Zauberweibs Gewerkel

Gewerkeltes, Vorgestelltes, Spirituelles, Schnurgeliges :)

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Donnerstag, 20 Januar, 2011

Dornröschen

Es war einmal ein Königreich, dort lebten alle Menschen glücklich und zufrieden. Alle trugen ihren Teil zum Leben in der Gemeinschaft bei: Indem sie Felder bestellten, Schafe hüteten, einander beim Hausbau halfen - so wie sie alles zusammen machten. Es war von allem immer genug für alle da. Mangel gab es nicht, da es auch kein Geld und keinen Handel gab. Sie haben immer geteilt.

Es gab in diesem Königreich einen Rat von dreizehn Frauen, die die Geschichten des Volkes bewahrten. Sie waren die Hüterinnen des Wissens. Die Geschichten eines Volkes müssen lebendig weitererzählt werden, gleich ob es sich dabei Pflanzenkunde, Heilkunde, Kanalbau oder Mythologie handelte. Nur was immer wieder neu erzählt wurde, konnte aktuell bleiben und sich so be-wahr-heiten. Um dies zu gewährleisten, waren die Hüterinnen des Wissens da.

Das Königspaar regierte gemeinsam über das Volk, jeder hatte seinen Zuständigkeitsbereich, wobei es hauptsächlich um praktische Dinge gibt. Organisation der Ernte und deren fachgerechte Weiterverarbeitung zum Beispiel. Oder die Märchenstunde für die Kinder - das sind jene Geschichten des Volkes, die den Kindern helfen sollen, das Gesamtgefüge des Volkes, der sie umgebenden Natur und die Wertevorstellungen der Gemeinschaft zu begreifen.

Es begab sich aber, dass Fremde in das Königreich eindrangen. Das Volk empfing die Fremden freundlich - etwas Neues kennenzulernen ist schließlich immer eine Bereicherung. Doch die Fremden brachten nicht nur zweifelhafte Geschenke mit, sondern auch eine Menge fremdartiger Ideen, die so gar nicht in das Leben des Volkes passten. Sie waren ebenfalls begabte Geschichten-Erzähler, und weil dem Volk alles, von dem die Fremden erzählten, völlig unbekannt war, konnten sie noch nicht einmal Fragen stellen, um richtig zu verstehen. So haben die Fremden das gutgläubige Volk überrumpelt und ihnen ihre Lebensweise aufgedrängt: Zuerst kam der Handel, dann das Geld - die Gier kam schließlich ganz von selber über die Menschen des Königreiches.

Das Königspaar hatte eine Tochter, die in das Alter gekommen war, sich einen Partner zu suchen. Eigentlich war das ihre alleinige Aufgabe, doch auch der König blieb nicht von der Gier verschont. Deshalb befahl er die Hochzeit zwischen dem Sohn des Haupt-Mannes der Fremden und seiner Tochter. Er versprach sich davon noch mehr Macht und noch mehr Reichtum. Naja, der Fremde hatte es ihm zumindest versprochen.

Die Tochter hatte das Glück, den Großteil ihrer Kindheit unter der Obhut der Hüterinnen des Wissens verbracht zu haben. Und so hat sie viel mehr der Geschichten des Volkes verinnerlicht als andere in ihrem Alter. Sie besaß einen wachen, klaren Geist und eine gute Portion Mut. Also begab sie sich zu den Hüterinnen, um mit ihnen einen Rettungsplan auszuarbeiten.

Die Gemeinschaft, die es früher gegeben hat, war inzwischen sehr gebröckelt. Zu den Jahresfesten wurde nicht mehr so viel gefeiert wie früher und das Lachen auf dem Marktplatz hörte man immer seltener. Stattdessen gab es Streit und Missgunst. Den Hüterinnen und der Prinzessin war klar, dass schnell gehandelt und drastische Maßnahmen ergriffen werden mussten, wollte man den Rest noch retten - vor allem auch die Geschichten, das Wissen des Volkes.

So sprachen sie einen Zauber aus, der sich auf die Menschen, die Tiere und Pflanzen, das gesamte Königreich erstreckte: alles fiel augenblicklich in einen tiefen Schlaf und die Grenzen des Reiches wurden von einer riesigen Dornenhecke überwuchert. Je mehr die Hecke wuchs, umso mehr schrumpfte das Königreich darin, so dass am Ende von außen nur ein sehr großes Dornengestrüpp sichtbar war und niemand auf die Idee kam, dass sich dort ein ganzes Königreich verbirgt.

Der Zauber sollte nur so lange andauern, bis ein Prinz sich auf die Suche nach der Prinzessin und den Geschichten des Volkes machen würde. Und er war stark genug, dass nichts und niemand dem Dornengestrüpp etwas anhaben konnte. Nur wer das Herz am rechten Fleck hatte, würde das Geheimnis durchdringen.

So vergingen Jahrzehnte und Jahrhunderte, bis sich ein junger Mann in die Gegend verirrte. Er war auf der Flucht vor seinem Vater, vor dem Leben, das er ihm auferlegen wollte. Es war doch sein Leben - warum konnte er darüber nicht selber bestimmen? Er wollte nicht immer noch mehrmehrmehr wie sein Vater. Ihm war es wichtiger, dass die Angestellten des Konzerns ein gutes Leben führen konnten. Weil sie anständig für ihre Arbeit bezahlt wurden. Als sein Vater ihm eröffnet hatte, dass eine Fabrik in ein anderes Land "verlegt" werden sollte, weil er dort die Menschen noch schlechter bezahlten konnte als hier, ist der junge Mann geflüchtet.

Er war Tage und Wochen unterwegs und je länger er es war, umso leichter wurde sein Gepäck. Er wollte nicht erreichbar sein; den Lärm der Stadt konnte er nicht mehr ertragen und er lief und lief, bis die Geräusche endlich leiser wurden. Währenddessen hatte er Gelegenheit, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Wie stellte er sich seine Zukunft vor? Eine zukunftsfähige Gemeinschaft? Ganz sicher nicht mit Ellenbogen, wie sein Vater. Er sehnte sich nach offenen Armen, die ihn mit seinen "versponnenen Ideen" - wie sein Vater es verächtlich nannte - empfangen würden.

Je mehr seine Vision Gestalt annahm, umso lauter schien ihn etwas zu rufen. Er hatte keine Ahnung, wo er gerade war, noch, in welche Richtung er sich bewegte. Er wusste nur, dass es die richtige war. Dass er diesen Weg gehen musste. Bis er von weitem eine Art Dornengestrüpp erkennen konnte. Es zog ihn förmlich dort hin. Doch je näher er kam, desto grüner, üppiger wurde die Hecke. Und sie war über und über mit Blüten besetzt. Als er endlich direkt davor stand, tat sie sich ganz von selber auf und er trat hindurch.

Auf der anderen Seite wurde er von mehreren Frauen erwartet. Es waren die Hüterinnen des Wissens und die Prinzessin. Sie machten am Marktplatz ein Feuer, zauberten von irgendwo her etwas zu essen und begannen, die Geschichten des Volkes zu erzählen. Und je mehr sie erzählten, umso mehr erwachte das Volk aus seinem Winterschlaf. Ganz allmählich, so dass sich alle in Ruhe wieder einfinden konnten. Der junge Mann weinte vor Glück, weil seine "versponnenen Ideen" hier ganz selbstverständlich die Basis des gemeinschaftlichen Lebens darstellten. Als er fragte, ob er hierbleiben könnte, da er gerne Teil dieser wundervollen Gemeinschaft sein wollte, meinte die Königstochter: Gerne, einen Partner wie dich hätte ich sehr gerne an meiner Seite.

