichten wieder offenzulegen. Zusammenhänge wieder zu entdecken.

Diesen Ansatz macht sich u.a. auch das Reclaiming zunutze. Darunter verstehe ich (auch hier in diesem Zusammenhang) das Wiederentdecken unserer Symbole, Mythen und Weisheiten. Rüttner-Cova hat das in ihrem Buch wundervoll aufgezeigt, was alles drin steckt, was frau demnach alles hervorbringen kann. Es ist eine völlig andere als die "übliche" Herangehensweise an etwas und kann mE durchaus in andere Lebensbereiche übertragen werden. Für alle, die ich jetzt neugierig gemacht habe und/oder mehr dazu wissen möchten, gibt es unten Buchtipps und Links.

Wie du an Symbole herangehst, ob du das überhaupt tust, musst du selber herausfinden. Gut ist es, dir erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Weiter ist wichtig, dass du herausfindest, was ein Symbol dir bedeutet, was es dir zu sagen hat. Dazu ist es gut, wenn du auf deinen Bauch hörst, aber auch auf alle seltsamen Zufälle achtest, die dir begegnet. Das alles kann dir helfen, deinen Zugang zur Symbolik zu finden und zu deuten.

Ganz wichtig finde ich aber auch den kreativen Austausch mit anderen Frauen. Gerade im Gespräch ergeben sich oft neue Ansätze, Ideen, Verknüpfungen. Und nebenbei wird damit direkt an Weiberkraft gewoben :)

Literaturtipps:

Starhawk: die 12 wilden Schwäne Eine Reise ins Reich der Magie. Rituale, Übungen, Anrufungen - wohl das bekannteste Werk zum Thema Reclaiming, nicht zuletzt wegen der berühmten Autorin. Am Beispiel des Märchens "die 12 wilden Schwäne" wird auf verschiedenen Wegen die Symbolik beleuchtet. Es ist ein praktisches Arbeitsbuch, anhand dessen jede gleich einsteigen kann.

Rüttner-Cova, Sonja: die gestürzte Göttin Spuren des Matriarchats in Märchen und Mythen - hier geht es direkter ums Entschlüsseln und Umsetzen, was das für die einzelne Frau und die Frau in ihrer Gesamtheit bedeutet. Die Idee ist dieselbe, der Ansatz noch viel einfacher als beim Obengenannten.

Linktipp:

reclaiming.org die englischsprachige Homepage, die alles Wissenswerte zum Thema enthält. Ja, auch Reclaiming kommt aus Amiland. Immerhin ein Beispiel dafür, dass nicht alles schlecht ist, was von dort rüberschwappt ;-)

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Fraa Holln

Es woramol a Fraa, dey hod zwaa Madli ghobd. Eichndli blous aans, des annere woa vo iam zweidn Moo, oba der issara aa gschdorm, woscheinli, walls imma su biesgurad woa. Jednfalls hods im hald vaschbrochn, dass af sei glanne aa mid obachdbassd, sunsd hädda eh ka rou ned gehm.

Ez woa des domols ja alles ned su afach wey ba uns heid, wousd afs sozialamd geysd, dou wennsd nix ghobd hosd nou hosd hald nix ghobd. Weysd zrechdkumma bisd - mei, dou hasd di hald umschaua meyn.

Aa wenn ez dey Fraa mid ihre zwaa madli nix ghobd hod, houdsasis doch gmeydli gmachd su goud weys ganga is. Es Madla vom Moo hods a weng rumschigganiad, und ia eichene, des Louda, hod des nadiali glei herassn ghobd, dass di Mudda imma zu ira häld, und di anda imma di bleyde is. Wey da Herr, su es Gscherr...

Des Madla vom Moo hod imma alls afbuggld greychd, obba es hods imma alls gmachd. Im Summa woas amol drassn ghoggd und had gschbunna - naa, as wolln an foodn gmachd, nadiali - dou hodsasi vua lauda schiggdiloumiaamid gschniedn, und alls af den scheena neichn foodn draffbloud. Mei, hodsasi dengd, dou werds widda bleygn, dou schaui gscheida, dassi des im Brunna dou owaschn ko. Ez woa ja da Brunna aa ned bis omahi vull, dou hodsasi scho a weng noobeing meyn, und wallsasi hald scho a weng gschdelld hod, issara di Schbindl in Brunna noogflung. A sua woa. Des brauchds da Beissn goa ned soong, dass di Schbindl valuan hod. Alsu wos sollsn machn, es arme Madla: Is hindahea gschbrunga, ins kalde Wassa nei. Nou issara öschd schwaz wonn vua di Aung, und weys widda afgwachd is, woas af annara Wiesn gleng, Sunna had gschiena - grod schey woas.

Wou binni nou eza hikumma, hodsasi gfroochd, is afgschdanna und hodsi öschd amol aweng umgschaud.
"A ge her, Madla, wennsd scho dou bisd, mogsd mi ned aweng huddsn? Sixdas, meini Ebfl sin scho dodal reif und meyn roo - mogstmas ned rooschiddln?" Es Madla hod si umgschaud - dou hod echd a Abflbaam middara gred. Obba der woa wergli gscheid vulla Ebfl, su richdi schey roud woans scho, wey assm Bildabouch. Drum is hie und hodnan gschiddld, und die Ebfl sin blous a su rookullerd. Nou hodsas alle aweng afananda gschlichd, da Baam hod nu dangschey gsachd und ira a boa ebfl in di daschn gschdeggd, und nou is es Madla weidaganga.

"Mei Broud vabrennd. Gey Madla, doumas doch bidde raus, des is ja nemma zum aushaldn!" Ez hodsasi scho goanemma gwundad, dass dou a Bagguufm middn im Weech schdeyd und dass der aa mid ira redd. Des hod abba goud grochn des Broud. A Scheyba woa aa daneem gschdanna, nou hods hald des broud assm Uufm raus und hods danem afd Wiesn zum ooküln glechd. Da Uufm hod dangschey gschachd, im Madla a Laibla ind Hend driggd und nou is weida ganga.

