Zauberweibs Gewerkel

Gewerkeltes, Vorgestelltes, Spirituelles, Schnurgeliges :)

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Freitag, 20 Mai, 2016

Responsive Design, Thingamablog & die Zukunft

Wie der Titel vermuten lässt, geht es heute mal um Administratives. Die gute Nachricht: Ich habe mich endlich aufgerafft, ein Responsive Design einzuführen. Theoretisch sollte die Site nun auf Smartphone, Tablet, Notebook und Großleinwand *g* gleichermaßen anschaubar sein. Allerdings habe ich es mir auch einigermaßen leicht gemacht. Statt aufwändig eine komplett neue Menüführung fürs Mini-Design zu erfinden, habe ich das Menü einfach ganz weggelassen. Du kannst am Smartphone also lediglich die Beiträge vor- und zurückblättern, aber nicht die einzelnen Kategorien aufrufen. Auch die Blogroll habe ich unter den Tisch fallen lassen.

Somit war die Umstellung - abgesehen von den üblichen IE- und Chrome-Gnerv-Hacks relativ einfach. Für die ganz großen Bildschirme habe ich seitlich ein bisschen mehr Abstand eingebastelt und gut ist (oder sollte doch zumindest sein). Getestet hab ich in allen möglichen Größen es gibt aber leider einen Zwischenbereich mit Überlagerungen. Immerhin bleibts dank z-index lesbar. Tablet Querformat kann also ein bisschen unschön aussehen - dann bitte hochkant stellen. :) Davon abgesehen zeigen Firefox, IE und Chrome zeigen jeweils ein anschauliches Design.

Warum jetzt nun doch die Anpassung? Ganz einfach: Weil ich nicht weiß, wie lang es mit Thingamablog noch weitergeht. "Die Totgesagten leben länger" - heißt es so schön. Das lässt mich zwar hoffen, dennoch wollte ich die Anpassung incl. dieses Beitrags erst abgeschlossen und hochgeladen haben, bevor ich das neueste Java-Update durchführe. "Lieber mer hat, als mer hätt'!" - um noch einen weisen Spruch zu bemühen. :)

Ich hatte neulich nun endlich die zündende Idee, wie ich hier auch ohne Thingamablog weitermachen kann. Es gibt im php-Zeitalter leider keinen adäquaten Ersatz - mein Webspace ist nämlich prä-php. So habe ich auch "nur" 200 MB Platz. Und obwohl es das Zauberweib bereits seit Anfang des neuen Jahrtausends gibt, habe ich bisher weniger als fünfzehn Prozent davon belegt. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass meine Bilder eine vernünftige Größe haben - nur im Ausnahmefall sinds mal 500 kb, meistens jedoch sogar unter hundert. *rumstichel*

Jedenfalls: Ich habe noch massig Platz, ein Umzug ist somit keine Option. Und da ich hier nicht soo häufig neue Beiträge reinstelle, spricht nichts dagegen, ein "CMS zu Fuß" zu basteln. Die Grundidee ist sehr simpel. Vielleicht nicht ganz up-to-date, geb ich zu. Aber das ist mein Webspace halt auch nicht.

Die Zukunft hier wird so aussehen, dass auf den Beitragsseiten das Menü via iframe eingebastelt wird. Auf der Startseite gibt es eine kurze Übersicht über das Neueste vom Neuesten mit Link auf den Beitrag. Sogar ein RSS-Feed habe ich mir selbst gebastelt! :)

Für einen neuen Beitrag speichere ich eine Vorlage unter neuem Namen und füge den Link im Menü ein. Die Kurzübersicht der Startseite kann ich fürs RSS-Feed ebenfalls verwenden.

Das alles passiert in Handarbeit im Notepad++. Um mir die Tipperei zu erleichtern, habe ich mir dank Erweiterung jede Menge nützlicher Shortcuts eingerichtet. Hochladen. Fertig. Nicht wesentlich mehr Aufwand als bisher. Und natürlich alles im Responsive Design!

Womit sich der Kreis schließt: Nachdem ich nun gerade so "drin" war und Java schon wieder am Update-Nörgeln ist, wollte ich die Anpassung hier durchführen, solange Thingamablog noch läuft. Weil das im Fall des Falles alles per Hand nachzuziehen... nee, echt nicht. Die Seite wird als Archiv so weiterexistieren (Links bleiben unverändert), für das Zauberweib wird es mit dem neuen Design dann einen Neustart geben.

Doch ich hoffe, das alles wird erst in ferner Zukunft geschehen. Ich hätt auch nix gegen ein Thingamablog 2.0! Und für alle, die den ganzen Text bis jetzt durchgehalten und alles gelesen haben, gibt es zum Abschluss noch zwei Schnurgelsbilder:

Luna im Liegestuhl   Schroeder schnurgelt 

Zauberweib am Freitag, 20 Mai, 2016 * Kategorien: Angedachtes
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Dienstag, 06 Januar, 2015

Projekt Ausmisten

Wie ich auf meinem Zaubsie-wp-Blog schon bekannt gegeben habe, steht 2015 für mich im Zeichen des Ausmistens. Während der letzten Jahre habe ich allerlei wundersame Bücher rund um das Thema gelesen bzw. angelesen, einzwei davon haben mich auch wirklich angesprochen. Doch bis zur ernsthaften Umsetzung hat es trotzdem noch gedauert.

Und mal ganz ehrlich: Braucht es echt eine Anleitung zum Ausmisten? Es ist doch ganz einfach:

Wichtig ist, den Schrank wirklich komplett leerzuräumen. Auch wenn am Ende wieder alles eingeräumt wird (Geschirrschrank z.B.) - im schlimmsten Fall also nur der Schrank gesäubert wurde. :) Das Schwierigste an dem ganzen Unterfangen ist nur eines: Anfangen!

Ich hab mir eine ganz simple Liste erstellt, also z.B.:

Wohnzimmer:

Und so geht es durch alle Zimmer, alle Schränke, Bänke, Fächer - Keller und Dachboden nicht zu unterschlagen! Mir hilft die genaue Auflistung schon deshalb, weil ich damit schöne kleine Häppchen habe und ich nach jeder Aktion immer was durchstreichen kann. Durchstreichen motiviert!

Wer mag und diesbezüglich begabt ist, kann sich eine MindMap erstellen. Bietet sich rein von der Struktur her ja geradezu an. Gut sichtbar aufhängen, dicken Edding gleich dazu, so bleibt der Fortschritt immer im Blick.

Man könnte natürlich auch Vorher-Fotos auf einer Pinnwand oder MindMap anbringen - vielleicht in Schwarz-Weiß - und diese nach getaner Arbeit durch (farbige) Nachher-Fotos ersetzen.

Was habt ihr an Tipps und Ideen, die beim Dranbleiben helfen können? Ich finde, was hilft, ist auch gerechtfertigt. Nur sollt es natürlich nicht umkippen, dass du erst noch die Liste machen willst und erst noch die MindMap und erst noch die Fotos ... und danach irgendwann mal anfangen willst. Dann haben die Hilfsmittel ihr Ziel verfehlt. :)

In diesem Sinne hab ich auch nicht vor, zu jedem entrümpelten Schrankfach einen Blogbeitrag zu schreiben. In der Zeit nehme ich mir lieber das nächste Fach vor. :) Aber ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Es ist ja (m)ein Jahresprojekt, so dass ich die Sache ganz entspannt und ohne jeglichen - selbstauferlegten - Druck angehen kann.

*) Zur Definition von "brauch ich noch" hilft die Überlegung, ob du dieses Teil innerhalb des letzten Jahres gebraucht/benutzt hast oder nicht. Wenn nicht, kann es im Normalfall getrost entsorgt werden. Ausnahme ist vielleicht das kleine Schwarze. Die Laufschuhe dürfen dann bleiben, wenn du sie gut sichtbar im Flur platzierst ;)

Zauberweib am Dienstag, 06 Januar, 2015 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel
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Montag, 24 Juni, 2013

Harald Welzer: Selbst denken

Eine Anleitung zum Widerstand - so der Untertitel. Harald Welzer hat weder einen Psychologie-Ratgeber noch eine Anleitung zur Rebellion geschrieben - obwohl, letzteres vielleicht ein bisschen schon. (buecher.de)

Das Problem ist ganz simpel: Jeder ist heutzutage klar, dass wir Menschen unsere Lebensgrundlage zerstören und vernichten, wenn wir so weitermachen wie bisher. Luft, Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere. Und am Ende gehen wir selber drauf. Aber irgendwie ist es sehr schwer gegen das "das haben wir schon immer so gemacht" anzukommen. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Doch genau das müssen wir schaffen - und dazu ist es erforderlich, dass wir - du und ich und alle - ganz konkret etwas unternehmen. Wir müssen unseren Ressourcenverbrauch reduzieren. Und wir müssen begreifen, dass es dabei nicht ums Geldsparen geht - das wir woanders dann mehr ausgeben, also unterm Strich keinerlei Ressourcen gespart wurden. Es geht darum, nicht sinnlos Müll zu produzieren. Nicht sinnlos Ressourcen zu verschwenden.

Passend dazu hat das Umweltbundesamt eine Vielzahl von Energiesparpaketen zur Verfügung gestellt. Enthalten sind ein Stromverbrauchs-Messgerät und ein Verlängerungskabel (und natürlich eine Anleitung). Diese wurden an Bibliotheken geschickt, die sich dafür gemeldet hatten und können dort nun kostenlos entliehen werden. So macht das gleich doppelt Sinn: Erstens kann jede auf einen Blick feststellen, wo die Stromfresser sitzen (Unser TV-Receiver verbraucht im Standby-Betrieb fast genauso viel wie im laufenden Betrieb!) und durch Zwischenschalten von Steckdosenleisten mit Ausschaltern unnützen Stromverbrauch abschalten :) Zum Zweiten wird durch das Leihangebot vermieden, dass sich tausend Menschen tausend Geräte kaufen, die eine doch nur für einen bestimmten Zeitraum braucht, um die Messungen durchzuführen. Bei dem angegebenen Link gibt es auch eine Liste der Verleihstationen. Falls in eurer nächsten Umgebung keine Bibliothek dabei ist, einfach dort mal nachfragen, warum sie nicht mitmachen :)

Dass Größenwahn sowas von out ist, hat sich leider noch nicht überall rumgesprochen. Da hat doch tatsächlich neulich ein nicht unbekannter Bilderhochladedienst sein Free-Angebot auf tausend Gigabyte pro User erhöht. Ein Terabyte! Haben die sich jetzt ihr eigenes AKW gebaut, um die ganzen Rechner, die dafür nötig sind, betreiben zu können? Ein Terabyte - das ist wirklich uferloser Schwachsinn. Sorry, aber wie sollte man das anders benennen? Es führt dazu, dass wirklich jeder Mist hochgeladen und geteilt wird. Und das selbstverständlich in Maximalgröße, was das Internet insgesamt wieder lahmer macht. Sorry, aber einen Schnappschuss von der Katze will ich wirklich nicht in 8 MB ansehen müssen. Fürs Web reichen Dateigrößen vom maximal 500 KB (also 0,5 MB) mehr als absolut ganz sicher und bestimmt aus. Auch die Angebote von einigen Blogsoftware-Anbietern, hochgeladene Bilder sofort in mehrere Stufen zu verkleinern, vergrößert nur das Problem. Denn statt einer Datei mit 2 MB liegen nun zusätzlich noch eine mit 500 KB und mindestens noch eine mit 20 KB rum. Also lieber vorher überlegen, ob es wirklich die große Fassung sein muss. Meinen Account bei dem größenwahnsinnigen Bilderhochladedienst habe ich jedenfalls gelöscht. Nee, da mach ich nicht mit.

Da lobe ich mir die Telekom! Echt und ernsthaft - ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal schreiben würde. Die haben vollkommen recht, dass die kleine geringe Menge an Surfern, die die große extreme Masse Datenvolumen benötigen, dafür auch extra zahlen sollen - oder eben gebremst werden. Es ist dabei von ca. fünf Prozent der Nutzer die Rede. Und wer übers Internet fernsehen will, darf dafür auch ein bisschen mehr zahlen. Ich halte das für absolut gerechtfertigt und vor allem auch den "Normal-Usern" - also den anderen 95 Prozent - gegenüber nur fair.

Liebe Telekom: Weiter so! Ehrlich. Ihr habt erkannt, dass "immer mehr" einfach nicht mehr drin ist. Wir müssen einen Schnitt machen und schauen, dass wir mit dem zurecht kommen, was da ist, was wir haben.

Und so will ich wieder auf den Ausgangspunkt zurückkommen, das Buch von Harald Welzer. Es geht ja nicht nur um Energie, sondern um alle Bereiche des Lebens. Sich einfach mal vor Augen halten, was mit wie viel Aufwand erzeugt wurde. Welche zu erwartende Lebensdauer es hat. Und was damit danach geschieht. Vielleicht lässt sich die eine oder andere Anschaffung dadurch noch ein Weilchen vertagen. Der Autor zeigt viele Beispiele auf, die längst funktionieren und die Spaß machen. Er macht Lust darauf, den eigenen Alltag darauf hin zu untersuchen, ob sich was hinsichtlich Ressourcenverbrauch - welcher Art auch immer - optimieren lässt. Und davon profitieren wir unterm Strich alle. Er zeigt auch die "Schattenseite" auf: Wenn weniger produziert wird, werden weniger Arbeitsplätze benötigt. Anders gesagt: die Produktion kann wieder unter dem Aspekt der Qualität laufen, Langlebigkeit ist erwünscht. Die Arbeiterinnen haben dann zwar weniger Geld, weil weniger Arbeit. Aber dafür mehr Zeit. Zeit, sich mit dem Sozialen Kitt zu befassen. Vielleicht finden sich Wege einer nachbarschaftlichen Kinderbetreuung - wenn in jedem Haushalt an ein bis zwei Tagen sicher ein Elternteil zu Hause ist? Oder es wird ein Tauschmarkt organisiert - jede hat eine Menge Dinge rumliegen, die zum Wegwerfen eigentlich zu schade sind und eine andere würde sich vielleicht darüber freuen. Es gibt sooo viele Ideen und Ansätze. Wir müssen nur den Mut finden, es einfach mal zu probieren.

Ich kann die "Anleitung zum Widerstand" nur empfehlen, und wenn du eh schon in der Bibliothek das Energiesparpaket ausleihst, kannst du ja mal fragen, ob es auch das Buch dort gibt. :)

Zauberweib am Montag, 24 Juni, 2013 * Kategorien: Angedachtes
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Donnerstag, 07 Februar, 2013

Magie in der Werbung?

Ab Oktober hören und sehen wir in der Werbung immer wieder Schnupfennasen, Triefaugen, Grippeviren, Halsschmerzen, Erkältungszeit. Meine Nase fängt schon an zu jucken, wenn ich das nur schreibe oder lese. Geht es euch auch so? Richtig krass aufgefallen ist es mir vor einigen Tagen - zwei große Schaufenster voller Negativschlagwörter: Grippe, Viren, Erkältung, Husten, Schnupfen. Ist es da noch ein Wunder, wenn wir so anfällig für diese Dinge sind?