Das neue junge Königspaar hatte die Gelegenheit, mit dem Volk zusammen einen echten Neustart ihrer Lebensweise zu vollziehen. Die Hüterinnen hatten das Wissen bestens bewahrt und es wurde wieder erzählt und neu-erzählt. Damit das Wissen weiterhin aktuell und lebendig bleiben würde.

Natürlich kamen hin und wieder Fremde vorbei, die dem Volk die fremde Lebensweise verkaufen wollten. Doch die Menschen hatten dazu gelernt. Sie verkauften nun ihre eigene Lebensweise den Fremden. Sehr erfolgreich. Und völlig kostenlos.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Veröffentlicht im Schlangengesang, Augabe 46 (pdf, 3,5 MB) vom 15.03.2011

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Eine Frage der Definition

Anstoß zu diesem Beitrag hat mir das Buch StoryPower von Vera F. Birkenbihl gegeben (buecher.de). Darin stellt sie u.a. die Aufgabe: "Definieren Sie Materie!" Mit dieser für mich hervorragend gewählten Aufgabe war ich wirklich gefordert. Materie - Göddin, das kann alles sein! Bei Materie denke ich an die vier Elemente bzw. an Erde, an alles Materielle, an Besitz, an Hab und Gut, an Geld, Gold, sorgenfreies Leben. Bei Materie denke ich aber auch an den Spruch "In die Materie (tiefer) eintauchen" bzw. "Ahnung von der Materie haben" - also sich in einem bestimmten Fachgebiet besonders gut auskennen bzw. einarbeiten. Ich denke aber auch an das Weltall, schwarze Löcher, kleinste Teilchen, denke weiter an Material... und das ist jeweils nur klitzkleiner Ausschnitt dessen, was mir zu Materie einfällt.

Wie soll ich also Materie definieren? Ich brauch einen Bezugspunkt: In welchem Zusammehang ist es denn gemeint? In der Naturwissenschaft wird Materie sicher anders definiert als in der Philosophie. Und damit komme ich auf das Problem, auf das Frau Birkenbihl mit ihrer Frage aufmerksam machen wollte: Eine Definition ist keine allgemeingültige Wahrheit.

Ich erinnere mich an meine Schulzeit. In nahezu allen Fächern gab es für alles Mögliche Definitionen. Wir wurden im Allgemeinen dazu angehalten, die Definition, die uns diktiert oder an der Tafel vorgeschrieben (!) wurde, in unseren Heften dick zu umranden, besonders hervorzuheben. Und wir taten gut daran, solche Definitionen bis zur nächsten Unterrichtsstunde auswendig zu lernen. Denn wir konnten davon ausgehen, dass dies mündlich abgefragt werden würde - leicht verdiente Einser.

So haben wir mehr oder weniger unterschwellig in der Schule gelernt, dass eine Definition per Definition eine allgemeingültige Wahrheit beschreibt. Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, wo uns gesagt wurde, wer diese Definition aufgestellt hätte und zu welchem Zweck, mit welcher Absicht, mit welchem Hintergrund.

Heute finde ich das ziemlich absurd. Ok, bei manchen Gelegenheiten mag das schon stimmen. z.B. "Der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in der Bundesrepublik Deutschland erbracht worden sind." Zu meiner Zeit war das die Definition von Bruttosozialprodukt. Heute nennt sich das Bruttoinlandsprodukt. Daran zeigt sich, dass es eben doch nicht die immerwährende Wahrheit ist.

Mathematik ist ein gutes Beispiel für "wahre" Definitionen. 1 + 1 = 2. Das wird mir weltweit bestätigt. Das weiß ein Straßenkind in Südamerika genauso wie der Dalai Lama. Das hatte im Antiken Griechenland genauso Gültigkeit, wie es Captain Picard in ein paar Jahrhunderten noch bestätigen wird :)

Was mir schon länger aufgefallen ist, dass ich für manche Begriffe meine eigene Definition habe. Die sich von der "allgemein gültigen" manchmal nur ein klein wenig unterscheidet, manchmal auch etwas mehr. So verwende ich z.B. den englischen Begriff "Power", wenn ich damit sowohl Macht als auch Stärke/Befähigung umschreiben will. Und "Toleranz" würde ich mit dem Satz formulieren: "Ich find's scheiße, was du tust, aber mach ruhig weiter." Deshalb halte ich auch nicht viel von Toleranz. Ich halte es da mehr mit Akzeptanz: Mein Gegenüber so anzunehmen/anzuerkennen, wie es ist.

Bei Wikipedia werde ich unter dem Begriff Definitionslehre fündig. Allerdings ist das auch nichts, was sich mal eben bei ner Tasse Cappucchino nebenbei schnell durchlesen (und begreifen) lässt.

Erstaunlich, was diese drei Worte "Definieren Sie Materie" an Gedanken in Bewegung gesetzt haben. Ich komme für mich zu dem Schluss, dass "Definition" zunächst einmal nichts weiter ist als ein "Glaubenssatz". Mag sein, dass dieser Glaubenssatz einem genaueren Hinsehen, Überprüfen, Hinterfragen standhält. Dann würde ich es als Definition durchgehen lassen. Doch mindestens genauso oft ist das eben nicht der Fall. Oder eben nur innerhalb eines festen Bezugsrahmens. Dann ist es aber wieder nicht allgemeingültig, nach meinem Verständnis also keine Definition.

Viel interessanter finde ich die Übersetzung "Glaubenssatz". Wenn es draußen kalt ist, regnet, den ganzen Tag nicht richtig hell wird, wird das im Allgmeinen als "schlechtes Wetter" bezeichnet. Man könnte auch sagen: definiert. Wenn ich aber eh vor hatte, an diesem Tag meine Steuererklärung zu machen, kommt mir das Wetter doch eigentlich sehr entgegen. Welches Wetter würde sich denn besser für mein Vorhaben eignen, als genau dieses? Wäre es in diesem Fall nicht eher angebracht, von "optimalem Wetter" zu reden? Auch hier spielt wieder der Bezugsrahmen die entscheidende Rolle.

Frau Birkenbihl hat mir mit ihrer kleinen Aufgabe einen großen Dienst erwiesen. Denn nun habe ich einen Anker gesetzt. Wann immer das Wort "Definition" auftaucht, werde ich jetzt hellhörig: Wer sagt das? Warum? Mit welchem Hintergrund? Jedenfalls wird mich das Wort nicht mehr ehrfürchtig erstarren lassen: Achso, das ist die Definition... na dann... Jetzt tauchen zunächst eine Reihe von Fragen auf, anhand derer die "Definition" abgeklopft wird. Hält sie stand, ist es akzeptiert. Tut sie es nicht - war's ja gut, dass ich nachgehakt habe.

Und wie ist das mit den eigenen "Definitionen"? Den Glaubenssätzen? Ich denke, wir tun gut daran, diese ebenfalls aufzuspüren und zu hinterfragen. "Immer mache ich alles falsch!" - Der Satz enthält gleich zwei Wörter, an denen sich Glaubenssätze identifizieren lassen: immer und alles. Gerne verwendet wird auch "Nie gelingt mir etwas." Und ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass keiner der beiden Sätze wahr ist. Niemand macht immer alles falsch. Und jedem Menschen ist irgendwann einmal schon etwas gelungen.

Doch damit ergibt sich schon wieder ein neues Themas. Wenn du mehr darüber lesen willst, bemühe eine Suchmaschine, da wirst du auf jeden Fall fündig werden. Das oben erwähnte Buch von Frau Birkenbihl will ich abschließend noch wärmstens empfehlen.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Uzume

Der Mythos um Uzume lässt sich schnell erzählen:

Es war einmal eine japanische Sonnengöttin - eher die japanische Sonnengöttin - namens Amaterasu. Die hat sich mit ihren Götterbrüdern ziemlich gestritten, woraufhin sich Amaterasu beleidigt, gekränkt, verärgert in eine Höhle zurückgezogen hat. Das war insofern blöd, da mit ihr auch die Sonne von der Bildfläche verschwunden war. Nicht nur die Menschen, auch die Götter reagierten darauf teils wütend, teils besorgt wegen dem Ausbleiben der Ernte. Das war für die Menschen nicht gut, und wenn die grantig waren, war das für die Götter auch nicht gut. Denen wurde doch schließlich die Schuld für alles zugeschrieben...