Zmol kummd a Heisla, goa ned mol su glaa, schaud dou a olds Middala raus, rechd greisli hods ausgschaud, obba noch am Bagguufm und am Baam, dey wou redn denna, hods des aa nemma daschreggd.

"Na Madla, iech hob da weng zougschaud. Schdellsd di goaned bleyd oo, su anne wey diech kenndi braung. Bin ja aa nemma di jingsd, kennsd ma weng helfn im Heisla - mogsd ned?" Hods gsachd, di Ald, weys rausgschaud hod. Nojo, dengd si es Madla, warum ner ned, wos annerschd hobbi eh ned vua - wassi jo nedamal woui dou bin.
Di alde Fraa woa di Fraa Holle. Und is Madla hodara gholfn, wous ner ganga is. Dafia hodara die Ald aa a weng wos beibrachd, hodara erklärt, wos alles fia Greida gidd und zu wos mas hernemma ko, wey ma in bestn Hollerkoung baggd und lauda su a woa em. Di zwaa ham an haffn Erbad, obba aa an gscheidn Schbass middananda ghobd. Im Winda woas es schensde fia es Madla, wenns die Beddn asgschiddld hod. Wall nou hods ja afda Erdn gschnia.

Obba su schey wey des alles aa woa, erchadwenn hods hald scho widda hamgwolld, es Madla. Aa wennsara ba da Aldn Fraa hundadmol bessa ganga is als wey bada Schdiefmudda und ira Drudschn, Derham is hald doch derham. Und wall die Fraa Holle ja aa ned afda Brennsubbn dahergschwumma is, hods des aa ball gmergd, wos middm Madla lous is.
"Mogsd ham, hä? Ge her, i bring di widda noo. Woa schey, dass dou woasd und hamma a scheene Zeid ghobd. Dengsd hald amol aweng an miech." Nou homsasi nummal gscheid driggd und afamol woa es Madla unda am Dirla gschdanna. Weys durch is, hod des Gold roogrengd, wos ganga is, alle Daschn homs sie audomadisch vullgfilld und a su is nou hamkumma. Sugoa di Schbindl hods mid hambrachd.

Di Biesguan und ir Glanne sin nadiali ausgflibbd weys des gseng hom, und bis ins glennsde hods des alles derzöln meyn, wey des a su kumma is. Und woa ja gloa, dass des glaa Louda des aa a su homwolld. Also is aa in Brunna neighubfd, is dann aa af dera Wiesn widda afgwachd, und is lousgrennd, zum Heisla vo da Holle hie. In Abflbaam und in Bagguufm hods lings lieng loun, "fia suwos hobbi ka Zeid, kenndami ja an Schpiess neirenna odda die Finga vabrenna, dou meisda eich scho a andere Dumme soung, iech mou zunda Holle!"

Und weys bam Heisla ookumma is, is dann aa widda es Sprichla vo da Holle kumme, und in dem Momend hods es Louda gwies aa nu wergli gmaand, weys gsachd hod, dass der Aldn helfn mooch. Hod am öschd Dooch aa subba glabbd. Ned su goud wey mim andan Madla, obba sen hald aa ned alle gleich. Am zweidn Dooch woas scho nemma so goud und am driddn is vur elfa scho goa ned öschd afgschdanna. Des hod si di Holle nu a boa Dooch ogschaud, nou hods gmand "Wassd Madla, eichndli hasd ma scho gnouch gholfm, mogsd ned widda ham? Ge her, i bring di noo!" Na subba, freid sie es Louda, des geyd ja nu bessa als weyi gmaand hob, und schdeyd aa schon undam Dirla. Und weys drunda durchgeyd und si scho affn Goldreng freid - alles vulla Beech. Des babbade Zeich. Und nix mim Gold. Und nix is wechganga. Es ganze Dorf is zammkumma und hods ausglachd, weys a su hamkumma is und ia Mudda hodsi gschemd bis sunsdwouhie. Mey, des Louda is wergli zu bleyd fia alles. Blous goud, dass i nu es Madla vo meim Moo hob...
Und wenns ned gschdorm sin, nou lems heid nu. Die aa vuller Gold. Die anda vuller Beech.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Über Runen

Literaturtipps: (Links verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Engelhardt, Ulrike: Kleines Runenhandbuch : Einführung in praktische Runenarbeit - die Ausführungen dieser Seiten und viel weiteres Wissenswertes rund um Runen habe ich in diesem Buch zusammengefasst. [Es ist mittlerweile im Buchhandel nicht mehr lieferbar. Bei Interesse verschicke ich gerne einen ungebundenen Manuskript-Ausdruck. Billiger wirds jedoch nicht; für Druck, Porto und Zeit verlange ich 10,-. Bitte über info ätt zauberweib de Kontakt aufnehmen.]

Gardenstone: Germanische Magie - bereits in der 3. Auflage. Trotz des Preises ein Standardwerk aus traditionellmagischer Sicht.

Meadows, Kenneth: Runen, die magische Kraft - untersucht und beleuchtet die Runen aus schamanischer Sicht. Nicht unbedingt als Einstieg zu empfehlen (es sei denn ma kommt aus der schamanischen Richtung) aber weiterführend auf jeden Fall lesenswert!

Aswynn, Freya: Die Blätter von Yggdrasil - Die Frau geht ihren eigenen Weg zu den Runen und zeigt ihn hier auf. Es zeigt sich, dass sie schon viel Erfahrung und Praxiswissen über die Runen verfügt und nimmt die Leserin bei der Hand. Sie hat mir viele neue Anregungen gegeben, wenn ich auch mit vielen ihrer Zuordnungen nicht einverstanden bin. Aber das muss schließlich jedeR für sich selber herausfinden :)

Warneck, Igor: Runen-Welten - Ein wirklich tolles Buch für Anfänger und Einsteiger. Man merkt, dass der Autor 100% hinter jeden Wort steht, das er schreibt, dass hierin sein Herzblut liegt. Leider trifft dies auf seine anderen Runenbücher nicht unbedingt zu; der Verlag war wohl so vom Erfolg dieses Werkes angetan, dass Igor noch weitere Bücher abgepresst wurden. In entsprechend magerer Qualität. Für Intressierte und Neulinge ist aber dieses Buch das Beste, das ich kenne.

