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20 Dezember 2008

Wollknäul-Theorie

Wir nehmen Zeit im allgemeinen linear wahr - oder nein genau anders: wir nehmen es an. Die Wahr-nehmung des Jahreskreises zeigt uns ja eigentlich ganz genau, dass sie zyklisch verläuft. Im Kreis, in einer Spirale, wie die DNS.

Ein Schwarzes Loch ist ein Wurmloch, das eine Abkürzung, eine Verbindung, von zwei verschiedenen "Ebenen" des Universums darstellt. Man geht also von einem irgendwie gekrümmten Universum aus. Wenn wir also glauben, z.B. durch ein Teleskop einige Lichtjahre in die Zukunft oder besser Vergangenheit zu sehen (denn das, was wir sehen, ist in dem Augenblick, wo wir es sehen, schon längst wieder Vergangenheit in seiner Zeit), schauen wir nicht linear, sondern gekrümmt. Weil wir ja innerhalb unserer Zeit leben und nur diesen vergleichbar winzigen Abschnitt wahr-nehmen können und der uns als Gerade erscheint.

Zwischen den Windungen der Zeitspirale können Schwarze Löcher Verbindungen herstellen - eine Abkürzung durch die Zeit. Völlig logisch. Wenn ich jetzt also durch so eins in die Vergangenheit reise, um meinen Großvater zu töten - also mal angenommen, das funktioniert. Dann habe ich in dem Moment, wo ich in dieser Vergangenheit angekommen, in sie eingetreten bin, bereits eine Veränderung hervorgerufen. Allein die Tatsache, dass ich dort angekommen bin, bedeutet, dass ich meine mir bekannte Zeit verlassen habe, für mich bestenfalls Vergangenheit ist. Denn die Tatsache, dass ich jetzt hier in der Vergangenheit bin, bedeutet, dass ich nicht in der Zukunft sein kann. Ich werde also meine Herkunft vergessen haben, in dem Moment, wo ich dort (in der Vergangenheit) angekommen bin. Retrograde Amnesie. Oder auch: Geburt :)

Für die Menschen, die mich in meiner Zeit kannten, bin ich halt einfach "verschwunden", bei einem Unglück mit der Zeitmaschine explodiert - was auch immer. Für sie bin ich Vergangenheit. Meine Zukunft liegt jetzt in der Vergangenheit. Also kein Paradoxon.

Erinnerungen, Lieder können Wurmlöcher sein. Wenn ich "Final Countdown" höre, bin ich auf der Schulparty. "Jump" - aufm Weg zur Schwabacher Kirchweih, an meinem Geburtstag. "nelly the elephant" - Skilager in Österreich. So geht es ewig weiter. Bilder, Gefühle, Farben, Gerüche, Orte - alles ist auf einmal völlig real, fast zum Greifen. Nur fast - vielleicht also nur der Blick durchs Fenster, und doch bin ich mittendrin. Ein kleiner Wahrnehmungspunkt, nur eine Dimension einnehmend, der mithilfe der Musik Erinnerungen wachruft und es mir so ermöglicht, zumindest eindimensional dorthin zurück zu reisen. Nur für einen Moment im Jetzt - aber durchaus Stunden, Tage, Wochen dort.

Schamanismus, Reisen in die Anderswelt - ist das nicht genau dasselbe? Dort wird halt nicht von Zeit zu Zeit gesurft, sondern von Ebene zu Ebene geswitcht. Ich denke an den Weltenbaum Yggdrasil. Doch eigentlich nichts anderes als ein Kanalsystem, das die verschiedenen Welten untereinander verbindet. Midgard in der Mitte, von dort aus können sechs Welten unmittelbar, zwei weitere (Hel und Asgard) mittelbar über Wanaheim und Niflheim erreicht werden. Dieses Gefüge ist also mehr wie eine Traube aufgebaut - zumindest, wenn man diesen kleinen Ausschnitt sieht.

Die Zeit als der rote Faden, eine Linie, die bei genauer Betrachtung eine Spirale ist. So wie ein Wollfaden in sich verdreht ist, um stabil zu bleiben. Wenn man aber noch genauer hinsieht, besteht so ein Wollfaden aus unendlich vielen winzigen Fusselchen, die, würde man sie vorsichtig aufdrehen, ein gigantisches Netzwerk zeigen würden. Das allerdings nicht aufgedreht werden kann, da es über alle Ebenen und Dimensionen ineinander verwoben ist. Und wie im Kleinen, ist es auch im Großen: der rote Faden der Zeit ist nicht nur einfach eine Spirale, die da irgendwo rumhängt - sie ist ein gigantisches Wollknäul, das sich aus sich heraus selber spinnt. Orobor, die Weltenschlange, fällt mir ein, die sich selber frißt. Praktisch dasselbe.

Meine Zeit, meine Ebene, das ist immer (nur) das, was ich wahr-nehme. Also z.B. nur rosafarbene Fusselchen. Ich (er)kenne nur die rosanen, alles andere ist für mich nicht-existent. Also schwarz. Null. Nicht mal Null. Ich kann gar nicht erkennen, ob das Schwarz nur ein andersfarbiges Fusselchen ist, oder wirklich "nichts" - also ein Zwischenraum zwischen Fusselchen - ich sehe nur rosane. Und dort, wo die weniger werden, erkenne ich meine Grenzen. Also: die Grenzen der mir bekannten Welt.

8x8 ist 64. Alle Möglichkeiten sind immer da. Die, die ich nicht nutze, sind dennoch existent. Nur ich werde sie halt nicht erfahren. Aber ich kann versuchen, sie sichtbar zu machen - z.B. mithilfe von Schwarzen Löchern, Schamanismus einen Blick in andere Welten, andere Möglichkeiten werfen und aus den neuen Erkenntnissen vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Und so meine Zukunft beeinflussen.

Es hängt alles zusammen, gehört alles zusammen. Das Bild mit dem Wollknäul gefällt mir sehr gut. Wenn um mich herum das Chaos aus Fusselchen, Verdrehungen, Spiralen, Vernetzungen und Verwicklungen ist, kann der Ruhepunkt des ganzen Chaos nur in mir selber sein. Wenn ich mich ganz fest in mir verankere, ganz bei mir bin, in mir bin, völlig ruhig bin, dann bin ich in der Lage, all das Chaos als - Farbe in Bewegung - weißes Licht zu sehen. Obwohl aus der Sicht des Chaos ich ein kleiner weißer Punkt bin - höchste Konzentration! Als dieser kleine Punkt kann ich an jeden beliebigen Zeit-Raum in jeder beliebigen Dimensions-Schwingung gelangen. Solange ich mit meinem Roten Faden fest in mir verankert bleibe.

Diese Wollknäul-Theorie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Es ist vieles erst nur angedacht, und doch fühlt es sich so schon ziemlich stimmig für mich an.

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Letzte Änderung: 20 Dezember 2008 13:18
Themen: SpiRitual
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