Zauberweibs Gewerkel

Gewerkeltes, Vorgestelltes, Spirituelles, Schnurgeliges :)

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Samstag, 19 Januar, 2008

Zauberspruch

Hier erzähle ich ein bisschen was übers Sprüche-klopfen bzw. - wenn dieser Ausdruck besser gefällt - Reime-schmieden. Das Erstellen von Zaubersprüchen ist echte Handwerkskunst, da wie bei einer Perlenkette jeder Buchstabe mühsam einzeln aufgereiht und ins richtige Muster gesetzt werden muss. Dass im Englischen "to spell" also Buchstabieren, "spell" hingegen Zauberspruch heißt, ist demzufolge kein Zufall, sondern logische Absicht.

Es gibt verschiedene Arten von Zaubersprüchen, die offensichtlichste Unterscheidung ist die in verständliche und unverständliche Sprüche. Aus verständlichen Gründen will ich hier mehr auf die verständlichen Sprüche eingehen und die unverständlichen außen vor lassen.

Zaubersprüche zu verschlüsseln macht zuweilen Sinn, wenn eine einen Zauber wirken möchte, aber nicht will, dass jede sofort erkennt, dass es sich hierbei um einen Zauber handelt. Wie eine einen fertigen (lesbaren) Spruch im nachhinein codiert, darauf gehe ich später noch etwas ein. Doch zunächst mal die Frage:

Was ist ein Zauberspruch?

Ein Zauberspruch ist eine Aneinanderreihung von Lauten mit dem Willen, die in diesen Lauten enthaltene Absicht zu verwirklichen. Gehört der Satz "Ich will ein Eis!" dann auch schon zu den Zaubersprüchen? Nein, behaupte ich. Ganz einfach deshalb, da diese Worte in aller Regel an eine bestimmte Person gerichtet werden, von der eine "weiß" (oder doch wenigstens vermutet) dass sie einer diesen Wunsch erfüllen kann. Eis gibts im Sommer praktisch an jeder Straßenecke zu kaufen, hierzu Magie aufzuwenden wäre mehr als töricht - Magie lässt sich nämlich nicht verar...lbern. Da ein Eis also etwas ist, das in aller Regel schnell und einfach zu bekommen ist, braucht hierfür keine Magie angewandt werden. Anders sieht es z.B. beim Parkplatzzauber aus. Denn Parkplätze sind normalerweise nie da, wenn eine mal wirklich einen braucht. Also nicht nur die bloße Faulheit es eine hoffen lässt, einen Parklatz direkt vor der Ladentür zu bekommen, sondern wenn eine z.B. etwas Schweres zu tragen hat. In diesem Fall ist es durchaus gerechtfertigt, einen Zauberspruch anzuwenden. zum Beispiel:

Einen Parkplatz nur für mich
wünsch ich mir - drum find ich dich!

Probiers ruhig aus, du wirst sehen, es funktioniert. An diesem Beispiel sieht eine schon eine Eigenschaft, die ein Zauberspruch normalerweise hat: er reimt sich. Es ist keine Bedingung dafür, dass er auch funktioniert - ein guter Spruch funktioniert auch ungereimt, keine Frage! Dennoch prägt sich etwas Gereimtes doch besser ein als Ungereimtes und auch des besseren Rhythmus wegen ist die Reimform doch der freien Form vorzuziehen. Dass es keine geistig hochtrabenden, noch nicht mal besonders tiefsinnige Sprüche sein müssen, zeigt das Beispiel übrigens auch sehr deutlich.

Der Spruch muss auf jeden Fall die Absicht enthalten, das Ziel, das eine damit eben erreichen / bezwecken will. Dabei ist es wichtig, sehr konkret zu sein. Den Spruch "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen - sie könnten in Erfüllung gehen!" möchte ich hier jeder dringendst ans Herz legen. Wenn du eine absolut nicht leiden kannst, ist es ethisch nicht korrekt, dieser Person irgendwelche Krankheiten anzuzaubern. Diese Person in Urlaub nach Indien zu schicken, muss aber auch nicht sein - genau das kann jedoch passieren, wenn du eine dorthin wünschst, wo der Pfeffer wächst. Das alles hört sich vielleicht recht lustig an, doch es ist wirklich ernst. Zu beachten ist, dass Emotionen als Verstärker wirken. Du kannst eine regelrecht verfluchen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand einen entsprechenden "Fluch" gegen diese Person ausstößt.