Inanna: Runenbuch für Frauen - Noch ein Buch eher für Anfängerinnen, mit einem wundervoll intuitivem Ansatz. Es gibt den Mut, die Bedeutungen in einer selber zu finden.

Runen - eine kurze Vorstellung

pdf, 12 Seiten

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Samstag, 19 Januar, 2008

Zauberspruch

Hier erzähle ich ein bisschen was übers Sprüche-klopfen bzw. - wenn dieser Ausdruck besser gefällt - Reime-schmieden. Das Erstellen von Zaubersprüchen ist echte Handwerkskunst, da wie bei einer Perlenkette jeder Buchstabe mühsam einzeln aufgereiht und ins richtige Muster gesetzt werden muss. Dass im Englischen "to spell" also Buchstabieren, "spell" hingegen Zauberspruch heißt, ist demzufolge kein Zufall, sondern logische Absicht.

Es gibt verschiedene Arten von Zaubersprüchen, die offensichtlichste Unterscheidung ist die in verständliche und unverständliche Sprüche. Aus verständlichen Gründen will ich hier mehr auf die verständlichen Sprüche eingehen und die unverständlichen außen vor lassen.

Zaubersprüche zu verschlüsseln macht zuweilen Sinn, wenn eine einen Zauber wirken möchte, aber nicht will, dass jede sofort erkennt, dass es sich hierbei um einen Zauber handelt. Wie eine einen fertigen (lesbaren) Spruch im nachhinein codiert, darauf gehe ich später noch etwas ein. Doch zunächst mal die Frage:

Was ist ein Zauberspruch?

Ein Zauberspruch ist eine Aneinanderreihung von Lauten mit dem Willen, die in diesen Lauten enthaltene Absicht zu verwirklichen. Gehört der Satz "Ich will ein Eis!" dann auch schon zu den Zaubersprüchen? Nein, behaupte ich. Ganz einfach deshalb, da diese Worte in aller Regel an eine bestimmte Person gerichtet werden, von der eine "weiß" (oder doch wenigstens vermutet) dass sie einer diesen Wunsch erfüllen kann. Eis gibts im Sommer praktisch an jeder Straßenecke zu kaufen, hierzu Magie aufzuwenden wäre mehr als töricht - Magie lässt sich nämlich nicht verar...lbern. Da ein Eis also etwas ist, das in aller Regel schnell und einfach zu bekommen ist, braucht hierfür keine Magie angewandt werden. Anders sieht es z.B. beim Parkplatzzauber aus. Denn Parkplätze sind normalerweise nie da, wenn eine mal wirklich einen braucht. Also nicht nur die bloße Faulheit es eine hoffen lässt, einen Parklatz direkt vor der Ladentür zu bekommen, sondern wenn eine z.B. etwas Schweres zu tragen hat. In diesem Fall ist es durchaus gerechtfertigt, einen Zauberspruch anzuwenden. zum Beispiel:

Einen Parkplatz nur für mich
wünsch ich mir - drum find ich dich!

Probiers ruhig aus, du wirst sehen, es funktioniert. An diesem Beispiel sieht eine schon eine Eigenschaft, die ein Zauberspruch normalerweise hat: er reimt sich. Es ist keine Bedingung dafür, dass er auch funktioniert - ein guter Spruch funktioniert auch ungereimt, keine Frage! Dennoch prägt sich etwas Gereimtes doch besser ein als Ungereimtes und auch des besseren Rhythmus wegen ist die Reimform doch der freien Form vorzuziehen. Dass es keine geistig hochtrabenden, noch nicht mal besonders tiefsinnige Sprüche sein müssen, zeigt das Beispiel übrigens auch sehr deutlich.

Der Spruch muss auf jeden Fall die Absicht enthalten, das Ziel, das eine damit eben erreichen / bezwecken will. Dabei ist es wichtig, sehr konkret zu sein. Den Spruch "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen - sie könnten in Erfüllung gehen!" möchte ich hier jeder dringendst ans Herz legen. Wenn du eine absolut nicht leiden kannst, ist es ethisch nicht korrekt, dieser Person irgendwelche Krankheiten anzuzaubern. Diese Person in Urlaub nach Indien zu schicken, muss aber auch nicht sein - genau das kann jedoch passieren, wenn du eine dorthin wünschst, wo der Pfeffer wächst. Das alles hört sich vielleicht recht lustig an, doch es ist wirklich ernst. Zu beachten ist, dass Emotionen als Verstärker wirken. Du kannst eine regelrecht verfluchen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand einen entsprechenden "Fluch" gegen diese Person ausstößt.

Als Faustregel gilt: Soviel wie nötig - sowenig wie möglich. Dies entspricht dem Gesetz der Effizienz, einem der 4 Grundgesetze indianischer Naturreligion.
Im Falle des Parkplatzzaubers ist das noch sehr einfach, da eine ja genau weiß, was sie will. Nur allzuoft neigen wir Menschen jedoch dazu, zu wissen, was wir nicht wollen. Und hieraus ergibt sich dann ein Problem: denn das Wörtchen "nicht" existiert nicht. Es existiert in der sogenannten "Realität", doch kein Naturgesetz (egal ob wissenschaftlich oder okkult) kennt das Wörtchen "nicht". Sich zu wünschen, nicht durchzufallen ist also gleichbedeutend mit dem Wunsch, die Prüfung wiederholen zu wollen. Falsche Bescheidenheit ist hier wirklich nicht angebracht. Wenn dann sollte der Wunsch korrekterweise also lauten "die (morgige) Prüfung zu bestehen" - Zeit- bzw. Datumsangaben sind sehr nützlich, denn Zaubersprüche beruhen auf der Macht des Wortes, das heißt, sie werden von der Einen Kraft wörtlich genommen. Wenn die "Bestellung" also ankommt und es ist dort nur was von "ich will die Prüfung schaffen" angegeben, dann kanns passieren (muss nicht, aber kann), dass der Wunsch erst mal nach hinten gelegt wird, da keine Prioritätsstufe enthalten ist.