Also machten sich ein paar hundert der nächsten Götterverwandten Amaterasus auf, um sie aus ihrer Höhle wieder herauszulocken. Sie versuchten es mit Bitten und Flehen und Drohen und Bestechen - alles, was ihnen einfiel. Nichts. Keine Chance.

Und jetzt kommt endlich Uzume auf den Plan - um die es hier doch eigentlich geht. Die hat schnell gemerkt, dass die herkömmlichen Methoden hier nicht fruchten. Genügend Publikum war vorhanden, also hat sie angefangen zu tanzen. Das darf eine sich jetzt nicht wie einen orientalischen Schleiertanz vorstellen, sondern eher... schräg. Anrüchig. Komisch. Eine fette Alte, die ihre Quarktaschen-Hängebrüste links und rechts über die Schultern wirft, deren Bauchfalten wabbeln und schwingen, und die ihre Schamlippen "sprechen" lässt: versaute Witze, anrüchige "Angebote" an die Umstehenden - eine gelungene, "böööööse" Parodie der Amaterasu. ;)

Es dauerte nicht lange, bis die Umstehenden lachten und gröhlten, immer näher um sie drängelten, sie anfeuerten, klatschten, damit der verrückt-frivole Tanz der Uzume immer weiter gehen möge. An den eigentlichen Grund ihres Hierseins dachte niemand mehr und Amaterasu merkte in ihrer Höhle, dass da draußen etwas nicht stimmte. Jemand huschte grad an Höhleneingang vorbei, und als die Sonnengöttin aus ihrem Versteck heraus fragte, was denn los sei, meinte der, dass sich keiner mehr um sie schere, sie hätten jetzt eine viel bessere Göttin, die sie wenigstens zum Lachen brachte.

Amaterasu war über diese Nachricht ziemlich unglücklich, außerdem war sie neugierig. Wer war das? Welche ihrer Schwestern und Götterverwandten war in der Lage, sie - die Sonnengöttin! - zu übertrumpfen? Selbstverständlich musste sie sich das ansehen!

Genau darauf hatte Uzume gesetzt. Sobald sie auch nur den Hauch einer Bewegung im Höhlenbereich ahnte, war sie schon zur Stelle. Und als Amaterasu nach draußen trat, sah sie zuerst - sich selber! Denn Uzume hatte ihr einen Spiegel vorgehalten - Amaterasu war gebannt, begeistert von ihrer strahlenden Schönheit. Diese Gelegenheit wiederum nutzten einige andere, um den Höhleneingang zu verrammeln.

Die Sonne war zurück auf der Erde. Uzume hatte auf ihre ganz ureigene Art das Unmögliche geschafft.

~*oOo*~

Soweit die Geschichte. Erinnert seht an den Persephone-Demeter-Mythos. Dort war es die Göttin Baubo (s.u.), die Demeter wieder zum Lachen brachte, so dass sie neuen Kraft schöpfen konnte, um ihrer Tochter in der Unterwelt zu finden und zu befreien. Im Prinzip dieselbe Geschichte.

Was lernen wir daraus? Dass die Fähigkeit zu Lachen uns niemals abhanden kommen sollte. Dass wir immer in der Lage sein sollten, über uns selber lachen zu können. Und dass es bei genauer Betrachtung jeder Situation etwas Komisches abzugewinnen gibt.

Uzume begleitet mich schon sehr lange. Sie war es auch, die mich vor einigen Jahren etwas sehr Wichtiges hat wiederfinden lassen: meinen Optimismus! Seitdem ist sie für mich die Göttin des Zufalls, des Lachens, des Optimismus' und natürlich des Humors. Nach Luisa Francia (s.u.) ist sie (auch) die Göttin der Lust und der Leidenschaft. Wenn das nicht nur aufs Sexuelle begrenzt gemeint ist, stimme ich dem uneingeschränkt zu. Lachen befreit, erlöst, schafft eine ganz neue Atmosphäre. Lachen ist Magie, starke, gute Medizin. So ist es nicht unangemessen, Uzume auch als Schamanengöttin zu sehen.

Uzume hat als Planetenpatin des Uranus einen Stammplatz in meinem persönlichen "Göttinnenpantheon" erhalten.

Mehr zu Uzume findest du hier:

Noch mehr Göttinnen findest du im Archiv.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Spirikram
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Die Seele des Raumes berühren

Die Seele des Raumes berühren : Den eigenen Lebensraum neu erfahren, gestalten, reinigen und energetisieren von Stephan Andreas Kordick (buecher.de-Link)

Ein Buch zum Verlieben - in die eigenen vier Wände. Im ersten Teil lädt der Autor ein, die Wohnung/das Haus mit allen Sinnen zu erfahren, im Wortsinn wahr-zu-nehmen. Er erklärt, welcher Teil (Zimmer, Dachboden, Keller, Garage, Wasser- und Stromleitungen) welche Aufgabe hat bzw. welche Entsprechung im menschlichen Körper. Man fühlt sich dabei beim Lesen liebevoll an die Hand genommen von einem, der weiß, was er erzählt, weil er es schon viele tausend mal selber erlebt und erzählt hat.

Im zweiten Teil geht es um die Reinigung des Lebens-Raumes. Zuvor wird der Ablauf eines ganzes Rituals aufgezeigt, durch einige Praxisbeispiele bereichert. Im Folgenden wird jeder Teil des Rituales von der Vorbereitung bis zum abschließenden Aufräumen und Aufbewahren der Utensilien genau beschrieben. Jedes Detail wird dabei konkret erklärt, doch immer wieder auch der Hinweis: Machen Sie es so, wie es sich stimmig anfühlt!

Stephan Kordick verändert den Blickwinkel auf den eigenen Lebens-Raum unweigerlich. Er redet mit einer solchen Selbstverständlichkeit von der Seele des Raumes, von seinen Kleidern und den Energien, dass einem gar nicht anderes übrig bleibt, als selber durch das Haus zu gehen, die Räumen (neu) zu betrachten und (den Frühjahrsputz zu planen *g*) wahr-zu-nehmen, mit allen Sinnen zu erfassen.

Dieses Buch ist sehr liebevoll geschrieben, von jemanden, der weiß, wovon er redet, der nix künstlich aufbauscht, kein Hokuspokus, sondern schlicht und einfach: Handwerk. Ein Blick auf seine Homepage hat mir den sympathischen Eindruck, den ich schon vom Lesen gewonnen habe, bestätigt.

Wirklich gute (Sach-)Bücher lassen sich nach meiner Auffassung auch daran messen, ob man sie einmal liest und dann ins Regal stellt, oder immer wieder gerne zur Hand nimmt, darin blättert, sich hier und da festliest und jedes Mal was Neues entdeckt. "Die Seele des Raumes berühren" gehört nach dieser Definition auf jeden Fall zu den wirklich guten. Daher satte fünf Punkte - dass die alte Rechtschreibung verwendet wird, hat mich anfangs schon etwas irritiert, aber der Inhalt machts mehr als wett :)

Übrigens: Um gute Energien im Raum (Haus/Wohnung) dauerhaft einzuladen, gibt es einen wunderbar einfachen "Trick". Man lege sich einfach zwei bis drei Katzen zu, bei größeren Anwesen gerne auch mehr. Bessere Schnurgelenergieverteiler gibt es einfach nicht. Was sicher DosenöffnerInnen auf der ganzen Welt bestätigen können. ;)

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Vorgestelltes
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Häkelpuschen mit Anleitung

Haekelpuschen

An sich sind solche Puschen schnell und einfach gehäkelt: Von der Spitze ausgehend in jeder Runde zwei Maschen gleichmäßig zunehmen, bis die Fußbreite erreicht ist. Gerade hochhäkeln für die Fußlänge. Die Sohle wird spitz zulaufend bis kurz vor der Ferse gehäkelt. Dann die seitlichen Maschen aufnehmen, hinten gleichmäßig Maschen zusammenhäkeln, so dass sich die Ferse formt. Am Schluss eine Abschlussrunde einmal rundrum, fertig.