Als Faustregel gilt: Soviel wie nötig - sowenig wie möglich. Dies entspricht dem Gesetz der Effizienz, einem der 4 Grundgesetze indianischer Naturreligion.
Im Falle des Parkplatzzaubers ist das noch sehr einfach, da eine ja genau weiß, was sie will. Nur allzuoft neigen wir Menschen jedoch dazu, zu wissen, was wir nicht wollen. Und hieraus ergibt sich dann ein Problem: denn das Wörtchen "nicht" existiert nicht. Es existiert in der sogenannten "Realität", doch kein Naturgesetz (egal ob wissenschaftlich oder okkult) kennt das Wörtchen "nicht". Sich zu wünschen, nicht durchzufallen ist also gleichbedeutend mit dem Wunsch, die Prüfung wiederholen zu wollen. Falsche Bescheidenheit ist hier wirklich nicht angebracht. Wenn dann sollte der Wunsch korrekterweise also lauten "die (morgige) Prüfung zu bestehen" - Zeit- bzw. Datumsangaben sind sehr nützlich, denn Zaubersprüche beruhen auf der Macht des Wortes, das heißt, sie werden von der Einen Kraft wörtlich genommen. Wenn die "Bestellung" also ankommt und es ist dort nur was von "ich will die Prüfung schaffen" angegeben, dann kanns passieren (muss nicht, aber kann), dass der Wunsch erst mal nach hinten gelegt wird, da keine Prioritätsstufe enthalten ist.

Ich schaff die Prüfung, hört die Kunde,
morgen in der ersten Stunde

So könnte ein korrekter Prüfungsbestehungszauberspruch aussehen. Es gibt hierbei keine vorgefertigten Sprüche, die nur so und nicht anders wirken. Natürlich kannst du "fremde" Sprüche 1:1 übernehmen, wenn sie dir so richtig und passend erscheinen. Warum das Rad neu erfinden? Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Zauberspruch umso besser wirkt, je mehr Energie eine hineinlegt. Und schon beim Erstellen eines Spruches wird viel von dieser Energie in diesen Spruch mit hineinverwoben. Es ist wie beim Stricken; die Socken, die meine Mam strickt, sind die wärmsten, denn wenn sie strickt, glühen die Nadeln (nein, sie glühen nicht wirklich, aber sie werden sehr, sehr warm, um nicht zu sagen: heiß) - und diese Wärme strickt sie da irgendwie mit rein. Ähnlich verhält es sich mit den Zaubersprüchen (und eigentlich jeder magischen Arbeit). Ein Spruch, den du selber erstellst, hört sich vermutlich auch ganz anders an, als einer, den ich erstelle. Jede hat so ihre eigenen Sprachgewohnheiten, Rhythmen, die natürlich in den Spruch ebenfalls mit einfließen. Durch die Arbeit an und mit dem Spruch wird er ein Teil von dir. Indem du ihn dann ("naggich" oder in ein kleines Ritual eingebunden) entsendest, gibt du damit auch einen kleinen Teil von dir mit ab. Das ist deine Gegenleistung, dein "Geben" dafür, dass du durch den Spruch ja etwas "nehmen" also bekommen, willst.

Fassen wir nochmal kurz zusammen:

Von Vorteil ist es, den Spruch auswendig zu können, insbesondere wenn er in ein Ritual eingebunden werden soll.