Ich schaff die Prüfung, hört die Kunde,
morgen in der ersten Stunde

So könnte ein korrekter Prüfungsbestehungszauberspruch aussehen. Es gibt hierbei keine vorgefertigten Sprüche, die nur so und nicht anders wirken. Natürlich kannst du "fremde" Sprüche 1:1 übernehmen, wenn sie dir so richtig und passend erscheinen. Warum das Rad neu erfinden? Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Zauberspruch umso besser wirkt, je mehr Energie eine hineinlegt. Und schon beim Erstellen eines Spruches wird viel von dieser Energie in diesen Spruch mit hineinverwoben. Es ist wie beim Stricken; die Socken, die meine Mam strickt, sind die wärmsten, denn wenn sie strickt, glühen die Nadeln (nein, sie glühen nicht wirklich, aber sie werden sehr, sehr warm, um nicht zu sagen: heiß) - und diese Wärme strickt sie da irgendwie mit rein. Ähnlich verhält es sich mit den Zaubersprüchen (und eigentlich jeder magischen Arbeit). Ein Spruch, den du selber erstellst, hört sich vermutlich auch ganz anders an, als einer, den ich erstelle. Jede hat so ihre eigenen Sprachgewohnheiten, Rhythmen, die natürlich in den Spruch ebenfalls mit einfließen. Durch die Arbeit an und mit dem Spruch wird er ein Teil von dir. Indem du ihn dann ("naggich" oder in ein kleines Ritual eingebunden) entsendest, gibt du damit auch einen kleinen Teil von dir mit ab. Das ist deine Gegenleistung, dein "Geben" dafür, dass du durch den Spruch ja etwas "nehmen" also bekommen, willst.

Fassen wir nochmal kurz zusammen:

Von Vorteil ist es, den Spruch auswendig zu können, insbesondere wenn er in ein Ritual eingebunden werden soll.

Da es in hier ja eher um Worte geht, betrachten wir das Problem der Reimform nochmals etwas näher. Zunächst mal muss es keine akkurate Reimform sein, es reicht, wenn die Worte gleichlauten. So zählt z.B. "Wille" durchaus als Reim auf "fühle", ungeachtet dessen, dass sich der einen oder anderen Deutschlehrerin dabei die Zehennägel hochrollen. Ob sich die Zeilen 1-2 3-4 oder 1-3 2-4 reimen, bleibt deiner Fantasie überlassen. Alles was irgendwie einen guten Rhythmus hat und einigermaßen gleich klingt, gilt für unsere Zwecke als Reim. Schließlich will eine mit einem Zauberspruch ja etwas Konkretes bewirken, eine willentliche Beeinflussung der Realität durchführen - und keinen Literaturpreis gewinnen!

Was aber, wenn dir auf Biegen und Brechen kein Reim einfällt? (Außer vielleicht "im Liegen verrecken" - aber wer will das schon?)
Nein, im Ernst, es gibt da einen einfachen, wirkungsvollen und legitimen Trick. Wie gesagt, sollen (können/dürfen) Zaubersprüche ja sehr einfach sein. Das bedeutet, in den meisten Fällen reicht ein einfacher Zweizeiler vollkommen aus. Die eine Zeile mit dem Wunsch/Anliegen hat eine ja vermutlich schnell parat, doch woher kriegt eine einen Reim? Das wird manchmal dann doch zum Problem. Des Rätsels Lösung: Das Pferd von hinten aufzäumen.
Drehen wir also den Spieß einfach um und nehmen uns eine Zeile als Basis her, auf der wir dann den Spruch aufbauen. Eine Zeile, die geläufig und einprägsam und im Idealfall durch Permutation auch noch wandelbar ist. Da der Reim an sich nicht zwingend Sinn machen muss (solange er das Anliegen selber nicht verfälscht), ist es eigentlich naheliegend, das zu verwenden, was eine eh schon parat hat.
Wie wäre es also mit:

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Süden, Westen, Norden, Osten.

Stäbe, Kelche, Münzen, Schwerter

Diese Begriffe sind jeweils Synonyme, das bedeutet, welche sich die vier Himmelsrichtungen merken kann, weiß automatisch auch die 4 Elemente und die 4 Sätze der kleinen Arkana. Somit hat eine durch das eine "Werkzeug" - z.B. die Elemente - eigentlich gleich 3 bei der Hand. Die Elemente haben den Vorteil, dass sie unterschiedliche Endungen haben, was bedeutet, dass durch diese eine Zeile durch Permutation bereits 4 Möglichkeiten für Reime offenstehen, also z.B. Feuer-teuer ; Wasser-Aufpasser ; Erde-werde ; Luft-musst.

Die Himmelsrichtungen sind zwar zunächst gleichendend, jedoch kann eine das "-en" am Ende ja durchaus weglassen, bzw. den Gebrauch dieser "-en"s variieren, wodurch auch der Rhythmus viel flexibler wird. Und in dieser verkürzten Form sind es dann auch wieder unterschiedliche Endungen. Beispiele: Süd-lieb ; West-Rest ; Nord-fort ; Osten-kosten.

Bei den Sätzen der Arkana kann eine durch Mehr- bzw. Einzahl wiederum variieren und natürlich wieder durch Permutation. Beispiele: Stäbe-gäbe ; Kelch-Held ; Münze-Linse (oder: Scheibe-bleibe) ; Schwert-begehrt.
Somit stehen auf einen Schlag eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Das "Werkzeug" ist selbst der blutigsten Anfängerin sehr schnell geläufig, so dass sich das Auswendiglernen von Zaupersprüchen schon bald erledigt haben wird. Denn mit ein bisschen Übung wird eine sehr bald in der Lage sein, sie aus dem Ärmel zu schütteln.