Da ich aber jedes Mal für jedes Paar mindestens drei Socken häkel, bis ich wieder weiß, wie es ging, hab ich mir endlich mal meine Notizen ins Reine geschrieben, so dass ichs auch in drei Wochen noch lesen kann. Und stell diese Anleitung (pdf, 2 MB) hiermit zur Verfügung. Viel Spaß beim Nachhäkeln.

Haekelpuschen Detail  

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Gewerkel, Vorgestelltes
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Visionen für die Zukunft

Da die Autobranche in Bezug auf Solartechnik - bzw. überhaupt alternative Antriebsmöglichkeiten - nicht so recht in die Gänge kommen will, sollten vielleicht die Solarprofis eine Vorlage liefern?

Liebe Solarzellen-Hersteller: Entwickelt doch eine Art Solarzellen-Folie zum Aufkleben. Damit wird das Auto komplett bezogen, der alte Motor und Tank kommen raus, ein Elektromotor und Akkus kommen rein, fertig ist das Solarmobil.

Als Laie stell ich mir das so einfach vor. Dabei geh ich natürlich davon aus, dass "Folie" nicht unbedingt erdölbasiert sein muss. Da darf gern was völlig Neues, "Grünes" entwickelt werden. Was auch denkbar wäre: Magnet-"Folie". Die müsste allerdings fest genug sein, dass sie mindestens 140 km/h aushält. So viel Power sollte die Solarkraft schon bringen!

Ich fände das ne Super-Erfindung, wenn ich in naher Zukunft zum Fachhandwerker um die Ecke gehen könnte und der würde mein Auto umrüsten. Und das wäre auch bezahlbar, denn eigentlich muss das Material - also die Solarzellen, Akkus und Motor - ja nicht gekauft werden. Es müsste lediglich der Einbau, also die Arbeitszeit, bezahlt werden. Was in etwa einer größeren Reparatur-Rechnung entsprechen dürfte. Aber wer ein heißgeliebtes Auto schon seit vielen Jahren fährt, hat sowas eh immer einkalkuliert :)

Warum leasen statt kaufen? Logisch, weil es wiederverwendbar ist bzw. sein soll. Nur weil das Auto irgendwann vielleicht doch das Zeitliche segnet, muss doch nicht alles weggeworfen werden. Deshalb sollte die "Folie" abziehbar und wiederverwendbar sein. Daher auch die Idee mit der Magnet-"Folie". Eine 80%-ige Wiederverwertbarkeit sollte erreichbar sein. Und da bietet sich Leasing nun einmal an.

Akkus und Motor sollten eine lange Lebenszeit haben. Das ist meines Erachtens das Haupt-Kriterium, das ein Produkt erfüllen muss, wenn es zukunftsfähig sein soll: Lange Lebenszeit. Die Akkus sollten modular aufgebaut sein, so dass einzelne Teile ausgetauscht und überhaupt auf die Art für jedes Auto passend gemacht werden können.

Das heißt, der Kunde trägt die Kosten fürs Umrüsten - also die Arbeitszeit - und zahlt ansonsten eine monatliche Leasinggebühr dafür, dass die Solartechnologie genutzt wird. Da nicht mehr getankt werden muss, enstehen demnach keine Mehrkosten für den Einzelnen, stattdessen Mehrnutzen für den gesamten Planeten!

Und wenn die Autoindustrie dann ganz lieb bitte sagt, dürfen die diese Technologie vielleicht sogar für ihre Neuwagen nutzen :) Aber das erfordert erst einmal umdenken: Dass wir nicht länger produzierenproduzierenproduzieren können, dürfen! Sondern dass wir uns zuallererst überlegen müssen, was wird wirklich gebraucht? Wie können wir das herstellen, dass ein geschlossener Kreislauf entsteht (Zero Waste)? Und vor allem: ohne Gift, ohne schädliche Chemie.

Nein, ich will an dieser Stelle nichts hören von wegen "unmöglich", "geht nicht", "ist doch gar nicht soooo schlimm". NEIN! Bitte was sollen all die Auszeichnungen und Preise und gegenseitiges Beweihräuchern, wie fortschrittlich unsere Technologie doch ist, und was die Forschung nicht alles möglich gemacht hat, wenn wir noch nicht mal in der Lage sind, Radioaktivität zu neutralisieren. Wenn wir es noch immer nicht geschafft haben, Plastik in den Kreislauf einzubinden. Wenn wir noch immer auf Erdöl und dessen katastrophalen Folgen für unseren Planeten angewiesen sind.

Mal ehrlich: die Steinzeitmenschen waren wesentlich fortschrittlicher als wir, das muss ich mal so sagen! Die haben wirklich etwas Neues erfunden. Und zwar nicht irgendwelchen Nippes, sondern Dinge für den täglichen Gebrauch, die ihnen einen echten Nutzen z.B. bei der Nahrungsbeschaffung eingebracht haben. Und das ganz ohne Unmengen an Energie zu verbrauchen, ohne Luft, Wasser oder Boden zu verseuchen.

Aber ich schweife schon wieder völlig ab. Denn - um aufs Thema zurück zu kommen - es gibt ja auch noch Motorräder, die auch gern solarbetrieben wären. Einen Anfang hat z.B. die Firma Münch bereits gemacht, allerdings ist das halt auch "nur" ein Elektromotor, der aufgeladen werden muss. Vorzugsweise mit Solar-, Wind- oder Wasser-Strom.

Warum - fällt mir jetzt wieder ein - soll nun in Deutschland wieder mehr auf Kohle gesetzt werden? Was genau haben die Damen und Herren Politiker immer noch nicht begriffen? Es ist doch so einfach: AKW: nein. Sonne, Wind, Wasser: ja. Da kommt Kohle gar nicht drin vor! Und die Energieriesen hatten bereits einige Jahre Zeit, entsprechende Anlagen zu bauen. Das sollte auch nicht vergessen werden: Dass es vor dem Ausstieg ja bereits eine Zeit vor dem Ausstieg aus dem Ausstieg gab. Die hätte genutzt werden können, sollen.

Allerdings bin ich eh der Meinung, dass die Grundversorgung in die öffentliche Hand gehört. Also Energie, Wasser und eigentlich auch der Personennahverkehr. Es kann nicht sein, dass wir unsere Grundbedürfnisse an Konzerne übergeben, deren Ziel es natürlich ist, Profit zu machen. Strom und Wasser muss für jeden verfügbar und bezahlbar sein. Das war vielleicht mal sinnvoll, die öffentlichen Haushalte zu entlasten und auszulagern. Dass am Ende aber immer der Steuerzahler (und die Natur) die Rechnung kriegt, zeigt Fukushima (strahlt immer noch, Vierfach-Super-GAU. Intressiert nur grad keinen mehr).

Zurück zu den Mobbeds: Da gibt es ja nun nicht so viel Fläche für Solarmodule, aber es gäbe vielleicht die eine oder andere Idee zu entwickeln: Schutzkleidung mit integrierten Solarzellen - warum nicht? Wird mit einem kleinen Kabel eingestöpselt und zwar so, dass die Verbindung hält, aber im Fall des Falles einfach ausstöpselt.

