Zauberweibs Gewerkel

Gewerkeltes, Vorgestelltes, Spirituelles, Schnurgeliges :)

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Samstag, 19 Januar, 2008

Zauberspruch

Hier erzähle ich ein bisschen was übers Sprüche-klopfen bzw. - wenn dieser Ausdruck besser gefällt - Reime-schmieden. Das Erstellen von Zaubersprüchen ist echte Handwerkskunst, da wie bei einer Perlenkette jeder Buchstabe mühsam einzeln aufgereiht und ins richtige Muster gesetzt werden muss. Dass im Englischen "to spell" also Buchstabieren, "spell" hingegen Zauberspruch heißt, ist demzufolge kein Zufall, sondern logische Absicht.

Es gibt verschiedene Arten von Zaubersprüchen, die offensichtlichste Unterscheidung ist die in verständliche und unverständliche Sprüche. Aus verständlichen Gründen will ich hier mehr auf die verständlichen Sprüche eingehen und die unverständlichen außen vor lassen.

Zaubersprüche zu verschlüsseln macht zuweilen Sinn, wenn eine einen Zauber wirken möchte, aber nicht will, dass jede sofort erkennt, dass es sich hierbei um einen Zauber handelt. Wie eine einen fertigen (lesbaren) Spruch im nachhinein codiert, darauf gehe ich später noch etwas ein. Doch zunächst mal die Frage:

Was ist ein Zauberspruch?

Ein Zauberspruch ist eine Aneinanderreihung von Lauten mit dem Willen, die in diesen Lauten enthaltene Absicht zu verwirklichen. Gehört der Satz "Ich will ein Eis!" dann auch schon zu den Zaubersprüchen? Nein, behaupte ich. Ganz einfach deshalb, da diese Worte in aller Regel an eine bestimmte Person gerichtet werden, von der eine "weiß" (oder doch wenigstens vermutet) dass sie einer diesen Wunsch erfüllen kann. Eis gibts im Sommer praktisch an jeder Straßenecke zu kaufen, hierzu Magie aufzuwenden wäre mehr als töricht - Magie lässt sich nämlich nicht verar...lbern. Da ein Eis also etwas ist, das in aller Regel schnell und einfach zu bekommen ist, braucht hierfür keine Magie angewandt werden. Anders sieht es z.B. beim Parkplatzzauber aus. Denn Parkplätze sind normalerweise nie da, wenn eine mal wirklich einen braucht. Also nicht nur die bloße Faulheit es eine hoffen lässt, einen Parklatz direkt vor der Ladentür zu bekommen, sondern wenn eine z.B. etwas Schweres zu tragen hat. In diesem Fall ist es durchaus gerechtfertigt, einen Zauberspruch anzuwenden. zum Beispiel:

Einen Parkplatz nur für mich
wünsch ich mir - drum find ich dich!

Probiers ruhig aus, du wirst sehen, es funktioniert. An diesem Beispiel sieht eine schon eine Eigenschaft, die ein Zauberspruch normalerweise hat: er reimt sich. Es ist keine Bedingung dafür, dass er auch funktioniert - ein guter Spruch funktioniert auch ungereimt, keine Frage! Dennoch prägt sich etwas Gereimtes doch besser ein als Ungereimtes und auch des besseren Rhythmus wegen ist die Reimform doch der freien Form vorzuziehen. Dass es keine geistig hochtrabenden, noch nicht mal besonders tiefsinnige Sprüche sein müssen, zeigt das Beispiel übrigens auch sehr deutlich.

Der Spruch muss auf jeden Fall die Absicht enthalten, das Ziel, das eine damit eben erreichen / bezwecken will. Dabei ist es wichtig, sehr konkret zu sein. Den Spruch "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen - sie könnten in Erfüllung gehen!" möchte ich hier jeder dringendst ans Herz legen. Wenn du eine absolut nicht leiden kannst, ist es ethisch nicht korrekt, dieser Person irgendwelche Krankheiten anzuzaubern. Diese Person in Urlaub nach Indien zu schicken, muss aber auch nicht sein - genau das kann jedoch passieren, wenn du eine dorthin wünschst, wo der Pfeffer wächst. Das alles hört sich vielleicht recht lustig an, doch es ist wirklich ernst. Zu beachten ist, dass Emotionen als Verstärker wirken. Du kannst eine regelrecht verfluchen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand einen entsprechenden "Fluch" gegen diese Person ausstößt.

Als Faustregel gilt: Soviel wie nötig - sowenig wie möglich. Dies entspricht dem Gesetz der Effizienz, einem der 4 Grundgesetze indianischer Naturreligion.
Im Falle des Parkplatzzaubers ist das noch sehr einfach, da eine ja genau weiß, was sie will. Nur allzuoft neigen wir Menschen jedoch dazu, zu wissen, was wir nicht wollen. Und hieraus ergibt sich dann ein Problem: denn das Wörtchen "nicht" existiert nicht. Es existiert in der sogenannten "Realität", doch kein Naturgesetz (egal ob wissenschaftlich oder okkult) kennt das Wörtchen "nicht". Sich zu wünschen, nicht durchzufallen ist also gleichbedeutend mit dem Wunsch, die Prüfung wiederholen zu wollen. Falsche Bescheidenheit ist hier wirklich nicht angebracht. Wenn dann sollte der Wunsch korrekterweise also lauten "die (morgige) Prüfung zu bestehen" - Zeit- bzw. Datumsangaben sind sehr nützlich, denn Zaubersprüche beruhen auf der Macht des Wortes, das heißt, sie werden von der Einen Kraft wörtlich genommen. Wenn die "Bestellung" also ankommt und es ist dort nur was von "ich will die Prüfung schaffen" angegeben, dann kanns passieren (muss nicht, aber kann), dass der Wunsch erst mal nach hinten gelegt wird, da keine Prioritätsstufe enthalten ist.

Ich schaff die Prüfung, hört die Kunde,
morgen in der ersten Stunde

So könnte ein korrekter Prüfungsbestehungszauberspruch aussehen. Es gibt hierbei keine vorgefertigten Sprüche, die nur so und nicht anders wirken. Natürlich kannst du "fremde" Sprüche 1:1 übernehmen, wenn sie dir so richtig und passend erscheinen. Warum das Rad neu erfinden? Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Zauberspruch umso besser wirkt, je mehr Energie eine hineinlegt. Und schon beim Erstellen eines Spruches wird viel von dieser Energie in diesen Spruch mit hineinverwoben. Es ist wie beim Stricken; die Socken, die meine Mam strickt, sind die wärmsten, denn wenn sie strickt, glühen die Nadeln (nein, sie glühen nicht wirklich, aber sie werden sehr, sehr warm, um nicht zu sagen: heiß) - und diese Wärme strickt sie da irgendwie mit rein. Ähnlich verhält es sich mit den Zaubersprüchen (und eigentlich jeder magischen Arbeit). Ein Spruch, den du selber erstellst, hört sich vermutlich auch ganz anders an, als einer, den ich erstelle. Jede hat so ihre eigenen Sprachgewohnheiten, Rhythmen, die natürlich in den Spruch ebenfalls mit einfließen. Durch die Arbeit an und mit dem Spruch wird er ein Teil von dir. Indem du ihn dann ("naggich" oder in ein kleines Ritual eingebunden) entsendest, gibt du damit auch einen kleinen Teil von dir mit ab. Das ist deine Gegenleistung, dein "Geben" dafür, dass du durch den Spruch ja etwas "nehmen" also bekommen, willst.

Fassen wir nochmal kurz zusammen:

Von Vorteil ist es, den Spruch auswendig zu können, insbesondere wenn er in ein Ritual eingebunden werden soll.

Da es in hier ja eher um Worte geht, betrachten wir das Problem der Reimform nochmals etwas näher. Zunächst mal muss es keine akkurate Reimform sein, es reicht, wenn die Worte gleichlauten. So zählt z.B. "Wille" durchaus als Reim auf "fühle", ungeachtet dessen, dass sich der einen oder anderen Deutschlehrerin dabei die Zehennägel hochrollen. Ob sich die Zeilen 1-2 3-4 oder 1-3 2-4 reimen, bleibt deiner Fantasie überlassen. Alles was irgendwie einen guten Rhythmus hat und einigermaßen gleich klingt, gilt für unsere Zwecke als Reim. Schließlich will eine mit einem Zauberspruch ja etwas Konkretes bewirken, eine willentliche Beeinflussung der Realität durchführen - und keinen Literaturpreis gewinnen!

Was aber, wenn dir auf Biegen und Brechen kein Reim einfällt? (Außer vielleicht "im Liegen verrecken" - aber wer will das schon?)
Nein, im Ernst, es gibt da einen einfachen, wirkungsvollen und legitimen Trick. Wie gesagt, sollen (können/dürfen) Zaubersprüche ja sehr einfach sein. Das bedeutet, in den meisten Fällen reicht ein einfacher Zweizeiler vollkommen aus. Die eine Zeile mit dem Wunsch/Anliegen hat eine ja vermutlich schnell parat, doch woher kriegt eine einen Reim? Das wird manchmal dann doch zum Problem. Des Rätsels Lösung: Das Pferd von hinten aufzäumen.
Drehen wir also den Spieß einfach um und nehmen uns eine Zeile als Basis her, auf der wir dann den Spruch aufbauen. Eine Zeile, die geläufig und einprägsam und im Idealfall durch Permutation auch noch wandelbar ist. Da der Reim an sich nicht zwingend Sinn machen muss (solange er das Anliegen selber nicht verfälscht), ist es eigentlich naheliegend, das zu verwenden, was eine eh schon parat hat.
Wie wäre es also mit:

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Süden, Westen, Norden, Osten.

Stäbe, Kelche, Münzen, Schwerter

Diese Begriffe sind jeweils Synonyme, das bedeutet, welche sich die vier Himmelsrichtungen merken kann, weiß automatisch auch die 4 Elemente und die 4 Sätze der kleinen Arkana. Somit hat eine durch das eine "Werkzeug" - z.B. die Elemente - eigentlich gleich 3 bei der Hand. Die Elemente haben den Vorteil, dass sie unterschiedliche Endungen haben, was bedeutet, dass durch diese eine Zeile durch Permutation bereits 4 Möglichkeiten für Reime offenstehen, also z.B. Feuer-teuer ; Wasser-Aufpasser ; Erde-werde ; Luft-musst.

Die Himmelsrichtungen sind zwar zunächst gleichendend, jedoch kann eine das "-en" am Ende ja durchaus weglassen, bzw. den Gebrauch dieser "-en"s variieren, wodurch auch der Rhythmus viel flexibler wird. Und in dieser verkürzten Form sind es dann auch wieder unterschiedliche Endungen. Beispiele: Süd-lieb ; West-Rest ; Nord-fort ; Osten-kosten.