Zum Abschluss noch ein paar Anregungen:

Norden, Süden, Westen, Osten
ich will warmen Frühling kosten

Stab und Münze, Kelch und Schwert
ich bin heute sehr begehrt

Wasser, Erde, Luft und Feuer
ich verkauf mein Auto teuer

Westen, Osten, Norden, Süden
sprich zu mir nur frei von Lügen

Kelch und Münze, Schwert und Stab
mit Streit und Zank solls gehn bergab

Erde, Feuer, Wasser, Luft
Liebe füllt die tiefste Kluft

Zauberweib am Samstag, 19 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Hestia * Vesta

(Dieser Artikel wurde erstmalig in der Ausgabe 15 (pdf) des Schlangengesangs veröffentlicht)

Hestia ist die griechische, Vesta die römische Version der "Göttin des (Herd)Feuers". Wie bei den meisten anderen Gottheiten der beiden Pantheone können auch diese nahezu gleichgesetzt werden. Sie wurden als das Feuer verehrt, es war eine bildlose Verehrung. Von Vesta existieren einige wenige Statuen seit Ende des 2. Jh., dies jedoch eher aus politischen Gründen.
Beide wurden bereits vor der Eroberung durch die Griechen bzw. Gründung Roms vor Ort verehrt. Beiden wird eine alte Linie zuerkannt, so ist Hestia die Erstgeborene von Rhea und Kronos/Saturn - die älteste Schwester des Zeus also. Über Vestas Genealogie ist nichts bekannt, immerhin jedoch soll Rhea-Silva, Mutter des Rom-Gründers Romulus, eine oder die erste Vestalin (Priesterin der Vesta) gewesen sein.

Die doppelte Nennung der Rhea macht nachdenklich. Dies führt zwar unweigerlich ins Land der Spekulation und Vermutung, dennoch wird sowohl in Griechenland als auch in Rom deutlich gemacht, dass es sich bei dem Hestia/Vesta-Kult um einen der ältesten Kulte überhaupt handelt. Die Gedanken schweifen ab, gehen zurück in der Geschichte bis hin zur Entdeckung des Feuers und ich frage mich, ob es sich hierbei nicht tatsächlich um den ältesten Kult der Menschheit an sich handelt. Das Feuer bringt nicht nur Licht und Wärme, sondern sorgt auch für eine schmackhafte Nahrung. Und so ganz nebenbei hält es auch noch wilde Tiere fern. Hier schon früh eine kultische Verehrung zu vermuten ist also naheliegend. Umso ergreifender wird mit diesem Hintergrund der Gedanke an das Olympische Feuer: Auch heute noch ist die Entzündung des olympischen Feuers durchaus eine heilige Kulthandlung zu nennen - und Fackelträgerin sein zu dürfen, eine große Auszeichnung. Vermutlich ein Nachläufer eines Kultes, der annähernd so alt ist wie die Menschheit.

Hestia und Vesta lieben die runde Form, den Kreis. Der Herd, die Feuerstelle war zu damaliger Zeit rund, auch der Tempel der Vesta ist rund. Geehrt werden können sie durch das Entzünden eines (Herd/Lager)Feuers oder auch einer einfachen Kerze. Jede Nahrungszubereitung (Kochen, Backen) erfolgt ihnen zu Ehren. Hestia ist als mildtätig, gnädig, gerecht bekannt. Zugunsten von Dionysos verzichtet sie auf den Platz im Olymp.

Zu beiden - Hestia wie Vesta - gehört die Jungfräulichkeit, die Ungebundenheit, Unabhängigkeit von Vater oder (Ehe)Mann. Beide haben sich dem Liebeswerben bis hin zur Vergewaltigung entzogen und "durften" jungfräulich weiterleben. Im Vesta-Kult ist dies durch die Vestalinnen besonders überliefert: sie waren freie Frauen, hatten die selben, teils sogar noch mehr Rechte wie jeder (männliche) Bürger Roms. Sie durften Besitz haben, durften sich frei bewegen, sogar Wagen fahren. Außerdem hatten sie die Befugnis, Übeltäter zu begnadigen, wenn sie ihnen zufällig begegneten. Dies allerdings war an die Zufälligkeit der Begegnung gebunden. Das Vergehen der Unkeuschheit wurde jedoch mit dem Tod bestraft: die Vestalin wurde bei lebendigem Leibe eingemauert. Allerdings wurde diese Strafe praktisch nur in Krisenzeiten verhängt. Ging es Rom und den Römern gut, ließen sich entsprechende Vorwürfe immer aufklären.

Es gab jeweils sechs Vestalinnen, die im Alter zwischen sechs und zehn Jahren "ausgewählt" wurden und für dreißig Jahre ihren Dienst tun mussten: zehn Jahre Ausbildung, zehn Jahre Priesterinnendienst, zehn Jahre Lehrtätigkeit. Sie waren für das Feuer zuständig (es verlöschen zu lassen wurde als böses Omen ausgelegt und schwer bestraft). Wasser für den Tempel durfte nur von ihnen von einer bestimmten Quelle geholt werden. Sie waren zuständig für die Ausrichtung und Vorbereitung etlicher weiterer Festivitäten, wie z.B. dem der Tellus Mater, der Bona Dea, aber natürlich auch den eigenen Vestalia vom 9.-15. Juni gehend. Weiterer Feiertag war der 1. März, Neujahr, zu dem das Feuer gelöscht und neu entzündet wurde. So wie Jupiter bei allen Festen zuerst genannt wurde, stand Vesta die Ehre zu, stets die letztgenannte zu sein.

Zu Hestia sind keine festen Feiertage überliefert, aber es ist bekannt, dass bei einer Vermählung die Brautmutter mit einer Fackel aus dem eigenen Herd dem Paar voran in das neue Haus ging, um dort den Herd zu entzünden. Erst dann wurde aus dem Haus ein Heim. Weiter ist überliefert, dass Neugeborene am fünften Tag um den Herd getragen wurden, als Zeichen, dass sie von der Familie aufgenommen worden waren. Im Anschluss daran gab es natürlich ein entsprechendes Fest.
Ihre Verbindung zum Haus geht über den Herd hinaus, ihr wird die Kunst des Hausbaus zugeschrieben. So steht sie auch im übertragenen Sinn für das Ankommen in sich selber, für das bei-sich-sein bzw. -bleiben. Dieser Aspekt wird durch die symbolische Jungfräulichkeit, dem Nicht-Unterwerfen, noch gestärkt.