Energie folgt der Aufmerksamkeit - eine alte magische Weisheit, die sich so ziemlich auf alles anwenden lässt. Wenn ich mich auf Schnupfen und Erkältung konzentriere, wen will es da wirklich wundern, wenn ich tatsächlich eine Erkältung bekomme? Es nützt mir auch nichts, mich darauf zu konzentrieren, nicht krank zu werden. Weil unser Unterbewusstes das Wörtchen "nicht" eben nicht kennt. Die einzige Möglichkeit, die Aufmerksamkeit meines Unterbewussten nicht auf etwas zu lenken ist es, dies nicht zu erwähnen, nicht zu beachten.

Und genau das nutzt die Werbung: Sie wollen die Aufmerksamkeit - vor allem des Unterbewussten! Also schreien sie es in allen Farben und schmackhaft für alle Sinne von überall her: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Damit wir auch ja alle schon beim kleinsten Anzeichen wissen, welches Mittel dagegen hilft und wir es uns schleunigst besorgen sollten. Schließlich wollen wir ja nicht krank werden. - Gemerkt?

Ich mag nun gerade der Apotheke keinen Vorwurf machen, dass sie die "Grippezeit" für ihre Schaufensterwerbung benutzt. Ne Apotheke darf das noch am Ehesten. :) Nur aufgefallen ist es mir dadurch. Oder anders gefragt: Gäbe es so viele Erkältungskranke in der kalten Jahreszeit, wenn wir es nicht von allen Seiten beschwören würden? Wenn es nicht von allen Seiten von der Werbung nicht nur gelockt, sondern sogar gerufen wird?

Genau so funktioniert doch Magie! Etwas wird "besprochen", "gerufen". Und schon kommt es herbei. Vielleicht noch mit einem entsprechenden Spruch garniert - je nach gewünschter Wirkung düster, drohend, hoffend, in Reimform, ... was macht die Werbung da anders als die Magie?

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass es nicht so wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sondern viel mehr darauf ankommt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Da ist was dran. Im ersten Fall bin ich noch auf der Suche, was ist denn überhaupt wesentlich? Was ist (mir) wichtig, von Bedeutung? Worauf muss ich achten? Erst im zweiten Fall sind diese Wesentlichkeiten als gegeben vorausgesetzt und man kann sich daran machen, sich genau darauf zu konzentrieren. Und eben nicht von irgendwas ablenken lassen (Aber is' doch so billig! Und gugg mal, mit Glitzerflitter dran! Gibt's nur noch diese Woche!).

Tja, kein Wunder, dass wir uns von der Werbung so oft verführen lassen, wenn sie sogar mit Magie arbeitet! Und permanent auf uns eindrischt. Motto: Man muss nur oft genug aufs Tor schießen - irgendwann geht schon mal einer rein! Aber wir können uns schützen. Vor der Werbung. z.B. indem wir genau wissen, was wir wollen. Also nicht nur einen Einkaufszettel beim Wocheneinkauf dabei haben sondern auch und vor allem bei größeren Anschaffungen uns selber zunächst informieren: Was bietet der Markt? Was ist mir wichtig? Auf welche "Stolperfallen" muss ich achten? Was ist absolutes Muss, was ist absolutes NoGo? Mit einer solchen Liste ausgerüstet - die Liste des Wesentlichen! *g* - fällt es schon viel leichter, sich auf genau das zu konzentrieren. Und schließlich die richtige Wahl zu treffen.

Und was die magischen Elemente der Werbung angeht - also das können wir doch eh besser, oder? Wir hüllen uns ein in Gesundheit, Glück und Liebe. Wir begegnen Krankheit mit Gesundheit, Husten mit Lachen und Erschöpfung mit Schnurgelenergie. Wer will denn da noch widerstehen? :)

Du findest das alles an den Haaren herbeigezogen, übertrieben, totaler Blödsinn? Dann frage dich einfach selber, wie es dir, nachdem du den Artikel gelesen hast, nu geht? Nase verstopft? Kratzen im Hals? Ist es plötzlich wärmer im Raum oder bist das nur du? Oder doch eher so ein inneres Frösteln? Gliederschmerzen? Brennende Augen? Tja, das ist Magie... :)

Zauberweib am Donnerstag, 07 Februar, 2013 * Kategorien: Angedachtes
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Mittwoch, 06 Februar, 2013

Darstellungsprobleme?

Eigentlich sollte die Homepage ungefähr so aussehen:

Screenshot richtig

Durch Zufall habe ich erfahren, dass IE8-Surfer ungefähr das hier sehen:

Screenshot falsch 1 Screenshot falsch 2 Screenshot falsch 3

- also praktisch nix, bzw. sehr unleserlich. Natürlich habe ich beim Neumachen das Aussehen sowohl in Firefox als auch im InternetExplorer getestet. Ersteren in der neuesten Version, zweiteren in der 9er. Die kommen mit HTML5 sehr gut zurecht. Genau da liegt nämlich das Problem: Dass der "alte" IE8 mit bestimmten HTML5-Auszeichnungen wie z.B. <header>, <article>, <section> und <nav> schlicht nichts anfangen kann. Vermutlich das selbe Problem hat thinkery.me - das ist via IE8 schlicht nicht nutzbar.

Nun stehe ich vor der Frage: Alles wieder zurückbasteln auf HTML4? Die Schnell-&-einfach-Variante (z.B. article durch div ... ersetzen) hat nicht funktioniert. Also alles zu Fuß zurück - und hier ist nun die Frage: Lohnt sich der Aufwand? Der IE hat in Deutschland überhaupt einen Marktanteil von unter 19 Prozent, davon ist weniger als ein Drittel der IE8. Also rein theoretisch können sechs Prozent meiner BesucherInnen die neue Seite nicht richtig schön anschauen.

Wie sieht die Seite bei euch aus? Richtig oder unschön? Wenn letzteres, kann es evtl. sogar sein, dass ihr die Kommentarfunktion nicht nutzen könnt. Deshalb freue ich mich auch über Mails an info ätt zauberweib de.

Zauberweib am Mittwoch, 06 Februar, 2013 * Kategorien: Angedachtes
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Freitag, 20 Januar, 2012

"Deutschland's next Rechtschreib Reform"

Ich will mich als Erstes gleich bei allen entschuldigen, denen es beim Lesen der Überschrift sämtliche Zehennägel hochrollt. Es ist mir selber sehr schwer gefallen, das überhaupt zu tippen. :)

Genau darum geht es in diesem Beitrag: um die Verhunzung der Schriftsprache, die völlige Ignoranz der Rechtschreibung. Korrekt muss es natürlich heißen "Deutschlands nächste Rechtschreibreform" - kulanterweise wäre eventuell noch "Rechtschreib-Reform" möglich. Doch seit einiger Zeit bemerke ich eine explosionsartige Vermehrung der völlig zu Recht so genannten "Deppen-Apostrophen" bei gleichzeitigem Aussterben der Bindestriche (sofern nicht sowieso das Zusammenziehen der Begriffe zu einem Wort angebracht wäre).

Die Apostrophen haben wir nicht zuletzt MacDonald's und "Germany's next Topmodel" zu verdanken. Beides kommt ursprünglich aus Amerika (dort heißt es natürlich "America's next Topmodel") und die Amis haben bekanntermaßen ihre eigenen Regeln. In diesem Falle die Rechtschreibung betreffend. Dort gibt es "Joe's Bar", während es bei uns korrekterweise "Hannas Imbiss" oder "Lottes Büdchen" heißt - ohne Apostroph!

Warum sich die Apostrophen gerade im Internet so wahnsinnig vermehren, ist mir ein Rätsel. Ich habe eher das gegenteilige Problem - dass ich sie dort vergesse, wo sie tatsächlich hingehören. Wer macht denn freiwillig Apostrophen - und dann auch noch an Stellen, wo sie gar nicht nötig bzw. schlichtweg falsch sind?

Habe, konnte, wollte, sollte, möchte, gehe, springe, fühle - bei solchen Wörtern wird in der gesprochenen Sprache gerne mal das abschließende "e" verschluckt und das schleift sich sehr schnell auch im Schriftlichen ein. Zum Beispiel: "Ich hab mich gestern mit XY getroffen." Richtig müsste es heißen: "Ich hab' mich gestern mit XY getroffen." (Ganz korrekt wäre natürlich "habe"!) Hier sollte also ein Apostroph (oder ein "e") stehen.

Gibt es, kann es, soll es, wird es, - das wird sprachlich meist zusammengezogen. Schriftlich korrekt heißt es dann: Gibt's, kann's, soll's, wird's, usw. Auch hier: Apostroph! In meinen Texten gibt es bestimmt einige fehlende Apostrophen oder "e"s, egal wie viele ich beim Korrekturlesen auch ergänze. :)

Kein Apostroph steht jedoch bei ums, fürs, ans - also die zusammengezogene Form von "um das", "für das", "an das" - ganz einfach zu merken, eigentlich. Beim Duschen würde auch niemand auf die Idee kommen, "bei'm" zu schreiben, oder? Dasselbe Prinzip: Bei dem gibt's keinen Apostroph.

Nie und nie und niemals nicht wird ein Apostroph beim "Beugungs-S" am Ende eines Namens angehängt geschrieben! Es ist Barbaras Blog, Kathrins Kneipe, Susis Schuppen, Werners Werkstatt - kein Apostroph weit und breit!

Faustregel für die Verwendung von Apostrophen: Im Zweifel lieber weglassen!

Ganz anders sieht es bei den Bindestrichen aus. Die geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Gerne würde ich den Suchmaschinen dafür die Schuld zuschieben, weil einzelne Worte eher gesucht (und besser gefunden) werden als Bandwurmwörter. Das Problem hat sich aber schon viel weiter verbreitet. So zeigt ein öffentlich-rechtlicher Regionalsender wöchentlich sein "XYZ Gefecht", das korrekterweise natürlich "XYZ-Gefecht" heißen müsste. Auch das "VIP-Essen" eines Privatsenders wird in den TV-Zeitschriften fälschlicherweise als "VIP Essen" betitelt. Lobenswert tritt hier das ZDF in den Vordergrund, mit der völlig richtigen Ausstrahlung der "Rosenheim-Cops". Mit Bindestrich und ohne Apostroph.

Wie sollen SchülerInnen korrekte Rechtschreibung lernen, wenn die Erwachsenen überhaupt nicht darauf achten? Deswegen auch mein Beitrag hier - unterschwellig nehmen wir alle nämlich die Falschschreibungen wahr. Und fangen folgerichtig selber an, falsch zu schreiben. Die Kleinen lernen es gar nicht erst richtig und die Großen ver-lernen es. Doch nur weil jeder zweite Blog Rosi's oder Pixi's oder Lurchi's heißt, wird es ja nicht richtiger. Es bleibt falsch, auch wenn's alle falsch machen.

Und dann gibt es noch ein paar Menschen, die zumindest den guten Willen zeigen - aber leider keinen Binde-, sondern einen Gedankenstrich. Vor und nach einem Gedankenstrich steht ein Leerschritt - Gedanken brauchen Raum. Der Bindestrich jedoch verbindet zwei Wörter zu einem. Da passt kein Leerschritt mehr dazwischen.

Abgesehen davon, dass das Weglassen des Bindestriches nicht der Rechtschreibung entspricht, erschwert es auch das Lesen. "Neulich beim Privat Fernsehen sah ich eine Bücher Doku, die die Autorin bei der Recherche Arbeit zeigte. Im Anschluss Interview erzählte sie von ihrer Stadt Wohnung." Solche Sätze muss ich mehrmals lesen, bis ich den Sinn verstehe. Gemeint ist natürlich: "Neulich beim Privat-Fernsehen sah ich eine Bücher-Doku, die die Autorin bei der Recherche-Arbeit zeigte. Im Anschluss-Interview erzählte sie von ihrer Stadt-Wohnung."

Faustregel für die Verwendung von Bindestrichen: Es kann gar nicht genug geben! Meistens können bzw. sollten die Wörter sogar als ein Wort zusammengeschrieben werden. (Privatfernsehen, Stadtwohnung)

Ich möchte hiermit alle Bloggerinnen, Blogger und Homepage-BetreiberInnen ermuntern, auf die Rechtschreibung zu achten. Wenn eine sich mal unsicher ist, schafft ein Blick auf duden.de Abhilfe. Ein kleines bisschen Vorbild sein - in diesem Fall ist es wirklich ganz einfach.

Das Internet und seine Möglichkeiten zur Kommunikation hat unsere Schreibkultur auf jeden Fall verändert. Beim Chatten auch nur auf Groß- und Kleinschreibung zu achten, ist angesichts des Tempos meist gar nicht möglich. An Rechtschreibung mag eine da gar nicht mal denken. Auch bei E-Mails oder in Forenbeiträgen wird auf derlei Formalitäten meist nicht so viel Wert gelegt. Das ist ähnlich wie beim Telefonieren mit Freunden: Da redet auch jede, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.

Anders sehe ich es bei Blogeinträgen, das sind veröffentlichte Texte, die gerne mit Zeitungsartikeln verglichen werden können. Die werden gelesen, vielleicht auch zitiert, sind langlebiger gedacht als E-Mails oder Forengeplauder. Da sollte schon auf die richtige Schreibweise geachtet werden.

Vielleicht kann ich hiermit die eine oder andere motivieren, in Zukunft ein bisschen mehr auf korrekte Rechtschreibung zu achten. Und wenn die Kinder das nächste Mal in der Deutschprobe eine Fünf schreiben, überlegt euch, ob ihr selber mit gutem Beispiel vorangeht. :)

Zauberweib am Freitag, 20 Januar, 2012 * Kategorien: Angedachtes
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Meine Nähmaschine

Als meine Mutter zu meinem älteren Bruder schwanger war, hat sie sich für mehrere hundert Mark eine Nähmaschine geleistet. Eine "Ideal Automatik" von Quelle. 1962 war das ein Batzen Geld - und es war sinnvoll angelegt. Dass sie die Ausstattung der Wiege damit genäht hat, weiß ich nur aus ihren Erzählungen, doch ich kann mich gut daran erinnern, dass sie schon immer sehr viel genäht hat.

Irgendwann haben wir im Handarbeitsunterricht nähen mit der Maschine gelernt und meine Mutter hat mich in ihre Maschine ebenfalls eingewiesen. Ab da hab ich selber immer wieder damit genäht. Sie begleitet mich tatsächlich bereits mein ganzes Leben.

Viel später - ich war bereits von Zuhause ausgezogen - hat sich meine Mutter eine neue Maschine gekauft und mir die alte vermacht. Damals bin praktisch jedes Jahr umgezogen und ich hatte nie Platz genug. Für einzelne Projekte habe ich sie mir hin und wieder in die jeweilige Wohnung geholt und später wieder in mein Elternhaus zurückgebracht. Bis ich mit meinem jetzigen Mann zusammen gezogen bin. Er hatte eine Dreizimmerwohnung und ich konnte meine Nähmaschine endlich "nach Hause" holen.

Ich habe sie erst einmal zum Überholen gebracht: reinigen, ölen, einstellen. Sie lief wieder wie am Schnürchen. Kein Klackern, keine Aussetzer, nichts. Als mein Vater erfahren hat, wie begeistert ich von der Nähmaschine war und sie somit in Ehren halten würde, hat er es sich nicht nehmen lassen, die Kosten für die Überholung zu übernehmen. ("Das hat sie von mir!" *g*) Wow, da war ich gleich doppelt beschenkt!