Andere Möglichkeit: z.B. unter der Sitzbank versteckt ein zusammenfaltbares Solarpanel. Was bei Satelliten klappt, sollte doch auch bei Motorrädern machbar sein, oder? Und selbstverständlich als Zubehör ein mobiles Panel mit integriertem Akku, das daheim im Garten fleißig Strom macht, während das Mobbed unterwegs ist, welches über Nacht dann einfach angezapft wird.

Parkplätze könnten nicht einfach geteert, sondern mit Solarpanels belegt werden. Gerade vor Supermärkten, Möbelhäusern usw. sind ja nicht immer alle Plätze belegt. Der so erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. So haben alle was davon. Überhaupt verstehe ich nicht, weshalb nicht schon längst dazu übergegangen wurde, Neubauten so zu planen, dass die Dächer genügend Sonnenseite abbekommen.

Um nochmals auf die Parkplätze zurückzukommen: Es gibt einen findigen Erfinder - wenn ich mich richtig erinnere, aus den USA - der einen solchen Straßenbelag bereits erfunden hat. Ihm wurden großzügigerweise (höhö) eine Million Dollar Fördermittel eingeräumt, um das mal auszutesten. Das stand vor einigen Monaten in der Natur & Kosmos. Wäre schön, wenn sich diese Idee verwirklichen ließe!

Ich glaube, Ideenmangel ist nicht das Problem. Schon eher, das Wagnis, die Herausforderung anzunehmen. Was uns allen bevorsteht, ist ein kompletter Wandel im Bewusstsein. Dass wir nicht länger auf Kosten der Natur hantieren dürfen, sondern diese endlich als unsere Lebensgrundlage begreifen müssen.

Wem das zu ökotussig ist, der darf es auch gern so sehen: die Natur kann ohne uns Menschen sehr gut leben (ehrlich: wir sind der Grund, weshalb es ihr heute so dreckig geht) - wir aber nicht ohne sie. Wenn wir so weiter machen, wird sie sich wehren. Und wer mal genau hinguggt, wird sich zumindest die Frage stellen, ob sie damit nicht schon längst begonnen hat. Wer es als Kampf sehen mag: Mensch gegen Natur, dem kann ich garantieren, dass die Natur, das Leben als solches, auf jeden Fall am längeren Hebel sitzt.

Oder, noch ein wenig deutlicher: Es geht darum, unseren eigenen Hintern zu retten!

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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The Story of Stuff

The Story of Stuff : Wie wir unsere Erde zumüllen / Annie Leonard (buecher.de-Link)

Im Titel ist schon sehr genau benannt, um was es hier geht. Es ist das Buch zum Film auf thestoryofstuff.de, den anzusehen es sich auf jeden Fall lohnt. Keine Angst, der dauert keine halbe Stunde. Und wer es dann genauer wissen will, dem sei dieses Buch dringendst empfohlen.

Annie geht der Frage nach: Woher kommen unsere Dinge? Wie - auf welche Art, unter welchen Umständen - werden sie erzeugt, gewonnen, hergestellt? Wie kommen die Dinge zu uns? Warum kaufen wir all die Sachen? Und vor allem: Was machen wir, wenn wir sie nicht mehr benötigen?

Im ersten Kapitel befasst sie sich mit der Rohstoffgewinnung. Also Holz, Wasser, Gestein, usw. Es geht weiter mit der Produktion: wie werden aus den Rohstoffen die Dinge, die wir schließlich kaufen? Als drittes widmet sie sich der Distribution, also dem Handel und Vertrieb. Im vierten Kapitel sind wir VerbraucherInnen angesprochen: Konsum und Werbung. Bis es im letzten Kapitel schließlich um die Entsorgung geht: Ab wann werden aus den Dingen Müll? Und ist Recycling wirklich immer gut?

Im Epilog lässt uns die Verfasserin an ihrer Zukunftvision teilhaben, gefolgt von Anhängen zu dem, was die Politik tut, um uns auf einen besseren Weg zu bringen und was wir selber tun können.

Zugegeben, ein Buch zum Themengebiet Umweltschutz von einer amerikanischen Autorin empfinde ich zunächst etwa so, als würde ein Metzger über die Vorzüge veganer Ernährung referieren. Ich hatte arge Bedenken! Aber ich wurde positiv überrascht. Frau Leonard hat wirklich etwas zu berichten, weil sie viele Jahre rund um den Erdball unterwegs war in Sachen Müll. Sie hat sich alles ganz genau angeschaut, hat nachgefragt, nachgebohrt und ist so manchen Herren Wichtig auf die Füße getreten :)

Und vielleicht gerade weil in der breiten amerikanischen Öffentlichkeit das Thema Umwelt (noch) nicht so präsent ist, wie bei uns (was aber auch noch besser werden kann!), erklärt sie mit einer Engelsgeduld, so dass wirklich jeder es begreifen kann. Beim Lesen - ich hatte mir vorher den Film angeschaut - hatte ich immer die deutsche synchron-Stimme im Kopf, die mir erzählt.

Sie bringt es auf den Punkt. Dass (Wirtschafts-)Wachstum nicht ewig weiter gehen kann. Dass irgendwann einmal die Grenze erreicht ist, wo nichts mehr geht. Und dass bei der Konzentration auf die Quantität die Qualität immer mehr leidet. Klar spricht sie hauptsächlich von Amerika und den dortigen Umständen. Doch für die deutsche Ausgabe hat sie vieles ergänzt, Statistiken und Links zugefügt. Beispiele aus dem deutschsprachigen oder zumindest europäischen Raum bemüht. Und was das "westliche" angeht - da sind wir in vielen Dingen nicht um so vieles besser als die Amerikaner. Leider.

The Story of Stuff lässt sich im Grund auf einen ganz einfachen Nenner bringen: "Wo vorne Gift rein kommt, kommt am Ende auch Gift raus." Wenn bei der Rohstoffgewinnung und bei der Produktion giftige Chemikalien zur Anwendung kommen, ist dieses Gift in dem jeweiligen Ding auch drin, wenn wir es kaufen und nach Hause bringen: In der Kleidung, in der Verpackung. In Möbeln und Teppichen. In Kinderspielzeug. In Elekrogeräten. Überall!

Und irgendwann werfen wir alle diese Dinge wieder weg. Oft genug werfen wir sogar völlig funktionstüchtige Sachen weg. Paradebeispiel: Handys! Wo es doch so praktisch ist, spätestens alle zwei Jahre für billiges Geld ein neues zu bekommen, nur weil man den Vertrag verlängert. Also landet das "alte" erst mal in einer Schachtel, dann im Keller - und irgendwann schließlich im Müll. Hierzulande hoffentlich wenigstens auf dem Recyclinghof oder sogar wieder beim Händler.

Recycelt wird dennoch nur ein geringer Prozentsatz. Wobei das Verfeuern von Plastikmüll "zur Energiegewinnung" nach meinem Verständnis nicht wirklich als "recycling" bezeichnet werden dürfte. Ok, wir haben hierzulande - gehen wir mal davon aus - sehr gute Filter in den Müllverbrennungsanlagen. Doch das bedeutet nur, dass die giftigen Partikel nicht gleich in die Luft kommen, sondern sich als mikrofeine Asche sammeln. Und sammeln. Und sammeln. Und dann? Wohin mit der hoch(!!)giftigen Asche? Da beschreibt sie die "super Idee", diese Asche in Dünger unterzumischen und nach Haiti zu schicken. So funktioniert Globalisierung im Kapitalismus.