Hestia und Vesta lassen sich nicht vereinnahmen, bleiben bei sich und bilden mit ihren Kulten eine Art Insel in der jeweiligen Gesellschaft. Ein Teil davon ist heute in der Marienverehrung noch zu erkennen - was an sich aber kein Kunststück ist, da sie die einzige "legale Göttinnenverehrung" über lange Zeit darstellte und dies z.T. heute noch tut. So ist es also kein Wunder, dass sich die meisten Göttinnenkulte in Maria wiederfinden.

Einen Unterschied meine ich zwischen beiden jedoch auszumachen. So deuten die Quellen darauf hin, dass Hestia eher für "Normalsterbliche" zuständig war, Vesta mehr für hochrangige Persönlichkeiten (Kaiserfamilie) und den Staat an sich. Vielleicht wurde in Rom auch einfach mehr "Wirbel" um den Kult - des Kultes wegen - veranstaltet, so dass dieser Eindruck entsteht. Unter sungaya.de beispielsweise wird Vesta als römische Göttin des Staatsherdes benannt, Hestia als Schutzgöttin des häuslichen Friedens und Beistand aller Schutzflehenden. Hier wird übrigens Vesta als Erfinderin der Häuser benannt, dafür wird unterschlagen, dass sie auch die Schutzgöttin der Bäcker und Müller ist.

Abschließend kann ich nur feststellen, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen und die beiden sich in den Unterschieden letztlich nur ergänzen. Selbst die Namen sind etwa gleichlautend. Da das Feuer nach wie vor einen wichtigen Teil unseres Lebens ausmacht, allerdings in geänderter Form, ist es spannend zu überlegen, wo und wie Hestia/Vesta von uns heute verehrt werden kann. Wo und was heute alles "brennt" und ob vielleicht so manche Eisen zuviel im Feuer sind? Der Blick aufs Wesentliche nicht mehr gewährleistet ist.

Weiterführende Literatur: (Buchlinks verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Marashinsky / Janto: Göttinnengeflüster
Hutzl-Ronge: Feuergöttinnen, Sonnenheilige, Lichtfrauen
Bolen: Göttinnen in jeder Frau

Links und Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hestia
http://de.wikipedia.org/wiki/Vestalin
http://imperiumromanum.com/religion/antikereligion/vesta_01.htm
http://www.roemische-imperium.de/page/html_religion_05.html

Zauberweib am Freitag, 19 Januar, 2007 * Kategorien: Spirikram
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Donnerstag, 18 Januar, 2007

Freya

Freya begleitet mich immer wieder auf meinem Weg. Ab und an zieht sie sich zurück, um anderen Aspekten der Göttin Platz zu machen, damit ich von ihnen etwas lernen kann. Doch immer wieder meldet sie sich eindrucksvoll zurück.

Freya ist eine Göttin der germanischen Mythologie, genauer ist sie eine Wanin, die nach dem Krieg zwischen den Asen und den Wanen nach Asgard ausgetauscht wurde. Obwohl offiziell ein Patt zwischen den Eroberen und den Einheimischen beschlossen worden war, waren die strategischen Sieger dennoch die Eroberer. Etwas, das sich so auch in unseren Geschichtsbüchern wiederfindet: die alte frauenzentrierte Gesellschaftsform wurde überall von den erobernden Patriarchen abgelöst.
Auch wenn es wissenschaftlich umstritten ist, denke ich dennoch, dass der Kampf Asen-Wanen genau dies ausdrückt.

Freya ist die Tochter von Njörd und Nerthus (die wiederum mit Fjörgynn gleichgesetzt wird, welche die Mutter der asischen Frigg ist). In ihrer Heimat regierte sie zusammen mit ihrem Brudergatten Freyr. Eine solche Verbindung war jedoch in den Augen der Asen sittlich verwerflich und musste nach dem Krieg aufgelöst werden.

Freya hat mit Od(r) zwei Töchter: Hnoss und Gersimi. Od war viel unterwegs (Odins Aspekt des Wanderers auf Midgard) und so weinte sie bittere Tränen aus Sehnsucht. Laut B. Walker wird der Bernstein im Baltikum "Tränen der Freya" genannt - ob diese Tränen hiermit gemeint sind?

Trotz dieser Verbindung ist Freya immer eine freie Frau geblieben. So hat sie z.B. mit vier Zwergen aus Swartalfheim je eine Nacht verbracht (die vier Elemente?). Als Gegengeschenk hat sie dafür ihren wundervollen Halsschmuck Brisingamen erhalten.
Gegen Lästereien war sie immun. Lokis Reden vor versammelter Mannschaft über ihren "unsittlichen" Lebenswandel (der - nebenbei bemerkt - bei Männern natürlich keineswegs als unsittlich betrachtet wurde) bewegten sie nicht einmal zu einem gelangweilten Gähnen. Sie muss sich nicht rechtfertigen. Sie tut was sie tut. Sie ist einfach sie selbst.
Verstanden haben das die Herren Asen nie - so fremd war ihnen damals wohl schon der Lebenswandel einer Freien Frau. So kam es, dass der Riese Thrym Thors Hammer gestohlen hatte. Lokis Plan war, Freya dem Riesen zur Frau zu geben (da sie ja eh ein sexgeiles Weib war), und im Austausch dafür sollte Thor seinen Hammer wieder bekommen.
Freya hat den Typen gezeigt wo der Hammer hängt. Oder wo sie ihn sich hinstecken konnten :) Sie hat Zeter und Mordio geschrien und ihrer Wut und ihrem Zorn freien Lauf gelassen. Jemand wagte es, sie verschachern zu wollen? Für eine Freie Frau der Gipfel der Unverschämtheit! Am Ende musste Thor selbst in Frauenkleidern zu dem Riesen gehen. Nähere Details will ich hier nicht ausführen *g* - aber er hat seinen Hammer wieder bekommen.