Mittlerweile sind wir in unser Häuschen gezogen, in dem es ein kleines Nähzimmerchen gibt. Meine Maschine hat einen festen Platz, muss nicht jedes Mal her- und wieder weggeräumt werden. Und ich habe das Patchworken entdeckt. Da nähe ich zwar größtenteils mit der Hand, das Zusammennähen mach ich aber doch lieber mit der Maschine. Auch diverse Kleidungsstücke hab ich in den letzten Jahren genäht. Sie ist also ständig in Gebrauch.

Kein Wunder, dass es nun wieder zu Aussetzern kam, sie war schwergängig, es klackerte. Die Botschaft war klar: Schick mich zur Inspektion! Mein erster Gedanke: Die hab ich doch erst beim Reinigen gehabt? Der zweite Gedanke: *nachrechne* 1999 - Oh... das ist wohl doch schon etwas her...

Da ich mit dem letzten Service-Ergebnis sehr zufrieden war, habe ich sie wieder dort hin gebracht. Beim Abgeben sind mir die vielen Nähmaschinen aufgefallen, die dort ebenfalls zur Reparatur-Abholung warteten. Sicher waren da auch paar modernere Modelle dabei, aber das meiste waren solche Goldschätze wie meine - wenn nicht sogar noch älter! Nähmaschinen sind ganz offensichtlich eine Anschaffung fürs Leben, für mehrere Generationen sogar. Sie werden gepflegt und in Ehren gehalten - und genutzt! Sie sind halt was Besonderes. Dass mich so ein Anblick zum Strahlen bringt, zeigt deutlich, dass ich die Tochter einer Handwerkerfamilie bin: Werkzeug muss eben pfleglich behandelt werden. :)

Heute habe ich meine Nähmaschine wieder an ihren Platz gestellt, den ich bei der Gelegenheit auch gleich ordentlich sauber gemacht habe. Und wie es der Zufall wollte, hatte ich ein ausgefranstes Handtuch und einen eingerissenen Kissenbezug zu reparieren. Eine gute Gelegenheit, das Maschinchen willkommen zu heißen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie verblüfft ich war, als ich loslegte. Ein sanftes Schnurren, butterweicher Gang, perfekte Stiche... meilenweit dem voraus, was ich mir überhaupt hätte vorstellen können. Klar bin ich davon ausgegangen, dass sie keine Aussetzer mehr haben wird. Dass es nicht mehr klackert. Und dass sie etwas leichter läuft. Aber was ich bekommen habe, ist besser als neu! Ehrlich: ich bin verliebt in meine Nähmaschine! *gg* Da trifft es sich hervorragend, dass ich demnächst Urlaub habe und mir schon das eine oder andere Projekt im Kopf rumschwirrt. :)

meine Nähmaschine

Danke, dass du mich schon mein ganzes Leben begleitest. Ich werde dich gut behandeln, damit das auch weiterhin so bleibt und wir noch viele bezaubernde Stunden miteinander verbringen werden. :)

gepostet November 2011

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel
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Die Mitte der Gesellschaft - Nachtgedanken

Das Thema hab ich mir von der Schlampengöttin ausgeliehen. Gute Idee, die ich mal für mich übersetzen will:

Wenn ich die Mitte der Gesellschaft wäre, dann hätten Motorräder eine Sitzhöhe von 70 bis maximal 75 cm. Aufbocken geht ja immer noch. Die Norm wäre weiblich, unter 1,60. Das heißt, die oberen Regale im Supermarkt wären nicht ganz so weit oben.

In einem durchschnittlichen Haushalt gäbe es mindestens zwei Menschen, die sich lieben und dazu mindestens zwei Katzen, die von den Menschen versorgt und umschnurgelt werden dürfen.

Der überwiegende Teil der Gesellschaft hätte keine Kinder und keine Frau müsste sich deswegen blöde Kommentare anhören oder auf die Beförderung verzichten ("Sie wollen ja doch noch Kinder haben...") oder sich von irgendwelchen Leuten ein schlechtes Gewissen einreden lassen.

Wenn ich außerdem noch was zu sagen hätte...

Dann gäbe es in Deutschland längst nur noch Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Der Grundstein dazu wär vor 25 Jahren gelegt worden, wir hätten aus Tschernobyl Konsequenzen gezogen.

Wenn Europa überhaupt irgendeinen Sinn hätte haben sollen, wäre der vollzogene (!) Umstieg auf grüne Energie Zugangsvoraussetzung für neue Mitgliedsstaaten. Und selbstverständlich wäre diese Grundversorgung in den Händen des Staates - nicht privater Unternehmen.

Hätte ich was zu sagen, wäre der Euro nie eingeführt worden - auf jeden Fall spätestens jetzt würden wir wieder auf die DM umstellen. Fehler kann man ja ruhig machen - man sollte nur (ein)sehen, wenn etwas keinen Sinn mehr hat und entsprechend handeln.

Wenn ich was zu sagen hätte, wäre nach der Finanzkrise der Rooseveltsche "New Deal" in Kraft getreten. Das hätte nicht nur die Kassen wieder gefüllt, noch dazu vorrangig von denen, die die Kassen vorher so kräftig geleert haben, sondern vor allem auch den Graben zwischen Arm und Reich ein gutes Stück zugeschüttet. Da hatten die Amis damals echt ne gute Idee (warum das in der Politik immer so abwegig ist - Geld von denen zu fordern, die am meisten davon haben?), die z.B. auch im Fall Griechenland mehr Sinn machen würde als EU-Kredite. Überhaupt frage ich mich, warum die Suppe nur die Staaten auslöffeln sollen. Was ist mit dem Handel? Internationale Firmen, die an Griechenland auf die eine oder andere Art genauso bzw. sogar mehr beteiligt sind, als irgendwelche Banken, sollten ruhig auch ihr Scherflein beitragen. Ihren Krempel verkaufen wollen sie in Griechenland ja schließlich auch wieder...

Was es definitiv nicht geben würde, wenn ich was zu sagen hätte, wären Klopapier, Küchen- und Taschentücher (wenn man letztere denn schon unbedingt benutzen "muss"), die nicht zu 100% recycelt wären. Und schon gar nicht gebleicht!

Und wo ich schon dabei bin: Mülltüten wären - wenn schon Plastik - selbstverständlich ebenfalls komplett recycelt (100% ist bei Plastik glaub ich gar nicht möglich. Mit komplett mein ich hier also so viel wie nur irgend möglich)

Es gäbe keine Kraftfahrzeuge mehr mit Verbrennungsmotoren. Herkömmliche Tankstellen, wie wir sie heute noch kennen, gäbe es nur ganz vereinzelt auf Sondergenehmigung für Oldtimer-Clubs - und wären mit mega Steuern behaftet.

Und an allererster Stelle wäre das Aus für Verbrennungsmotoren im landwirtschaftlichen Bereich gekommen. Überlegt euch mal, die ganze Auspuffgase landen auf den Kartoffeln, dem Weizen, dem Mais - nicht gerade appetitlich, oder?

Genauso wäre sämtliche Chemie für die Landwirtschaft verboten. Einzelne Stoffe können in Ausnahmefällen nach jahrelanger, kostenintensiven Prüfung auf Herz und Nieren durchaus wieder erlaubt werden. Aber erstmal wäre alles verboten, was nicht natürlich und von selber wächst. Gentechnik gäbe es gar nicht.

Es gäbe auch keine "Bio"-Produkte - weil selbstverständlich jegliche Nahrungsmittel aus natürlicher Herstellung kommen. Was anderes käme gar nicht infrage. Und genauso selbstverständlich bieten wir den Tieren ein glückliches, gesundes, friedliches Leben - das sind wir ihnen schuldig, wenn wir sie schon essen: Dass sie vorher wenigstens ein wunderschönes Leben hatten. Kühe auf der Weide. Scharrende Hühner. Schweine, die sich im Schlamm wälzen. So muss das sein!

Ach, und natürlich gäbe es im Parlament Anwesenheitspflicht. Nichterscheinen ist unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst. Klarer Fall. "Nebenjobs" welcher Art auch immer wären absolut verboten. Als AbgeordneteR sollte mensch doch eigentlich ausgelastet genug sein, oder?

Überdies wäre Schluss mit der Unsitte, dass die sich selber mal eben eine Gehaltserhöhung geben können. Es gäbe auch Mindestlöhne in allen Bereichen, die innerbetrieblich gebunden wären. Heißt, die niedrigste Lohngruppe ist die Grundlage für alle anderen. Also z.B. Reinigungspersonal (es wird nicht geschummelt via "outsourcing"!) bekommt X, Call-Center-Leute bekommen 1,5X, Leitende Angestellte 3X, usw. bis hin zum Oberchef, der von mir aus 100X kriegt - um einfach mal Hausnummern zu nennen. Wenn der Oberchef jetzt beschließt, er genehmigt sich nen Tausender mehr im Monat, ist das prima, weil die Putzkraft dann immerhin auch nen Zehner mehr bekommt. Was für beide vermutlich in etwa gleich viel wert sein dürfte... (kann man jetzt so und so sehen)

Das Recht auf ein würdiges Sterben, wie wir es unseren Haustieren selbstverständlich gestatten, hätten auch wir Menschen. Wir hätten wieder ein gesundes Verständnis fürs Leben und Sterben. Leben retten würde nicht mehr gleichbedeutend sein mit Leiden bzw. Sterben verlängern.

Es gäbe nur sehr wenige, dafür verständlich Gesetze, Steuern und Vorschriften. Die Menschen, die für deren Einhaltung sorgen, wären gefordert, ihren gesunden Menschenverstand einzusetzen. (z.B. ist es doch unsinng, eine Familie zum Umzug zu zwingen, weil deren Wohnung gemäß Hartz-IV-Bestimmung zwei Quadratmeter zu groß ist, oder dass sie ihr Eigenheim verkaufen müssen - die dafür dann zusätzlich anfallende Miete aber wiederum bezahlt bzw. bezuschusst wird).

Soweit mal ein paar zugegebenermaßen unausgegorene, zusammengewürfelte Nachtgedanken von mir.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Kohlendioxyd-Endlager?!

Wie kommt man bittesehr auf sone bescheuerte Idee, CO2 im Boden einlagern zu wollen? Wie krank ist das denn? Ich spar mir hier sogar das Aufzählen der Gründe, die dagegen sprechen - ey, nee, näh!

Die ganze Idee ist ungefähr so sinnig, wie wenn plötzlich sämtliche Küchen- und Gartenabfälle in dicke Folie vakuumverschweißt, diese in Beton eingegossen und das Ganze dann irgendwo verbuddelt werden würde.

Also nochmal für Dummbatze und all jene, dies wirklich nicht wissen (wobei ich mir aber ziemlich sicher bin, dass dazu auch ne Sendung-mit-der-Maus gibt!)

CO2 = ziemlich giftiges Gas, welches z.B. von Autos "gemacht" wird. Zum Atmen brauchen Mensch und Tier Sauerstoff - O2 - welcher jetzt aber blöderweise an dem Kohlenstoff - C - dranhängt. Je mehr CO2 wir produzieren, desto schneller geht uns die Luft aus. Blöd.

Nun gibts da aber eine supergeniale Technik, die das CO2 auf recht umweltfreundliche Art aufbereitet. Ganz vereinfacht gesagt, wird dabei das CO2 gefressen, wobei das "C" einverleibt wird und der frische, saubere O2-Sauerstoff wieder ausgeschieden wird. Eine Alles-wieder-gut-mach-Maschine sozusagen. Die es tatsächlich schon gibt. Und die gar nicht mal teuer ist. Die nahezu überall einsetzbar ist. Die es in verschiedenen Größen und Designs gibt. Manche haben sogar noch .... Apps. Die können sogar noch andere Rohstoffe liefern. Für Zwetschgenmus. Oder Apfelkuchen. Oder Birnenkompott. Oder Nussecken.

Also nochmal für alle Dummies zum mitschreiben: Was ist das einfachste, beste, günstigste, was wir tun können, um CO2 abzubauen? Genau:

\*/

Pflanzt Bäume!

/*\

Ist das denn wirklich so schwer.... *kopfschüttel* Hier noch paar Links zu Seiten, die das mit der CO2-Einlagerung ebenfalls als kompletten Schwachsinn sehen:

Suchergebnisse CO2 + Endlager 

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Was hyperbolische Geometrie und Korallenriffs mit Häkeln zu tun haben

Zugegeben, das klingt erstmal komisch und nicht wenige werden sich jetzt wohl die Frage stellen: Was zur Hölle ist hyperbolische Geometrie? Ich muss zugeben, bis heute Vormittag hatte ich den Begriff selber noch nie gehört und die Wikipedia-Erklärung erleuchtet mich auch nicht so recht.

Meine völlig unwissende Definition wäre: Das ist, wenns nach oben hin immer mehr wird. Und das sieht dann ungefähr so aus, wie Korallen aussehen. Wie ich überhaupt darauf kommen? Ich hab die Natur + Kosmos vom März 2011 in die Finger gekriegt. Und da war ein Artikel*) drin. Über eine Mathematikerin, die eigentlich durch Zufall entdeckt hat, wie sie 3D-Modelle zur hyperbolischen Geometrie herstellen kann - und das noch dazu sehr einfach und äußerst kostengüstig.

Ich selber hab letztes Jahr ein solches 3D-Modell hergestellt - ohne dass ich es wusste *g*:

Gehäkelte Koralle

Dabei war das längst nicht mein erstes. Als ich meine ersten Häkelversuche unternommen hab - noch bevor wir das in der Schule lernten - hatte ich eine kleine Puppe, der ich eine Art .... gekräuseltes Ballettröckchen gehäkelt habe. Das war auch eine hyperbolische Koralle :) Was ich damit sagen will: es ist echt stinkeinfach!

Wie kam jetzt nochmal die Koralle ins Spiel? Achja, die Mathematikerin. Die ist auch Netzwerkerin und kam mit anderen Fachfrauen ins Gespräch (so ganz genau hab ich den Hergang jetzt nicht mehr im Kopf) und jedenfalls haben sie angefangen, Korallenriffe zu häkeln, um damit auf das Korallensterben aufmerksam zu machen. Es gab ein bisschen Aufmerksamkeit in der Presse, was zu Anfragen u.a. vom Warhol-Museum führte und so hat das Hyperbolic crochet coral reef inzwischen doch einiges an Berühmtheit erlangt. Leider noch nicht so wirklich im deutschsprachigen Raum, was ich hiermit versuche, zu ändern :)

Ich finde die Idee einfach genial - zumal die Dinger genial einfach zu häkeln sind :) Wie oben schon gesagt: In jeder (jeder 2. oder 3.) Runde die Maschen doppelt oder dreifach häkeln. Das ist alles.