Begrüßenswert (nicht das Gelbe vom Ei, aber doch die richtige Richtung) fand sie unser "duales System" - der Grüne Punkt. Ein guter Ansatz! Weniger lustig fand sie dann, dass sie unsere Grünen Punkte auf afrikanischen Müllhalden wiederfand. Klar, wenn wir schon das wenige kostbare Ackerland in Kenia in Beschlag nehmen, um darauf Schnittblumen zu pflanzen, sollen die armen Afrikaner wenigstens unseren Plastikmüll bekommen. Immer schön fair bleiben... /sarkasmusoff

Nein, ich will keinen falschen Eindruck erwecken: sie erzählt klar und deutlich, was alles läuft - und vor allem: wie schief! - aber sie versprüht auch jede Menge Zuversicht. Zeigt immer wieder Möglichkeiten und Geschichten auf, die Hoffnung machen. Es ist noch nicht zu spät. Aber allerhöchste Eisenbahn!

Was wirklich schlimm ist, dass die Umweltzerstörung gewollt ist. So muss man es benennen, wenn man sich darüber klar wird, dass die Industrie Boden, Wasser und Luft verseuchen darf, ohne in irgend einer Art und Weise dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Warum werden unsere Tshirts in Bangladesch produziert? Doch nicht, weil die Einwohner dort für ihre hervorragenden Nähkünste bekannt sind (wobei ich diese jetzt aber auch nicht abwerten will!). Sondern weil es dort praktisch keinerlei Gesetze zum Umweltschutz gibt. Die giftigen Chromsuppen werden einfach auf die Straße gekippt. Landen im Trinkwasser, im Boden, auf den Feldern, in der Nahrung. Arbeiterschutz gibt es auch nicht. Die Menschen dort stehen barfuß im Giftcocktail, ohne Atemschutz, nichts. [Der Vergleich zur Hühnerhaltung in Legebatterien drängt sich hier irgendwie auf...]. Kinderarbeit, Hungerlöhne, ellenlange Arbeitszeiten. Anders ist der Ladenpreis von 5,- für ein Tshirt aber nicht machbar: nur auf Kosten der Natur: Boden. Wasser. Luft. Leben.

Recht abenteuerlich findet sie die Ideen, was man alles mit dem Kohlendioxid machen könnte. Zum Beispiel unter Hochdruck in der Erde lagern. Sie stellt die simple Frage: Wie wäre es mit Schutz und Aufforsten von Wäldern? (Wald - keine Holzplantagen!) Bäume sind die besten CO2-Wandler, die es gibt. Schon deshalb, weil das "Austauschprodukt" am Ende Sauerstoff ist. Den wir ja doch auch recht gut brauchen können. So hin und wieder mal...

Was mir neu war, dass die WTO praktisch jedes Gesetz einfach so vom Tisch fegen kann, indem sie es einfach als "Handelsbarriere" deklariert. Umweltschutz muss draußen bleiben, wenn er dem Profit im Wege steht.

Sie sagt auch ganz deutlich, dass sie nichts gegen Handel hat. Nur was bei uns im Zuge der Globalisierung passiert ist, ist eine bloße Konsumierung. Wir sind keine Verbraucher mehr sondern Konsumenten. Es geht nicht mehr darum, eine neue Schüssel zu kaufen, weil die alte kaputt gegangen ist, sondern uns wird eingetrichtert, dass wir erstens sowieso drei, vier, fünf Schüsseln brauchen, schon mal grundsätzlich. Auf dem Esstisch machen die sich in Porzellan recht gut, für Sonntag brauchen wir natürlich einen extra-Satz Glasschüsseln. Ja, und für draußen, Grillen, Picknick, nochmal einen weiteren Satz Plastikschüsseln. Und dann gibts ja immer noch die Sonderangebote - drei Schüsseln für nur vier Euro - wer da nicht zugreift, ist doch blöd, oder?

Und ich bin wieder bei der Frage: Wenn ich Kleidung brauche, besuche ich einen Klamottenladen. Brauche ich ein Notebook, geh ich ins Elektronik-Geschäft. Aber was sollte mich dazu bewegen, einen Ein-Euro-Laden aufzusuchen? Wer steht morgens auf und stellt fest: Göddin, ich hab ja gar keine Ein-Euro-Sachen mehr?

Am Ende wirft sie einen schönen Begriff in den Raum: Zero Waste. Null Müll. Klingt komisch, gell? Aber mal ganz im Ernst: genau das müssen wir anstreben! Zum Glück gibt es schon einige findige Köpfe, die das erkannt haben und vereinzelt Lösungen gefunden haben. Wirklich "null" ist es dabei meist auch nicht. Aber wenn wir das Unmögliche anstreben, können wir alles Mögliche erreichen!

Es ist doch wirklich so: Alles, was wir kaufen, ist Müll. Nicht sofort zu dem Zeitpunkt, wo wir es kaufen. Aber irgendwann. Und gehts nach den Produktionsfirmen: so bald wie möglich. Dass auch tatsächlich die meisten Dinge, die wir kaufen, bereits im Laden (Gift-)Müll sind, macht Annie Leonard deutlich.

Für mich gehört dieses informative, ausführliche, verständliche und vor allen Dingen: ehrliche Buch auf die Liste der Pflichtlektüre für Schulen. Schon um alleine der allgegenwärtigen Werbung etwas entgegensetzen zu können. Durch den Zusatz "Das Kultbuch der Öko-Szene" wird es leider in die Birkenstock-&-Müsli-Ecke gedrängt, wo es eben gerade nicht hingehört. (Schon weil Birkenstock auf langlebige Produkte setzt!)

Kauft es und gebt es an FreundInnen und KollegInnen weiter. Leiht es euch aus der Bücherei. Lasst es euch schenken und schenkt es weiter. Sorgt dafür, dass es so viele Menschen wie möglich lesen!

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Vorgestelltes
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Was hyperbolische Geometrie und Korallenriffs mit Häkeln zu tun haben

Zugegeben, das klingt erstmal komisch und nicht wenige werden sich jetzt wohl die Frage stellen: Was zur Hölle ist hyperbolische Geometrie? Ich muss zugeben, bis heute Vormittag hatte ich den Begriff selber noch nie gehört und die Wikipedia-Erklärung erleuchtet mich auch nicht so recht.

Meine völlig unwissende Definition wäre: Das ist, wenns nach oben hin immer mehr wird. Und das sieht dann ungefähr so aus, wie Korallen aussehen. Wie ich überhaupt darauf kommen? Ich hab die Natur + Kosmos vom März 2011 in die Finger gekriegt. Und da war ein Artikel*) drin. Über eine Mathematikerin, die eigentlich durch Zufall entdeckt hat, wie sie 3D-Modelle zur hyperbolischen Geometrie herstellen kann - und das noch dazu sehr einfach und äußerst kostengüstig.

Ich selber hab letztes Jahr ein solches 3D-Modell hergestellt - ohne dass ich es wusste *g*:

Gehäkelte Koralle

Dabei war das längst nicht mein erstes. Als ich meine ersten Häkelversuche unternommen hab - noch bevor wir das in der Schule lernten - hatte ich eine kleine Puppe, der ich eine Art .... gekräuseltes Ballettröckchen gehäkelt habe. Das war auch eine hyperbolische Koralle :) Was ich damit sagen will: es ist echt stinkeinfach!

Wie kam jetzt nochmal die Koralle ins Spiel? Achja, die Mathematikerin. Die ist auch Netzwerkerin und kam mit anderen Fachfrauen ins Gespräch (so ganz genau hab ich den Hergang jetzt nicht mehr im Kopf) und jedenfalls haben sie angefangen, Korallenriffe zu häkeln, um damit auf das Korallensterben aufmerksam zu machen. Es gab ein bisschen Aufmerksamkeit in der Presse, was zu Anfragen u.a. vom Warhol-Museum führte und so hat das Hyperbolic crochet coral reef inzwischen doch einiges an Berühmtheit erlangt. Leider noch nicht so wirklich im deutschsprachigen Raum, was ich hiermit versuche, zu ändern :)

Ich finde die Idee einfach genial - zumal die Dinger genial einfach zu häkeln sind :) Wie oben schon gesagt: In jeder (jeder 2. oder 3.) Runde die Maschen doppelt oder dreifach häkeln. Das ist alles.