Obwohl Frigg und Freya zwei verschiedene Göttinnen sind - oder sein sollen - sehe ich beide in einer verbunden. Die vielen Ähnlichkeiten z.B. bezüglich ihrer Attribute sollen z.T. auf Verwechslungen wegen ihrer Namensähnlichkeit zurückzuführen sein. Ich denke aber, auch anders herum wird ein Schuh draus. Frigg ist die perfekt domestizierte Frau, ein Musterbeispiel. Und doch mit gerade soviel Macht und Eigensinn ausgestattet, dass diese Manipulation seitens der Patriarchen nicht auffällt und für sie dennoch zu ertragen ist.

Wie schon erwähnt, ist Frigg die Tochter der Fjörgynn - welche (zumindest in einigen Quellen) mit Nerthus gleichgesetzt wird - der Mutter von Freya. Frigg ist die "Schicksalswebende Göttermutter" an der Seite Odins. Ihre Kinder sind Hermod, Bragi, Hödur und Balder (und die Walküren?). Auch sie weinte bittere Tränen um Balder, der von einem Mistelzweig erstochen wurde. Es war sein Schicksal, welches Frigg vorausgesehen hatte. Dies wollte sie nicht hinnehmen, also nahm sie allen Pflanzen das Versprechen ab, ihm kein Leid zuzufügen. Loki bekam davon Wind, vor allem davon, dass Frigg die unschuldige Mistel vergessen hatte. So machten sich die Götter - angestachelt von Loki - einen Spaß daraus, auf Balder zu zielen, der es sich gutmütig gefallen ließ. Bis Loki dem blinden Hödur einen Pfeil aus einem Mistelzweig in die Hand drückte. Das war es dann. Auch Frigg weinte bittere Tränen (vgl. Freya) und stieg sogar in die Unterwelt, um ihren geliebten Sohn zu retten. Doch auch hier machte ihr Loki einen Strich durch die Rechnung. "Schuld" war Loki übrigens nicht. Er war lediglich der Vollstrecker des Schicksals. Schließlich sollte die Geschichte zeigen, dass sich auch die Götter an ihre eigenen Gesetze halten müssen.

Beide - Frigg und Freya - besitzen einen Mantel aus Falkenfedern (oder es ist derselbe, den sie sich gegenseitig ausleihen?), mit dessen Hilfe sie fliegen können. Beide sind Fruchtbarkeitsgöttinnen, wobei der Schwerpunkt Friggs auf Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft liegt und der Freyas in der Sinnlichkeit, Erotik und Lust.
Aber ist diese strikte Teilung nicht schon wieder ein Hinweis auf die patriarchale Übernahme? Gut - Böse, Frigg - Freya: Hausfrau, Mutter und liebende Tochter erwünscht, aber sinnliches Weib - nein Danke? Fragt sich nur, wer da das starke Geschlecht ist, wenn die Männer vor dem angeblich schwachen doch offensichtlich Angst haben.

Weitere Attribute von Frigg:

Spindel und Spinnrocken, Hausschlüssel
Reiher, Spinne, Schnecke, Storch
Holunder, Flachs, Erle

Der Schlüssel ist ein altes Machtsymbol. Er eröffnet sowohl den Zugang zu anderen Welten (und den verschlossenen Tiefen deines Selbsts) als er auch Zeichen der Hüterin des Hauses ist. Noch heute ist es ein beliebter Brauch, nach der kirchlichen Trauung den Segen nach Hause zu bringen. Vor der Tür angekommen, muss das Brautpaar aber erst ein Glas Sekt trinken. Wer es zuerst bis auf den letzten Tropfen geleert hat, bekommt den Schlüssel und somit die häusliche Macht.

Weitere Attribute von Freya:

Brisingamen, Wagen mit Katzen
Katze, Wildsau, Schwan, Marienkäfer
Linde, Schlüsselblume, Frauenträne

Frigg wird übrigens mit Holla (Frau Holle) gleichgesetzt. Und zumindest in dieser Form kommt ein bisschen mehr ihrer Wildheit zutage ("Wilde Jagd").
Dafür wird Hel als ein Aspekt Freyas gesehen - die ja auch wieder "irgendwie" mit Holla zusammenhängt.

Daher komme ich für mich zu dem Schluss, dass Frigg und Freya ein und dieselbe Göttin sind. Nur dass die eine sich noch etwas von ihrer Ursprünglichkeit bewahren konnte, die andere die patriarchal zugerichtete Form derselben ist.
Offenbar war es für die Asen undenkbar, dass eine Freie Frau auch fürsorgliche Mutter sein konnte (oder umgekehrt), so dass tatsächlich jeglicher Mutteraspekt bei Freya fehlt. Es grenzt schon fast ein Wunder, dass ihre Töchter überhaupt erwähnt worden sind - sind ja immerhin eh nur Töchter.

Freya - eine dreifache Göttin

(ab hier meine ich mit Freya immer "meine" Freya, also um Frigg/Holla "erweitert")

Freya ist mit genügend Attributen ausgestattet, und es sind soviele Aspekte von ihr bekannt, dass behauptet werden kann, dass sie eine dreifache Göttin ist. Und "muss" letztlich nicht jede Göttin diese Dreiheit verkörpern? Jede Frau auf dieser Welt, verkörpert dies doch ebenso:

Ein rein äußerliches Zeichen für diese Übergänge ist die Blutung - das passt auch farblich sehr gut zusammen.

Damit ist sie natürlich auch eine Mondgöttin, und sie deckt in ihrer Zuständigkeit wirklich alle Lebensbereiche ab: Kreativität und Fruchtbarkeit, Heilung und Transformation, Divination und Handel, Kräuterwissen und Handwerk, Dichtung und Fürsorge. Und Seidr-Magie.

Als Freya noch mit Freyr Wanaheim regierte, zählten zu ihren Attributen auch ein Kessel mit Met (der dann irgendwie wohl als Kriegsbeute bei Odin gelandet war), Glöckchen/Schellen, der Apfel und das Füllhorn. Zuweilen sollen auch Ziegen anstelle von Katzen ihren Wagen gezogen haben.