Und weil ich grad übers Häkeln schreib und über Dinge, die damit so gar nix zu tun haben - rein theoretisch - und ich außerdem grad auf Blogrunde war, hab ich hier gleich noch einen Link zum Thema Granny Squares - nur dass die hier ausnahmsweise mal gar nix mit häkeln zu tun haben. Alles klar? :)

*) Falls der Link nicht funktionieren sollte: auf natur.de den Suchbegriff "Häkelriffe" eingeben.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel
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Visionen für die Zukunft

Da die Autobranche in Bezug auf Solartechnik - bzw. überhaupt alternative Antriebsmöglichkeiten - nicht so recht in die Gänge kommen will, sollten vielleicht die Solarprofis eine Vorlage liefern?

Liebe Solarzellen-Hersteller: Entwickelt doch eine Art Solarzellen-Folie zum Aufkleben. Damit wird das Auto komplett bezogen, der alte Motor und Tank kommen raus, ein Elektromotor und Akkus kommen rein, fertig ist das Solarmobil.

Als Laie stell ich mir das so einfach vor. Dabei geh ich natürlich davon aus, dass "Folie" nicht unbedingt erdölbasiert sein muss. Da darf gern was völlig Neues, "Grünes" entwickelt werden. Was auch denkbar wäre: Magnet-"Folie". Die müsste allerdings fest genug sein, dass sie mindestens 140 km/h aushält. So viel Power sollte die Solarkraft schon bringen!

Ich fände das ne Super-Erfindung, wenn ich in naher Zukunft zum Fachhandwerker um die Ecke gehen könnte und der würde mein Auto umrüsten. Und das wäre auch bezahlbar, denn eigentlich muss das Material - also die Solarzellen, Akkus und Motor - ja nicht gekauft werden. Es müsste lediglich der Einbau, also die Arbeitszeit, bezahlt werden. Was in etwa einer größeren Reparatur-Rechnung entsprechen dürfte. Aber wer ein heißgeliebtes Auto schon seit vielen Jahren fährt, hat sowas eh immer einkalkuliert :)

Warum leasen statt kaufen? Logisch, weil es wiederverwendbar ist bzw. sein soll. Nur weil das Auto irgendwann vielleicht doch das Zeitliche segnet, muss doch nicht alles weggeworfen werden. Deshalb sollte die "Folie" abziehbar und wiederverwendbar sein. Daher auch die Idee mit der Magnet-"Folie". Eine 80%-ige Wiederverwertbarkeit sollte erreichbar sein. Und da bietet sich Leasing nun einmal an.

Akkus und Motor sollten eine lange Lebenszeit haben. Das ist meines Erachtens das Haupt-Kriterium, das ein Produkt erfüllen muss, wenn es zukunftsfähig sein soll: Lange Lebenszeit. Die Akkus sollten modular aufgebaut sein, so dass einzelne Teile ausgetauscht und überhaupt auf die Art für jedes Auto passend gemacht werden können.

Das heißt, der Kunde trägt die Kosten fürs Umrüsten - also die Arbeitszeit - und zahlt ansonsten eine monatliche Leasinggebühr dafür, dass die Solartechnologie genutzt wird. Da nicht mehr getankt werden muss, enstehen demnach keine Mehrkosten für den Einzelnen, stattdessen Mehrnutzen für den gesamten Planeten!

Und wenn die Autoindustrie dann ganz lieb bitte sagt, dürfen die diese Technologie vielleicht sogar für ihre Neuwagen nutzen :) Aber das erfordert erst einmal umdenken: Dass wir nicht länger produzierenproduzierenproduzieren können, dürfen! Sondern dass wir uns zuallererst überlegen müssen, was wird wirklich gebraucht? Wie können wir das herstellen, dass ein geschlossener Kreislauf entsteht (Zero Waste)? Und vor allem: ohne Gift, ohne schädliche Chemie.

Nein, ich will an dieser Stelle nichts hören von wegen "unmöglich", "geht nicht", "ist doch gar nicht soooo schlimm". NEIN! Bitte was sollen all die Auszeichnungen und Preise und gegenseitiges Beweihräuchern, wie fortschrittlich unsere Technologie doch ist, und was die Forschung nicht alles möglich gemacht hat, wenn wir noch nicht mal in der Lage sind, Radioaktivität zu neutralisieren. Wenn wir es noch immer nicht geschafft haben, Plastik in den Kreislauf einzubinden. Wenn wir noch immer auf Erdöl und dessen katastrophalen Folgen für unseren Planeten angewiesen sind.

Mal ehrlich: die Steinzeitmenschen waren wesentlich fortschrittlicher als wir, das muss ich mal so sagen! Die haben wirklich etwas Neues erfunden. Und zwar nicht irgendwelchen Nippes, sondern Dinge für den täglichen Gebrauch, die ihnen einen echten Nutzen z.B. bei der Nahrungsbeschaffung eingebracht haben. Und das ganz ohne Unmengen an Energie zu verbrauchen, ohne Luft, Wasser oder Boden zu verseuchen.

Aber ich schweife schon wieder völlig ab. Denn - um aufs Thema zurück zu kommen - es gibt ja auch noch Motorräder, die auch gern solarbetrieben wären. Einen Anfang hat z.B. die Firma Münch bereits gemacht, allerdings ist das halt auch "nur" ein Elektromotor, der aufgeladen werden muss. Vorzugsweise mit Solar-, Wind- oder Wasser-Strom.

Warum - fällt mir jetzt wieder ein - soll nun in Deutschland wieder mehr auf Kohle gesetzt werden? Was genau haben die Damen und Herren Politiker immer noch nicht begriffen? Es ist doch so einfach: AKW: nein. Sonne, Wind, Wasser: ja. Da kommt Kohle gar nicht drin vor! Und die Energieriesen hatten bereits einige Jahre Zeit, entsprechende Anlagen zu bauen. Das sollte auch nicht vergessen werden: Dass es vor dem Ausstieg ja bereits eine Zeit vor dem Ausstieg aus dem Ausstieg gab. Die hätte genutzt werden können, sollen.

Allerdings bin ich eh der Meinung, dass die Grundversorgung in die öffentliche Hand gehört. Also Energie, Wasser und eigentlich auch der Personennahverkehr. Es kann nicht sein, dass wir unsere Grundbedürfnisse an Konzerne übergeben, deren Ziel es natürlich ist, Profit zu machen. Strom und Wasser muss für jeden verfügbar und bezahlbar sein. Das war vielleicht mal sinnvoll, die öffentlichen Haushalte zu entlasten und auszulagern. Dass am Ende aber immer der Steuerzahler (und die Natur) die Rechnung kriegt, zeigt Fukushima (strahlt immer noch, Vierfach-Super-GAU. Intressiert nur grad keinen mehr).

Zurück zu den Mobbeds: Da gibt es ja nun nicht so viel Fläche für Solarmodule, aber es gäbe vielleicht die eine oder andere Idee zu entwickeln: Schutzkleidung mit integrierten Solarzellen - warum nicht? Wird mit einem kleinen Kabel eingestöpselt und zwar so, dass die Verbindung hält, aber im Fall des Falles einfach ausstöpselt.

Andere Möglichkeit: z.B. unter der Sitzbank versteckt ein zusammenfaltbares Solarpanel. Was bei Satelliten klappt, sollte doch auch bei Motorrädern machbar sein, oder? Und selbstverständlich als Zubehör ein mobiles Panel mit integriertem Akku, das daheim im Garten fleißig Strom macht, während das Mobbed unterwegs ist, welches über Nacht dann einfach angezapft wird.

Parkplätze könnten nicht einfach geteert, sondern mit Solarpanels belegt werden. Gerade vor Supermärkten, Möbelhäusern usw. sind ja nicht immer alle Plätze belegt. Der so erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. So haben alle was davon. Überhaupt verstehe ich nicht, weshalb nicht schon längst dazu übergegangen wurde, Neubauten so zu planen, dass die Dächer genügend Sonnenseite abbekommen.

Um nochmals auf die Parkplätze zurückzukommen: Es gibt einen findigen Erfinder - wenn ich mich richtig erinnere, aus den USA - der einen solchen Straßenbelag bereits erfunden hat. Ihm wurden großzügigerweise (höhö) eine Million Dollar Fördermittel eingeräumt, um das mal auszutesten. Das stand vor einigen Monaten in der Natur & Kosmos. Wäre schön, wenn sich diese Idee verwirklichen ließe!

Ich glaube, Ideenmangel ist nicht das Problem. Schon eher, das Wagnis, die Herausforderung anzunehmen. Was uns allen bevorsteht, ist ein kompletter Wandel im Bewusstsein. Dass wir nicht länger auf Kosten der Natur hantieren dürfen, sondern diese endlich als unsere Lebensgrundlage begreifen müssen.

Wem das zu ökotussig ist, der darf es auch gern so sehen: die Natur kann ohne uns Menschen sehr gut leben (ehrlich: wir sind der Grund, weshalb es ihr heute so dreckig geht) - wir aber nicht ohne sie. Wenn wir so weiter machen, wird sie sich wehren. Und wer mal genau hinguggt, wird sich zumindest die Frage stellen, ob sie damit nicht schon längst begonnen hat. Wer es als Kampf sehen mag: Mensch gegen Natur, dem kann ich garantieren, dass die Natur, das Leben als solches, auf jeden Fall am längeren Hebel sitzt.

Oder, noch ein wenig deutlicher: Es geht darum, unseren eigenen Hintern zu retten!

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Eine Frage der Definition

Anstoß zu diesem Beitrag hat mir das Buch StoryPower von Vera F. Birkenbihl gegeben (buecher.de). Darin stellt sie u.a. die Aufgabe: "Definieren Sie Materie!" Mit dieser für mich hervorragend gewählten Aufgabe war ich wirklich gefordert. Materie - Göddin, das kann alles sein! Bei Materie denke ich an die vier Elemente bzw. an Erde, an alles Materielle, an Besitz, an Hab und Gut, an Geld, Gold, sorgenfreies Leben. Bei Materie denke ich aber auch an den Spruch "In die Materie (tiefer) eintauchen" bzw. "Ahnung von der Materie haben" - also sich in einem bestimmten Fachgebiet besonders gut auskennen bzw. einarbeiten. Ich denke aber auch an das Weltall, schwarze Löcher, kleinste Teilchen, denke weiter an Material... und das ist jeweils nur klitzkleiner Ausschnitt dessen, was mir zu Materie einfällt.

Wie soll ich also Materie definieren? Ich brauch einen Bezugspunkt: In welchem Zusammehang ist es denn gemeint? In der Naturwissenschaft wird Materie sicher anders definiert als in der Philosophie. Und damit komme ich auf das Problem, auf das Frau Birkenbihl mit ihrer Frage aufmerksam machen wollte: Eine Definition ist keine allgemeingültige Wahrheit.

Ich erinnere mich an meine Schulzeit. In nahezu allen Fächern gab es für alles Mögliche Definitionen. Wir wurden im Allgemeinen dazu angehalten, die Definition, die uns diktiert oder an der Tafel vorgeschrieben (!) wurde, in unseren Heften dick zu umranden, besonders hervorzuheben. Und wir taten gut daran, solche Definitionen bis zur nächsten Unterrichtsstunde auswendig zu lernen. Denn wir konnten davon ausgehen, dass dies mündlich abgefragt werden würde - leicht verdiente Einser.

So haben wir mehr oder weniger unterschwellig in der Schule gelernt, dass eine Definition per Definition eine allgemeingültige Wahrheit beschreibt. Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, wo uns gesagt wurde, wer diese Definition aufgestellt hätte und zu welchem Zweck, mit welcher Absicht, mit welchem Hintergrund.

Heute finde ich das ziemlich absurd. Ok, bei manchen Gelegenheiten mag das schon stimmen. z.B. "Der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in der Bundesrepublik Deutschland erbracht worden sind." Zu meiner Zeit war das die Definition von Bruttosozialprodukt. Heute nennt sich das Bruttoinlandsprodukt. Daran zeigt sich, dass es eben doch nicht die immerwährende Wahrheit ist.

Mathematik ist ein gutes Beispiel für "wahre" Definitionen. 1 + 1 = 2. Das wird mir weltweit bestätigt. Das weiß ein Straßenkind in Südamerika genauso wie der Dalai Lama. Das hatte im Antiken Griechenland genauso Gültigkeit, wie es Captain Picard in ein paar Jahrhunderten noch bestätigen wird :)

Was mir schon länger aufgefallen ist, dass ich für manche Begriffe meine eigene Definition habe. Die sich von der "allgemein gültigen" manchmal nur ein klein wenig unterscheidet, manchmal auch etwas mehr. So verwende ich z.B. den englischen Begriff "Power", wenn ich damit sowohl Macht als auch Stärke/Befähigung umschreiben will. Und "Toleranz" würde ich mit dem Satz formulieren: "Ich find's scheiße, was du tust, aber mach ruhig weiter." Deshalb halte ich auch nicht viel von Toleranz. Ich halte es da mehr mit Akzeptanz: Mein Gegenüber so anzunehmen/anzuerkennen, wie es ist.

Bei Wikipedia werde ich unter dem Begriff Definitionslehre fündig. Allerdings ist das auch nichts, was sich mal eben bei ner Tasse Cappucchino nebenbei schnell durchlesen (und begreifen) lässt.

Erstaunlich, was diese drei Worte "Definieren Sie Materie" an Gedanken in Bewegung gesetzt haben. Ich komme für mich zu dem Schluss, dass "Definition" zunächst einmal nichts weiter ist als ein "Glaubenssatz". Mag sein, dass dieser Glaubenssatz einem genaueren Hinsehen, Überprüfen, Hinterfragen standhält. Dann würde ich es als Definition durchgehen lassen. Doch mindestens genauso oft ist das eben nicht der Fall. Oder eben nur innerhalb eines festen Bezugsrahmens. Dann ist es aber wieder nicht allgemeingültig, nach meinem Verständnis also keine Definition.

Viel interessanter finde ich die Übersetzung "Glaubenssatz". Wenn es draußen kalt ist, regnet, den ganzen Tag nicht richtig hell wird, wird das im Allgmeinen als "schlechtes Wetter" bezeichnet. Man könnte auch sagen: definiert. Wenn ich aber eh vor hatte, an diesem Tag meine Steuererklärung zu machen, kommt mir das Wetter doch eigentlich sehr entgegen. Welches Wetter würde sich denn besser für mein Vorhaben eignen, als genau dieses? Wäre es in diesem Fall nicht eher angebracht, von "optimalem Wetter" zu reden? Auch hier spielt wieder der Bezugsrahmen die entscheidende Rolle.

Frau Birkenbihl hat mir mit ihrer kleinen Aufgabe einen großen Dienst erwiesen. Denn nun habe ich einen Anker gesetzt. Wann immer das Wort "Definition" auftaucht, werde ich jetzt hellhörig: Wer sagt das? Warum? Mit welchem Hintergrund? Jedenfalls wird mich das Wort nicht mehr ehrfürchtig erstarren lassen: Achso, das ist die Definition... na dann... Jetzt tauchen zunächst eine Reihe von Fragen auf, anhand derer die "Definition" abgeklopft wird. Hält sie stand, ist es akzeptiert. Tut sie es nicht - war's ja gut, dass ich nachgehakt habe.

Und wie ist das mit den eigenen "Definitionen"? Den Glaubenssätzen? Ich denke, wir tun gut daran, diese ebenfalls aufzuspüren und zu hinterfragen. "Immer mache ich alles falsch!" - Der Satz enthält gleich zwei Wörter, an denen sich Glaubenssätze identifizieren lassen: immer und alles. Gerne verwendet wird auch "Nie gelingt mir etwas." Und ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass keiner der beiden Sätze wahr ist. Niemand macht immer alles falsch. Und jedem Menschen ist irgendwann einmal schon etwas gelungen.