Und weil ich grad übers Häkeln schreib und über Dinge, die damit so gar nix zu tun haben - rein theoretisch - und ich außerdem grad auf Blogrunde war, hab ich hier gleich noch einen Link zum Thema Granny Squares - nur dass die hier ausnahmsweise mal gar nix mit häkeln zu tun haben. Alles klar? :)

*) Falls der Link nicht funktionieren sollte: auf natur.de den Suchbegriff "Häkelriffe" eingeben.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel
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Kohlendioxyd-Endlager?!

Wie kommt man bittesehr auf sone bescheuerte Idee, CO2 im Boden einlagern zu wollen? Wie krank ist das denn? Ich spar mir hier sogar das Aufzählen der Gründe, die dagegen sprechen - ey, nee, näh!

Die ganze Idee ist ungefähr so sinnig, wie wenn plötzlich sämtliche Küchen- und Gartenabfälle in dicke Folie vakuumverschweißt, diese in Beton eingegossen und das Ganze dann irgendwo verbuddelt werden würde.

Also nochmal für Dummbatze und all jene, dies wirklich nicht wissen (wobei ich mir aber ziemlich sicher bin, dass dazu auch ne Sendung-mit-der-Maus gibt!)

CO2 = ziemlich giftiges Gas, welches z.B. von Autos "gemacht" wird. Zum Atmen brauchen Mensch und Tier Sauerstoff - O2 - welcher jetzt aber blöderweise an dem Kohlenstoff - C - dranhängt. Je mehr CO2 wir produzieren, desto schneller geht uns die Luft aus. Blöd.

Nun gibts da aber eine supergeniale Technik, die das CO2 auf recht umweltfreundliche Art aufbereitet. Ganz vereinfacht gesagt, wird dabei das CO2 gefressen, wobei das "C" einverleibt wird und der frische, saubere O2-Sauerstoff wieder ausgeschieden wird. Eine Alles-wieder-gut-mach-Maschine sozusagen. Die es tatsächlich schon gibt. Und die gar nicht mal teuer ist. Die nahezu überall einsetzbar ist. Die es in verschiedenen Größen und Designs gibt. Manche haben sogar noch .... Apps. Die können sogar noch andere Rohstoffe liefern. Für Zwetschgenmus. Oder Apfelkuchen. Oder Birnenkompott. Oder Nussecken.

Also nochmal für alle Dummies zum mitschreiben: Was ist das einfachste, beste, günstigste, was wir tun können, um CO2 abzubauen? Genau:

\*/

Pflanzt Bäume!

/*\

Ist das denn wirklich so schwer.... *kopfschüttel* Hier noch paar Links zu Seiten, die das mit der CO2-Einlagerung ebenfalls als kompletten Schwachsinn sehen:

Suchergebnisse CO2 + Endlager 

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Die Mitte der Gesellschaft - Nachtgedanken

Das Thema hab ich mir von der Schlampengöttin ausgeliehen. Gute Idee, die ich mal für mich übersetzen will:

Wenn ich die Mitte der Gesellschaft wäre, dann hätten Motorräder eine Sitzhöhe von 70 bis maximal 75 cm. Aufbocken geht ja immer noch. Die Norm wäre weiblich, unter 1,60. Das heißt, die oberen Regale im Supermarkt wären nicht ganz so weit oben.

In einem durchschnittlichen Haushalt gäbe es mindestens zwei Menschen, die sich lieben und dazu mindestens zwei Katzen, die von den Menschen versorgt und umschnurgelt werden dürfen.

Der überwiegende Teil der Gesellschaft hätte keine Kinder und keine Frau müsste sich deswegen blöde Kommentare anhören oder auf die Beförderung verzichten ("Sie wollen ja doch noch Kinder haben...") oder sich von irgendwelchen Leuten ein schlechtes Gewissen einreden lassen.

Wenn ich außerdem noch was zu sagen hätte...

Dann gäbe es in Deutschland längst nur noch Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Der Grundstein dazu wär vor 25 Jahren gelegt worden, wir hätten aus Tschernobyl Konsequenzen gezogen.

Wenn Europa überhaupt irgendeinen Sinn hätte haben sollen, wäre der vollzogene (!) Umstieg auf grüne Energie Zugangsvoraussetzung für neue Mitgliedsstaaten. Und selbstverständlich wäre diese Grundversorgung in den Händen des Staates - nicht privater Unternehmen.

Hätte ich was zu sagen, wäre der Euro nie eingeführt worden - auf jeden Fall spätestens jetzt würden wir wieder auf die DM umstellen. Fehler kann man ja ruhig machen - man sollte nur (ein)sehen, wenn etwas keinen Sinn mehr hat und entsprechend handeln.

Wenn ich was zu sagen hätte, wäre nach der Finanzkrise der Rooseveltsche "New Deal" in Kraft getreten. Das hätte nicht nur die Kassen wieder gefüllt, noch dazu vorrangig von denen, die die Kassen vorher so kräftig geleert haben, sondern vor allem auch den Graben zwischen Arm und Reich ein gutes Stück zugeschüttet. Da hatten die Amis damals echt ne gute Idee (warum das in der Politik immer so abwegig ist - Geld von denen zu fordern, die am meisten davon haben?), die z.B. auch im Fall Griechenland mehr Sinn machen würde als EU-Kredite. Überhaupt frage ich mich, warum die Suppe nur die Staaten auslöffeln sollen. Was ist mit dem Handel? Internationale Firmen, die an Griechenland auf die eine oder andere Art genauso bzw. sogar mehr beteiligt sind, als irgendwelche Banken, sollten ruhig auch ihr Scherflein beitragen. Ihren Krempel verkaufen wollen sie in Griechenland ja schließlich auch wieder...

Was es definitiv nicht geben würde, wenn ich was zu sagen hätte, wären Klopapier, Küchen- und Taschentücher (wenn man letztere denn schon unbedingt benutzen "muss"), die nicht zu 100% recycelt wären. Und schon gar nicht gebleicht!

Und wo ich schon dabei bin: Mülltüten wären - wenn schon Plastik - selbstverständlich ebenfalls komplett recycelt (100% ist bei Plastik glaub ich gar nicht möglich. Mit komplett mein ich hier also so viel wie nur irgend möglich)

Es gäbe keine Kraftfahrzeuge mehr mit Verbrennungsmotoren. Herkömmliche Tankstellen, wie wir sie heute noch kennen, gäbe es nur ganz vereinzelt auf Sondergenehmigung für Oldtimer-Clubs - und wären mit mega Steuern behaftet.

Und an allererster Stelle wäre das Aus für Verbrennungsmotoren im landwirtschaftlichen Bereich gekommen. Überlegt euch mal, die ganze Auspuffgase landen auf den Kartoffeln, dem Weizen, dem Mais - nicht gerade appetitlich, oder?

Genauso wäre sämtliche Chemie für die Landwirtschaft verboten. Einzelne Stoffe können in Ausnahmefällen nach jahrelanger, kostenintensiven Prüfung auf Herz und Nieren durchaus wieder erlaubt werden. Aber erstmal wäre alles verboten, was nicht natürlich und von selber wächst. Gentechnik gäbe es gar nicht.

Es gäbe auch keine "Bio"-Produkte - weil selbstverständlich jegliche Nahrungsmittel aus natürlicher Herstellung kommen. Was anderes käme gar nicht infrage. Und genauso selbstverständlich bieten wir den Tieren ein glückliches, gesundes, friedliches Leben - das sind wir ihnen schuldig, wenn wir sie schon essen: Dass sie vorher wenigstens ein wunderschönes Leben hatten. Kühe auf der Weide. Scharrende Hühner. Schweine, die sich im Schlamm wälzen. So muss das sein!