Freya ist eine mehrdimensionale Göttin aus vorpatriarchaler Zeit

Mit diesen Aspekten lässt sich wunderbar arbeiten, um der ursprünglichen Wilden, Freien Frau wieder auf die Schliche zu kommen. Gerade die Geschichte mit dem Austausch an den Riesen Thrym ist praktisch 1:1 auf die Jetztzeit übertragbar. Noch immer wird die Frau vom Vater in die Obhut des Mannes übergeben. Noch immer kommt sie "unter die Haube" - auch wenn frau heute doch schon weitestgehend selber bestimmen kann, wen sie heiratet. Aber tut sich das auch wirklich? Oder tauscht sie ihre Frey-heit ein gegen die "Sicherheit", die sie als verheiratete Frau im Patriarchat hat?
Gibt es diese Sicherheit aber wirklich? Klar, aus rein steuerlich-finanziellen Gründen gibt es die. Sich als Frau die Freiheit bewahren ist teuer. Als Alleinerziehende gar kaum noch zu bewältigen, wieder die Abhängigkeit, diesmal von "Vater" Staat.
Und was ist mit dem Schutz der Privatsphäre? Ist frau sicher in ihrem Türmchen, oder ist es ihr Gefängnis? Lassen die Mauern niemanden rein, oder keine raus?

Gerade durch die Trennung der Frau in Mutter und Hure (Frigg und Freya) ist die Sinnlichkeit immer mehr in Vergessenheit geraten. Etwas von dem, was im Turm eingesperrt ist, und unter der Oberfläche brodelt, aber unter allen Umständen weggesperrt bleiben muss. Eine Frau kann doch schließlich nicht einfach die Sau rauslassen. Dabei wäre es genau das, was Heilung verschafft, verschaffen kann. Heilung, die noch immer dringend nötig ist.
Freya alleine entscheidet, mit wem sie sich vergnügt oder auch nicht. Sie tut es auch nicht aus Berechnung, sondern immer aus Liebe und Leidenschaft. Oder hätten die Zwerge sich wegen eines schnellen Nümmernchens wirklich so ins Zeug für sie gelegt? Wohl kaum!
In dem wir die Sau raus lassen, helfen wir der Wilden Frau ein Stückchen bei der Geburt. Und so nebenbei unserer eigenen Transformation.

Meine persönliche Meinung ist ja, dass das die Arbeitsweise der Göttin an sich ist. Sie wartet doch nicht, bis es irgendwann "in" ist, sich die Göttin aufs Tshirt zu malen. Schließlich ist die Göttin auch eine handelnde. Sie beschließt, dich zu besuchen. Sie stellt fest, dass du jetzt "dran" bist, "reif" bist - nenn es wie du willst. Sie wird dich solange nerven, bis du ihr zuhörst. Dann findet zwangsläufig die erste Tranformation statt, da dein vorhandenes ach so sicheres Weltbild zusammenbrechen muss.

Unter dem Aspekt der Seherin lehrt sie dich sehen. Die erste Lektion wird sein: sieh hin. Stell dich vor den Spiegel und sieh hin. Schau dich selber an. Von außen und von innen. Lerne erst dich selber zu sehen, zu erkennen, bevor du (für) andere sehen willst.
Das heißt, dass du es nicht nicht mehr so bequem machen kannst, und vor hässlichen Dingen die Augen verschließen. Oder Unschönes unter den Teppich zu kehren. Nee, da wird erst mal klar Schiff gemacht. Und dazu braucht es allen Mut, den eine aufbringen kann: den Mut, den eigenen Ängsten ins Gesicht zu sehen.
Heute wird hierfür auch gern der Begriff "Schattenarbeit" verwendet. Auch hier findet wieder Heilung und Transformation statt. Wieder wirst du ein Stück ganzer, kommst wieder ein Stück näher zu dir. Deinen Priesterinnenbrief für diesen Bereich hast du dann in der Tasche, wenn du es schaffst, dich selber bedingungslos und aufrichtig zu Lieben.

Der Kriegerinnenaspekt bedarf auch einer dringenden Generalüberholung. Wir haben es verlernt, zu kämpfen, unsere Kräfte sinnvoll einzusetzen. Wir vergeuden sie mit Mobbing, kleinlichen Rachegedanken, anstatt Nägel mit Köpfen zu machen. Doch Freya lehrt uns, auf der Sau zu reiten, und sie nicht durchgehen zu lassen - und uns gar von ihr überrumpeln zu lassen. Eine wütende Frau ist in der Lage ganze Welten zu bewegen - wenn sie es schafft, ihre Wut zu kanalisieren und zu lenken. Freya kann dir dabei helfen. Doch als Kriegerin fordert sie ein Opfer von dir: du musst die Opfer-Frau, dein altes ich, töten, damit die Wilde Frau herauskommen kann.

So dienen alle Aspekte letztlich zur Heilung. Und zwar in erster Linie der eigenen. Dass das Auswirkungen auf dein Umfeld haben kann (und haben wird), ist eigentlich nur ein Nebeneffekt.

Nach der germanischen Mythologie gibt es noch mehr (namentliche) Aspekte der Freya

Literaturtipps: (Alle Buchlinks verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Göttner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros - gehört schon zu den Klassikern, hilft dabei, hinter die Fassaden zu sehen. Umfasst so ziemlich alle Götterpaare quer durch Raum und Zeit

Metzner, Ralph: Der Brunnen der Erinnerung - Hier beschreibt u.a. eine Frau ihre Erfahrungen/Auseinandersetzungen mit Freya. Unbedingt lesenswert!

Voenix: Weltenesche - Eschenwelten - eine Fundgrube zur germanischen Mythologie mit übersichtlichen Steckbriefen zu jeder Gestalt. Die zugehörigen Karten am besten schenken lassen!

Zauberweib am Donnerstag, 18 Januar, 2007 * Kategorien: Spirikram
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