Doch damit ergibt sich schon wieder ein neues Themas. Wenn du mehr darüber lesen willst, bemühe eine Suchmaschine, da wirst du auf jeden Fall fündig werden. Das oben erwähnte Buch von Frau Birkenbihl will ich abschließend noch wärmstens empfehlen.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Dornröschen

Es war einmal ein Königreich, dort lebten alle Menschen glücklich und zufrieden. Alle trugen ihren Teil zum Leben in der Gemeinschaft bei: Indem sie Felder bestellten, Schafe hüteten, einander beim Hausbau halfen - so wie sie alles zusammen machten. Es war von allem immer genug für alle da. Mangel gab es nicht, da es auch kein Geld und keinen Handel gab. Sie haben immer geteilt.

Es gab in diesem Königreich einen Rat von dreizehn Frauen, die die Geschichten des Volkes bewahrten. Sie waren die Hüterinnen des Wissens. Die Geschichten eines Volkes müssen lebendig weitererzählt werden, gleich ob es sich dabei Pflanzenkunde, Heilkunde, Kanalbau oder Mythologie handelte. Nur was immer wieder neu erzählt wurde, konnte aktuell bleiben und sich so be-wahr-heiten. Um dies zu gewährleisten, waren die Hüterinnen des Wissens da.

Das Königspaar regierte gemeinsam über das Volk, jeder hatte seinen Zuständigkeitsbereich, wobei es hauptsächlich um praktische Dinge gibt. Organisation der Ernte und deren fachgerechte Weiterverarbeitung zum Beispiel. Oder die Märchenstunde für die Kinder - das sind jene Geschichten des Volkes, die den Kindern helfen sollen, das Gesamtgefüge des Volkes, der sie umgebenden Natur und die Wertevorstellungen der Gemeinschaft zu begreifen.

Es begab sich aber, dass Fremde in das Königreich eindrangen. Das Volk empfing die Fremden freundlich - etwas Neues kennenzulernen ist schließlich immer eine Bereicherung. Doch die Fremden brachten nicht nur zweifelhafte Geschenke mit, sondern auch eine Menge fremdartiger Ideen, die so gar nicht in das Leben des Volkes passten. Sie waren ebenfalls begabte Geschichten-Erzähler, und weil dem Volk alles, von dem die Fremden erzählten, völlig unbekannt war, konnten sie noch nicht einmal Fragen stellen, um richtig zu verstehen. So haben die Fremden das gutgläubige Volk überrumpelt und ihnen ihre Lebensweise aufgedrängt: Zuerst kam der Handel, dann das Geld - die Gier kam schließlich ganz von selber über die Menschen des Königreiches.

Das Königspaar hatte eine Tochter, die in das Alter gekommen war, sich einen Partner zu suchen. Eigentlich war das ihre alleinige Aufgabe, doch auch der König blieb nicht von der Gier verschont. Deshalb befahl er die Hochzeit zwischen dem Sohn des Haupt-Mannes der Fremden und seiner Tochter. Er versprach sich davon noch mehr Macht und noch mehr Reichtum. Naja, der Fremde hatte es ihm zumindest versprochen.

Die Tochter hatte das Glück, den Großteil ihrer Kindheit unter der Obhut der Hüterinnen des Wissens verbracht zu haben. Und so hat sie viel mehr der Geschichten des Volkes verinnerlicht als andere in ihrem Alter. Sie besaß einen wachen, klaren Geist und eine gute Portion Mut. Also begab sie sich zu den Hüterinnen, um mit ihnen einen Rettungsplan auszuarbeiten.

Die Gemeinschaft, die es früher gegeben hat, war inzwischen sehr gebröckelt. Zu den Jahresfesten wurde nicht mehr so viel gefeiert wie früher und das Lachen auf dem Marktplatz hörte man immer seltener. Stattdessen gab es Streit und Missgunst. Den Hüterinnen und der Prinzessin war klar, dass schnell gehandelt und drastische Maßnahmen ergriffen werden mussten, wollte man den Rest noch retten - vor allem auch die Geschichten, das Wissen des Volkes.

So sprachen sie einen Zauber aus, der sich auf die Menschen, die Tiere und Pflanzen, das gesamte Königreich erstreckte: alles fiel augenblicklich in einen tiefen Schlaf und die Grenzen des Reiches wurden von einer riesigen Dornenhecke überwuchert. Je mehr die Hecke wuchs, umso mehr schrumpfte das Königreich darin, so dass am Ende von außen nur ein sehr großes Dornengestrüpp sichtbar war und niemand auf die Idee kam, dass sich dort ein ganzes Königreich verbirgt.

Der Zauber sollte nur so lange andauern, bis ein Prinz sich auf die Suche nach der Prinzessin und den Geschichten des Volkes machen würde. Und er war stark genug, dass nichts und niemand dem Dornengestrüpp etwas anhaben konnte. Nur wer das Herz am rechten Fleck hatte, würde das Geheimnis durchdringen.

So vergingen Jahrzehnte und Jahrhunderte, bis sich ein junger Mann in die Gegend verirrte. Er war auf der Flucht vor seinem Vater, vor dem Leben, das er ihm auferlegen wollte. Es war doch sein Leben - warum konnte er darüber nicht selber bestimmen? Er wollte nicht immer noch mehrmehrmehr wie sein Vater. Ihm war es wichtiger, dass die Angestellten des Konzerns ein gutes Leben führen konnten. Weil sie anständig für ihre Arbeit bezahlt wurden. Als sein Vater ihm eröffnet hatte, dass eine Fabrik in ein anderes Land "verlegt" werden sollte, weil er dort die Menschen noch schlechter bezahlten konnte als hier, ist der junge Mann geflüchtet.

Er war Tage und Wochen unterwegs und je länger er es war, umso leichter wurde sein Gepäck. Er wollte nicht erreichbar sein; den Lärm der Stadt konnte er nicht mehr ertragen und er lief und lief, bis die Geräusche endlich leiser wurden. Währenddessen hatte er Gelegenheit, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Wie stellte er sich seine Zukunft vor? Eine zukunftsfähige Gemeinschaft? Ganz sicher nicht mit Ellenbogen, wie sein Vater. Er sehnte sich nach offenen Armen, die ihn mit seinen "versponnenen Ideen" - wie sein Vater es verächtlich nannte - empfangen würden.

Je mehr seine Vision Gestalt annahm, umso lauter schien ihn etwas zu rufen. Er hatte keine Ahnung, wo er gerade war, noch, in welche Richtung er sich bewegte. Er wusste nur, dass es die richtige war. Dass er diesen Weg gehen musste. Bis er von weitem eine Art Dornengestrüpp erkennen konnte. Es zog ihn förmlich dort hin. Doch je näher er kam, desto grüner, üppiger wurde die Hecke. Und sie war über und über mit Blüten besetzt. Als er endlich direkt davor stand, tat sie sich ganz von selber auf und er trat hindurch.

Auf der anderen Seite wurde er von mehreren Frauen erwartet. Es waren die Hüterinnen des Wissens und die Prinzessin. Sie machten am Marktplatz ein Feuer, zauberten von irgendwo her etwas zu essen und begannen, die Geschichten des Volkes zu erzählen. Und je mehr sie erzählten, umso mehr erwachte das Volk aus seinem Winterschlaf. Ganz allmählich, so dass sich alle in Ruhe wieder einfinden konnten. Der junge Mann weinte vor Glück, weil seine "versponnenen Ideen" hier ganz selbstverständlich die Basis des gemeinschaftlichen Lebens darstellten. Als er fragte, ob er hierbleiben könnte, da er gerne Teil dieser wundervollen Gemeinschaft sein wollte, meinte die Königstochter: Gerne, einen Partner wie dich hätte ich sehr gerne an meiner Seite.

Das neue junge Königspaar hatte die Gelegenheit, mit dem Volk zusammen einen echten Neustart ihrer Lebensweise zu vollziehen. Die Hüterinnen hatten das Wissen bestens bewahrt und es wurde wieder erzählt und neu-erzählt. Damit das Wissen weiterhin aktuell und lebendig bleiben würde.

Natürlich kamen hin und wieder Fremde vorbei, die dem Volk die fremde Lebensweise verkaufen wollten. Doch die Menschen hatten dazu gelernt. Sie verkauften nun ihre eigene Lebensweise den Fremden. Sehr erfolgreich. Und völlig kostenlos.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Veröffentlicht im Schlangengesang, Augabe 46 (pdf, 3,5 MB) vom 15.03.2011

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Kauf mich!

Zur Weihnachtszeit wird's besonders schlimm: von überall her dröhnt es KAUF MICH! Bekleidungsläden, Parfumerien, Spielzeugfirmen, Porzellanmanufakturen - sie alle behaupten, das ideale und sowieso allerbeste Weihnachtsgeschenk für die Lieben zu haben. Die Idee, dass ein Geschenk nicht zwingend etwas Gekauftes sein muss, hat bei dieser Dauerbedröhnung aus allen Kanälen (Radio, TV, Internet, Plakatwerbung, Zeitung, Schaufenster, ... ) nicht die geringste Chance, ins Bewusstsein zu kommen.

Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass die Krise überstanden ist und begrüßen die neuerstarkte Kaufkraft der Verbraucherschaft. Hauptsache kaufen, was ist eigentlich nebensächlich, landet früher oder später ja eh alles auf dem Müll.

Und damit auch wirklich alle ihr Geld ausgeben und konsumierensonsumierenkonsumieren, springen eine allerortens die Worte entgegen: BILLIG! TIEFSTPREISE! REDUZIERT! PREISE NOCHMALS GESENKT! RABATT! Aber vor allem ist es immer dieses eine Wort: BILLIG!

Ehrlich, ich kann es nicht mehr hören, nicht mehr sehen! Ich hab dieses BILLIG so dermaßen satt! Ok, ich gebe zu, an einem Restposten Wolle komme ich nicht immer vorbei. Wolle kann eine schließlich immer brauchen. Ich zumindest. Nur: wenn ich etwas Bestimmtes brauche, kaufe ich doch nicht das Produkt, das am billigsten ist, sondern das, das die beste Qualität hat. Ich überlege mir vorher, welche Ansprüche ich an das Produkte stelle. Zum Beispiel: Regionalität (niemals würde ich Äpfel kaufen, die nicht aus Deutschland kommen), ökologische Herstellung, faier Handel, Qualität, Material (kein Plastik, wenn es irgendwie vermeidbar ist), Verarbeitung, Funktionalität, Ausstattung (beim Staubsauger war es mir z.B. sehr wichtig, dass er ein langes Kabel hat. Damit war die Auswahl von vorneherein beträchtlich eingeschränkt), usw.

Ich mache mich also schlau und kaufe schließlich das Produkt, das meinen Anforderungen am besten entspricht. Wenn möglich, im Einzelhandel vor Ort, notfalls auch mal übers Internet. Aber was, um alles in der Welt, sollte mich dazu bewegen, einen 1-Euro-Laden aufzusuchen? Wer geht denn aus dem Haus mit dem Gedanken: Heute kaufe ich mal nur Dinge, die einen Euro kosten? Ich mein: das ist doch kein Kriterium! Selbst wenn es dort tatsächlich den einen oder anderen netten Nippes gibt - das Zeug steht letztlich nur rum, verstaubt, ist nach einem halben Jahr defekt und landet im Müll. Aber hey: hat immerhin nur einen Euro gekostet! Große Klasse...

Natürlich ist es schön, sich mal was zu gönnen. Selbstverständlich gibt es auch bei mir Tage, wo ich mir eine Belohnung verdient habe. Zum Glück habe ich immer ein paar Kleinigkeiten im Hinterkopf, die ich gerne haben würde, aber eigentlich nicht unbedingt brauche. Diese Dinge kaufe ich nicht sofort, wenn sie mir in den Sinn kommen. Schon deshalb, weil sich vieles davon nach nochmaligem Überdenken doch als nicht nötig erweist oder weil sich eine andere Lösung ergibt. Der Rest "parkt" irgendwo im Hinterkopf, bis sich die passende Gelegenheit findet. "Frustkauf" heißt bei mir also nicht, den nächsten Klamottenladen leerzukaufen, sondern mir beispielsweise endlich die 3er Häkelnadel zuzulegen. Auch wenn ich eine 2,5er schon habe. 2,5 ist eben nicht 3. (Ein 12er Schraubenschlüssel ist kein 11er.) Das Schöne ist dann, dass ich mich an diesem Einkauf wirklich freue. Auch noch, wenn ich wieder zuhause bin.

Das soll aber bitte nicht den Eindruck erwecken, dass ich knickerig wäre. Nur: was mach ich mit noch drei Pullovern, wenn ich eh immer nur einen auf einmal tragen kann? Mein Schrank ist voll damit - wozu noch mehr? Ich sehe den Sinn einfach nicht. Aber endlich die genau passende Häkelnadel zu besitzen - das ist ein tolles Gefühl!

Spontankäufe habe ich mir schon lange abgewöhnt. Spätestens, wenn ich zuhause die Dinge auspacke, kommt die Ernüchterung: iih, Polyamidmischung. Fängt nach nem halben Tag grausam zu stinken an. Werd ich also seltenst anziehen. Die Schuhe sehen toll aus. Aber der Absatz ist mir eigentlich zu hoch. Kennt ihr das auch? Das böse Erwachen, wenn der Rausch nachlässt? Deshalb lass ich solche Frustkäufe lieber gleich sein. Ich kaufe etwas dann, wenn ich es brauche und wenn ich genau weiß, was ich will. Weil - auch das habe ich festgestellt - dann habe ich die besten Chancen, genau das zu bekommen, was ich will. Und das beschert mir wirklich ein Glücksgefühl!

Ach, und noch eine Faustregel gibt es: Ich kaufe nach Möglichkeit nichts, wofür Werbung gemacht wird. Hier gibt es natürlich Ausnahmen: manche Produkte mag ich, obwohl dafür Werbung gemacht wird. Aber grundsätzlich erst einmal alles sehr kritisch zu beäugen und zu hinterfragen, was lautstark angepriesen wird, ist eine gute Möglichkeit, in den bewussten Konsum einzusteigen. Sich genauer zu informieren, zu vergleichen. Um am Ende das gute Gefühl zu haben, wirklich genau das richtige Produkt erworben zu haben. So macht Einkaufen richtig Spaß. Nachhaltig sogar!

Glaubt nicht alles, was die Werbung euch weismachen will. Und ein Paar selbstgestrickter Handschuhe mit passendem Schal und Mütze sind sogar für Teenies ein tolles Weihnachtsgeschenk. Echte Unikate. Exclusiver geht's nicht! :)

Zauberweib am Mittwoch, 20 Januar, 2010 * Kategorien: Angedachtes
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Was in Klamotten alles drinsteckt

Ein Themen-Abend auf Arte war Anlass für diesen Artikel. (s.a. TAZ-Bericht). Klamotten sind für mich schon lang kein großes Thema mehr. Jeans, Pulli oder Tshirt. Im Sommer ein Kleid - damit ist frau angezogen. Und solange die Teile sauber und in Ordnung sind (also keine Löcher, Risse, etc., die nicht repariert werden können), können sie getragen werden, bis sie auseinanderfallen.