Bei den Sätzen der Arkana kann eine durch Mehr- bzw. Einzahl wiederum variieren und natürlich wieder durch Permutation. Beispiele: Stäbe-gäbe ; Kelch-Held ; Münze-Linse (oder: Scheibe-bleibe) ; Schwert-begehrt.
Somit stehen auf einen Schlag eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Das "Werkzeug" ist selbst der blutigsten Anfängerin sehr schnell geläufig, so dass sich das Auswendiglernen von Zaupersprüchen schon bald erledigt haben wird. Denn mit ein bisschen Übung wird eine sehr bald in der Lage sein, sie aus dem Ärmel zu schütteln.

Zum Abschluss noch ein paar Anregungen:

Norden, Süden, Westen, Osten
ich will warmen Frühling kosten

Stab und Münze, Kelch und Schwert
ich bin heute sehr begehrt

Wasser, Erde, Luft und Feuer
ich verkauf mein Auto teuer

Westen, Osten, Norden, Süden
sprich zu mir nur frei von Lügen

Kelch und Münze, Schwert und Stab
mit Streit und Zank solls gehn bergab

Erde, Feuer, Wasser, Luft
Liebe füllt die tiefste Kluft

Zauberweib am Samstag, 19 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Sonntag, 20 Januar, 2008

Über Runen

Literaturtipps: (Links verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Engelhardt, Ulrike: Kleines Runenhandbuch : Einführung in praktische Runenarbeit - die Ausführungen dieser Seiten und viel weiteres Wissenswertes rund um Runen habe ich in diesem Buch zusammengefasst. [Es ist mittlerweile im Buchhandel nicht mehr lieferbar. Bei Interesse verschicke ich gerne einen ungebundenen Manuskript-Ausdruck. Billiger wirds jedoch nicht; für Druck, Porto und Zeit verlange ich 10,-. Bitte über info ätt zauberweib de Kontakt aufnehmen.]

Gardenstone: Germanische Magie - bereits in der 3. Auflage. Trotz des Preises ein Standardwerk aus traditionellmagischer Sicht.

Meadows, Kenneth: Runen, die magische Kraft - untersucht und beleuchtet die Runen aus schamanischer Sicht. Nicht unbedingt als Einstieg zu empfehlen (es sei denn ma kommt aus der schamanischen Richtung) aber weiterführend auf jeden Fall lesenswert!

Aswynn, Freya: Die Blätter von Yggdrasil - Die Frau geht ihren eigenen Weg zu den Runen und zeigt ihn hier auf. Es zeigt sich, dass sie schon viel Erfahrung und Praxiswissen über die Runen verfügt und nimmt die Leserin bei der Hand. Sie hat mir viele neue Anregungen gegeben, wenn ich auch mit vielen ihrer Zuordnungen nicht einverstanden bin. Aber das muss schließlich jedeR für sich selber herausfinden :)

Warneck, Igor: Runen-Welten - Ein wirklich tolles Buch für Anfänger und Einsteiger. Man merkt, dass der Autor 100% hinter jeden Wort steht, das er schreibt, dass hierin sein Herzblut liegt. Leider trifft dies auf seine anderen Runenbücher nicht unbedingt zu; der Verlag war wohl so vom Erfolg dieses Werkes angetan, dass Igor noch weitere Bücher abgepresst wurden. In entsprechend magerer Qualität. Für Intressierte und Neulinge ist aber dieses Buch das Beste, das ich kenne.

Inanna: Runenbuch für Frauen - Noch ein Buch eher für Anfängerinnen, mit einem wundervoll intuitivem Ansatz. Es gibt den Mut, die Bedeutungen in einer selber zu finden.

Runen - eine kurze Vorstellung

pdf, 12 Seiten

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Fraa Holln

Es woramol a Fraa, dey hod zwaa Madli ghobd. Eichndli blous aans, des annere woa vo iam zweidn Moo, oba der issara aa gschdorm, woscheinli, walls imma su biesgurad woa. Jednfalls hods im hald vaschbrochn, dass af sei glanne aa mid obachdbassd, sunsd hädda eh ka rou ned gehm.

Ez woa des domols ja alles ned su afach wey ba uns heid, wousd afs sozialamd geysd, dou wennsd nix ghobd hosd nou hosd hald nix ghobd. Weysd zrechdkumma bisd - mei, dou hasd di hald umschaua meyn.

Aa wenn ez dey Fraa mid ihre zwaa madli nix ghobd hod, houdsasis doch gmeydli gmachd su goud weys ganga is. Es Madla vom Moo hods a weng rumschigganiad, und ia eichene, des Louda, hod des nadiali glei herassn ghobd, dass di Mudda imma zu ira häld, und di anda imma di bleyde is. Wey da Herr, su es Gscherr...

Des Madla vom Moo hod imma alls afbuggld greychd, obba es hods imma alls gmachd. Im Summa woas amol drassn ghoggd und had gschbunna - naa, as wolln an foodn gmachd, nadiali - dou hodsasi vua lauda schiggdiloumiaamid gschniedn, und alls af den scheena neichn foodn draffbloud. Mei, hodsasi dengd, dou werds widda bleygn, dou schaui gscheida, dassi des im Brunna dou owaschn ko. Ez woa ja da Brunna aa ned bis omahi vull, dou hodsasi scho a weng noobeing meyn, und wallsasi hald scho a weng gschdelld hod, issara di Schbindl in Brunna noogflung. A sua woa. Des brauchds da Beissn goa ned soong, dass di Schbindl valuan hod. Alsu wos sollsn machn, es arme Madla: Is hindahea gschbrunga, ins kalde Wassa nei. Nou issara öschd schwaz wonn vua di Aung, und weys widda afgwachd is, woas af annara Wiesn gleng, Sunna had gschiena - grod schey woas.

Wou binni nou eza hikumma, hodsasi gfroochd, is afgschdanna und hodsi öschd amol aweng umgschaud.
"A ge her, Madla, wennsd scho dou bisd, mogsd mi ned aweng huddsn? Sixdas, meini Ebfl sin scho dodal reif und meyn roo - mogstmas ned rooschiddln?" Es Madla hod si umgschaud - dou hod echd a Abflbaam middara gred. Obba der woa wergli gscheid vulla Ebfl, su richdi schey roud woans scho, wey assm Bildabouch. Drum is hie und hodnan gschiddld, und die Ebfl sin blous a su rookullerd. Nou hodsas alle aweng afananda gschlichd, da Baam hod nu dangschey gsachd und ira a boa ebfl in di daschn gschdeggd, und nou is es Madla weidaganga.

"Mei Broud vabrennd. Gey Madla, doumas doch bidde raus, des is ja nemma zum aushaldn!" Ez hodsasi scho goanemma gwundad, dass dou a Bagguufm middn im Weech schdeyd und dass der aa mid ira redd. Des hod abba goud grochn des Broud. A Scheyba woa aa daneem gschdanna, nou hods hald des broud assm Uufm raus und hods danem afd Wiesn zum ooküln glechd. Da Uufm hod dangschey gschachd, im Madla a Laibla ind Hend driggd und nou is weida ganga.

Zmol kummd a Heisla, goa ned mol su glaa, schaud dou a olds Middala raus, rechd greisli hods ausgschaud, obba noch am Bagguufm und am Baam, dey wou redn denna, hods des aa nemma daschreggd.

"Na Madla, iech hob da weng zougschaud. Schdellsd di goaned bleyd oo, su anne wey diech kenndi braung. Bin ja aa nemma di jingsd, kennsd ma weng helfn im Heisla - mogsd ned?" Hods gsachd, di Ald, weys rausgschaud hod. Nojo, dengd si es Madla, warum ner ned, wos annerschd hobbi eh ned vua - wassi jo nedamal woui dou bin.
Di alde Fraa woa di Fraa Holle. Und is Madla hodara gholfn, wous ner ganga is. Dafia hodara die Ald aa a weng wos beibrachd, hodara erklärt, wos alles fia Greida gidd und zu wos mas hernemma ko, wey ma in bestn Hollerkoung baggd und lauda su a woa em. Di zwaa ham an haffn Erbad, obba aa an gscheidn Schbass middananda ghobd. Im Winda woas es schensde fia es Madla, wenns die Beddn asgschiddld hod. Wall nou hods ja afda Erdn gschnia.

Obba su schey wey des alles aa woa, erchadwenn hods hald scho widda hamgwolld, es Madla. Aa wennsara ba da Aldn Fraa hundadmol bessa ganga is als wey bada Schdiefmudda und ira Drudschn, Derham is hald doch derham. Und wall die Fraa Holle ja aa ned afda Brennsubbn dahergschwumma is, hods des aa ball gmergd, wos middm Madla lous is.
"Mogsd ham, hä? Ge her, i bring di widda noo. Woa schey, dass dou woasd und hamma a scheene Zeid ghobd. Dengsd hald amol aweng an miech." Nou homsasi nummal gscheid driggd und afamol woa es Madla unda am Dirla gschdanna. Weys durch is, hod des Gold roogrengd, wos ganga is, alle Daschn homs sie audomadisch vullgfilld und a su is nou hamkumma. Sugoa di Schbindl hods mid hambrachd.

Di Biesguan und ir Glanne sin nadiali ausgflibbd weys des gseng hom, und bis ins glennsde hods des alles derzöln meyn, wey des a su kumma is. Und woa ja gloa, dass des glaa Louda des aa a su homwolld. Also is aa in Brunna neighubfd, is dann aa af dera Wiesn widda afgwachd, und is lousgrennd, zum Heisla vo da Holle hie. In Abflbaam und in Bagguufm hods lings lieng loun, "fia suwos hobbi ka Zeid, kenndami ja an Schpiess neirenna odda die Finga vabrenna, dou meisda eich scho a andere Dumme soung, iech mou zunda Holle!"

Und weys bam Heisla ookumma is, is dann aa widda es Sprichla vo da Holle kumme, und in dem Momend hods es Louda gwies aa nu wergli gmaand, weys gsachd hod, dass der Aldn helfn mooch. Hod am öschd Dooch aa subba glabbd. Ned su goud wey mim andan Madla, obba sen hald aa ned alle gleich. Am zweidn Dooch woas scho nemma so goud und am driddn is vur elfa scho goa ned öschd afgschdanna. Des hod si di Holle nu a boa Dooch ogschaud, nou hods gmand "Wassd Madla, eichndli hasd ma scho gnouch gholfm, mogsd ned widda ham? Ge her, i bring di noo!" Na subba, freid sie es Louda, des geyd ja nu bessa als weyi gmaand hob, und schdeyd aa schon undam Dirla. Und weys drunda durchgeyd und si scho affn Goldreng freid - alles vulla Beech. Des babbade Zeich. Und nix mim Gold. Und nix is wechganga. Es ganze Dorf is zammkumma und hods ausglachd, weys a su hamkumma is und ia Mudda hodsi gschemd bis sunsdwouhie. Mey, des Louda is wergli zu bleyd fia alles. Blous goud, dass i nu es Madla vo meim Moo hob...
Und wenns ned gschdorm sin, nou lems heid nu. Die aa vuller Gold. Die anda vuller Beech.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Symbolik

Die Welt ist voller Symbole. Wir sind so sehr von ihnen umgeben, dass wir sie vielfach gar nicht mehr als solche wahrnehmen: Verkehrszeichen sind Symbole. Länder- und Familienwappen sind Symbole. Kreuz, Mond, Daivdsstern, Pentagramm sind Symbole, Firmenlogos sind Symbole.

