Zauberweibs Gewerkel

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Freitag, 20 Januar, 2012

Bruttosozialglück

Wir steigern das Bruttosozialglück: Von Menschen, die anders wirtschaften und besser leben (buecher.de-Link)

Das Buch von Annette Jensen habe ich gerade fertiggelesen. Der Begriff "Bruttosozialglück" ist von dem kleinen Staat Bhutan abgeschaut, dessen Regierung es sich seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht hat, des Volkes Wohl (anstelle des Profits einiger weniger) in den Fokus des Handelns zu rücken. Ein revolutionärer Ansatz, der ausgerechnet vom Monarchen kommt! (wikipedia-Link)

Dieses Buch erzählt eine Menge Geschichten von Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, die es einfach gemacht haben. Es gibt z.B. bereits heute mindestens eine Gemeinde in Deutschland, die zu 100% ihren Bedarf an Strom und Wärme selber herstellt und das ganz ohne Atom oder Kohle. Es berichtet über erfolgreiche Zusammenschlüsse von Herstellern, Zulieferern und Verbrauchern, die bewusst auf lange Transportwege verzichten. Auch dass es bei der Produktion bereits kleine und große Erfolge zu vermelden gibt, weg von der Chemie, vom Erdöl, von Ausbeutung hin zu neuen und/oder wiederentdeckten Methoden und Möglichkeiten (z.B. Auro). Weitere Beispiele im Bereich der Landwirtschaft und Banken/Finanzwesen folgen. Hier finde ich besonders die Geschichten und Berichte über Regionalgeld sehr spannend.

All diesen Geschichten ist eines gemein: Es sind immer Menschen wie du und ich, die "es eines Tages plötzlich satt hatten" - ein Banker, der kündigte, als sein Chef die Parole "Wir beraten nicht, wir verkaufen!" ausgab. Eine Hausfrau, die zur Geschäftsführerin der lokalen Energiegenossenschaft wurde. Weil sie und andere nach Tschernobyl einfach etwas tun wollten, tun mussten - und es einfach getan haben. Dabei machen diese Menschen keineswegs den Eindruck, dass sie abgehobene Idealisten wären. Ganz im Gegenteil: Es sind Menschen mit gesundem Menschenverstand, die nicht länger wegschauen konnten.

Diese Geschichten machen Mut und verbreiten Optimismus - etwas, das wir unbedingt brauchen. Wie sonst sollten Vision umgesetzt werden können? Und es zeigt, dass an allen möglichen Ecken und Enden längst begonnen worden ist, unser System zu unterwandern, anzuknabbern. Sicher, es sind immer nur eher kleine Unterwanderungen, nichts was einen der Machthabenden auf den jeweiligen Sektoren auch nur irgendwie berühren würde. Aber: Es sind viele! Und ich hoffe, dass viele dieses Buch lesen werden, sich durch die zahlreichen Links und Literaturhinweise durchklicken und -lesen werden - und damit den Mut und die Hilfe finden werden, ihre eigenen Ideen ebenfalls umzusetzen.

Natürlich verschließt Jensen nicht die Augen vor dem, was leider immer noch "Standard" ist. Patente auf Pflanzen und Tiere, Riester-Renten, mittels derer arglose Gutbürger plötzlich zu Förderern von Rüstungskonzernen werden. Und wie die Großkotzigen immer und immer wieder auf den Erhalt ihrer Macht bestehen. Am besten, indem sie Ängste schüren. "Wir können auf AKWs als Brückentechnologie nicht verzichten", wollen die uns weismachen. Dass gerade AKWs wegen ihrer langen Hoch- und Runterfahrzeiten gerade als "Brückentechnologie" absolut schlechtenst geeignet sind, zeigt die Autorin auf.

Die Beispiele sind regional - so manches könnte durchaus Ziel für den nächsten Sonntagsausflug werden. Die Aktualität lässt sich hier gerade gut daran messen, dass Fukushima ebenfalls behandelt wird. Es gibt ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das die sehr gute Recherchearbeit dokumentiert. Und es ist gut verständlich geschrieben; durch die vielen vielen Einzelgeschichten auch unterhaltsam. Es macht Lust auf mehr, Lust, selber etwas anzupacken, etwas zu verändern.

Selbst wenn nach der Lektüre des Buches ein achtsamerer Umgang mit Wasser und Strom und beim Einkaufen auf mehr Regionalität zu achten alles ist, was am Ende davon umgesetzt wird - haben wir alle damit bereits gewonnen. Und wie gesagt, es werden viele Hilfen aufgezeigt, sei es, um sich einen Betrieb, eine Genossenschaft, etc. einfach mal anzusehen, oder Links zu Aufbaunetzwerken, die konkrete Hilfen leisten, z.B. die energiegenossenschaften-gruenden.de, fairpla.net. Oder ganz praktisch: bauanleitung.org und offene-werkstaetten.org - um nur einige Beispiele zu nennen.

In den Kapiteln werden die Themen Energie, Verkehr, Produktion, Landwirtschaft und Banken behandelt und vorgestellt, am Ende steht der Ausblick, dass viele Wege in die Zukunft führen. Vielfalt statt Einfalt.

Ein kurzes Zitat will ich noch anfügen:

Statt dauernd etwas in die Welt zu setzen, das die Natur überwindet, wäre es deutlich sicherer, sich an der Natur und ihrer Wirtschaftsweise zu orientieren. Innerhalb von 3,5 Milliarden Jahren hat sie aus demselben Material immer mehr und immer Vielfältigeres hergestellt. Die Atmosphäre, die Existenz fruchtbaren Bodens, eine unübersehbare Vielfalt an Lebewesen - all das sind Folgen dieses Entwicklungsprozesses. Niemand kann bestreiten, dass die Natur extrem produktiv ist. Zudem ist sie hocheffizient: Müll gibt es nicht, alles wird zu etwas Neuem umgebaut.

Zauberweib am Freitag, 20 Januar, 2012 * Kategorien: Vorgestelltes
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