Zauberweibs Gewerkel

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Sonntag, 20 Januar, 2008

Ix Chel

(Dieser Artikel wurde erstmalig in der Ausgabe 16 (pdf) des Schlangengesangs veröffentlicht)

Ix Chel ist die mexikanische Mondgöttin. Sie ist zuständig für Fruchtbarkeit, Zyklus, Geburt - alle Frauenbelange. Außerdem ist sie die Schutzpatronin der Weberinnen sowie, einigen Quellen zufolge, sämtlicher Handwerksberufe. Als Mondgöttin ist sie auch eine Dreifache Göttin: sie wird sowohl als junge Frau, als auch als Mutter/Gebärende und weise Alte dargestellt. Auf ihrem Haupt thront eine Schlange, die durch ihre Häutungen Regeneration und Wiedergeburt symbolisiert. Ihr Gemahl wird als Kaninchen dargestellt.

Nach der Maya-Mythologie hat Ix Chel, die Göttin des Regenbogens, zusammen mit ihren Gemahl Itzamna alle Göttinnen und Götter des Pantheons geboren. Laut mexiko-lexikon.de ist dieser der Sohn von Hunab Ku. Schaut eine auf dessen Seite nach, erfährt sie, dass dieser der Weltenschöpfer der Maya war, einen Sohn, Itzamna, hatte und eine Ehefrau namens Ix Chel. Es drängt sich die Frage auf, ob wirklich Hunab Ku der Weltenschöpfer war, oder nicht doch Ix Chel - was naheliegender ist. Dass Itzamna gleichzeitig Sohn und Gatte Ix Chels ist, lässt an den heidnisch-naturreligiösen Jahreskreis erinnern: Göttin und Gott halten Hochzeit, sie gebiert einen Sohn, mit dem sie im nächsten Jahr wiederum Hochzeit hält. Sie ist die Immerwährende (die Jungfer, die Mutter, die Alte/die Tödin), während ihr Sohngemahl durch seinen Tod und Wiedergeburt das Leben am Leben erhält.

Unbestimmten Quellen zufolge lag Ix Chel im ewigen Streit mit der Sonne, obwohl beide einander doch liebten. Im Zorn befahl die Sonne Ix Chel, den Himmel zu verlassen. Fortan war sie tagsüber nicht mehr zu sehen.
Diese Legende könnte ein Hinweis zur Untermauerung meiner These sein, dass eigentlich Ix Chel die Weltenschöpferin der Mayas war. Die Sonne als Repräsentant des Männlichen, der Mond des Weiblichen. Ob sie sich um den Status des Schöpfers gestritten haben? Welche der beiden hat denn nun alles erschaffen? Die Frau, was eine naheliegende Annahme ist, da sie ja die Gebärende ist, oder der Mann, der durch seinen Samen schließlich auch seinen Teil beigetragen hat? Der Streit endet damit, dass die Sonne den Mond verbannt. In die Nacht, in die Dunkelheit, wo sie, die Mondin, fortan dank der Gnade seines Glanzes der Nacht ein bisschen Licht spenden darf. Vielleicht sollten wir öfter einmal dran denken, dass es die Sonne ist, die die Mondin anstrahlt, sie ins Rampenlicht inmitten der Dunkelheit stellt. Dieser Blickwinkel ist sicher einiger Überlegungen wert.

Verschiedentlich wird Ix Chel auch als Göttin der Heilkunst bezeichnet, ihre Pflanze ist die Ringelblume. In Amy S. Marashinskys Göttinnen-Geflüster wird ihr die Kreativität zugeordnet, sowie das Spinnennetz als weiteres Attribut. Eine Ähnlichkeit zur keltischen Brigid ist erkennbar. Da sie oftmals mit einem Krug oder Kessel abgebildet wird, kann auch eine Verbindung zur Tarotkarte des XVII - Sterns gesehen werden (insbesondere des Crowley-Harris-Decks), sowie - in der Form der Alten - zu Cerridwen. Mit letzterer hat sie noch etwas - wenn auch ungesicherten Quellen zufolge - gemein: beiden ist als Feiertag der 20.6. (Sommersonnwende?) zugeordnet.

Neben Nike ist sie die zweite Göttin, die heutzutage eher mit Turnschuhen bzw. Sportkleidung in Zusammenhang gebracht wird. Und genau so trat Ix Chel (wieder) in mein Leben: in der Trambahn steckte jemand in ihren Schuhen.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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