Symbole sind dazu da, Wissen zu schützen UND weiterzugeben, über Raum und Zeit hinweg. Suche dir ruhig deine eigenen Symbole aus und arbeite damit.

Symbole lassen sich dazu verwenden, zu kommunizieren. Ich habe keine Ahnung, was Mond auf Balinesisch heißt, doch die Mondsichel wird eine Balinesin erkennen.

Symbole müssen also entschlüsselt werden. Ein sehr gut erforschter Teilbereich davon ist die Traumdeutung. Im Traum "spricht" unser Unterbewusstes zu uns, und es bedient sich der Bildersprache. Dabei sind grob zwei Traumarten zu unterscheiden: welche, die das aktuelle Tagesgeschehen verarbeiten, und solche, die tiefer gehen. Oft alte Wunden oder Sehnsüchte ansprechen.

Ein anderer, inzwischen weit verbreiteter Ansatz, ist die Märchensymbolik. Denn Märchen sind unsere Geschichtsbücher. Herstory statt History. Viele der Symbole sind uns heute nicht mehr direkt zugänglich, doch gerade in einer Gruppe von Frauen kann freies Assoziieren helfen, diese tiefen Schichten wieder offenzulegen. Zusammenhänge wieder zu entdecken.

Diesen Ansatz macht sich u.a. auch das Reclaiming zunutze. Darunter verstehe ich (auch hier in diesem Zusammenhang) das Wiederentdecken unserer Symbole, Mythen und Weisheiten. Rüttner-Cova hat das in ihrem Buch wundervoll aufgezeigt, was alles drin steckt, was frau demnach alles hervorbringen kann. Es ist eine völlig andere als die "übliche" Herangehensweise an etwas und kann mE durchaus in andere Lebensbereiche übertragen werden. Für alle, die ich jetzt neugierig gemacht habe und/oder mehr dazu wissen möchten, gibt es unten Buchtipps und Links.

Wie du an Symbole herangehst, ob du das überhaupt tust, musst du selber herausfinden. Gut ist es, dir erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Weiter ist wichtig, dass du herausfindest, was ein Symbol dir bedeutet, was es dir zu sagen hat. Dazu ist es gut, wenn du auf deinen Bauch hörst, aber auch auf alle seltsamen Zufälle achtest, die dir begegnet. Das alles kann dir helfen, deinen Zugang zur Symbolik zu finden und zu deuten.

Ganz wichtig finde ich aber auch den kreativen Austausch mit anderen Frauen. Gerade im Gespräch ergeben sich oft neue Ansätze, Ideen, Verknüpfungen. Und nebenbei wird damit direkt an Weiberkraft gewoben :)

Literaturtipps:

Starhawk: die 12 wilden Schwäne Eine Reise ins Reich der Magie. Rituale, Übungen, Anrufungen - wohl das bekannteste Werk zum Thema Reclaiming, nicht zuletzt wegen der berühmten Autorin. Am Beispiel des Märchens "die 12 wilden Schwäne" wird auf verschiedenen Wegen die Symbolik beleuchtet. Es ist ein praktisches Arbeitsbuch, anhand dessen jede gleich einsteigen kann.

Rüttner-Cova, Sonja: die gestürzte Göttin Spuren des Matriarchats in Märchen und Mythen - hier geht es direkter ums Entschlüsseln und Umsetzen, was das für die einzelne Frau und die Frau in ihrer Gesamtheit bedeutet. Die Idee ist dieselbe, der Ansatz noch viel einfacher als beim Obengenannten.

Linktipp:

reclaiming.org die englischsprachige Homepage, die alles Wissenswerte zum Thema enthält. Ja, auch Reclaiming kommt aus Amiland. Immerhin ein Beispiel dafür, dass nicht alles schlecht ist, was von dort rüberschwappt ;-)

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram, Vorgestelltes
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Der rote Faden

Weißt du, eigentlich war alles ganz anders. Kein Wunder, dass wir in der Geschichtsschreibung fehlen. Weil etwas aufzuschreiben die männliche Art des Denkens ist. Wir erzählen lieber. Und wenn sich eine Geschichte dabei im Lauf der Jahrhunderte verändert - welche kümmert es. Hauptsache ist doch, dass wir die Geschichten verstehen. Und aus diesem Verständnis heraus weitererzählen können. Was intressiert es da schon, ob eine Geschichte mit historischen Fakten übereinstimmt?

Das Dumme an der Geschichte ist - dass wir totgeschwiegen wurden. Das hatten wir wohl nicht so recht bedacht. Und uns in mancherlei Hinsicht unterkriegen lassen. Vordergründig. Wir haben verlernt zu erzählen. Und wir haben verlernt zuzuhören. So haben wir uns verloren: uns selber und einander. Doch da alles im Leben zyklisch aufgebaut ist, ist es nur logisch, dass unsere Zeit wieder gekommen ist. Dennoch ging eine Menge verloren. Aber das macht nichts, nicht wirklich, denn im Erfinden waren wir schon immer brilliant.
Und im modifizieren.
Deshalb kannst du diese Geschichte hier auch lesen - und bekommst sie nicht, wie eigentlich üblich, erzählt. Du musst sie nur verstehen. Ob sie durch deine Augen oder durch deine Ohren in dein Herz gedrungen ist, ist dabei weniger von Bedeutung. Und du darfst es dir nicht so leicht machen, sie einfach zu kopieren.
Die Mühe des Erzählens müssen wir uns schon machen. Wie will eine Geschichte sonst lebendig bleiben? Sei kreativ, es muss ja nicht nur ein Nacherzählen sein: du kannst die Geschichte auch weiterspinnen. Mach es einfach, wie es dir richtig erscheint. Dann ist es auch richtig.

So und jetzt komm ein bisschen näher an der Kreis, setz dich auf deinen Blutstein und höre die Geschichte dieser Höhle, die auch die Geschichte der Weiber ist. Und auch deine, denn nun bist du mittendrin.

Diese Höhle hier gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten... aus ihr wurde der gähnende Abgrund des Nichts geboren, aus dem alles entstanden ist. Und seit es uns Frauen gibt, kommen wir hierher, alle heilige Zeit und erzählen und lachen und machen verrückte Erfindungen und lassen unser Blut zusammen fließen. Jede, die hierher kommt, kriegt ihren eigenen Platz, ihren Blutstein. Dort wird sie fortan immer sitzen, wenn sie blutet; in dünnen oder breiten Rinnsalen läuft es zur Mitte in den Kreis.
Über die Jahrtausende hat sich ein bleibendes Muster der Blutwege gebildet, manches verblasst, neues kommt hinzu. Es ist ein unendliches Netz des Lebens, der Leidenschaft, der Liebe und der Kraft.
In der Mitte rinnt alles durch ein kleines Loch - siehst du es? Doch das Blut verschwindet nicht einfach darunter, sondern es läuft weiter, es reinigt sich selbst und lädt sich auf. Gibt Nährstoffe ab und sammelt andere auf. Durchdringt die Erde, das Wasser und erfüllt Pflanzen und Bäume bis es an der Luft verdunstet und wir es wieder einatmen. Stell es dir vor, welche Wege das Blut nimmt, wo es überall hinkommt - und wie wir dadurch wirklich und wahrhaftig alle miteinander und mit allem verbunden sind.

Doch denke nicht, dass nur wir unser Blut an die Erde zurück geben, auch die Männer tun dies. Allerdings eher auf Schlachtfeldern. Im Streit und im Hass. In Neid und Gier. Auch dies ist nötig, versteh mich bitte nicht falsch. Aber wir sind aus dem Gleichgewicht gekommen. Es ist ein guter Weg zu versuchen, dass die Männer freundlicher zu einander werden und es weniger Blutvergießen gibt. Unbedingt erforderlich ist es aber, dass vor allem wir selber wieder unser Blut der Erde schenken, es der Großen Göttin zu Ehren opfern.
Aus welchen Gründen auch immer - und mögen die Ausreden noch so gut sein - bedenke bitte immer dies: WIR haben aufgehört, zusammen zu bluten und zu weben. Deshalb können auch nur wir selber an der Situation etwas ändern.

Spürst du die Stärke? Fühlst du die Verbundenheit? Schau dir genau das Muster an, das unsere Blutfäden weben. Du bist dabei, du bist ein Teil davon, webst dieses Muster mit, bindest deine Leidenschaft mit ein.
Es geht nicht darum, immer stark zu sein - was bedeutet das schon? Deine Grenzen zu erkennen und um Hilfe zu bitten, ist schließlich auch eine Stärke. Denke daran, dass alles was du wahrnimmst, ein Teil deiner Kraft ist. Sie beschreibt, sie bewirkt und sie verändert. Deine Wahrnehmung nährt dein Blut. Und durch dein Blut bist du mit allem verbunden. Mit allem, was war, ist, und sein wird.

Hier in dieser Höhle wurde der erste Funke geschlagen. Hier haben wir das Feuer entfacht. Es brannte lange lange Zeit nur hier drinnen. Kannst du dir das vorstellen? Dieses Gefühl, gleich einem Blitz, gleich dem Vulkan, Feuer hervorbringen zu können? Diese Freude, dass es immer und immer wieder funktionierte. Welchen Spaß wir hatten, als wir uns gegenseitig verschiedene Techniken beibrachten. Stein auf Stein. Holz auf Holz. Trockenes Gras und altes Fell. Wir froren und wir wollten Licht. Die Göttin schenkte uns die Fähigkeit des Feuermachens. Für dieses große Geschenk waren wir mehr als dankbar. Wir schufen die Göttin des Feuers, um die Göttin auf diese Art ganz besonders zu Ehren. Und wir achten auf die Flamme. Das Feuer, das dort hinten brennt, ist hundertausend Jahre alt. Es hat alle Generationen von Frauen gesehen. In ihm haben wir das erste Fleisch gebraten. Und der Göttin zu Ehren verspeist.

Es war diese Höhle, in der wir die erste Spindel schufen. Und gleich danach den Webstuhl. Wir sind auf die Idee des Mahlens gekommen. Haben den Mühlstein erschaffen und das erste Brot gebacken. Auch wenn dies noch verbrannt war, wussten wir damit doch wenigstens, dass wir einen Ofen brauchten. Also bauten wir einen Ofen.
Die Männer staunen noch immer - selbst heute noch - mit welchen Ideen wir aus der Höhle zurück kommen. Ideen, die sie durch Niederschrift an sich gerissen haben. Sich zu eigen gemacht haben. Oder hast du dich noch nie gefragt, weshalb sie immer "Beweise" fordern? Sie verlangen nach einer schriftlichen Bestätigung. Wohl wissend, dass die Schriften ihnen Recht geben werden. Da sie sie geschrieben haben. Um uns zu entmachten.