Gut, bei jüngeren Menschen mag das noch wichtig(er) sein, ständig neue Klamotten zu haben. Aber auch da ließe sich doch was machen. Gute Freundinnen teilen und tauschen doch eh desöfteren. Warum also nicht regelmäßige Tauschparties veranstalten? Das hat nur Vorteile:

Geringerer Spaßfaktor, aber gleicher Nutzen wäre das Aufsuchen eines Second-Hand-Ladens. Auch dort können die "alten" Kleidungsstücke überlassen und "neue" gekauft werden. Übrigens hat diese Ware einen weiteren großen Vorteil: da sie ja schon häufiger gewaschen worden ist, sind kaum noch Schadstoffe drin. SecondHand ist also wesentlich hautfreundlicher und gesünder als die Sondermüll-Produkte, die frisch über die Ladentheke gehen.

Ja, Sondermüll... anders lässt sich die herkömmliche Art der Kleidungsherstellung nicht nennen. Dass in Ländern wie Bangladesch produziert wird, liegt nämlich nicht nur an den wesentlich billigeren Löhnen als z.B. in Deutschland, sondern vor allem auch an fehlenden Gesetzen für Umwelt- und Arbeitsschutz. Da stehen die Arbeiter mit nackten Füßen in der Chlorbrühe! Die hinterher einfach auf die Straße oder in den nächsten Fluss gekippt wird...

Der ultrageile used-look bei Jeans wird durch Sandstrahlen erzeugt. Dabei geraten winzigste Staubteilchen in die Lungen, die sich über die Monate bei den Arbeitern ansammeln und dann ersticken sie. Aber hey, geile Jeans... :(

Doch ohne Sarkasmus: Was dort in den Fabriken abgeht, ist menschenverachtend und umweltzerstörend. Anders lässt sicht ein Tshirt für 3,- Verkaufspreis einfach nicht herstellen! Schlimm ist die Unwissenheit: Die der ArbeiterInnen in den Fabriken, die keine Ahnung haben, welchen Gefahren sie sich täglich aussetzen, die (noch) keinerlei Bewusstsein dafür entwickelt haben, was durch die Chemikalien der Natur angetan wird - was ja letztendlich auch wieder Folgen für uns Menschen hat, um mal ganz egoistisch zu bleiben.

Und die Unwissenheit der (westlichen) Konsumenten, die sich über das "tolle Schnäppchen" freuen. Da gibt es eine Ladenkette, die sogar noch Werbung damit macht, dass ihre tolle "Qualität" einzig dadurch zustande kommt, dass die am Herstellungsprozess Beteiligten gequält werden. Naja, ganz so wörtlich drücken sie es nicht aus, aber ich denke, ihr wisst, was gemeint ist :)

Jedenfalls sinds solche Aktionen, die bei mir inzwischen Übelkeit verursachen, wenn ich nur das Wort "billig" höre! Was wir hier "billig" konsumieren können, geht immer auf Kosten anderer und zu Lasten unserer Umwelt! Anders funktioniert "billig" nicht!

Und wirklich günstig - von obigen Einschränkungen mal sowieso abgesehen - ist "billig" in den allerwenigsten Fällen. Weil "billig" von vorneherein darauf ausgelegt ist, eher kurzlebig zu sein. Schließlich wollen die Billig-Verkäufer nächstes Jahr auch wieder was verkaufen! Qualität und billig schließen einander definitiv aus!

Sicher ist es nicht einfach, die richtige Wahl beim Einkaufen zu treffen. Wie im Film auch angeklungen ist, werden mehr "bio"-Klamotten verkauft, als bio angebaut wird. Einfach nur dem bio-Aufdruck der Firma zu glauben wäre zu blauäugig. Doch es gibt auch hier Standards und Labels, denen Vertrauen geschenkt werden darf. z.B. das ÖkoTex-Label, GOTS und natürlich fairtrade.

Als unbedingte Pflichtlektüre für jeden Menschen, der schon irgendwann einmal im Leben Kleidung gekauft oder auch nur vor hat, irgendwann einmal welche zu tragen, will ich Kirsten Broddes "Saubere Sachen" empfehlen. (buecher.de) Dort gibt es all die appetitlichen Fakten zum Thema Kleidung schwarz auf weiß zum Nachlesen, außerdem werden etliche echte Öko(fair)-Läden genannt, in denen guten Gewissens eingekauft werden kann. Doch auch dann gilt: Weniger ist mehr!

Das Thema ökobiofaire Kleidung ist beleibe nicht neu: Der Vorreiter Hess-Natur wurde bereits 1976 gegründet. Und seit einiger Zeit wirbt auch Trigema für völlig schadstofffreie Kleidung - die überdies noch einheimische Arbeitsplätze unterhält. Geht doch!

Zauberweib am Mittwoch, 20 Januar, 2010 * Kategorien: Angedachtes, Vorgestelltes
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CO2-neutrales Blog

Die Idee dahinter is recht einfach und gut. Dennoch muss ich zugeben, ein bisschen Skepsis bleibt. Einzig und allein wegen der Briefkasten-Aufkleber: Bitte keine Werbung! hab ich mich nun doch zum Mitmachen entschlossen.

Die hab ich mir im Sommer bereits schicken lassen und seitdem kleben sie am Briefkasten. War es Anfang des Jahres noch so, dass die Papiertonne zur Leerung wenigstens zu drei Vierteln, meist aber ganz voll war, isses uns neulich passiert, dass wir den Rausstelltermin übersehen hatten. Was aber seltsamerweise gar nicht weiter tragisch war, denn dank des wunderbaren Aufklebers war die Tonne nach acht Wochen noch immer nicht voll, es hätte noch einiges hineingepasst. Und das find ich einerseits ein wirklich phänomenales Ergebnis - andererseits isses auch sehr erschreckend, wieviel Müll Tag für Tag produziert wird.

Es ist mir unheimlich, wenn mich eine Seite mit den Angeboten aus meinem Ort/näheren Umgebung "begrüßt". Datenschutz verkommt immer mehr zu einem Märchen aus grauer Vorzeit... Btw. besuche ich keine Blogs mehr, die dieses aus-welchem-Ort-besuchen-mich-die-Leute-auf-meinem-Blog-Gadget eingebaut haben. Meine Art des stillen Protests, auch wenns vermutlich noch eh niemandem aufgefallen ist. :)

Gerade wenns um Werbung geht, bin ich vielleicht noch ein bisschen paraonider als sonst *g*, daher meine Skepsis, was die Blog-Aktion angeht. Allerdings erspare ich mir durch die Aufkleber dermaßen viel Papiermüll, dass ich auf diese Weise vermutlich wirklich den CO2-Ausstoß meines Blogs eingespart habe. Wenn auch nur rein rechnerisch.

Und vermutlich wird durch solche Aktionen am Ende doch mehr bewirkt als die Damen und Herren Machthabenden in Kopenhagen zustande gebracht haben... Shame on you!

Zauberweib am Mittwoch, 20 Januar, 2010 * Kategorien: Angedachtes, Vorgestelltes
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Wollknäul-Theorie

Wir nehmen Zeit im allgemeinen linear wahr - oder nein genau anders: wir nehmen es an. Die Wahr-nehmung des Jahreskreises zeigt uns ja eigentlich ganz genau, dass sie zyklisch verläuft. Im Kreis, in einer Spirale, wie die DNS.

Ein Schwarzes Loch ist ein Wurmloch, das eine Abkürzung, eine Verbindung, von zwei verschiedenen "Ebenen" des Universums darstellt. Man geht also von einem irgendwie gekrümmten Universum aus. Wenn wir also glauben, z.B. durch ein Teleskop einige Lichtjahre in die Zukunft oder besser Vergangenheit zu sehen (denn das, was wir sehen, ist in dem Augenblick, wo wir es sehen, schon längst wieder Vergangenheit in seiner Zeit), schauen wir nicht linear, sondern gekrümmt. Weil wir ja innerhalb unserer Zeit leben und nur diesen vergleichbar winzigen Abschnitt wahr-nehmen können und der uns als Gerade erscheint.

Zwischen den Windungen der Zeitspirale können Schwarze Löcher Verbindungen herstellen - eine Abkürzung durch die Zeit. Völlig logisch. Wenn ich jetzt also durch so eins in die Vergangenheit reise, um meinen Großvater zu töten - also mal angenommen, das funktioniert. Dann habe ich in dem Moment, wo ich in dieser Vergangenheit angekommen, in sie eingetreten bin, bereits eine Veränderung hervorgerufen. Allein die Tatsache, dass ich dort angekommen bin, bedeutet, dass ich meine mir bekannte Zeit verlassen habe, für mich bestenfalls Vergangenheit ist. Denn die Tatsache, dass ich jetzt hier in der Vergangenheit bin, bedeutet, dass ich nicht in der Zukunft sein kann. Ich werde also meine Herkunft vergessen haben, in dem Moment, wo ich dort (in der Vergangenheit) angekommen bin. Retrograde Amnesie. Oder auch: Geburt :)

Für die Menschen, die mich in meiner Zeit kannten, bin ich halt einfach "verschwunden", bei einem Unglück mit der Zeitmaschine explodiert - was auch immer. Für sie bin ich Vergangenheit. Meine Zukunft liegt jetzt in der Vergangenheit. Also kein Paradoxon.

Erinnerungen, Lieder können Wurmlöcher sein. Wenn ich "Final Countdown" höre, bin ich auf der Schulparty. "Jump" - aufm Weg zur Schwabacher Kirchweih, an meinem Geburtstag. "nelly the elephant" - Skilager in Österreich. So geht es ewig weiter. Bilder, Gefühle, Farben, Gerüche, Orte - alles ist auf einmal völlig real, fast zum Greifen. Nur fast - vielleicht also nur der Blick durchs Fenster, und doch bin ich mittendrin. Ein kleiner Wahrnehmungspunkt, nur eine Dimension einnehmend, der mithilfe der Musik Erinnerungen wachruft und es mir so ermöglicht, zumindest eindimensional dorthin zurück zu reisen. Nur für einen Moment im Jetzt - aber durchaus Stunden, Tage, Wochen dort.

Schamanismus, Reisen in die Anderswelt - ist das nicht genau dasselbe? Dort wird halt nicht von Zeit zu Zeit gesurft, sondern von Ebene zu Ebene geswitcht. Ich denke an den Weltenbaum Yggdrasil. Doch eigentlich nichts anderes als ein Kanalsystem, das die verschiedenen Welten untereinander verbindet. Midgard in der Mitte, von dort aus können sechs Welten unmittelbar, zwei weitere (Hel und Asgard) mittelbar über Wanaheim und Niflheim erreicht werden. Dieses Gefüge ist also mehr wie eine Traube aufgebaut - zumindest, wenn man diesen kleinen Ausschnitt sieht.

Die Zeit als der rote Faden, eine Linie, die bei genauer Betrachtung eine Spirale ist. So wie ein Wollfaden in sich verdreht ist, um stabil zu bleiben. Wenn man aber noch genauer hinsieht, besteht so ein Wollfaden aus unendlich vielen winzigen Fusselchen, die, würde man sie vorsichtig aufdrehen, ein gigantisches Netzwerk zeigen würden. Das allerdings nicht aufgedreht werden kann, da es über alle Ebenen und Dimensionen ineinander verwoben ist. Und wie im Kleinen, ist es auch im Großen: der rote Faden der Zeit ist nicht nur einfach eine Spirale, die da irgendwo rumhängt - sie ist ein gigantisches Wollknäul, das sich aus sich heraus selber spinnt. Orobor, die Weltenschlange, fällt mir ein, die sich selber frißt. Praktisch dasselbe.

Meine Zeit, meine Ebene, das ist immer (nur) das, was ich wahr-nehme. Also z.B. nur rosafarbene Fusselchen. Ich (er)kenne nur die rosanen, alles andere ist für mich nicht-existent. Also schwarz. Null. Nicht mal Null. Ich kann gar nicht erkennen, ob das Schwarz nur ein andersfarbiges Fusselchen ist, oder wirklich "nichts" - also ein Zwischenraum zwischen Fusselchen - ich sehe nur rosane. Und dort, wo die weniger werden, erkenne ich meine Grenzen. Also: die Grenzen der mir bekannten Welt.

8x8 ist 64. Alle Möglichkeiten sind immer da. Die, die ich nicht nutze, sind dennoch existent. Nur ich werde sie halt nicht erfahren. Aber ich kann versuchen, sie sichtbar zu machen - z.B. mithilfe von Schwarzen Löchern, Schamanismus einen Blick in andere Welten, andere Möglichkeiten werfen und aus den neuen Erkenntnissen vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Und so meine Zukunft beeinflussen.

Es hängt alles zusammen, gehört alles zusammen. Das Bild mit dem Wollknäul gefällt mir sehr gut. Wenn um mich herum das Chaos aus Fusselchen, Verdrehungen, Spiralen, Vernetzungen und Verwicklungen ist, kann der Ruhepunkt des ganzen Chaos nur in mir selber sein. Wenn ich mich ganz fest in mir verankere, ganz bei mir bin, in mir bin, völlig ruhig bin, dann bin ich in der Lage, all das Chaos als - Farbe in Bewegung - weißes Licht zu sehen. Obwohl aus der Sicht des Chaos ich ein kleiner weißer Punkt bin - höchste Konzentration! Als dieser kleine Punkt kann ich an jeden beliebigen Zeit-Raum in jeder beliebigen Dimensions-Schwingung gelangen. Solange ich mit meinem Roten Faden fest in mir verankert bleibe.

Diese Wollknäul-Theorie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Es ist vieles erst nur angedacht, und doch fühlt es sich so schon ziemlich stimmig für mich an.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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Integriertes Verfallsdatum?

Als etwa 10-Jährige (ca. 1981-83 in der Gegend, genau weiß ich es nicht mehr), wollte ich unbedingt einen eigenen Wecker haben. Schließlich war ich ja "schon groß genug", um nicht mehr von der Mutter geweckt werden zu müssen. Und selbstverständlich musste es ein Radiowecker sein. Etwas anderes kam damals gar nicht infrage. Nach einigem Hin und Her durfte ich mir von meinem gesparten Taschengeld für 50,- DM einen kaufen. Und der weckt mich zuverlässig seit nunmehr 25 Jahren. Zugegeben, in den Rillen hat sich etwas Dreck angesammelt und man sieht ihm sein Alter schon an. Auch "brummt" er ziemlich laut (bin sehr geräuschempfindlich!) - allerdings konnte ich inzwischen feststellen, dass das Brummen bei Geräten neuerer Generationen keineswegs leiser ist. Deshalb bin ich beim Bewährten geblieben. 25 Jahre - was für eine lange Zeit! Keine Reparatur, nichts, das Ding läuft wie am ersten Tag. Dieses Wunderwerk stammt von der Firma Universum, womit die Bezugsquelle auch verraten wäre. Ob wir unser 50-Jähriges noch schaffen werden, weiß ich nicht, allerdings ausschließen will ich das nicht :)

Meine Waschmaschine hat 15 Jahre auf dem Buckel, etliche Umzüge hinter sich und tut ihre Dienste. Ab und zu rumpelt sie mal ein bisschen, so dass schon manchmal der Gedanke aufkommt, dass wir ein 25-Jähriges wohl nicht ganz erreichen werden. Aber wirklicher Grund zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema "neue Waschmaschine" besteht absolut nicht.