Da es in hier ja eher um Worte geht, betrachten wir das Problem der Reimform nochmals etwas näher. Zunächst mal muss es keine akkurate Reimform sein, es reicht, wenn die Worte gleichlauten. So zählt z.B. "Wille" durchaus als Reim auf "fühle", ungeachtet dessen, dass sich der einen oder anderen Deutschlehrerin dabei die Zehennägel hochrollen. Ob sich die Zeilen 1-2 3-4 oder 1-3 2-4 reimen, bleibt deiner Fantasie überlassen. Alles was irgendwie einen guten Rhythmus hat und einigermaßen gleich klingt, gilt für unsere Zwecke als Reim. Schließlich will eine mit einem Zauberspruch ja etwas Konkretes bewirken, eine willentliche Beeinflussung der Realität durchführen - und keinen Literaturpreis gewinnen!

Was aber, wenn dir auf Biegen und Brechen kein Reim einfällt? (Außer vielleicht "im Liegen verrecken" - aber wer will das schon?)
Nein, im Ernst, es gibt da einen einfachen, wirkungsvollen und legitimen Trick. Wie gesagt, sollen (können/dürfen) Zaubersprüche ja sehr einfach sein. Das bedeutet, in den meisten Fällen reicht ein einfacher Zweizeiler vollkommen aus. Die eine Zeile mit dem Wunsch/Anliegen hat eine ja vermutlich schnell parat, doch woher kriegt eine einen Reim? Das wird manchmal dann doch zum Problem. Des Rätsels Lösung: Das Pferd von hinten aufzäumen.
Drehen wir also den Spieß einfach um und nehmen uns eine Zeile als Basis her, auf der wir dann den Spruch aufbauen. Eine Zeile, die geläufig und einprägsam und im Idealfall durch Permutation auch noch wandelbar ist. Da der Reim an sich nicht zwingend Sinn machen muss (solange er das Anliegen selber nicht verfälscht), ist es eigentlich naheliegend, das zu verwenden, was eine eh schon parat hat.
Wie wäre es also mit:

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Süden, Westen, Norden, Osten.

Stäbe, Kelche, Münzen, Schwerter

Diese Begriffe sind jeweils Synonyme, das bedeutet, welche sich die vier Himmelsrichtungen merken kann, weiß automatisch auch die 4 Elemente und die 4 Sätze der kleinen Arkana. Somit hat eine durch das eine "Werkzeug" - z.B. die Elemente - eigentlich gleich 3 bei der Hand. Die Elemente haben den Vorteil, dass sie unterschiedliche Endungen haben, was bedeutet, dass durch diese eine Zeile durch Permutation bereits 4 Möglichkeiten für Reime offenstehen, also z.B. Feuer-teuer ; Wasser-Aufpasser ; Erde-werde ; Luft-musst.

Die Himmelsrichtungen sind zwar zunächst gleichendend, jedoch kann eine das "-en" am Ende ja durchaus weglassen, bzw. den Gebrauch dieser "-en"s variieren, wodurch auch der Rhythmus viel flexibler wird. Und in dieser verkürzten Form sind es dann auch wieder unterschiedliche Endungen. Beispiele: Süd-lieb ; West-Rest ; Nord-fort ; Osten-kosten.

Bei den Sätzen der Arkana kann eine durch Mehr- bzw. Einzahl wiederum variieren und natürlich wieder durch Permutation. Beispiele: Stäbe-gäbe ; Kelch-Held ; Münze-Linse (oder: Scheibe-bleibe) ; Schwert-begehrt.
Somit stehen auf einen Schlag eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Das "Werkzeug" ist selbst der blutigsten Anfängerin sehr schnell geläufig, so dass sich das Auswendiglernen von Zaupersprüchen schon bald erledigt haben wird. Denn mit ein bisschen Übung wird eine sehr bald in der Lage sein, sie aus dem Ärmel zu schütteln.

Zum Abschluss noch ein paar Anregungen:

Norden, Süden, Westen, Osten
ich will warmen Frühling kosten

Stab und Münze, Kelch und Schwert
ich bin heute sehr begehrt

Wasser, Erde, Luft und Feuer
ich verkauf mein Auto teuer

Westen, Osten, Norden, Süden
sprich zu mir nur frei von Lügen

Kelch und Münze, Schwert und Stab
mit Streit und Zank solls gehn bergab

Erde, Feuer, Wasser, Luft
Liebe füllt die tiefste Kluft

Zauberweib am Samstag, 19 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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