Doch wir können uns rückbesinnen, uns wiederfinden. Zusammen finden, erinnern. Bruchstücke neu erzählen und zusammenweben. Mythen neu erschaffen. Unserer Kraft Ausdruck verleihen. Was kümmert es uns, wenn die Männer ihre Beweise fordern und uns belächeln, weil wir sie nicht bringen können? Wir wollen sie gar nicht bringen, denn unsere Geschichten sind wahr - würden sie sonst existieren? Lassen wir uns nicht länger beirren und weben unser Netz. Flicken wir die losen Enden wieder aneinander. Und weben neue Fäden ein, wo alte unwiederbringlich ausgerissen und verbrannt sind. Es liegt in unserer Hand. In deiner und meiner. Wir sind die Schöpfung, wir sind die Göttin in ihrer irdischen Erscheinung. Wir haben alle Kraft die wir brauchen.

Wenn du für dieses Mal aufhörst zu bluten, hol dir dort hinten einen dieser roten Steine aus dem Felsen. Such dir den aus, der dir am besten gefällt. Und mach dir keine Gedanken, ob der nun zu groß oder zu klein oder zu sonstwas ist. Nimm einfach den, der dir passt. Ja, das sind Rubine. Eine regelrechte Ader. Und du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass diese irgendwann versiegen würde. Denn erstens ist diese Höhle für Männer tabu. Und zweitens wird es Rubine geben, solange es blutende Frauen gibt. Das Blut unserer Ahninnen hat sich darin verewigt. Siehst du die Funken, den Schimmer, die Leidenschaft die dieser Stein ausstrahlt? All das ist auch in dir. Denn dieser Stein ist ein Teil von dir. Von uns.

Es ist noch längst nicht alles gesagt, es gibt noch so viel zu erzählen über die Höhle und über uns Frauen. Doch für heute bin ich müde, jede Geschichte muss ihr Ende haben. Diese hat ihr Ende in einem neuen Anfang. Ich gebe die Fackel der Ahnin weiter an dich - führe du die Geschichte fort...

Literaturtipps: (Links verweisen auf buecher.de - gewerbliches Angebot)

Gray, Miranda: Roter Mond Von der Kraft des weiblichen Zyklus - meine allerwärmste Empfehlung zu diesem Thema!

Blume, Judy: Die Regel eine herbeigeredete Krankheit - obwohl schon von 1985 (und derzeit leider nicht lieferbar) hat es doch bis heute volle Gültigkeit. Frau erfährt allerlei Wissenswertes und Wunderliches über die Regel und deren (auch gesellschaftlichen) Begleiterscheinungen. Ganz toll find ich hier den meditativen Zugang. Wenn dir das Buch also zufällig mal über den Weg läuft: zugreifen.

Northrup, Christiane: Frauenkörper, Frauenweisheit Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können - nicht ganz billig, dafür aber ein wiklich umfassendes Nachschlagewerk. Tipp: vielleicht gibt es das ja in deiner Bücherei zum Ausleihen.

Voss, Jutta: Das Schwarzmond-Tabu Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus - hier wirds historisch und mythologisch (was ja nicht wirklich trennbar ist. Nicht in einem weiblichen Universum). Die Autorin hat eine Unmenge zur Schweinegöttin zusammengetragen und dem damit im Zusammenhang stehenden Zyklus.

Linktipps:

Weil wir grad bei der Schweinegöttin sind: im gynozentrischen Knistern gibts eine wundervolle Abteilung wilde Säue.

rotermond.de darf an dieser Stelle natürlich keinesfalls fehlen. Neben Infos und Geschichten ist hier auch das bereits oben genannte Blutmond-Forum beheimatet.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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Ix Chel

(Dieser Artikel wurde erstmalig in der Ausgabe 16 (pdf) des Schlangengesangs veröffentlicht)

Ix Chel ist die mexikanische Mondgöttin. Sie ist zuständig für Fruchtbarkeit, Zyklus, Geburt - alle Frauenbelange. Außerdem ist sie die Schutzpatronin der Weberinnen sowie, einigen Quellen zufolge, sämtlicher Handwerksberufe. Als Mondgöttin ist sie auch eine Dreifache Göttin: sie wird sowohl als junge Frau, als auch als Mutter/Gebärende und weise Alte dargestellt. Auf ihrem Haupt thront eine Schlange, die durch ihre Häutungen Regeneration und Wiedergeburt symbolisiert. Ihr Gemahl wird als Kaninchen dargestellt.

Nach der Maya-Mythologie hat Ix Chel, die Göttin des Regenbogens, zusammen mit ihren Gemahl Itzamna alle Göttinnen und Götter des Pantheons geboren. Laut mexiko-lexikon.de ist dieser der Sohn von Hunab Ku. Schaut eine auf dessen Seite nach, erfährt sie, dass dieser der Weltenschöpfer der Maya war, einen Sohn, Itzamna, hatte und eine Ehefrau namens Ix Chel. Es drängt sich die Frage auf, ob wirklich Hunab Ku der Weltenschöpfer war, oder nicht doch Ix Chel - was naheliegender ist. Dass Itzamna gleichzeitig Sohn und Gatte Ix Chels ist, lässt an den heidnisch-naturreligiösen Jahreskreis erinnern: Göttin und Gott halten Hochzeit, sie gebiert einen Sohn, mit dem sie im nächsten Jahr wiederum Hochzeit hält. Sie ist die Immerwährende (die Jungfer, die Mutter, die Alte/die Tödin), während ihr Sohngemahl durch seinen Tod und Wiedergeburt das Leben am Leben erhält.

Unbestimmten Quellen zufolge lag Ix Chel im ewigen Streit mit der Sonne, obwohl beide einander doch liebten. Im Zorn befahl die Sonne Ix Chel, den Himmel zu verlassen. Fortan war sie tagsüber nicht mehr zu sehen.
Diese Legende könnte ein Hinweis zur Untermauerung meiner These sein, dass eigentlich Ix Chel die Weltenschöpferin der Mayas war. Die Sonne als Repräsentant des Männlichen, der Mond des Weiblichen. Ob sie sich um den Status des Schöpfers gestritten haben? Welche der beiden hat denn nun alles erschaffen? Die Frau, was eine naheliegende Annahme ist, da sie ja die Gebärende ist, oder der Mann, der durch seinen Samen schließlich auch seinen Teil beigetragen hat? Der Streit endet damit, dass die Sonne den Mond verbannt. In die Nacht, in die Dunkelheit, wo sie, die Mondin, fortan dank der Gnade seines Glanzes der Nacht ein bisschen Licht spenden darf. Vielleicht sollten wir öfter einmal dran denken, dass es die Sonne ist, die die Mondin anstrahlt, sie ins Rampenlicht inmitten der Dunkelheit stellt. Dieser Blickwinkel ist sicher einiger Überlegungen wert.

Verschiedentlich wird Ix Chel auch als Göttin der Heilkunst bezeichnet, ihre Pflanze ist die Ringelblume. In Amy S. Marashinskys Göttinnen-Geflüster wird ihr die Kreativität zugeordnet, sowie das Spinnennetz als weiteres Attribut. Eine Ähnlichkeit zur keltischen Brigid ist erkennbar. Da sie oftmals mit einem Krug oder Kessel abgebildet wird, kann auch eine Verbindung zur Tarotkarte des XVII - Sterns gesehen werden (insbesondere des Crowley-Harris-Decks), sowie - in der Form der Alten - zu Cerridwen. Mit letzterer hat sie noch etwas - wenn auch ungesicherten Quellen zufolge - gemein: beiden ist als Feiertag der 20.6. (Sommersonnwende?) zugeordnet.

Neben Nike ist sie die zweite Göttin, die heutzutage eher mit Turnschuhen bzw. Sportkleidung in Zusammenhang gebracht wird. Und genau so trat Ix Chel (wieder) in mein Leben: in der Trambahn steckte jemand in ihren Schuhen.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Heilung an und für sich

Das Buch, das mich in den letzten Monaten am meisten inspiriert hat, ist das heilende Bewusstsein von Joachim Faulstich.*) Er beschreibt Heilung als einen ganzheitlichen Prozess, der sich auf allen Ebenen des Seins abspielt und in logischer Konsequenz auch auf allen Ebenen angegangen werden kann. Er unterteilt folgende Bereiche:

1. Reparatur-Ebene (OP)
2. Ebene der Körperchemie (Medis)
3. Bewusstseins-Ebene ("Placebo-Effekt")
4. energetische Ebene (Handauflegen)
5. Quanten-Ebene (Fern-Reiki; vgl. a. morph. Felder)
6. Spiri-Ebene (Hilfe von Engeln, Geistern, Göttern)

Auf all diese Ebenen geht er ausführlich ein, unterlegt mit etlichen Beispielen. Dabei versucht er stets, das Thema vom "wissenschaftlichen Standpunkt" aus zu beleuchten, fernab von Eso-Spiri-Lichti-Blah. Ein wie ich finde gelungener Versuch, den eher "esoterisch" angehauchten Bereichen den Platz zuzuweisen, der ihnen zusteht. Schließlich gibt es inzwischen eine Vielzahl an Untersuchungen, die die Wirksamkeit von Reiki, Handauflegen, Engeln usw. belegen. Kritiker, die bei einer Erfolgsquote von vielleicht "nur" 70 % auf bloßen Zufall hinweisen, vergessen dabei gern, dass Medikamententests oft auch nicht wesentlich bessere Ergebnisse bringen - und dennoch zugelassen werden.

Besonders beeindruckt hat mich der Test mit den "Schein-OPs". Da wurden Patienten zur Knie-OP gebracht - aber nur ein Teil von ihnen wurde wirklich "repariert". Bei den anderen gab es nur Einstiche, damit alles so aussah, als ob. Und tatsächlich war die Heilungsquote der Nichtoperierten nur um weniges geringer als die der Operierten! (Die Probanten wussten natürlich im Voraus, auf was sie sich einließen.)

Faulstich betont, dass es keinen Allheilsweg gibt, sondern viele verschiedene Möglichkeiten zur Heilung. Die Kunst besteht darin, den für die Patientin besten Weg herauszufinden. Und so ist es letztlich auch ein Plädoyer für die Wichtigkeit des Vertrauensverhältnisses Arzt-Patient.

Nicht zuletzt aus diesem Grund also durchaus auch für Weißkittel lesenswert. Und vielleicht wird ja die eine oder andere dadurch angeregt, ihr Fachgebiet in Richtung "alternativer Heilmethoden" zu ergänzen bzw. das eigene Netzwerk um diese Bereiche zu erweitern.

Es ist kein Praxisbuch - wer sich konkrete Hilfe erhofft, wird hier nicht fündig. Aber es regt sehr zum Nachdenken an, den Begriff "Heilung" einmal völlig auseinander zu nehmen und neu aufzubauen. Ein Schritt in Richtung Heilungs- und damit auch Selbstverständnis.