Der besteht schon eher bei dem Thema "neue Heizung": die jetzige wurde vor über 20 Jahren eingebaut, wird gewartet und gepflegt - und wir haben sie als möglichen Ausgabeposten innerhalb der nächsten fünf Jahre mal grob eingeplant. Is ja nicht ganz billig sowas. Will mensch ja darauf vorbereitet sein.

Ähnlich sieht es bei unserem Auto aus. Das ist auch so an die 15 Jahre alt, heuer nochmal gut durch den TÜV gekommen und der Mechaniker unseres Vertrauens hat durchblicken lassen, dass für den nächsten Termin durchaus auch Chancen bestehen. Ist doch großartig!

Ach, den Fernseher nicht zu vergessen, den mir meine Oma vererbte, der sowohl bei ihr als auch später bei mir bzw. uns ausdauernd lief und das ebenfalls annähernd 15 Jahre lang. Er ruhe in Frieden...

Und unsere Stereoanlagen. Meine: eine raumfüllende "Kompaktanlage" - beim letzten Umzug ist die Antenne abgerissen. Wäre zu ersetzen, bestand aber bisher noch nicht die Notwendigkeit für :) Davon abgesehen, sieht sie für eine 20-Jährige noch taufrisch aus. Nur der CD-Player, den ich mir kurz danach extra dazugekauft hatte (Ende der 1980er waren das noch Riesengeräte - etwa so groß wie Videorekorder vor zehn Jahren), ist beim letzten Umzug gestorben. Der ist mir aber wirklich _jedesmal_ runtergefallen. Der letzte Sturz war zusammen mit der Feinstaubattacke dann wohl doch zu viel.
Seine Stereoanlage ist fast genauso alt, nur aus echten Einzelbausteinen, alles von K., nur der Plattenspieler natürlich ein D. Und selbstverständlich funktioniert die noch! Ok, die meterhohen Boxen werden wir vermutlich irgendwann mal ersetzen, aber das dürfen dann gern kleinere sein. Sagt er!

Vor fünf Jahren, kurz nachdem die Schnurgels zu uns kamen, haben wir uns eine Digitalkamera zugelegt. An den Preis kann ich mich nicht mehr genau erinnern - es war so der Großraum um 150,- Euro. Für unsere Zwecke völlig ausreichend, aber halt auch kein "Billigglump", immerhin muss eine sich das mal vor Augen halten: eine Kamera für 300 Mark! Die sollte doch ein paar Jahre halten - sollte mensch annehmen dürfen. Dass mittlerweile einige Läden die passenden Speicherkarten nicht mehr führen, ok, das passiert, damit rechnet mensch heutzutage und irgendwo im Internet wird eine dann ja glücklicherweise doch immer fündig. Und auch, dass so eine Speicherkarte mal kaputt geht, ist normal. Damit ist zu rechnen, da macht sich keine was vor.

Aber dass die Kamera nach nur fünf Jahren ihren Geist aufgibt? Das will ich nicht glauben, auch wenn das der Zustand der Kamera plötzlich war: nichts ging mehr! (Nein, an den Batterien lag es nicht!) Die folgenden Tage waren ziemlich hin- und hergerissen für mich: Im Internet stieß ich nur auf "Lösungswege" die offenbar jeweils immer nur ein Mal funktioniert haben - und bei mir nicht. Im Fachgeschäft reparieren lassen? Wird nicht wirklich lohnen. Eine "günstige" Kamera (also um die 100,- Euro), die sowohl meine Karte nimmt, als auch mit normalen AkkuBatterien läuft - schaut schlecht aus. Also, wenn ich eh alles neu investieren muss, vielleicht gleich ne Stufe höher gehen? Aber kann ich echt davon ausgehen, dass eine 300-Euro-Kamera dann wirklich auch wenigstens zehn Jahre hält? Ich hab stundenlang Kameras angeguggt, Testberichte gelesen, verglichen - mir schwirrte der Kopf! Jede Firma hat mehrere Modelle zur Auswahl und bis zu jährlich kommen "Neuauflagen" raus - die sind nicht drauf ausgelegt, dauerhaft zu funktionieren!

Da ist auch noch mein Laptop, das, auf dem ich gerade schreibe. Einer der beiden USB-Anschlüsse geht nur noch mit gutem Zureden. Der andere zickt auch desöfteren herum. Und nach einer halben Stunde Betriebsdauer geht alles nur noch im Schneckentempo. Das liegt zum Teil sicher an dem sinnigerweise an der _Unterseite_ angebrachten Lüfter, war aber, als es noch neu(er) war, nicht so (das mit dem Schneckentempo. Der Lüfter war von Anfang an unten). Einige Tasten haken immer mal (auch noch, nachdem ich sie gesäubert habe) und einige Buchstaben sind auf der Tastatur abgerieben. Zum Glück weiß ich, welcher Buchstabe zwischen g und j liegt. Und welche zwischen b und Komma. Aber wirklich Spaß macht mir das Arbeiten mit dem Ding auf Dauer nicht mehr. Es ist einfach altersschwach, da hilft kein Schönreden: genau das ist es. Es leidet an Altersschwäche. Ein Markengerät, dass knapp tausend Euro gekostet hat. Vor vier Jahren. V I E R ! ! ! !

Man mag das Gegenargument bringen: hättest dir halt gleich was "Gescheites" gekauft. Ok. Im Falle des Laptops mit entsprechender Ausstattung und "damaliger" Verhältnisse ("damals" - das sind vier Jahre!) also um die zweitausend Euro. Das Doppelte. Vielleicht würde das ja acht oder sogar zehn Jahre halten? Würde es das? Wirklich? Ich wage das zu bezweifeln. Wobei bei der großen Summe ein MHD (Mindest-Haltbarkeits-Datum) von acht Jahren an sich ja schon lächerlich ist. Siehe Radiowecker!

Das nächste Gegenargument kommt der Sache vielleicht schon etwas näher: selbst wenn das Laptop zehn Jahre hält - schon nach vieren ist es veraltet. Das liegt zum Einen an der tatsächlich rasanten Entwicklung der Technik - aber vor allem an dem obersten Gebot, das uns tagtäglich von überall her entgegenschallt: "Du sollst konsumieren!" Konsumieren ist gut, weil schließlich hast du es dir verdient, gönn dir was Schönes, leiste dir doch mal was, tu dir was Gutes! Außerdem hält es die Wirtschaft in Schwung - nie war das so wertvoll wie heute - es erhält Arbeitsplätze und macht die Menschen glücklich. - Soweit aus dem Lehrbuch des Konsumterrors.

Leider geht die Rechnung nicht ganz auf, denn _mich_ macht diese Einstellung nicht glücklich. Ganz und gar nicht. Wenn ich mehrere hundert Euro für ein Gerät ausgebe(n muss), dann _erwarte_ ich, dass es mehrere (!) Jahre hält. Haltet mich für konservativ, engstirnig, altmodisch, an-der-Realität-vorbei - bitteschön, dann bin ich das eben. Ernsthaft, dass ein Rechner keine 20 Jahre laufen wird, ist mir auch klar. Soweit reicht mein Realitätssinn dann schon noch. Aber zwischen 20 und vier Jahren ist noch eine große Spanne. Und fünf Jahre für eine 300-Mark-Kamera sind einfach indiskutabel.

Mal sehen, wie lange die SchnappSchuss-Kamera hält, die der Fachhändler am Ort tatsächlich aus dem Ärmel gezaubert hat: sie erfüllt alle meine Minimalanforderungen und ich muss mir keine Sorgen machen, ob eine teure Kamera nach fünf Jahren auch den Geist aufgibt! Dass diese Lösung am Ende doch noch möglich war - super! :)

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes
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Handarbeit - Kunst - Magie

Handarbeiten hat mir schon immer großen Spaß gemacht. Ich habe meine Mutter genötigt, mir Stricken und Häkeln beizubringen, lange bevor wir dies in der Schule lernen sollten. Als Teenie habe ich mir Röcke, Kleider, Jacken, Overalls genäht - anfangs noch mit Hilfe und unter Anleitung meiner Mutter, bald dann selbstständig. Ich hab schon oft und viel beim Handarbeiten geflucht und geheult und das jeweilige Arbeitsstück ins nächste Eck gefeuert. Aber früher oder später hab ich alles zu Ende gebracht - oder wenigstens wieder aufgetrennt :)

Neben meiner Mutter hat mir in der Schule meine Lehrerin Frau H. das Handarbeiten weiter vermittelt. Ich hab neue Techniken gelernt und immer mehr Spaß daran bekommen. Das konnte mir nicht mal meine spätere Lehrerin V. auf der weiterführenden Schule vermiesen - auch wenn sie nah dran war! Für die V. war "Textiles Gestalten" Unterricht wie jeder andere auch. Wurde geschwätzt, hagelte es Strafseiten. Anders bei Fr. H. Sie vertrat die Meinung, dass Handarbeiten schon was anderes ist als "normaler" Unterricht. Und solange sich die Unterhaltungen im Rahmen hielten und nebenbei tatsächlich gearbeitet wurde, fand sie es völlig ok und richtig. Fr. H. hätte ich gern weiter als Lehrerin behalten.

Heute fällt mir auf, dass das ja damals schon Frauen- bzw. Mädchenkreise waren. Fr. H. hat viel dazu beigetragen, auch diesen "Kreis" zu vermitteln. So hat sie z.B. bei der Auswahl von Farbe, Muster und Schnitt beim Pullistricken geholfen. Jeder einzelnen stand sie mit Rat und Tat zur Seite. Die V. hingegen ging auf unsere Fragen nicht mal sachlich richtig ein - und sozial schon gar nicht...

So betrachtet haben sich die alten Handarbeits-Stuben (auch "Rocken-Stuben") in die Neuzeit gerettet. Ich wünsche mir, dass es noch viele Lehrerinnen wie Fr. H. gibt (und weniger welche der Sorte V.). Denn auch durch sie wird diese Art der "Tradition" weitergegeben, lebendig erhalten.

Und ist das Internet nicht auch nur eine weitere Variation der alten Stuben? Sind wir nicht alle irgendwie durch Blogrolls, Feeds und Mailinglisten in virtuellen Stuben verbunden? Ich meine: immerhin liest du das hier... ;) Ich finde schon, dass sich das vergleichen lässt, eine Adaption darstellt.

Nach der Schule ist der ganze Handarbeits-Kram dann über immer längere Abschnitte in immer tiefere Tiefen versunken. Mal Socken stricken, wenn mir zwischendurch gar zu langweilig war (was höchst selten vorkam), oder hier und da mal bisschen was rumgebastelt. Aber all die schönen Dinge, die Spaß machen, spart eine ja als erstes ein, wenn ihr der Alltag über den Kopf wächst. Umso wichtiger wurde es irgendwann auch, die alten Künste neu aufleben zu lassen - mit Erfolg. Die Freude an der Sache war sofort wieder da und meine Kreativität wuchs mit jedem Stück. Inzwischen habe ich auch ganz neue Techniken dazugelernt, allem voran Patchwork, Spinnen und Brettchen-Weben. Das Spinnrad hat mir mein Liebster einfach so von sich aus geschenkt, via Internet-Auktion sogar äußerst preisgünstig. Als Zimmerers-Tochter sollte ich vermutlich nicht erwähnen, dass ich es mittels Heißkleber repariert habe. Aber der war eben vorhanden und es hält bis heute!

Das Hand-Arbeiten (in diesem Zusammenhang also auch Basteln) hat sich auch in meinem magischen Bereich schnell etabliert: Runensteine herstellen samt passendem Beutelchen. Rasseln aus den unterschiedlichsten Materialen basteln. Den Rahmen meiner Trommel mit dem Brennstab verzieren. Eine Nana-Göttin töpfern. Altardecken patchen und sticken - um nur das zu nennen, was mir ganz spontan einfällt.

Magie ist etwas sehr Persönliches, Intimes. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass ich meine "magischen Gerätschaften" (im weitesten Sinne) am liebsten selber mache. Weil da beim Herstellen selber schon viel an meiner eigenen Magie einfließt und das Ergebnis auch eindeutig meine Handschrift trägt. Im Zuge dessen ist die Web-Präsenz magisches Basteln entstanden.

Auch wenn mein erster Trommelschlegel - aus altrosa Wolle gehäkelt - schon etwas bieder und altbacken aussah, hab ich Handarbeiten nie so empfunden. Im Gegenteil: durch die Verknüpfung zur Spiritualität, zur Magie wurde sie mir nur noch umso wertvoller.

Am kraftvollsten werden die Dinge, die ich wirklich mit Hingabe erarbeite. Wo ich nach Beenden eines Prozesses nicht sagen kann, ob ich nun zehn Minuten oder drei Stunden dran gesessen habe. Wo ich während des Arbeitens einfach "drin" bin.
Auch trägt es sehr zum Gelingen eines Projektes bei, wenn ich mich im Fluss treiben lasse. Meine Nähmaschine hilft mir dabei sehr. Z.B. wenn mir mein Kopf sagt, dass ich ja jetzt "noch schnell" diesen und jenen Arbeitsgang erledigen könnte, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Lust mehr habe. Dann reißt nicht _mein_ Geduldsfaden, sondern der Ober- oder Unterfaden der Maschine. Oder er ist zu Ende.
Inzwischen weiß ich die Zeichen zu deuten und höre in solchen Fällen auch wirklich auf. Es soll ja Spaß machen beim Tun, und nicht einfach nur so schnell wie möglich irgendwie fertig werden.

Auch wenn der kreative Fluss im Stocken ist, versuche ich nicht (mehr) mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Dann bleibt das Projekt eben eine Zeit lang liegen - bis irgendwann der Moment kommt, wo es *pling* macht, und ich genau _die_ Idee habe, das letzte besondere Etwas, das noch gefehlt hatte. Und _dass_ dieser Moment kommt, darauf kann ich mich verlassen. So geschieht es immer wieder, dass am Ende etwas anderes heraus kommt, als ich eigentlich geplant hatte. Schon noch in etwa das, was ich wollte - aber in der Ausführung halt oft ganz anders.

Ich glaube, in dem Moment, wo bei der Anfertigung die Magie mit rein fließt, kommt am Ende auch wirklich Kunst dabei raus. Dies zu beurteilen ist allerdings müßig, da Kunst nun mal im Auge der Betrachterin liegt. Ein Paar handgestrickter Socken - Kunst? Hm, kommt auf das verarbeitete Muster an. - Magie? Wenn meine Mam die gestrickt hat, auf jeden Fall. Weil die strickt die Wärme direkt mit rein! :)

Picasso ist ein bis heute anerkannter Künstler - ich persönlich empfinde seine Bilder nicht gerade als Kunstwerke. Seine Kunst lag mE eher darin, sich selbst bestmöglichst zu vermarkten. Und das ist ihm ja wirklich gut gelungen.