Ach, und natürlich gäbe es im Parlament Anwesenheitspflicht. Nichterscheinen ist unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst. Klarer Fall. "Nebenjobs" welcher Art auch immer wären absolut verboten. Als AbgeordneteR sollte mensch doch eigentlich ausgelastet genug sein, oder?

Überdies wäre Schluss mit der Unsitte, dass die sich selber mal eben eine Gehaltserhöhung geben können. Es gäbe auch Mindestlöhne in allen Bereichen, die innerbetrieblich gebunden wären. Heißt, die niedrigste Lohngruppe ist die Grundlage für alle anderen. Also z.B. Reinigungspersonal (es wird nicht geschummelt via "outsourcing"!) bekommt X, Call-Center-Leute bekommen 1,5X, Leitende Angestellte 3X, usw. bis hin zum Oberchef, der von mir aus 100X kriegt - um einfach mal Hausnummern zu nennen. Wenn der Oberchef jetzt beschließt, er genehmigt sich nen Tausender mehr im Monat, ist das prima, weil die Putzkraft dann immerhin auch nen Zehner mehr bekommt. Was für beide vermutlich in etwa gleich viel wert sein dürfte... (kann man jetzt so und so sehen)

Das Recht auf ein würdiges Sterben, wie wir es unseren Haustieren selbstverständlich gestatten, hätten auch wir Menschen. Wir hätten wieder ein gesundes Verständnis fürs Leben und Sterben. Leben retten würde nicht mehr gleichbedeutend sein mit Leiden bzw. Sterben verlängern.

Es gäbe nur sehr wenige, dafür verständlich Gesetze, Steuern und Vorschriften. Die Menschen, die für deren Einhaltung sorgen, wären gefordert, ihren gesunden Menschenverstand einzusetzen. (z.B. ist es doch unsinng, eine Familie zum Umzug zu zwingen, weil deren Wohnung gemäß Hartz-IV-Bestimmung zwei Quadratmeter zu groß ist, oder dass sie ihr Eigenheim verkaufen müssen - die dafür dann zusätzlich anfallende Miete aber wiederum bezahlt bzw. bezuschusst wird).

Soweit mal ein paar zugegebenermaßen unausgegorene, zusammengewürfelte Nachtgedanken von mir.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes
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Regenbogenlochtuch: Anleitung

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen gibt es die Anleitung für das Regenbogenlochtuch: pdf, 900kb.

Das war für dieses Teil hier:

Regenbogenlochtuch

Viel Spaß beim Nachstricken! Falls in der Anleitung etwas unklar oder verwirrend ist, bitte Bescheid sagen, damit ichs verbessern kann.

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Gewerkel, Vorgestelltes
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Meine Nähmaschine

Als meine Mutter zu meinem älteren Bruder schwanger war, hat sie sich für mehrere hundert Mark eine Nähmaschine geleistet. Eine "Ideal Automatik" von Quelle. 1962 war das ein Batzen Geld - und es war sinnvoll angelegt. Dass sie die Ausstattung der Wiege damit genäht hat, weiß ich nur aus ihren Erzählungen, doch ich kann mich gut daran erinnern, dass sie schon immer sehr viel genäht hat.

Irgendwann haben wir im Handarbeitsunterricht nähen mit der Maschine gelernt und meine Mutter hat mich in ihre Maschine ebenfalls eingewiesen. Ab da hab ich selber immer wieder damit genäht. Sie begleitet mich tatsächlich bereits mein ganzes Leben.

Viel später - ich war bereits von Zuhause ausgezogen - hat sich meine Mutter eine neue Maschine gekauft und mir die alte vermacht. Damals bin praktisch jedes Jahr umgezogen und ich hatte nie Platz genug. Für einzelne Projekte habe ich sie mir hin und wieder in die jeweilige Wohnung geholt und später wieder in mein Elternhaus zurückgebracht. Bis ich mit meinem jetzigen Mann zusammen gezogen bin. Er hatte eine Dreizimmerwohnung und ich konnte meine Nähmaschine endlich "nach Hause" holen.

Ich habe sie erst einmal zum Überholen gebracht: reinigen, ölen, einstellen. Sie lief wieder wie am Schnürchen. Kein Klackern, keine Aussetzer, nichts. Als mein Vater erfahren hat, wie begeistert ich von der Nähmaschine war und sie somit in Ehren halten würde, hat er es sich nicht nehmen lassen, die Kosten für die Überholung zu übernehmen. ("Das hat sie von mir!" *g*) Wow, da war ich gleich doppelt beschenkt!

Mittlerweile sind wir in unser Häuschen gezogen, in dem es ein kleines Nähzimmerchen gibt. Meine Maschine hat einen festen Platz, muss nicht jedes Mal her- und wieder weggeräumt werden. Und ich habe das Patchworken entdeckt. Da nähe ich zwar größtenteils mit der Hand, das Zusammennähen mach ich aber doch lieber mit der Maschine. Auch diverse Kleidungsstücke hab ich in den letzten Jahren genäht. Sie ist also ständig in Gebrauch.

Kein Wunder, dass es nun wieder zu Aussetzern kam, sie war schwergängig, es klackerte. Die Botschaft war klar: Schick mich zur Inspektion! Mein erster Gedanke: Die hab ich doch erst beim Reinigen gehabt? Der zweite Gedanke: *nachrechne* 1999 - Oh... das ist wohl doch schon etwas her...

Da ich mit dem letzten Service-Ergebnis sehr zufrieden war, habe ich sie wieder dort hin gebracht. Beim Abgeben sind mir die vielen Nähmaschinen aufgefallen, die dort ebenfalls zur Reparatur-Abholung warteten. Sicher waren da auch paar modernere Modelle dabei, aber das meiste waren solche Goldschätze wie meine - wenn nicht sogar noch älter! Nähmaschinen sind ganz offensichtlich eine Anschaffung fürs Leben, für mehrere Generationen sogar. Sie werden gepflegt und in Ehren gehalten - und genutzt! Sie sind halt was Besonderes. Dass mich so ein Anblick zum Strahlen bringt, zeigt deutlich, dass ich die Tochter einer Handwerkerfamilie bin: Werkzeug muss eben pfleglich behandelt werden. :)

Heute habe ich meine Nähmaschine wieder an ihren Platz gestellt, den ich bei der Gelegenheit auch gleich ordentlich sauber gemacht habe. Und wie es der Zufall wollte, hatte ich ein ausgefranstes Handtuch und einen eingerissenen Kissenbezug zu reparieren. Eine gute Gelegenheit, das Maschinchen willkommen zu heißen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie verblüfft ich war, als ich loslegte. Ein sanftes Schnurren, butterweicher Gang, perfekte Stiche... meilenweit dem voraus, was ich mir überhaupt hätte vorstellen können. Klar bin ich davon ausgegangen, dass sie keine Aussetzer mehr haben wird. Dass es nicht mehr klackert. Und dass sie etwas leichter läuft. Aber was ich bekommen habe, ist besser als neu! Ehrlich: ich bin verliebt in meine Nähmaschine! *gg* Da trifft es sich hervorragend, dass ich demnächst Urlaub habe und mir schon das eine oder andere Projekt im Kopf rumschwirrt. :)

meine Nähmaschine

Danke, dass du mich schon mein ganzes Leben begleitest. Ich werde dich gut behandeln, damit das auch weiterhin so bleibt und wir noch viele bezaubernde Stunden miteinander verbringen werden. :)

gepostet November 2011

Zauberweib am Donnerstag, 20 Januar, 2011 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel
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