*) Der Link geht zu buecher.de, einem gewerblichen Angebot.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Vorgestelltes
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Inanna

Mein Weg war von Anfang an vorgezeichnet. Man hatte mir von Anfang an beigebracht, dass ich vernünftig sein musste, brav sein musste, zu tun hätte, was man mir sagte, da ich schließlich eines Tages heiraten und meines Vaters Firma übernehmen werde.
Natürlich hatte ich alles von der Pike auf gelernt. Ich kannte jede Abteilung der Firma, wusste über alle Vorgänge genau Bescheid. Kannte alle MitarbeiterInnen, wusste, welche verliebt war oder schwanger, und wer seine Frau mit wem betrog. Mein Vater und später auch mein Mann belächelten mich für die Energie, die ich für solcherlei Informationen aufwandt, aber zugute kam es ihnen doch. Jedenfalls gab es kaum Probleme mit dem Personal - Welche Chefin wusste schon von jedem der über 200 Angestellten, wie er oder sie den Kaffee mochte?
Zur Hochzeit überschrieb mir Vater 49 % der Firma. Als er starb, bekam ich den Rest, mit der Auflage, meinen Mann zum Geschäftsführer zu machen und ich sollte als Präsidentin der Firma doch mehr den repräsentativen Aufgaben meine Zeit widmen. Und meinem Mann einen Sohn schenken, damit die Firma einen würdigen Nachfolger bekäme. Mein Vater hatte alles bedacht.

Meine Mutter starb schon als ich noch ziemlich klein war. Ich konnte mich kaum noch an sie erinnern. Mein Vater hatte mir damals gesagt, sie hätte Krebs. Und das würde bedeuten, dass etwas sie von innen auffressen würde.
Ich kam also unter die strenge Fittiche meines Vaters und wurde fortan als seine Nachfolgerin erzogen. Oder eher als die Frau seines Nachfolgers?
Jedenfalls hatte mich der Tod meines Vaters doch ein bisschen aus der Bahn geworfen. Zum ersten Mal war er nicht mehr da, um mir zu sagen, was ich tun sollte. Was richtig oder falsch war. Er hatte Vertrauen in meinen Mann und hatte keine Bedenken, dass er an meines Vaters statt fortan die richtigen Entscheidungen treffen würde. Aber ich fühlte diese Leere, die größer war als der Tod meines Vaters. So als hätte mein Vater all die Jahre ein Loch verdeckt, eine tiefe Wunde, die nun durch sein Verschwinden zum Vorschein gekommen war.

Als ich die Sachen von Vater auf den Speicher räumte, fand ich eine alte Kiste mit Spielsachen. Und plötzlich fiel es mir wieder ein. Sie fiel mir wieder ein: meine Schwester. Wie konnte ich sie nur vergessen haben? Eines Tages war sie weg. Es war ungefähr, als Mutter gestorben war. Vermutlich hatte Vater es mit uns beiden nicht ausgehalten. Und hatte sie weggegeben. Fragen konnte ich ihn jetzt auch nicht mehr. Ich erinnerte mich wieder an sie. Sie hatte vor nichts und niemanden Angst. Wo ich davonlief, griff sie an. Sie war nie pünktlich zu Hause und nie, niemals ließ sie sich irgend etwas gefallen. Von den großen Jungs aus der Nachbarschaft nicht. Von Vater nicht. Sogar den Pfarrer brachte sie mit ihren Fragen in Verlegenheit.
Ich erklärte meinem Mann, dass ich meine Schwester suchen müsse und er meinte nur, ich sollte mir Zeit lassen. Er hätte alles im Griff. Also zog ich ein nettes Kostüm an und machte mich auf den Weg. Ich kam bald zu einer Tür; sie stand mitten im Park und machte überhaupt keinen Sinn, aber ich wusste, dass ich richtig war. Höflich klopfte ich an, und als nach kurzem Warten immer noch kein Laut von innen kam (und es mir abwegig erschien, dass das daran liegen könnte, dass es bei einer einzeln stehenden Tür vielleicht kein "innen" gab), öffnete ich vorsichtig.

Ich war in der Unterwelt. Obwohl ich vorher nie dort war, und ich keine Ahnung davon hatte, so wusste ich doch sofort, als ich über die Schwelle ging, wo ich war. Hier sollte meine Schwester sein? Hatte mein Vater meine Schwester zum Teufel gejagt? "Nein, meine Liebe, hier regiere ich!" Eine tiefe, aber weibliche Stimme antwortete auf meine Gedanken. Zu dieser Stimme gehörte eine wild aussehende Dunkle Frau auf einem Thron aus allerlei Knochen. Sie musterte mich von oben bis unten, schnippte dann mit dem Finger, was zur Folge hatte, dass ich quer durch den Raum flog und hart auf dem Boden landete. "Warum tust du das?" fragte ich sie verblüfft. "Eben darum!" kam die Antwort. "Jetzt weiß ich warum du hier bist."
"Kennst du meine Schwester? Woher weißt du..?" Aber weiter kam ich nicht. "Er hier wird sich um dich kümmern!" Unterbrach sie mich und zeigte auf einen grimmig schauenden Mann, der auf mich zu kam. Nun ging alles ziemlich schnell. Ohne jede Warnung schlug er auf mich ein; ich wusste nicht, warum: niemand gab mir irgend eine Erklärung, nur das Lachen der Finsteren Frau im Hintergrund. Er schlug mich und zerrte mich an den Haaren zu einem Felsvorsprung. Mein Kostüm war schmutzig und zerrissen, Schuhe hatte ich inzwischen keine mehr an. Er riss mir die restliche Kleidung mit einem Ruck herunter und warf mich bäuchlings über den Felsen. Was nun kam, war schlimmer als alles, was ich mir vorstellen konnte. Mit seinem ganzen Gewicht drückte er meine Handgelenke auf den harten Stein und gab mir keine Möglichkeit des Auskommens. Brutal verging er sich an mir und ich fühlte mich dreckig, gedemütigt, verletzt. Geschändet.
Als er endlich von mir abgelassen hatte, glitt ich kraftlos von dem Felsvorsprung herunter und sank in einer Ecke zusammen. Ich wimmerte vor mich hin und ergoss mich in meinem Leid. Meine Schwester wollte ich suchen, meine Eltern hatte ich verloren. In der Welt da oben war ich eine Geschäftsfrau und hier, jetzt? Ich fühlte mich so hundeelend, so verlassen und einsam. Mein Körper war nur noch Schmerz und jede einzelne Träne trug all diesen Schmerz in sich.

Der Mann lachte mit der Dunklen Frau um die Wette. Es dröhnte in meinen Ohren, dieses höhnische Gelächter und ich fühlte mich noch schlechter, noch besudelter - mir wurde regelrecht übel.
"So willst du deiner Schwester unter die Augen treten? Du meinst nach all den Jahren will sie mit dir Jammerlappen noch etwas zu tun haben? Als hätte sie ausgerechnet auf dich gewartet, damit du ihr ein Klotz am Beim wirst? Ist es das was du von ihr willst? Willst du dich hinter ihr verstecken, jetzt wo dein Daddy nicht mehr da ist?" Diese Frau wollte mich offenbar noch mehr verletzen. Ich hatte ihr doch nichts getan. Warum sagte sie solche gemeinen Sachen zu mir? "Du wimmerndes Häuflein Elend! Deine Schwester hat dich längst vergessen. Du hast dich all die Jahre nicht um sie gekümmert, es war dir völlig egal, was aus ihr geworden ist. Weißt du was? Sie hat gesagt, solltest du je hier auftauchen, dann darf ich dich quälen so lange und so oft ich will!" stichelte das Miststück weiter.
"Das ist nicht wahr!" platzte es aus mir heraus. Ich rappelte mich hoch und stürzte auf sie zu. "Gratuliere, du kannst ja doch noch aufrecht gehen. Aber geh nicht auf mich los. Ich hab dir nichts getan. Oder willst du ihn davonkommen lassen?" Die Frau war die Ruhe selbst. Oder fiel mir das in dem Moment nur deshalb auf, weil ich plötzlich so wütend war? Was bildete sich dieser Typ überhaupt ein? Ich spürte dieses unglaubliche Wut auf einmal in mir hochkommen - sie brach aus mir heraus wie ein Vulkan ausbricht. Sicher war ich auch wütend auf mich selber, dass ich mir das überhaupt hatte gefallen lassen. Aber das war doch kein Grund für ihn, auf mich loszugehen: nur weil ich es mir gefallen ließ!

Noch ehe der Mann wusste wie ihm geschah, hatte ich ihn umgerannt. Nun ging ich auf ihn los, ich schlug auf ihn ein, dort wo es ihm besonders weh tat und ich war erstaunt, wie viel Kraft ich in meine Fäuste legen konnte. Er wollte sich wehren, doch ich sprang auf seinen Arm, der hörbar knackte. Der Mann schrie und wurde nun seinerseits wütend. Jetzt ging der Spaß erst richtig los und je angriffslustiger er wurde, desto wütender wurde ich. Er hatte keine Chance. Alle Wut, alles verletzt-sein, alles, was ich in den vergangenen Jahren geschluckt hatte, schleuderte ich ihm nun entgegen. Ich wusste bis zu dem Moment gar nicht, was sich da alles im mir aufgestaut hatte. Und ich werde niemals die Wut vergessen, die ich in diesem Moment gespürt hatte. Ich war eine Löwin. Ich brüllte wie eine, fühlte wie eine, kämpfte wie eine. Irgendwann blieb der Mann reglos liegen und die Dunkle Frau meinte nur trocken, dass ich gewonnen hätte.

Ich atmete heftig und war gleichermaßen schockiert und stolz. Was hatte ich getan? Und warum hatte ich das nicht schon eher getan? Ich war glücklich, dass ich mich endlich befreit hatte. Ja, genau so fühlte ich mich: befreit. Ich blickte der Frau tief in die Augen und sie lächelte und meinte, dass ich nun meine Schwester sehen könne. Sie deutete mit dem Kopf auf die Seite und ich drehte mich um und da stand sie: Meine Schwester!
Ich hätte sie unter tausenden wieder erkannt. Sie war regelrecht verwildert in der Zeit hier unten, war mit Wunden und Kratzern übersät, ihre Haare waren wirr und zerzaust und ihre Kleidung - sofern es jemals eine war - hing in Fetzen von ihr. Und doch war sie so wunderschön, so lebendig. Alleine ihre Augen verrieten mir eine Tiefe an ... Gefühltem, Erlebtem, Erkanntem. Einfach unbeschreiblich.
Wir rannten gleichzeitig aufeinander los, und genau in dem Moment, als ich sie nach so langer Zeit in die Arme schließen wollte - knallte ich gegen etwas Hartes.
Verwirrt blieb ich stehen, doch dann hatte ich begriffen. Ich fing lauthals an zu lachen und aller Schmerz war vorbei. Die Lektion war verdammt hart, ohja. Aber ich hatte endlich, endlich begriffen. Ich streckte meinem Spiegelbild die Zunge raus und fing wieder an zu lachen. Es ging mir so gut wie lange nicht mehr. Plötzlich war ich wieder lebendig, fühlte ich mich wieder ganz. Ich war so von mir getrennt, dass ich mich auf die Suche nach meiner "Schwester" machte. Weil ich gar nicht mehr wusste, dass ich auch anders sein konnte.