Vor einigen Jahren habe ich in Nürnberg eine lebende Statue gesehen. Eine Frau als Baum verkleidet und dekoriert. Sie stand still - es hat echt gedauert, bis zu merken war, dass diese Statue lebt. Spätestens dann, wenn sie allzu neugierige Passanten durch eine plötzliche Bewegung erschreckt hat. _Das_ nenn ich Kunst!

Einen Knopf annähen, eine aufgerissene Naht wieder schließen - sehe ich als profanes Reparieren. Wenn jedoch der Knopf an der Jacke des Kindes bei einer Prügelei abgerissen wurde, kann das durchaus der Anlass für magisch-künstlerische Betätigung sein. Indem ein besonderer, extra angefertigter Knopf mit der Intention angenäht wird, dass dieser Knopf das Kind fortan vor Schlägereien schützen soll.

Das Beispiel zeigt gut, wie magischer Alltag sein kann, wie einfach aus dem nötigen Tun das not-wendige Wirken wird. Es ist doch eigentlich überall wie bei den Plätzchen: die selbstgebackenen sind nun mal die besten! Wichtig dabei ist mE das Tun an sich. Ob eine "mal schnell noch" etwas macht, oder sich in Ruhe Zeit nimmt, um etwas anzufertigen, herzustellen. Dann entsteht der magische Zeit-Raum, vom Rest der Welt abgetrennt, in dem plötzlich alles möglich wird.

Für mich ist es wichtig, Rohstoffe zu verwenden, die vorhanden sind. Zum Patchworken also am liebsten ausgediente Bettwäsche oder gesammelte Stoffreste aus dem näheren Umfeld. Passendes Garn zu finden war für mich noch nie ein Problem: Meine Oma hatte mir vor vielen Jahren ihren Nähkorb vermacht, dessen Inhalt sich erst jetzt langsam zum Ende neigt. Und zu bunt passen alle Farben - bis auf schwarz und weiß vielleicht...

Womit ich auch gerne arbeite, ist Pappmache. Dank der wöchentlichen Anzeige-Blättchen wird mir der Rohstoff dafür regelmäßig kostenlos frei Haus geliefert. Tapentenkleister ist nicht wirklich teuer, lässt sich auch in kleinen Mengen anrühren und ich verwende ihn für nahezu alle (Papier-)Klebearbeiten.

Die Kalenderblätter vom Vorjahr lassen sich rückseitig bemalen und/oder zu Papierperlen weiterverarbeiten. Zum Bemalen nehme ich vorzugsweise Abtönfarbe ausm Baumarkt. Vergleichsweise preisgünstig, deckend, vielseitig einsetzbar (notfalls sogar für die Wand *g*).

Alte Tshirts werden nicht weggeworfen, sondern in feine Fäden geschnitten und zu Badvorlegern o.ä. verstrickt und verhäkelt. Es wandert auch nicht jeder Rock, nicht jede Hose, die "noch gut" ist, in die Kleidersammlung. Wenn der Stoff gefällt, kommts in meine Stoffsammlung, Knöpfe und Reißverschlüsse - so noch vorhanden/funktionstüchtig - als Nebenprodukt in meinen Fundus.

Überhaupt mein Fundus. Grundsätzlich kann ich ja alles noch irgendwie brauchen. Und so kommt es, dass ich - egal nach was ich suche - in den allermeisten Fällen direkt fündig werde. Oder ich finde etwas anderes, das sich entsprechend abwandeln lässt. Nur selten muss ich etwas kaufen; wenn, dann ist es hauptsächlich Werkzeug im weiteren Sinne. Wie neulich erst die Filznadeln. Und da sich wegen so einem kleinen Betrag eine Bestellung ja kaum lohnt, kommt dann halt noch das eine oder andere Wollknäul dazu, Bügelvlies hatte ich auch keins mehr - so ergibt es sich also ganz von selbst, dass sich meine Vorräte praktisch nie aufbrauchen.

Natürlich ist da auch die Gefahr gegeben, mich zuzumüllen. Aber da ich ein sehr kleines Bastelzimmer habe, muss ich von Zeit zu Zeit aufräumen. Und ich hab es inzwischen gelernt, loszulassen. Wenn ich seit einem Jahr reihenweise Salatbecherchen sammle, weil die doch so hübsch handlich sind, ich die seither aber noch nicht wirklich gebraucht habe, kann ich die heute loslassen. Zumal wir ja immer mal wieder Salat essen. Der Nachschub für den Fall des Falles also gesichert ist.

Aus Altem etwas Neues, etwas völlig Anderes erschaffen, ist Handarbeit, ist Kunst und durchaus auch Magie.

Aus dem, was vorhanden ist, das Beste zu machen, ist Kunst, ist Magie und meistens Hand-Arbeit. Denn erst wenn die drei - Kunst, Magie, Hand-Arbeit, zusammen treffen, kommt auch wirklich das Beste bei raus. Dass der Prozess des Rumwerkelns dann auch noch Seelenbalsam ist, ist ja fast schon nur noch Nebenwirkung...

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel, Spirikram
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Der rote Faden

Weißt du, eigentlich war alles ganz anders. Kein Wunder, dass wir in der Geschichtsschreibung fehlen. Weil etwas aufzuschreiben die männliche Art des Denkens ist. Wir erzählen lieber. Und wenn sich eine Geschichte dabei im Lauf der Jahrhunderte verändert - welche kümmert es. Hauptsache ist doch, dass wir die Geschichten verstehen. Und aus diesem Verständnis heraus weitererzählen können. Was intressiert es da schon, ob eine Geschichte mit historischen Fakten übereinstimmt?

Das Dumme an der Geschichte ist - dass wir totgeschwiegen wurden. Das hatten wir wohl nicht so recht bedacht. Und uns in mancherlei Hinsicht unterkriegen lassen. Vordergründig. Wir haben verlernt zu erzählen. Und wir haben verlernt zuzuhören. So haben wir uns verloren: uns selber und einander. Doch da alles im Leben zyklisch aufgebaut ist, ist es nur logisch, dass unsere Zeit wieder gekommen ist. Dennoch ging eine Menge verloren. Aber das macht nichts, nicht wirklich, denn im Erfinden waren wir schon immer brilliant.
Und im modifizieren.
Deshalb kannst du diese Geschichte hier auch lesen - und bekommst sie nicht, wie eigentlich üblich, erzählt. Du musst sie nur verstehen. Ob sie durch deine Augen oder durch deine Ohren in dein Herz gedrungen ist, ist dabei weniger von Bedeutung. Und du darfst es dir nicht so leicht machen, sie einfach zu kopieren.
Die Mühe des Erzählens müssen wir uns schon machen. Wie will eine Geschichte sonst lebendig bleiben? Sei kreativ, es muss ja nicht nur ein Nacherzählen sein: du kannst die Geschichte auch weiterspinnen. Mach es einfach, wie es dir richtig erscheint. Dann ist es auch richtig.

So und jetzt komm ein bisschen näher an der Kreis, setz dich auf deinen Blutstein und höre die Geschichte dieser Höhle, die auch die Geschichte der Weiber ist. Und auch deine, denn nun bist du mittendrin.

Diese Höhle hier gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten... aus ihr wurde der gähnende Abgrund des Nichts geboren, aus dem alles entstanden ist. Und seit es uns Frauen gibt, kommen wir hierher, alle heilige Zeit und erzählen und lachen und machen verrückte Erfindungen und lassen unser Blut zusammen fließen. Jede, die hierher kommt, kriegt ihren eigenen Platz, ihren Blutstein. Dort wird sie fortan immer sitzen, wenn sie blutet; in dünnen oder breiten Rinnsalen läuft es zur Mitte in den Kreis.
Über die Jahrtausende hat sich ein bleibendes Muster der Blutwege gebildet, manches verblasst, neues kommt hinzu. Es ist ein unendliches Netz des Lebens, der Leidenschaft, der Liebe und der Kraft.
In der Mitte rinnt alles durch ein kleines Loch - siehst du es? Doch das Blut verschwindet nicht einfach darunter, sondern es läuft weiter, es reinigt sich selbst und lädt sich auf. Gibt Nährstoffe ab und sammelt andere auf. Durchdringt die Erde, das Wasser und erfüllt Pflanzen und Bäume bis es an der Luft verdunstet und wir es wieder einatmen. Stell es dir vor, welche Wege das Blut nimmt, wo es überall hinkommt - und wie wir dadurch wirklich und wahrhaftig alle miteinander und mit allem verbunden sind.

Doch denke nicht, dass nur wir unser Blut an die Erde zurück geben, auch die Männer tun dies. Allerdings eher auf Schlachtfeldern. Im Streit und im Hass. In Neid und Gier. Auch dies ist nötig, versteh mich bitte nicht falsch. Aber wir sind aus dem Gleichgewicht gekommen. Es ist ein guter Weg zu versuchen, dass die Männer freundlicher zu einander werden und es weniger Blutvergießen gibt. Unbedingt erforderlich ist es aber, dass vor allem wir selber wieder unser Blut der Erde schenken, es der Großen Göttin zu Ehren opfern.
Aus welchen Gründen auch immer - und mögen die Ausreden noch so gut sein - bedenke bitte immer dies: WIR haben aufgehört, zusammen zu bluten und zu weben. Deshalb können auch nur wir selber an der Situation etwas ändern.

Spürst du die Stärke? Fühlst du die Verbundenheit? Schau dir genau das Muster an, das unsere Blutfäden weben. Du bist dabei, du bist ein Teil davon, webst dieses Muster mit, bindest deine Leidenschaft mit ein.
Es geht nicht darum, immer stark zu sein - was bedeutet das schon? Deine Grenzen zu erkennen und um Hilfe zu bitten, ist schließlich auch eine Stärke. Denke daran, dass alles was du wahrnimmst, ein Teil deiner Kraft ist. Sie beschreibt, sie bewirkt und sie verändert. Deine Wahrnehmung nährt dein Blut. Und durch dein Blut bist du mit allem verbunden. Mit allem, was war, ist, und sein wird.

Hier in dieser Höhle wurde der erste Funke geschlagen. Hier haben wir das Feuer entfacht. Es brannte lange lange Zeit nur hier drinnen. Kannst du dir das vorstellen? Dieses Gefühl, gleich einem Blitz, gleich dem Vulkan, Feuer hervorbringen zu können? Diese Freude, dass es immer und immer wieder funktionierte. Welchen Spaß wir hatten, als wir uns gegenseitig verschiedene Techniken beibrachten. Stein auf Stein. Holz auf Holz. Trockenes Gras und altes Fell. Wir froren und wir wollten Licht. Die Göttin schenkte uns die Fähigkeit des Feuermachens. Für dieses große Geschenk waren wir mehr als dankbar. Wir schufen die Göttin des Feuers, um die Göttin auf diese Art ganz besonders zu Ehren. Und wir achten auf die Flamme. Das Feuer, das dort hinten brennt, ist hundertausend Jahre alt. Es hat alle Generationen von Frauen gesehen. In ihm haben wir das erste Fleisch gebraten. Und der Göttin zu Ehren verspeist.

Es war diese Höhle, in der wir die erste Spindel schufen. Und gleich danach den Webstuhl. Wir sind auf die Idee des Mahlens gekommen. Haben den Mühlstein erschaffen und das erste Brot gebacken. Auch wenn dies noch verbrannt war, wussten wir damit doch wenigstens, dass wir einen Ofen brauchten. Also bauten wir einen Ofen.
Die Männer staunen noch immer - selbst heute noch - mit welchen Ideen wir aus der Höhle zurück kommen. Ideen, die sie durch Niederschrift an sich gerissen haben. Sich zu eigen gemacht haben. Oder hast du dich noch nie gefragt, weshalb sie immer "Beweise" fordern? Sie verlangen nach einer schriftlichen Bestätigung. Wohl wissend, dass die Schriften ihnen Recht geben werden. Da sie sie geschrieben haben. Um uns zu entmachten.

Doch wir können uns rückbesinnen, uns wiederfinden. Zusammen finden, erinnern. Bruchstücke neu erzählen und zusammenweben. Mythen neu erschaffen. Unserer Kraft Ausdruck verleihen. Was kümmert es uns, wenn die Männer ihre Beweise fordern und uns belächeln, weil wir sie nicht bringen können? Wir wollen sie gar nicht bringen, denn unsere Geschichten sind wahr - würden sie sonst existieren? Lassen wir uns nicht länger beirren und weben unser Netz. Flicken wir die losen Enden wieder aneinander. Und weben neue Fäden ein, wo alte unwiederbringlich ausgerissen und verbrannt sind. Es liegt in unserer Hand. In deiner und meiner. Wir sind die Schöpfung, wir sind die Göttin in ihrer irdischen Erscheinung. Wir haben alle Kraft die wir brauchen.

Wenn du für dieses Mal aufhörst zu bluten, hol dir dort hinten einen dieser roten Steine aus dem Felsen. Such dir den aus, der dir am besten gefällt. Und mach dir keine Gedanken, ob der nun zu groß oder zu klein oder zu sonstwas ist. Nimm einfach den, der dir passt. Ja, das sind Rubine. Eine regelrechte Ader. Und du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass diese irgendwann versiegen würde. Denn erstens ist diese Höhle für Männer tabu. Und zweitens wird es Rubine geben, solange es blutende Frauen gibt. Das Blut unserer Ahninnen hat sich darin verewigt. Siehst du die Funken, den Schimmer, die Leidenschaft die dieser Stein ausstrahlt? All das ist auch in dir. Denn dieser Stein ist ein Teil von dir. Von uns.

Es ist noch längst nicht alles gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen über die Höhle und über uns Frauen. Doch für heute bin ich müde, jede Geschichte muss ihr Ende haben. Diese hat ihr Ende in einem neuen Anfang. Ich gebe die Fackel der Ahnin weiter an dich - führe du die Geschichte fort...

Literaturtipps: (Links verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Gray, Miranda: Roter Mond Von der Kraft des weiblichen Zyklus - meine allerwärmste Empfehlung zu diesem Thema!

Blume, Judy: Die Regel eine herbeigeredete Krankheit - obwohl schon von 1985 (und derzeit leider nicht lieferbar) hat es doch bis heute volle Gültigkeit. Frau erfährt allerlei Wissenswertes und Wunderliches über die Regel und deren (auch gesellschaftlichen) Begleiterscheinungen. Ganz toll find ich hier den meditativen Zugang. Wenn dir das Buch also zufällig mal über den Weg läuft: zugreifen.

Northrup, Christiane: Frauenkörper, Frauenweisheit Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können - nicht ganz billig, dafür aber ein wiklich umfassendes Nachschlagewerk. Tipp: vielleicht gibt es das ja in deiner Bücherei zum Ausleihen.

Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus - hier wirds historisch und mythologisch (was ja nicht wirklich trennbar ist. Nicht in einem weiblichen Universum). Die Autorin hat eine Unmenge zur Schweinegöttin zusammengetragen und dem damit im Zusammenhang stehenden Zyklus.

Linktipps:

Weil wir grad bei der Schweinegöttin sind: im gynozentrischen Knistern gibts eine wundervolle Abteilung wilde Säue.

rotermond.de darf an dieser Stelle natürlich keinesfalls fehlen. Neben Infos und Geschichten ist hier auch das bereits oben genannte Blutmond-Forum beheimatet.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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