Die Frau der Finsternis war neben mich getreten und nahm mich gütig lächelnd in die Arme. "Ich hab dir so viele Zufälle und Möglichkeiten da oben geschickt, aber du hast es nicht einmal bemerkt. Es ging nicht anders. Du wolltest es auf die harte Tour lernen. Den Gefallen habe ich dir getan!" Ich wusste, sie hatte Recht.
"Und der hier?" fragte ich sie mit einem Blick auf den Mann. "Och, wegen dem mach dir keine Sorgen, schick mir einfach einen Ersatz runter. Es ist hier Sitte, sich Geschenke zu machen. Du hast deine "Schwester" bekommen, also schenke du mir am besten deinen Mann. Der ist da oben sowieso gerade damit beschäftigt, dir deine Firma zu klauen!"
Der Vorschlag klang logisch, wie es mich überhaupt daran erinnerte, dass ich da oben ja auch noch ein Leben hatte.

Im nächsten Moment fand ich mich wieder auf der Toilette meines Büros. Ich war normal gekleidet, hatte weder Verletzungen noch Schmerzen, noch irgend etwas, das auf meine Erlebnisse hindeutete. Dass die Zeit dort unten anders lief, hatte die Dunkle Frau mir noch erklärt - und doch war alles genau so geschehen. Ich schuldete ihr etwas und war bereit, meine Schulden zu zahlen.
Meinen Mann wird vermutlich dasselbe Schicksal ereilen wie demjenigen, der mir begegnet war. Und das ist gut so. Ich hatte ihn gefeuert und die halbe Chefetage dazu. Als mir mein Finanzberater empfahl, den Auftrag der Waffengesellschaft anzunehmen, habe ich ihn auch entlassen. Die Firma wird gerade völlig umstrukturiert und jede einzelne Mitarbeiterin hat eine Stimme zu sagen, was sie gerne arbeiten würde. Männer gibt es kaum noch, denn die können mit dem "Durcheinander, dass hier neuerdings herrscht" nichts anfangen. Doch wir Weiber fühlen uns sauwohl.

Zauberweib, 03/2004

Das ist die Adaption des Inanna-Mythos, wie ich ihn verstanden habe. Im Original ist Inanna auf der Suche nach ihrer Schwester Ereschkigal. Inanna muss etliches an Qualen erleiden und darf sie am Ende aus der Unterwelt mit nach oben nehmen, wenn sie dafür ihren Sohn-Gatten hinabschickt.
Also auch hier wieder die alte Geschichte des "Der König ist tot, es lebe der König!" Dabei wird immer wieder gern vergessen, dass es die Frau - die Souveränität des Landes - ist, die den Mann zum König macht. Daher hab ich mich entschlossen, in meiner "Übersetzung" nicht zimperlich zu sein.
Wie ich überhaupt finde, dass der Mythos (immer noch) gut auf die Frau an sich passt. Noch immer werden wir zu Gehorsam erzogen, wird uns jede Wildheit ausgetrieben und erst dadurch werden wir schwach, schutz- und hilflos. Ausgeliefert! Und doch können wir es jederzeit ändern, wenn wir es nur wollen. Wir müssen uns nur auf die Suche nach unseren Schatten machen, nach all den Eigenschaften, die wir verdrängt und abgespalten haben.

Klar hat die Frau in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. In der Männerwelt. Das ist das Problem. Wir sind in die Männerwelt eingedrungen, doch noch immer nicht haben wir begonnen, uns wieder eine Frauenwelt aufzubauen. Was ist nur los mit uns? Aufwachen, Schwestern, es gibt jede Menge zu tun!
Geht in den Keller, auf den Dachboden - wo auch immer ihr eure Schatten versteckt habt, und holt sie hervor. Schaut sie euch an und scheut nicht den Schmerz, denn genau das bringt euch die Stärke, die Eigen-Macht zurück. Schmiedet eure Waffen und seit zur Stelle:

Wann immer eine Frau misshandelt wird
Wann immer eine Frau gedemütigt wird
Wann immer eine Frau Angst hat
Wann immer eine Frau ihr Licht unter den Scheffel stellt

soll eine Schwester nicht alleine sein. Die Solidarität ist unsere stärkste Waffe. Deshalb schau nicht weg, sondern misch dich ein. Schrei so laut du kannst. Eine Schwester greift man nicht ungestraft an!

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Spirikram
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Handarbeit - Kunst - Magie

Handarbeiten hat mir schon immer großen Spaß gemacht. Ich habe meine Mutter genötigt, mir Stricken und Häkeln beizubringen, lange bevor wir dies in der Schule lernen sollten. Als Teenie habe ich mir Röcke, Kleider, Jacken, Overalls genäht - anfangs noch mit Hilfe und unter Anleitung meiner Mutter, bald dann selbstständig. Ich hab schon oft und viel beim Handarbeiten geflucht und geheult und das jeweilige Arbeitsstück ins nächste Eck gefeuert. Aber früher oder später hab ich alles zu Ende gebracht - oder wenigstens wieder aufgetrennt :)

Neben meiner Mutter hat mir in der Schule meine Lehrerin Frau H. das Handarbeiten weiter vermittelt. Ich hab neue Techniken gelernt und immer mehr Spaß daran bekommen. Das konnte mir nicht mal meine spätere Lehrerin V. auf der weiterführenden Schule vermiesen - auch wenn sie nah dran war! Für die V. war "Textiles Gestalten" Unterricht wie jeder andere auch. Wurde geschwätzt, hagelte es Strafseiten. Anders bei Fr. H. Sie vertrat die Meinung, dass Handarbeiten schon was anderes ist als "normaler" Unterricht. Und solange sich die Unterhaltungen im Rahmen hielten und nebenbei tatsächlich gearbeitet wurde, fand sie es völlig ok und richtig. Fr. H. hätte ich gern weiter als Lehrerin behalten.

Heute fällt mir auf, dass das ja damals schon Frauen- bzw. Mädchenkreise waren. Fr. H. hat viel dazu beigetragen, auch diesen "Kreis" zu vermitteln. So hat sie z.B. bei der Auswahl von Farbe, Muster und Schnitt beim Pullistricken geholfen. Jeder einzelnen stand sie mit Rat und Tat zur Seite. Die V. hingegen ging auf unsere Fragen nicht mal sachlich richtig ein - und sozial schon gar nicht...

So betrachtet haben sich die alten Handarbeits-Stuben (auch "Rocken-Stuben") in die Neuzeit gerettet. Ich wünsche mir, dass es noch viele Lehrerinnen wie Fr. H. gibt (und weniger welche der Sorte V.). Denn auch durch sie wird diese Art der "Tradition" weitergegeben, lebendig erhalten.

Und ist das Internet nicht auch nur eine weitere Variation der alten Stuben? Sind wir nicht alle irgendwie durch Blogrolls, Feeds und Mailinglisten in virtuellen Stuben verbunden? Ich meine: immerhin liest du das hier... ;) Ich finde schon, dass sich das vergleichen lässt, eine Adaption darstellt.

Nach der Schule ist der ganze Handarbeits-Kram dann über immer längere Abschnitte in immer tiefere Tiefen versunken. Mal Socken stricken, wenn mir zwischendurch gar zu langweilig war (was höchst selten vorkam), oder hier und da mal bisschen was rumgebastelt. Aber all die schönen Dinge, die Spaß machen, spart eine ja als erstes ein, wenn ihr der Alltag über den Kopf wächst. Umso wichtiger wurde es irgendwann auch, die alten Künste neu aufleben zu lassen - mit Erfolg. Die Freude an der Sache war sofort wieder da und meine Kreativität wuchs mit jedem Stück. Inzwischen habe ich auch ganz neue Techniken dazugelernt, allem voran Patchwork, Spinnen und Brettchen-Weben. Das Spinnrad hat mir mein Liebster einfach so von sich aus geschenkt, via Internet-Auktion sogar äußerst preisgünstig. Als Zimmerers-Tochter sollte ich vermutlich nicht erwähnen, dass ich es mittels Heißkleber repariert habe. Aber der war eben vorhanden und es hält bis heute!

Das Hand-Arbeiten (in diesem Zusammenhang also auch Basteln) hat sich auch in meinem magischen Bereich schnell etabliert: Runensteine herstellen samt passendem Beutelchen. Rasseln aus den unterschiedlichsten Materialen basteln. Den Rahmen meiner Trommel mit dem Brennstab verzieren. Eine Nana-Göttin töpfern. Altardecken patchen und sticken - um nur das zu nennen, was mir ganz spontan einfällt.

Magie ist etwas sehr Persönliches, Intimes. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass ich meine "magischen Gerätschaften" (im weitesten Sinne) am liebsten selber mache. Weil da beim Herstellen selber schon viel an meiner eigenen Magie einfließt und das Ergebnis auch eindeutig meine Handschrift trägt. Im Zuge dessen ist die Web-Präsenz magisches Basteln entstanden.

Auch wenn mein erster Trommelschlegel - aus altrosa Wolle gehäkelt - schon etwas bieder und altbacken aussah, hab ich Handarbeiten nie so empfunden. Im Gegenteil: durch die Verknüpfung zur Spiritualität, zur Magie wurde sie mir nur noch umso wertvoller.

Am kraftvollsten werden die Dinge, die ich wirklich mit Hingabe erarbeite. Wo ich nach Beenden eines Prozesses nicht sagen kann, ob ich nun zehn Minuten oder drei Stunden dran gesessen habe. Wo ich während des Arbeitens einfach "drin" bin.
Auch trägt es sehr zum Gelingen eines Projektes bei, wenn ich mich im Fluss treiben lasse. Meine Nähmaschine hilft mir dabei sehr. Z.B. wenn mir mein Kopf sagt, dass ich ja jetzt "noch schnell" diesen und jenen Arbeitsgang erledigen könnte, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Lust mehr habe. Dann reißt nicht _mein_ Geduldsfaden, sondern der Ober- oder Unterfaden der Maschine. Oder er ist zu Ende.
Inzwischen weiß ich die Zeichen zu deuten und höre in solchen Fällen auch wirklich auf. Es soll ja Spaß machen beim Tun, und nicht einfach nur so schnell wie möglich irgendwie fertig werden.

Auch wenn der kreative Fluss im Stocken ist, versuche ich nicht (mehr) mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Dann bleibt das Projekt eben eine Zeit lang liegen - bis irgendwann der Moment kommt, wo es *pling* macht, und ich genau _die_ Idee habe, das letzte besondere Etwas, das noch gefehlt hatte. Und _dass_ dieser Moment kommt, darauf kann ich mich verlassen. So geschieht es immer wieder, dass am Ende etwas anderes heraus kommt, als ich eigentlich geplant hatte. Schon noch in etwa das, was ich wollte - aber in der Ausführung halt oft ganz anders.

Ich glaube, in dem Moment, wo bei der Anfertigung die Magie mit rein fließt, kommt am Ende auch wirklich Kunst dabei raus. Dies zu beurteilen ist allerdings müßig, da Kunst nun mal im Auge der Betrachterin liegt. Ein Paar handgestrickter Socken - Kunst? Hm, kommt auf das verarbeitete Muster an. - Magie? Wenn meine Mam die gestrickt hat, auf jeden Fall. Weil die strickt die Wärme direkt mit rein! :)

Picasso ist ein bis heute anerkannter Künstler - ich persönlich empfinde seine Bilder nicht gerade als Kunstwerke. Seine Kunst lag mE eher darin, sich selbst bestmöglichst zu vermarkten. Und das ist ihm ja wirklich gut gelungen.

Vor einigen Jahren habe ich in Nürnberg eine lebende Statue gesehen. Eine Frau als Baum verkleidet und dekoriert. Sie stand still - es hat echt gedauert, bis zu merken war, dass diese Statue lebt. Spätestens dann, wenn sie allzu neugierige Passanten durch eine plötzliche Bewegung erschreckt hat. _Das_ nenn ich Kunst!

Einen Knopf annähen, eine aufgerissene Naht wieder schließen - sehe ich als profanes Reparieren. Wenn jedoch der Knopf an der Jacke des Kindes bei einer Prügelei abgerissen wurde, kann das durchaus der Anlass für magisch-künstlerische Betätigung sein. Indem ein besonderer, extra angefertigter Knopf mit der Intention angenäht wird, dass dieser Knopf das Kind fortan vor Schlägereien schützen soll.

Das Beispiel zeigt gut, wie magischer Alltag sein kann, wie einfach aus dem nötigen Tun das not-wendige Wirken wird. Es ist doch eigentlich überall wie bei den Plätzchen: die selbstgebackenen sind nun mal die besten! Wichtig dabei ist mE das Tun an sich. Ob eine "mal schnell noch" etwas macht, oder sich in Ruhe Zeit nimmt, um etwas anzufertigen, herzustellen. Dann entsteht der magische Zeit-Raum, vom Rest der Welt abgetrennt, in dem plötzlich alles möglich wird.

Für mich ist es wichtig, Rohstoffe zu verwenden, die vorhanden sind. Zum Patchworken also am liebsten ausgediente Bettwäsche oder gesammelte Stoffreste aus dem näheren Umfeld. Passendes Garn zu finden war für mich noch nie ein Problem: Meine Oma hatte mir vor vielen Jahren ihren Nähkorb vermacht, dessen Inhalt sich erst jetzt langsam zum Ende neigt. Und zu bunt passen alle Farben - bis auf schwarz und weiß vielleicht...

Womit ich auch gerne arbeite, ist Pappmache. Dank der wöchentlichen Anzeige-Blättchen wird mir der Rohstoff dafür regelmäßig kostenlos frei Haus geliefert. Tapentenkleister ist nicht wirklich teuer, lässt sich auch in kleinen Mengen anrühren und ich verwende ihn für nahezu alle (Papier-)Klebearbeiten.

Die Kalenderblätter vom Vorjahr lassen sich rückseitig bemalen und/oder zu Papierperlen weiterverarbeiten. Zum Bemalen nehme ich vorzugsweise Abtönfarbe ausm Baumarkt. Vergleichsweise preisgünstig, deckend, vielseitig einsetzbar (notfalls sogar für die Wand *g*).

Alte Tshirts werden nicht weggeworfen, sondern in feine Fäden geschnitten und zu Badvorlegern o.ä. verstrickt und verhäkelt. Es wandert auch nicht jeder Rock, nicht jede Hose, die "noch gut" ist, in die Kleidersammlung. Wenn der Stoff gefällt, kommts in meine Stoffsammlung, Knöpfe und Reißverschlüsse - so noch vorhanden/funktionstüchtig - als Nebenprodukt in meinen Fundus.

Überhaupt mein Fundus. Grundsätzlich kann ich ja alles noch irgendwie brauchen. Und so kommt es, dass ich - egal nach was ich suche - in den allermeisten Fällen direkt fündig werde. Oder ich finde etwas anderes, das sich entsprechend abwandeln lässt. Nur selten muss ich etwas kaufen; wenn, dann ist es hauptsächlich Werkzeug im weiteren Sinne. Wie neulich erst die Filznadeln. Und da sich wegen so einem kleinen Betrag eine Bestellung ja kaum lohnt, kommt dann halt noch das eine oder andere Wollknäul dazu, Bügelvlies hatte ich auch keins mehr - so ergibt es sich also ganz von selbst, dass sich meine Vorräte praktisch nie aufbrauchen.

Natürlich ist da auch die Gefahr gegeben, mich zuzumüllen. Aber da ich ein sehr kleines Bastelzimmer habe, muss ich von Zeit zu Zeit aufräumen. Und ich hab es inzwischen gelernt, loszulassen. Wenn ich seit einem Jahr reihenweise Salatbecherchen sammle, weil die doch so hübsch handlich sind, ich die seither aber noch nicht wirklich gebraucht habe, kann ich die heute loslassen. Zumal wir ja immer mal wieder Salat essen. Der Nachschub für den Fall des Falles also gesichert ist.

Aus Altem etwas Neues, etwas völlig Anderes erschaffen, ist Handarbeit, ist Kunst und durchaus auch Magie.

Aus dem, was vorhanden ist, das Beste zu machen, ist Kunst, ist Magie und meistens Hand-Arbeit. Denn erst wenn die drei - Kunst, Magie, Hand-Arbeit, zusammen treffen, kommt auch wirklich das Beste bei raus. Dass der Prozess des Rumwerkelns dann auch noch Seelenbalsam ist, ist ja fast schon nur noch Nebenwirkung...

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Gewerkel, Spirikram
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Integriertes Verfallsdatum?

Als etwa 10-Jährige (ca. 1981-83 in der Gegend, genau weiß ich es nicht mehr), wollte ich unbedingt einen eigenen Wecker haben. Schließlich war ich ja "schon groß genug", um nicht mehr von der Mutter geweckt werden zu müssen. Und selbstverständlich musste es ein Radiowecker sein. Etwas anderes kam damals gar nicht infrage. Nach einigem Hin und Her durfte ich mir von meinem gesparten Taschengeld für 50,- DM einen kaufen. Und der weckt mich zuverlässig seit nunmehr 25 Jahren. Zugegeben, in den Rillen hat sich etwas Dreck angesammelt und man sieht ihm sein Alter schon an. Auch "brummt" er ziemlich laut (bin sehr geräuschempfindlich!) - allerdings konnte ich inzwischen feststellen, dass das Brummen bei Geräten neuerer Generationen keineswegs leiser ist. Deshalb bin ich beim Bewährten geblieben. 25 Jahre - was für eine lange Zeit! Keine Reparatur, nichts, das Ding läuft wie am ersten Tag. Dieses Wunderwerk stammt von der Firma Universum, womit die Bezugsquelle auch verraten wäre. Ob wir unser 50-Jähriges noch schaffen werden, weiß ich nicht, allerdings ausschließen will ich das nicht :)

Meine Waschmaschine hat 15 Jahre auf dem Buckel, etliche Umzüge hinter sich und tut ihre Dienste. Ab und zu rumpelt sie mal ein bisschen, so dass schon manchmal der Gedanke aufkommt, dass wir ein 25-Jähriges wohl nicht ganz erreichen werden. Aber wirklicher Grund zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema "neue Waschmaschine" besteht absolut nicht.

Der besteht schon eher bei dem Thema "neue Heizung": die jetzige wurde vor über 20 Jahren eingebaut, wird gewartet und gepflegt - und wir haben sie als möglichen Ausgabeposten innerhalb der nächsten fünf Jahre mal grob eingeplant. Is ja nicht ganz billig sowas. Will mensch ja darauf vorbereitet sein.

Ähnlich sieht es bei unserem Auto aus. Das ist auch so an die 15 Jahre alt, heuer nochmal gut durch den TÜV gekommen und der Mechaniker unseres Vertrauens hat durchblicken lassen, dass für den nächsten Termin durchaus auch Chancen bestehen. Ist doch großartig!

Ach, den Fernseher nicht zu vergessen, den mir meine Oma vererbte, der sowohl bei ihr als auch später bei mir bzw. uns ausdauernd lief und das ebenfalls annähernd 15 Jahre lang. Er ruhe in Frieden...

Und unsere Stereoanlagen. Meine: eine raumfüllende "Kompaktanlage" - beim letzten Umzug ist die Antenne abgerissen. Wäre zu ersetzen, bestand aber bisher noch nicht die Notwendigkeit für :) Davon abgesehen, sieht sie für eine 20-Jährige noch taufrisch aus. Nur der CD-Player, den ich mir kurz danach extra dazugekauft hatte (Ende der 1980er waren das noch Riesengeräte - etwa so groß wie Videorekorder vor zehn Jahren), ist beim letzten Umzug gestorben. Der ist mir aber wirklich _jedesmal_ runtergefallen. Der letzte Sturz war zusammen mit der Feinstaubattacke dann wohl doch zu viel.
Seine Stereoanlage ist fast genauso alt, nur aus echten Einzelbausteinen, alles von K., nur der Plattenspieler natürlich ein D. Und selbstverständlich funktioniert die noch! Ok, die meterhohen Boxen werden wir vermutlich irgendwann mal ersetzen, aber das dürfen dann gern kleinere sein. Sagt er!

Vor fünf Jahren, kurz nachdem die Schnurgels zu uns kamen, haben wir uns eine Digitalkamera zugelegt. An den Preis kann ich mich nicht mehr genau erinnern - es war so der Großraum um 150,- Euro. Für unsere Zwecke völlig ausreichend, aber halt auch kein "Billigglump", immerhin muss eine sich das mal vor Augen halten: eine Kamera für 300 Mark! Die sollte doch ein paar Jahre halten - sollte mensch annehmen dürfen. Dass mittlerweile einige Läden die passenden Speicherkarten nicht mehr führen, ok, das passiert, damit rechnet mensch heutzutage und irgendwo im Internet wird eine dann ja glücklicherweise doch immer fündig. Und auch, dass so eine Speicherkarte mal kaputt geht, ist normal. Damit ist zu rechnen, da macht sich keine was vor.

Aber dass die Kamera nach nur fünf Jahren ihren Geist aufgibt? Das will ich nicht glauben, auch wenn das der Zustand der Kamera plötzlich war: nichts ging mehr! (Nein, an den Batterien lag es nicht!) Die folgenden Tage waren ziemlich hin- und hergerissen für mich: Im Internet stieß ich nur auf "Lösungswege" die offenbar jeweils immer nur ein Mal funktioniert haben - und bei mir nicht. Im Fachgeschäft reparieren lassen? Wird nicht wirklich lohnen. Eine "günstige" Kamera (also um die 100,- Euro), die sowohl meine Karte nimmt, als auch mit normalen AkkuBatterien läuft - schaut schlecht aus. Also, wenn ich eh alles neu investieren muss, vielleicht gleich ne Stufe höher gehen? Aber kann ich echt davon ausgehen, dass eine 300-Euro-Kamera dann wirklich auch wenigstens zehn Jahre hält? Ich hab stundenlang Kameras angeguggt, Testberichte gelesen, verglichen - mir schwirrte der Kopf! Jede Firma hat mehrere Modelle zur Auswahl und bis zu jährlich kommen "Neuauflagen" raus - die sind nicht drauf ausgelegt, dauerhaft zu funktionieren!

Da ist auch noch mein Laptop, das, auf dem ich gerade schreibe. Einer der beiden USB-Anschlüsse geht nur noch mit gutem Zureden. Der andere zickt auch desöfteren herum. Und nach einer halben Stunde Betriebsdauer geht alles nur noch im Schneckentempo. Das liegt zum Teil sicher an dem sinnigerweise an der _Unterseite_ angebrachten Lüfter, war aber, als es noch neu(er) war, nicht so (das mit dem Schneckentempo. Der Lüfter war von Anfang an unten). Einige Tasten haken immer mal (auch noch, nachdem ich sie gesäubert habe) und einige Buchstaben sind auf der Tastatur abgerieben. Zum Glück weiß ich, welcher Buchstabe zwischen g und j liegt. Und welche zwischen b und Komma. Aber wirklich Spaß macht mir das Arbeiten mit dem Ding auf Dauer nicht mehr. Es ist einfach altersschwach, da hilft kein Schönreden: genau das ist es. Es leidet an Altersschwäche. Ein Markengerät, dass knapp tausend Euro gekostet hat. Vor vier Jahren. V I E R ! ! ! !

Man mag das Gegenargument bringen: hättest dir halt gleich was "Gescheites" gekauft. Ok. Im Falle des Laptops mit entsprechender Ausstattung und "damaliger" Verhältnisse ("damals" - das sind vier Jahre!) also um die zweitausend Euro. Das Doppelte. Vielleicht würde das ja acht oder sogar zehn Jahre halten? Würde es das? Wirklich? Ich wage das zu bezweifeln. Wobei bei der großen Summe ein MHD (Mindest-Haltbarkeits-Datum) von acht Jahren an sich ja schon lächerlich ist. Siehe Radiowecker!

Das nächste Gegenargument kommt der Sache vielleicht schon etwas näher: selbst wenn das Laptop zehn Jahre hält - schon nach vieren ist es veraltet. Das liegt zum Einen an der tatsächlich rasanten Entwicklung der Technik - aber vor allem an dem obersten Gebot, das uns tagtäglich von überall her entgegenschallt: "Du sollst konsumieren!" Konsumieren ist gut, weil schließlich hast du es dir verdient, gönn dir was Schönes, leiste dir doch mal was, tu dir was Gutes! Außerdem hält es die Wirtschaft in Schwung - nie war das so wertvoll wie heute - es erhält Arbeitsplätze und macht die Menschen glücklich. - Soweit aus dem Lehrbuch des Konsumterrors.

Leider geht die Rechnung nicht ganz auf, denn _mich_ macht diese Einstellung nicht glücklich. Ganz und gar nicht. Wenn ich mehrere hundert Euro für ein Gerät ausgebe(n muss), dann _erwarte_ ich, dass es mehrere (!) Jahre hält. Haltet mich für konservativ, engstirnig, altmodisch, an-der-Realität-vorbei - bitteschön, dann bin ich das eben. Ernsthaft, dass ein Rechner keine 20 Jahre laufen wird, ist mir auch klar. Soweit reicht mein Realitätssinn dann schon noch. Aber zwischen 20 und vier Jahren ist noch eine große Spanne. Und fünf Jahre für eine 300-Mark-Kamera sind einfach indiskutabel.

Mal sehen, wie lange die SchnappSchuss-Kamera hält, die der Fachhändler am Ort tatsächlich aus dem Ärmel gezaubert hat: sie erfüllt alle meine Minimalanforderungen und ich muss mir keine Sorgen machen, ob eine teure Kamera nach fünf Jahren auch den Geist aufgibt! Dass diese Lösung am Ende doch noch möglich war - super! :)

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes
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Wollknäul-Theorie

Wir nehmen Zeit im allgemeinen linear wahr - oder nein genau anders: wir nehmen es an. Die Wahr-nehmung des Jahreskreises zeigt uns ja eigentlich ganz genau, dass sie zyklisch verläuft. Im Kreis, in einer Spirale, wie die DNS.

Ein Schwarzes Loch ist ein Wurmloch, das eine Abkürzung, eine Verbindung, von zwei verschiedenen "Ebenen" des Universums darstellt. Man geht also von einem irgendwie gekrümmten Universum aus. Wenn wir also glauben, z.B. durch ein Teleskop einige Lichtjahre in die Zukunft oder besser Vergangenheit zu sehen (denn das, was wir sehen, ist in dem Augenblick, wo wir es sehen, schon längst wieder Vergangenheit in seiner Zeit), schauen wir nicht linear, sondern gekrümmt. Weil wir ja innerhalb unserer Zeit leben und nur diesen vergleichbar winzigen Abschnitt wahr-nehmen können und der uns als Gerade erscheint.

Zwischen den Windungen der Zeitspirale können Schwarze Löcher Verbindungen herstellen - eine Abkürzung durch die Zeit. Völlig logisch. Wenn ich jetzt also durch so eins in die Vergangenheit reise, um meinen Großvater zu töten - also mal angenommen, das funktioniert. Dann habe ich in dem Moment, wo ich in dieser Vergangenheit angekommen, in sie eingetreten bin, bereits eine Veränderung hervorgerufen. Allein die Tatsache, dass ich dort angekommen bin, bedeutet, dass ich meine mir bekannte Zeit verlassen habe, für mich bestenfalls Vergangenheit ist. Denn die Tatsache, dass ich jetzt hier in der Vergangenheit bin, bedeutet, dass ich nicht in der Zukunft sein kann. Ich werde also meine Herkunft vergessen haben, in dem Moment, wo ich dort (in der Vergangenheit) angekommen bin. Retrograde Amnesie. Oder auch: Geburt :)

Für die Menschen, die mich in meiner Zeit kannten, bin ich halt einfach "verschwunden", bei einem Unglück mit der Zeitmaschine explodiert - was auch immer. Für sie bin ich Vergangenheit. Meine Zukunft liegt jetzt in der Vergangenheit. Also kein Paradoxon.

Erinnerungen, Lieder können Wurmlöcher sein. Wenn ich "Final Countdown" höre, bin ich auf der Schulparty. "Jump" - aufm Weg zur Schwabacher Kirchweih, an meinem Geburtstag. "nelly the elephant" - Skilager in Österreich. So geht es ewig weiter. Bilder, Gefühle, Farben, Gerüche, Orte - alles ist auf einmal völlig real, fast zum Greifen. Nur fast - vielleicht also nur der Blick durchs Fenster, und doch bin ich mittendrin. Ein kleiner Wahrnehmungspunkt, nur eine Dimension einnehmend, der mithilfe der Musik Erinnerungen wachruft und es mir so ermöglicht, zumindest eindimensional dorthin zurück zu reisen. Nur für einen Moment im Jetzt - aber durchaus Stunden, Tage, Wochen dort.

Schamanismus, Reisen in die Anderswelt - ist das nicht genau dasselbe? Dort wird halt nicht von Zeit zu Zeit gesurft, sondern von Ebene zu Ebene geswitcht. Ich denke an den Weltenbaum Yggdrasil. Doch eigentlich nichts anderes als ein Kanalsystem, das die verschiedenen Welten untereinander verbindet. Midgard in der Mitte, von dort aus können sechs Welten unmittelbar, zwei weitere (Hel und Asgard) mittelbar über Wanaheim und Niflheim erreicht werden. Dieses Gefüge ist also mehr wie eine Traube aufgebaut - zumindest, wenn man diesen kleinen Ausschnitt sieht.

Die Zeit als der rote Faden, eine Linie, die bei genauer Betrachtung eine Spirale ist. So wie ein Wollfaden in sich verdreht ist, um stabil zu bleiben. Wenn man aber noch genauer hinsieht, besteht so ein Wollfaden aus unendlich vielen winzigen Fusselchen, die, würde man sie vorsichtig aufdrehen, ein gigantisches Netzwerk zeigen würden. Das allerdings nicht aufgedreht werden kann, da es über alle Ebenen und Dimensionen ineinander verwoben ist. Und wie im Kleinen, ist es auch im Großen: der rote Faden der Zeit ist nicht nur einfach eine Spirale, die da irgendwo rumhängt - sie ist ein gigantisches Wollknäul, das sich aus sich heraus selber spinnt. Orobor, die Weltenschlange, fällt mir ein, die sich selber frißt. Praktisch dasselbe.

Meine Zeit, meine Ebene, das ist immer (nur) das, was ich wahr-nehme. Also z.B. nur rosafarbene Fusselchen. Ich (er)kenne nur die rosanen, alles andere ist für mich nicht-existent. Also schwarz. Null. Nicht mal Null. Ich kann gar nicht erkennen, ob das Schwarz nur ein andersfarbiges Fusselchen ist, oder wirklich "nichts" - also ein Zwischenraum zwischen Fusselchen - ich sehe nur rosane. Und dort, wo die weniger werden, erkenne ich meine Grenzen. Also: die Grenzen der mir bekannten Welt.

8x8 ist 64. Alle Möglichkeiten sind immer da. Die, die ich nicht nutze, sind dennoch existent. Nur ich werde sie halt nicht erfahren. Aber ich kann versuchen, sie sichtbar zu machen - z.B. mithilfe von Schwarzen Löchern, Schamanismus einen Blick in andere Welten, andere Möglichkeiten werfen und aus den neuen Erkenntnissen vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Und so meine Zukunft beeinflussen.

Es hängt alles zusammen, gehört alles zusammen. Das Bild mit dem Wollknäul gefällt mir sehr gut. Wenn um mich herum das Chaos aus Fusselchen, Verdrehungen, Spiralen, Vernetzungen und Verwicklungen ist, kann der Ruhepunkt des ganzen Chaos nur in mir selber sein. Wenn ich mich ganz fest in mir verankere, ganz bei mir bin, in mir bin, völlig ruhig bin, dann bin ich in der Lage, all das Chaos als - Farbe in Bewegung - weißes Licht zu sehen. Obwohl aus der Sicht des Chaos ich ein kleiner weißer Punkt bin - höchste Konzentration! Als dieser kleine Punkt kann ich an jeden beliebigen Zeit-Raum in jeder beliebigen Dimensions-Schwingung gelangen. Solange ich mit meinem Roten Faden fest in mir verankert bleibe.

Diese Wollknäul-Theorie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Es ist vieles erst nur angedacht, und doch fühlt es sich so schon ziemlich stimmig für mich an.

Zauberweib am Sonntag, 20 Januar, 2008 * Kategorien: Angedachtes, Spirikram
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